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443 Illuſtrirte Chronik der Zeit.
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Euf der Königsburg zu Warſchau war ein reges Leben, 1denn der allgemein geachtete und geliebte König Johann » Sobieski hatte Empfangstag. Wer irgend eine Klage oder eine Bitte hatte und ſie dem Könige ſelbſt vor⸗ tragen wollte, der durfte an ſolchen Empfangstagen 22., vertrauensvoll ſich ſeinem königlichen Herrn nahen und 31 konnte gewiß ſein, daß ſeine Sache ein williges Ohr
5 fand. Bunt drängte ſich daher ſtets in dem großen Vorſaale des Königs eine aus allen Landestheilen herzugeſtrömte Menge, hier erblickte man ſtolze Wojewoden in ihrer pompöſen Nationaltracht, dort Staatsbeamte aus irgend einer Provinzſtadt in langen Treſſenröcken, da ſtand ein Handwerker in ſchlichtem Schnürenrock beſcheiden an der Wand, hier wieder ſchritt ein Kauf⸗ mann im behäbigen Zobelpelz, ſich ſeines Reichthums wohl bewußt, langſam auf und nieder, dazwiſchen gingen die Diener ab und zu,
bald ein Aktenbündel herbeiſchaffend, bald einen Brief einem harren⸗
Schrittes betrat er den Empfangsſaal des Königs.
Der greiſe, faſt ſiebenzigjährige Monarch ſaß in einem hohen aber ſchlicht mit Leder beſchlagenen Lehnſtuhle; die vielen Strapazen der mannigfachen Feldzüge hatten ſeine Kraft ſchon verhältnißmäßig frühzeitig gebrochen und ſo war er denn auch heute durch die vielen Audienzen ſchon ſehr erſchöpft. Als er jedoch des jungen Mannes anſichtig wurde, der ſich tief vor ihm verbeugte, leuchtete es in ſeinen dunkeln Augen wieder freundlich auf.
„Gott zum Gruß!“ rief er kopfnickend,„Du alſo biſt Andreas Schlüter, den mir mein wackerer Freund David Sapovius in Danzig ſo warm empfohlen hat! Wie geht es dem lieben Getreuen?“
„Er hat mich beauftragt, Eurer Majeſtät die herzlichſten Grüße zu überbringen,“ verſetzte der junge Mann.„Er befindet ſich im Allgemeinen recht wohl, genießt die hohe Achtung der geſammten Stadt und beſitzt ein ſehr großes Geſchäft, das ihn reichlich ährt. Nur mit der Geſundheit will es nicht mehr recht gehen, das Alter drückt ihn bereits recht hart.“
„Nun, nun,“ lachte der König,„er iſt an die ſechs Jahre älter als ich, und da muß man denn eben zufrieden ſein, wenn es nur überhaupt noch geht. Er mag ſich mit mir tröſten, hätte nimmer gedacht, daß ich jemals ſo hinfällig werden könnte.“
Auf dornigem pPfade.
Hiſtoriſche Novelle von Eduard Braunfels.
(Nachdruck verboten.)
den Kurier überbringend und was ſonſt ihres Amtes war. Unter⸗ deſſen ward einer der Harrenden nach dem andern von einem Portier in das Audienzzimmer des Königs gerufen; die Abgefertigten traten dann durch eine andere Thür auf einen Korridor und gelangten durch dieſen auf den Schloßhof.
Auf dieſe Weiſe ward das Vorzimmer leerer und leerer, bis ſchließ⸗ lich nur noch ein einziger Harrender, ein blaſſer junger Mann von etwa achtundzwanzig bis neunundzwanzig Jahren übrig geblieben war. Derſelbe zeigte zwar einen kräftigen Körperbau, doch war trotzdem die friſche Jugendblüthe nicht völlig zur Entfaltung gekommen; wahrſcheinlich hatte die Noth mit ihrer kalten Hand jede üppigere Entwickelung gehemmt. Dieſe Vermuthung wurde zur Ueberzeugung, blickte man in das große blaue Auge des jungen Mannes, daſſelbe verrieth zwar eine reiche Gedankenwelt, aber offenbar auch Kummer und Sorge.
Da rief der Portier endlich auch ſeinen Namen und ſicheren
Der Triumphzug des Seipio Afrikanus.(S. 459.)
„Eure Majeſtät haben allerdings ganz andere thatenreiche Jahre hinter ſich, als ein ſchlichter Bildhauer und Baumeiſter,“ erlaubte ſich der junge Mann zu entgegnen.
„Mag ſein,“ gab der König zu,„eine jede Campagne hinter⸗ läßt einen Denkzettel. Doch wir kommen auf Abwege, immer hübſch in der eingeſchlagenen Richtung bleiben, iſt eine der Haupt⸗ regeln für jeden Feldherrn. Sapovius wird Dir geſagt haben, daß ich beabſichtige, mehrere Bauten vorzunehmen, für die mir bisher der geeignete Baumeiſter fehlte. Dich hat mir nun Dein Meiſter, mein lieber Jugendfreund, als einen Mann empfohlen, der nicht nur das praktiſche Geſchick, ſondern auch den nöthigen guten Geſchmack beſitzt, und ſo hoffe ich denn auch, daß Du meinen Wünſchen entſprechen wirſt. Es handelt ſich zunächſt darum, hier hinten im Schloßgarten in geſchützter Lage für meine Eheliebſte, die nun auch alt und gebrechlich geworden iſt, einen Pavillon zu errichten, in welchem ſie unberührt von Zugluft und ungünſtiger „Witterung doch die friſche Luft genießen kann. Das Bauwerk muß alſo in erſter Linie für bequeme Raſt geeignet ſein und außerdem auf einen alten Menſchen einen freundlichen Eindruck machen. Kannſt Du dieſe Aufgabe zu meiner Zufriedenheit löſen, ſo ſollſt
Du mir jerner am Eingange des Schloßgartens eine Art Arſenal
länge dorſchtet Himmal
will ick V
illeſoo


