4
was Sie andeuten wollen, ich habe ſchon davon erfahren— Sie meinen Tannberg's unglückliche Schwäche für geiſtige Getränke; doch ich habe ihm nicht eher mein Jawort gegeben, bis er mir feier⸗ lich gelobt hat, nie wieder einen Tropfen Wein zu trinken, und er
trauriges Lächeln. Er kannte beſſer, was von f halten iſt; aber Ottilie ſprach mit einer jolchen Wärme, ihr Antlitz ſtrahlte ſo viel Glück, ſie ſchien ſich ſo ſicher zu fühlen, daß ſie hin⸗ ſichtlich dieſer Schwäche ihres Verlobten für immer ruhig ſein fonnte; durfte er daher ihren ſchönen Glauben zerſtören?!— Und dennoch,
er war ihr die volle Wahrheit ſchuldig. Wußte ſie auch von ſeiner anderen Leidenſchaft, dem Spiel?— Schwerlich.— Ach, und hier
drohten der Aermſten vielleicht noch ſchlimmere Gefahren. Er holte tief Athem, dann begann er langſam und unſicher:„Ich habe Max mehrmals am Spieltiſch geſehen und ich fürchle—“
„Ich weiß, wie ſchwer es Ihnen fällt, das Alles von Ihrem Freunde zu ſagen,“ unterbrach ſie ihn freundlich,„und daß Sie es dennoch thun, iſt mir ein Beweis Ihrer aufrichtigen und guten Geſinnungen, für die ich Ihnen ewig dankbar bleibe; aber Max hat mir mit ſeiner bewundernswürdigen Offenheit ſeine Fehler und Leidenſchaften ſelbſt bekannt, und das iſt mir die ſchönſte Bürg⸗ ſchaft für ſeinen im Grunde goldechten Charakter. Er hat mir ge⸗ ſagt,“ fuhr ſie mit triumphirendem Lächeln fort und ihre Augen begannen zu leuchten,„daß ich allein im Stande bin, ihn auf den rechten Weg zu bringen, daß er ohne meine Liebe auf immer ver⸗ loren iſt, und ſelbſt wenn ich Max nicht ſo unendlich liebte, wäre ich ſchon glücklich, einen ſo prächtigen, kindlich guten Menſchen vor dem Sturz in den Abgrund bewahrt zu haben...“
Erſt jetzt erhob ſich Hartung.„Sie verzeihen mir alſo— Sie verkennen mich nicht?“ begann er mit gepreßter Stimme und ſeine Blicke ruhten fragend auf dem geliebten Mädchen.
Ottilie ſuchte noch einmal ſeine Bedenken mit der Verſicherung zu zerſtreuen, daß ihr gerade ſeine Warnungen als echte Beweiſe ſeiner freundſchaftlichen Geſinnung gegolten hätten, und er ſchien dadurch ein wenig beruhigt.„Mögen Sie glücklich ſein, ich wünſche es aufrichtig!— Leben Sie wohl!“ ſagte er mit tiefer Bewegung, dann aber war es mit ſeiner Kraft zu Ende; haſtig ergriff er ſeinen Hut und ohne ſich noch einmal umzudrehen, ohne das heiß geliebte Mädchen noch einmal anzublicken, verließ er geſenkten Hauptes das Zimmer und ſtürmte in einer Aufregung auf die Straße, die zu ſeinem ſonſt ſo ruhigen, geſetzten Weſen im ſeltſamſten Widerſpruche ſtand.—
Vier Wochen ſpäter feierten Max Tannberg und Ottilie Becker in aller Stille ihre Hochzeit. Der Bräutigam hätte wohl gern bei dieſer Gelegenheit ein luſtiges Feſt gehabt; Ottilie beſtand jedoch auf einer ganz geräuſchloſen Feier, und mit der ihm eigenen Schmieg⸗ ſamkeit fügte er ſich ihrem Willen. Hermann Hartung war wohl zur Hochzeit geladen worden, aber nicht erſchienen; er hatte nur ein prächtiges Geſchenk überſandt.
Die Freunde arbeiteten zwar in einem und demſelben Bank⸗ geſchäft, aber außerhalb deſſelben verkehrten ſie nicht mehr wie früher mit einander. Max hatte in der erſten Zeit den alten Collegen zu ſich eingeladen, doch da derſelbe immer neue Vorwände erfand, die ihn an dem Beſuche hinderten, ſo hatte Jener endlich darauf ver⸗ zichtet, an den wunderlichen Geſellen in dieſer Hinſicht noch ein Wort zu verlieren. Hermann war ohnehin ſehr verändert. Er war niemals ein luſtiger Geſellſchafter geweſen; aber jetzt ſchien er vollends für das Geſchäft ganz aufzugehen und zu einer völligen Schreib⸗ zeder zu vertrocknen.
Zwei Jahre waren den jungen Eheleuten in den glücklichſten und angenehmſten Verhältniſſen dahin gegangen. Die trüben Ahnungen Hermanns hatten ſich nicht erfüllt. Max hielt mit bewunderns⸗ würdiger Kraft ſeinen Schwur; er beſuchte keine öffentlichen Lokale, lebte ganz für ſeine Familie und war ſelig im Beſitze ſeines ſchönen, anmuthigen Weibchens und ſeines Knaben, den ihm Ottilie geſchenkt hatte, und der jetzt ſchon allein, wenn auch noch mit unſicheren Schritten, ihm enkgegen trippelte, wenn er aus ſeinem Bureau nach Hauſe kam.
Wie viel Frieden und Sonnenſchein ruhte auf ihrem Daſein!—
Das junge Paar lebte freilich in beſcheidenen Verhältniſſen, denn das Gehalt Tannberg's war nicht allzu hoch; aber Ottilie wußte mit bewundernswürdigem Geſchick ſich einzurichten und in ihre kleine Häuslichkeit ſo viel Behagen zu bringen, daß der junge Buchhalter nichts entbehrte und ſeiner ſchönen liebenswürdigen Gattin ſehr oft mit voller Ueberzeugung verſicherte, daß er Niemanden um ſeinen Glanz und Luxus beneiden möge.
Da kam die Gründerzeit und zerſtörte auch die friedliche Idylle dieſer wahrhaft Glücklichen... Es ſah freilich aus, als ob For⸗ tuna ſich auch plötzlich des armen Buchhalters Tannberg erinnere und ihn mit ihren überraſchenden Gaben überſchütten wolle.
Illuſtrirte Chrouik der Zeit.
——
Allerhand Banken tauchten plötzlich wie Pilze aus der Erde auf, die Pulte mußten mit Leuten beſetzt und nun konnten nicht genug Buchhalter beſchafft werden. Den jüngſten, unreifſten Men⸗ ſchen wurden ohne weiteres Bedenken die ſchwierigſten und verant⸗ wortlichſten Aemter anvertraut, ihnen die höchſten Gehälter bewilligt, denn es fehlte überhaupt an Leuten.
Auch Max Tannberg erhielt eine Haupt⸗Kaſſirerſtelle an einer neu gegründeten Bank mit einem Gehalt von zehntauſend Mark und einer zugeſicherten Dividende.
Für die junge Frau würde der unerwartete Glückswechſel bei⸗
nahe etwas Beunruhigendes gehabt haben, denn ſie hatte ſich in
ihren beſcheidenen Verhältniſſen ſo unendlich wohl gefühlt; aber die grenzenloſe Freude ihres Mannes riß ſie auch mit fort. Er war wie berauſcht von der plötzlichen Veränderung ſeiner Lage und rief immer wieder ſeiner Gattin jubelnd zu:„Denke doch, zehntauſend Mark! Nun können wir uns endlich auch einmal wie anſtändige Menſchen fühlen!“
„Haben wir das früher nicht gekonnt?“ fragte Ottilie mit ruhigem Lächeln.
„Das wohl,“ entgegnete Max,„aber wir haben uns doch ſehr einſchränken, und Du armes Kind haſt beſonders Alles entbehren müſſen.“
3„Nein, Marx, ſage das nicht,“ war ihre ſehr ernſte Entgeg⸗ nung.„Habe ich nicht Deine treue, hingebende Liebe gehabt? Hat⸗ ten wir nicht unſer Kind?“
„Das iſt Alles recht ſchön, doch, liebes Tietzchen, mit zehn⸗ tauſend Mark jährlich lebt es ſich einmal beſſer!“ und der junge Mann tanzte jubelnd mit ſeiner G tin im Zimmer umher.
Nun hatte Tannberg keine anderen Gedanken mehr, als ſich ſeinen veränderten Verhältniſſen gemäß einzurichten. Eine größere Wohnung wurde gemiethet, elegantere Möbeln angeſchafft und der ganze Haushalt auf einen vornehmeren Fuß gebracht. Vergeblich waren die leiſen Abmahnungen ſeiner Gattin; ſie wurde durch ſeine beſtändige Entgegnung:„Es geſchieht ja Alles um Deinetwillen,“ entwaffnet. Mußte ſie doch in ſeinem Bemühen wirklich ſeine hin⸗ gebende, aufopfernde Liebe erkennen? Er war ſo glücklich, wenn er ſie mit Luxus umgeben, ihr hübſches Heim noch behaglicher machen konnte.
Wie in einem ſeligen Rauſch vergingen einige Monate.— Ottilie hatte ihren Mann noch nie ſo froh und heiter geſehen.
Wenn er nach Hauſe kam, war er voll Uebermuth, und die ganze Friſche und Lebhaftigkeit ſeines Temperaments ſchien noch einmal zu erwachen. Er hatte bisher im Umgange mit ſeiner Gattin ſich künſtlich zu dämpfen und ſeiner an's Tolle grenzenden Laun⸗ den Zügel anzulegen gewußt. Nun brach das b inah Wilde, Leiden⸗ ſchaftliche ſeines Weſens von Neuem hervor, und dennoch wurde ſeine zu einer ruhigen Lebensauffaſſung hinneigende Frau davon nicht unangenehm berührt. Für ſie hatte ſein Benehmen etwas Harmloſes und Kindliches.—
Plötzlich war Max wie verwandelt. Wenn er nach Hauſe kam, zeigte er ſich düſter und ſchweigſam und er ſtarrte brütend vor ſich hin. Als dieſe verzweifelte, ſchwermüthige Stimmung ihres Mannes mehrere Tage anhielt, wagte ſie ihn endlich zu ſragen. Langſam erhob er das Haupt, dann ſtieß er ein höhniſches Lachen aus:„O, es iſt zum Tollwerden!“ und von ſeinem Stuhle auf⸗ ſpringend, ſtürmte er mit heftigen Armbewegungen durch das Zimmer. b 3„Marx, vertraue Dich mir an, das wird Dir Ruhe bringen,“ ſagte Ottilie und verſuchte ſich zärtlich an ihn anzuſchmiegen. Er beachtete ihre Bemühungen nicht, und die Fäuſte ballend fuhr er ingrimmig fort:„Ja, das macht mich noch verrückt! Ich hab' Dir's nicht ſagen wollen, denn ich ſchäme mich vor Dir; aber Du könnteſt es doch einmal erfahren und, und—“ er vollendete nicht, Thränen ohnmächtiger Wuth erſtickten ſeine Stimme und wie er⸗ ſchöpft warf er ſich in den nächſten Seſſel.
„Mein einziger Max, ſage mir, was iſt geſchehen? Sei über⸗ zeugt, daß ich das Schlimmſte mit Dir zu tragen vermag, nur dieſe Ungewißheit quält mich namenlos—“ und ſie beugte ſich zu ihm herab, nahm zärtlich wie eine Mutter ſeinen heißen Kopf in ihr⸗ beiden Hände und blickte ihn mit der ganzen hingebenden Liebe, die ſie für ihn beſaß, in die Augen..
Er antwortete dennoch nicht ſogleich; ſie mußte ihre Bitte wiederholen und nun kam es, wie aus tiefſter Bruſt grollend, über ſeine zornbebenden Lippen:„Denke Dir, Hartung iſt Direktor un⸗ ſerer Bank geworden! Muß ich da nicht halb verrückt werden vor Aerger und Wuth?!“— Er blickte ihr dabei unruhig fragend in's Antlitz, in der feſten Ueberzeugung, ihre lebhafte Zuſtimmung zu erhalten, und als ſie ſtatt deſſen harmlos entgegnete:„Aber, Max, warum ſollten wir ihm dies Glück nicht gönnen?“ ſprang er von Neuem wie ein Raſender heftig auf.„Gönnen?!“ rief er beſin⸗
„Denke do Kaſſierſte Gedanken beſſeres L alledem gl „Nlich indem bei⸗ losbrach. für Gehal er bekomr Direktor ſend Mar — Er wi „Und „glütlich Max, dar und Du! Erſ da ſie nu noch etwa Du denkſt fragte er ihm nicht buch in ſ Seligkeit, haften bli ihm leicht „Wi als Taun fort:„J ſitzen und tauſend 6 gießt?!. unſere ew ſtets geſac oll nun einem arn und den geſchentt, „A venig 1 ich din al Kaſtrs „U .„3c müthis verſtehen ſpielt.“
. 4 La zwir ſind
h„. uadh darauf 3 geſielt h
ſch ni


