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Illuſtrirte Chronil der Zeit.
Frauen faſt erlahmten und ein öfteres Ausruhen nöthig machte. Ueber feuchtes, unebenes Geſtein mußten ſie wegſchreiten, oft an Abgründen vorbei, in deren Tiefe man die unterirdiſchen Gewäſſer rauſchen hörte, dann wieder durch ſo enge Felsſpalten ſchlüpfen, daß ſie ſich nur mit Anſtrengung durchwinden konnten. Nicht ſelten auch fenkte ſich die Decke der Höhle ſo tief herab, daß ſie auf Händen und Füßen darunter hinkriechen mußten. Hie und da zweigten ſich Nebenhöhlen ab, und oft fragte Godefroi ängſtlich, ob Philibert die Richtung auch ganz genau kenne, denn die Furcht, aus dieſem Felſenlabyrinth keinen Ausweg zu finden und hier unter der Erde elend zu verſchmachten, wurde immer lebhafter in ihm, je länger ihre Wanderung dauerte. Auch der Abbé konnte ſeine ſteigende Angſt und Beklemmung nicht verbergen, und wenn er Madame Godefroi, die mehr todt als lebendig an ſeinem Arme hing, Muth zuſprach, klang ſeine Stimme zitternd und tonlos. Valentine da⸗ gegen empfand weder Furcht noch Bangigkeit, die Nähe des Ge⸗ liebten ließ ſie alle Schrecken und Grauen der langen unterirdiſchen Wanderung vergeſſen. Wenn der Weg breit genug war, ging Philibert neben ihr, ſie ſtützend und führend, und erzählte ihr dabei, wie er erſt, als die aufrühreriſche Bande ſchon von allen Seiten gegen das Schloß anrückte, von der Gefahr Kunde erhalten, die ihr und den Ihrigen drohte, und darauf ſogleich ſich der Höhle, in der er oft als Knabe mit ſeinem Vater geweſen, erinnert habe und mit einer Strickleiter und einer Leuchte verſehen nach dem Schloſſe geeilt ſei. Kaum habe er dieſe zur Flucht durch die Höhlengänge unent⸗ behrlichen Gegenſtände an Ort und Stelle niedergelegt, als auch bereits das Schloß von allen Seiten von den Angreifern umzingelt geweſen.„Dein Vater,“ ſetzte er lächelnd hinzu,„hat am Morgen nicht geahnt, daß der Mann, dem er ſo ſchnöde die Thüre wies, als er um die Hand ſeiner Tochter warb, am Abend ſein Retter aus Todesgefahr werden würde.“
Der Weg, auf dem ſie hinſchritten, wand ſich jetzt in ziemlich ſteiler Steigung aufwärts und endlich wurde in der Ferne ein heller Schein, wie ein blaſſer Stern, ſichtbar.
„Das Tageslicht!“ ſagte Philibert,„dort iſt der Ausgang der Höhle!“
Godefroi ſtieß einen Freudenſchrei aus und eilte Allen voran dem immer größer und heller werdenden Lichtſchein entgegen. Bald
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Een der Gegenwart, da der größte Theil des Verkehrs zwiſchen Europa und den überſeeiſchen Ländern durch
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er vermittelt wird, ſowohl der Perſonen⸗ als
Dampf auch der Produkten⸗ und Waarentransport, iſt es gewiß von Intereſſe, jenes Fahrzeuges und jener kühnen Männer zu gedenken, das und die zuerſt den atlan⸗ — tiſchen Ocean mittelſt Dampfkraft gekreuzt; ein Unter⸗
nehmen, das man immerhin als epochemachend bezeichnen darf. Die Erinnerung an dieſe Thatſache iſt aber um ſo mehr am Platze, als es wohl im Allgemeinen bekannt iſt, daß der große Erfinder, Robert Fulton, das erſte Dampfſchiff baute, nur Wenige jedoch wiſſen, daß er damit nur den Hudſon aufwärts von New⸗York nach Albany fuhr, während es ein ganz anderer Dampfer war, der als der erſte den Ocean kreuzte. Dies aber und der kühne Führer des Schiffes ſind Tauſenden unbekannt, die ſelbſt ſchon größere Dampf⸗ ſchiff⸗Seereiſen unternommen und das Hochgefühl genoſſen haben, welches unſere Bruſt erfüllt, wenn wir die Macht wahrnehmen, die ſich der Menſchengeiſt über die Elemente errungen hat.
Es war der Dampfer„Savannah“, geführt von dem Kapitän Moſes Rogers, der im Jahre 1819 zuerſt von Amerika nach Eu⸗ ropa fuhr. Zwölf Jahre waren vergangen ſeit Fulton's erfolg⸗ reicher erſter Dampffahrt auf dem Hudſon, und dieſe zwölf Jahre hatten der Dampfſchifffahrt ungemeine Verbeſſerungen gebracht. Dieſe kamen alle beim Bau der„Savannah“ zur Anwendung. Das Schiff, das, ehe es New⸗York zum erſten Male verließ, am Ende eines Piers(Dammes) im Eaſt⸗River lag, hatte eine ſo voll⸗ ſtändige Takelage wie ein Segelſchiff. Es beſaß drei Maſte und war nicht ausſchließlich auf die Dampfkraft angewieſen, für den Fall, daß dem Schiffe vielleicht einmal das Brennmaterial ausgehen könne. Es hatte nur eine Schornſteinröhre, gegen 16 Fuß hoch und 2 Fuß im Durchmeſſer, die ſich zwiſchen dem Vordertheile und
dem Hauptmaſte befand. Das Schiff enthielt zwei von einander mſonderte, elegant eingerichtete Kabinen, eine für Damen, die an⸗ dere für Herren. Die Maſchine arbeitete mit Niederdruck und war den jetzt gebräuchlichen ſehr ähnlich. Ihr Cylinder hatte 40 Zoll im Durchmeſſer. Die Waſſerräder waren von Schmiedeeiſemnund Chronik ꝛc. 1877. 4 im.
war der Ausgang der Höhle erreicht und hoch aufathmend traten Alle in das Freie.
Inn ſtiller Majeſtät erhoben ſich vor ihnen die ſchneebedeckten Gipfel der Pyrenäen, roſig angehaucht von den erſten Strahlen der eben aufgehenden Sonne, und tief ergriffen ſanken Alle auf ihre Kniee, während der Abbé ein Dankgebet ſprach für ihre Rettung aus der Todesgefahr, die in verſchiedener Geſtalt in der letzten Nacht ſo nahe über ihren Häuptern geſchwebt. Dann nahte ſich Godefroi Philibert, und mit einer Miene, in der Beſchämung, Dankbarkeit und ein letzter Reſt von Widerwillen ſich ſonderbar miſchten, ſagte er:„Nächſt Gott danken wir Ihnen unſer Leben, wie ſoll ich ihnen die Schuld unſerer Dankbarkeit abtragen?“
Valentine war hinzu getreten, und die Hand Philiberts er⸗ greifend, ſagte ſie ſtatt ſeiner:„Indem Du uns Deinen Segen zu unſerer Verbindung gibſt, mein Vater.“
Einen Augenblick zögerte Godefroi. Da nahm der Abbé ſeinen Arm und nach Süden deutend, wo auf einem Bergvorſprung die Umriſſe einer rauchenden Ruine in der klaren Morgenluft deutlich ſichtbar waren, ſagte er:„Blicken Sie dorthin! Das iſt Alles, was von Ihrem ſtolzen Schloſſe übrig iſt, und ohne dieſen wackeren jungen Mann lägen wir Alle jetzt unter jenen rauchenden Trümmern begraben. Wollen Sie dem Retter Ihres Lebens die Hand Ihrer Tochter weigern, deren Herz ihm doch ſchon gehört?“
„Sie haben Recht,“ nickte Godefroi,„ich habe zwar nicht ge⸗ dacht, daß ich einen Cagot zum Schwiegerſohn haben ſollte, aber die Welt iſt ja heutzutage doch auf den Kopf geſtellt, alſo mag es drum ſein!“
Er winkte mit dieſen Worten Philibert und Valentine herbei, und ihre Hände in einander legend ſagte er:„So nehmen Sie ſie denn hin, Herr Morato, die Braut, die Sie ſich aus Todes⸗ gefahr und Schrecken muthig errettet haben. Ich danke Ihnen mein Leben, dafür gebe ich Ihnen meine Tochter, ich denke, damit habe ich Ihnen die Schuld meines Dankes reichlich bezahlt.“
Valentine umſchlang den Nacken des Geliebten. ewig!“ flüſterte ſie weinend im Uebermaß des Glückes.
„Ja, mein!“ ſagte er, ſie feſter an ſich preſſend,„und ich ſchwöre Dir, Du ſollſt es nie bereuen, Deine Hand einem Manne gereicht zu haben, der nur ein Cagot iſt.“
„Dein für
Der erſte Ocean-Dampfer.
Zur Geſchichte des Weltverkehrs. Von Xaver Riedl.
(Nachdruck verboten.) 3
hinter dem Mitteltheile des Schiffes angebracht, nicht durch Rad⸗ käſten bedeckt und ſo konſtruirt, daß man ſie zuſammenlegen konnte, wenn die Segel benützt wurden, ſo daß ſie nicht durch das Waſſer gezogen zu werden brauchten. Binnen 15 bis 20 Minuten konnten ſie auf Deck gebracht werden. Die Frage, ob ein Dampfſchiff vor⸗ theilhaft mit einer Segeleinrichtung verbunden werden könnte, wurde
damals von allen New⸗Yorker Blättern vielfach diskutirt. Heute ſind, wie man weiß, alle Oceandampfer mit Segeln verſehen. Ihre
erſte Seefahrt trat die„Savannah“ an, als ſie am 18. März 1819 von New⸗York nach Savannah in Georgia abging. Die Ankunft an letzterem Orte erfolgte am 6. April nach einer ziemlich ſtür⸗ miſchen Reiſe. Als das Schiff in Savannah anlangte, war die ganze Bevölkerung auf den Beinen und am Ufer verſammelt, von wo aus man den ſeltſamen Gaſt mit Zurufen und durch Schwenken von Taſchentüchern und Hüten bewillkommte. Einige Tage ſpäter unternahm der Dampfer einen Ausflug nach Tybee und den Forts. Unter den Mitreiſenden befand ſich der Präſident Monrde und eine große Anzahl Offiziere der Armee und Flotte.
Am 28. Mai endlich lichtete die„Savannah“ den Anker und ſetzte ſich für ihre erſte Reiſe nach Europa in Bewegung, und am 20. Juni, alſo nach einer Reiſe von 23 Tagen, ankerte ſie im Hafen von Liverpool. Damit war eine neue Weltepoche eröffnet. Während ihrer Reiſe arbeitete ihre Maſchine nur 18 Tage lang, da man es für nöthig fand, Brennmaterial zu ſparen. Als jedoch das Schiff in die Mündung des Merſeyfluſſes gelangte, wurden die Waſſerräder wieder in Thätigkeit gebracht, außerdem alle Segel ausgeſetzt und das Fahrzeug von den Britten mit Staunen und Bewunderung empfangen..
Mehr denn einen Monat blieb der Dampfer in Liverpool, während welcher Zeit er verſchiedene Exkurſionen auf dem Fluſſe machte, zum Entzücken und Erſtaunen Aller, die es mit anſahen. Kapitän Rogers ging inzwiſchen nach London. Natürlich war er der Held des Tages. Richard Rush, der Geſandte der Vereinigten Staaten in England von 1817 bis 1825, erwähnt in ſeinen durch den Druck veroͤffentlichten Memoiren einer Zufammenkunft mit Kapitän Nogers unter dem Datum des 3. Juli 1819 mit den
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