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484 Illuſtrirte Chronik der Zeit.
werden wahrſcheinlich heute noch eine Nachricht erhalten, welche die ganze Stadt in Aufregung bringt.“
Ohne dem erſtaunten Richter weiter Rede zu ſtehen, verließen die beiden Herren das Bureau.
„Was ſagen Sie nun?“ fragte der Kommiſſär, als ſie draußen waren.
„Daß Sie eine feine Naſe haben, aber Sie könnten dennoch ſich irren.“
„Inwiefern?
„Nun, iſt es denn ſchon bewieſen, daß Ackermann und Woldemar Kramer eine und dieſelbe Perſon ſind?“
„Zweifeln Sie noch daran?“
„So lange, bis ich Gewißheit habe,“ erwiederte der Polizeirath; „dieſer Sekretär kann den Brief geſchrieben haben, um uns an der Naſe herum zu führen und Geld zu rpreſſen, ich ſehe doren freilich noch nicht ganz klar—“
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„Nun, ich denke, wir werden heute noch Klarheit erhalten,“ ſagte Wittich ironiſch.„Jedenfalls wird der Sekretär verhaftet und zwar im Hauſe und im Beiſein ſeines Herrn.“
„Sie glauben alſo wirklich, daß er der entſprungene Zucht⸗ hausſträfling iſt?“
„Dafür habe ich genügende Beweiſe. Erſtens weiß ich, daß der Buckel falſch iſt, einer meiner Beamten hat ihn mit einer langen Nadel unterſucht, die Nadel iſt durch und durch gegangen, ohne daß der Sekretär nur einen Laut von ſich gegeben hat.“
„Das iſt allerdings auffallend.“
„Sodann habe ich einen Brief ſeines Bruders aufgefangen, in welchem er gewarnt wird. Ich bin bei dieſem Bruder geweſen, um mich nach dem Flüchtling zu erkundigen, das wird in dem Briefe ihm berichtet, damit er ſeine Maßregeln danach treffen ſoll.“
„Nun, dann haben Sie ihn!“ ſagte Stern.„Aber Sie werden
Ein geſtörtes Rendez⸗vous. Originalzeichnung von Moritz Müller.(S. 499.)
auch zugeben, daß man einen ſolchen Manne Alles zutrauen darf—
„Hören Sie weiter, das Beſte wiſſen Sie noch nicht! Acker⸗ mann hat erfahren, daß der Brillantſchmuck ſeiner Frau in dem Schaufenſter des Juweliers liegt, er iſt darüber in die höchſte Wuth gerathen, und geſtern Abend noch hat die Kammerjungfer dem Juwelier den Befehl bringen müſſen, das Diadem aus dem Fenſter zu entfernen. Finden Sie auch darin nichts, was auf ein ſchuld⸗ beladenes Gewiſſen deutet?“
„Doch!“ erwiederte der Polizeirath haſtig.„Das iſt feeilich verdächtig.“
„Und mögen die Dinge nun auch liegen, wie ſie wollen, jeden⸗ falls muß Ackermann angeben, von wem er die Brillanten erhalten hat. Und dieſe Mittheilung ſoll er uns noch in dieſer Stunde machen!“
„Wollen wir nicht warten, bis der Juwelier uns die übrigen
Theile des Schmucks vorgelegt hat?“ „ Darauf werden wir nun verzichten müſſen,“ ſagte Wittich achſelzuckend.„Ackermann wird nicht ruhen, bis die Brillanten
wieder in ſeinen Händen ſind, und einen beſonderen Werth lege ich 9
auch nicht darauf, nachdem bewieſen iſt, daß das Diadem mehrere
der geſtohlenen Brillanten enthält.“
„Und wenn nun Ackermann uns den Namen eines Juweliers angibt, von dem er die Steine gekauft haben will?“
„Dann fragen wir telegraphiſch an, ob dieſe Behauptung auf Wahrheit beruht. Uebrigens denke ich, daß unſere Fragen ihn verwirren werden, ich rede darüber gleich noch mit Ihnen. Laffen Sie mir jetzt eine halbe Stunde Zeit, damit ich meine Vorkehrungen treffen kann; gehen Sie ſo lange in die bekannte Reſtauration, ich hole Sie dort ab, ſobald Alles geordnet iſt.“
Damit bog der Kommiſſär um die Straßenecke, und der Polizei⸗


