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424 Illuſtrirte Chronik der Zeit.
benachrichtigen, daß er morgen eine definitive Antwort erhalten ſoll. Das Geſchäft kann, da die nöthigen Mittel Ihnen zur Verfügung ſtehen, noch in dieſer Woche abgeſchloſſen werden, Sie treten ſofort in den Beſitz des Gutes und ſchicken Ihren Sohn hin, um es zu übernehmen.“
Der alte Herr nickte zuſtimmend.
„Das wäre alſo ſo weit abgemacht,“ ſagte er,„ich glaube ſchon jetzt verſichern zu dürfen, daß meine Frau mit dem Plane einverſtanden ſein wird.“
Ackermann hatte ſich erhoben, er holte ein elegantes Etui aus ſeiner Rocktaſche.
„Verzeihen Sie, daß ich erſt jetzt mich des eigentlichen Zweckes meines Beſuches erinnere,“ verſetzte er,„ich wollte meine liebens⸗ würdige Schwiegermama mit einem kleinen Geſchenk überraſchen, das ſie hoffentlich nicht zurückweiſen wird.“
Er öffnete das Etui, erſtaunt, geblendet von dem intenſiven Feuer der blitzenden Brillanten, ließ der Gutsbeſitzer in ſchweigen⸗
der Bewunderung den Blick auf dem herrlichen Schmuck ruhen.
„Damit werden Sie ſich bei ihr einen großen Stein in's Brett
d— mit zähem Eigenſinn daran feſt.“
„Aber Sie haben ihr gewiß meine Gründe—“
„Das habe ich allerdings gethan, ich habe ihr ſogar erklärt, daß ich mit dieſen Gründen ganz und gar einverſtanden ſei, aber ſie will das nun einmal nicht einſehen, und ich glaube, daß Bertha ſie darin beſtärkt. Wenn ich Ihnen einen guten Rath geben darf, dann iſt es der, den Sekretär zu entlaſſen; Bertha wird dadurch zufrieden geſtellt und beruhigt—“
„Und ich gebe ihr damit den Beweis, daß ich mich geduldig unter den Pantoffel beuge.“
„Nicht doch, Sie können ja in anderen Dingen Ihren Willen durchſetzen, nur in dieſer einen Sache geben Sie nach!“
„Ich würde es längſt gethan haben, wenn man mich darum gebeten hätte,“ erwiederte Ackermann, während er das Etui wieder ſchloß,„einer kategoriſchen Forderung, die ich nicht als berechtigt anerkennen konnte, mußte ich entgegentreten, Sie würden das auch gethan haben.“
Die Rieſenburg in der fränkiſchen Schweiz. O
„Gewiß, gewiß,“ ſagte der Gutsbeſitzer lebhaft,„ich erkenne das vollſtändig an, aber nun bitte ich Sie auch, geben Sie nach, Sie
legen,“ ſagte er.„Dem verführeriſchen Glanz der Brillanten kann keine Dame widerſtehen, meine Frau liebt ſie wahrhaft leiden⸗ ſchaftlich.“
„Ich habe das erfahren, als Mama den Schmuck Bertha's be⸗ wunderte,“ ſcherzte Ackermann;„dieſer iſt zwar nicht ſo reich wie jener, aber die Steine ſind nicht minder werthvoll.“
„Es iſt ein fürſtliches Geſchenk!“ rief Bogen entzückt.„Die Revanche müſſen wir Ihnen ſchuldig bleiben, ich wüßte nicht—“
„Bitte, von einer Revanche darf nicht die Rede ſein, ich bin hinreichend belohnt, wenn dieſer Schmuck der lieben Mama Freude bereitet.“
„Leider treffen Sie meine Frau nicht zu Hauſe! Stadt gefahren, um Bertha zu beſuchen.“
Ein finſterer Schatten glitt über die Stirne Ackermann'’s, und ein harter, ſcharfer Zug umzuckte die feſt auf einander gepreßten Lippen.
„Meine Frau wünſcht, daß Bertha hieher gebracht oder ein zeiter Arzt konſultirt werde,“ fuhr der alte Herr fort;„Sie wiſſen ja, wenn die Frauen einmal etwas gefaßt haben, dann halten Sie
Sie iſt zur
riginalzeichnung von R. Stieler.(S. 439.)
werden ja dadurch nicht einmal zu einem Opfer gezwungen, einen Sekretär finden Sie immer wieder. Und lieb wäre es mir auch, wenn Sie den Wunſch meiner Frau erfüllen und unſern Haus⸗ arzt konſultiren wollten, man hört dann auch deſſen Anſicht über dieſe räthſelhafte Krankheit.“
„Räthſelhaft?“ ſpottete Ackermann.„Ein gaſtriſches Fieber kann ich kein Räthſel nennen. Mich beunruhigt es recht ſehr, daß noch immer keine erfreuliche Aenderung in dem Befinden Bertha's ein⸗ treten will, aber ich muß auch dem Arzte das Zeugniß geben, daß er ſeine Schuldigkeit thut, da bleibt alſo nichts Anderes übrig, als auf die Heilkraft der Natur zu vertrauen. Die Weisheit des Arztes hat für mich niemals Werth gehabt, wenn der Patient noch nicht krank iſt, ſo wird er es durch die Arzneien und Mixturen—“
„Da ſtehe ich doch auf einem anderen Standpunkte,“ fiel der alte Herr ihm in die Rede,„aber ich will mit Ihnen nicht darüber ſtreiten, Jeder hat ja ſeine eigenen Anſichten; halten Sie von dein Gutachten der Aerzte, was ſie wollen, das kann Sie aber nicht hindern, den gewiß berechtigten Wunſch meiner Frau zu erfüllen.“
Ackermann ſtand bereits an der Thüre.
„Jch licht treſt vergefſen 4 Kittecgue


