Jahrgang 
14-26 (1877)
Einzelbild herunterladen

40³

durch Ihre Eltern von Ihrem Ergehen unterrichtet war. Ich habe von ihm nichts weiter über Ihre Schickſale erfahren, als daß Ihre Lehrer in Paris ein bedeutendes Talent für die Malerei in Ihnen entdeckt hätten, und daß Ihr Vater auf das Anrathen derſelben Sie nach Rom geſchickt, um Sie zum Maler ausbilden zu laſſen. Sehr viel mehr läßt ſich auch von meinem Leben kaum er⸗ zählen, entgegnete er;ich habe in Nom fleißig gelernt und ſtudirt, und habe dann Bilder gemalt, die Lob und Anerkennung, vielleicht über ihr Verdienſt, jedenfalls über meine Erwartung hinaus, mir brach⸗ ten, und auch willige, gut zahlende Käufer fanden, ſo daß der Ertrag meines Pinſels mir eine ſorgloſe und bequeme Exiſtenz gewährleiſtet.

1

V 1 1

MV- ſ. uj

ſchaftet hatten und mir zeigen wollten? Dort war es, auf der Dent du Diable, die hier auf Ihrem Bilde ſo ſchroff und trotzig in die blaue Luft hineinragt. Da iſt auch die ſteile, glatte Felswand, an der Sie damals herabkletterten, mich, die ich mehr todt als lebendig war, dabei wie der Jäger eine Gemſe auf dem Rücken tragend, ein Kraftſtück, das mancher erwachſene Mann dem fünfzehnjährigen Knaben nicht nachmachen würde.

Seine Stirne heiterte ſich auf und ſein Ton hatte die gereizte Bitterkeit völlig verloren, mit der er ſeither geſprochen, als er leb⸗ haft ſagte:O, ich erinnere mich dieſes kleinen Abenteuers noch ſo

genau, als wären wir erſt geſtern auf die Suche nach dem Adler⸗

FETödddad

pgcggogc 1 ſt an 1GMhlghtagg,

aa

Illuſtrirte Chronik der Zeit.

Valentine war, während er ſprach, aufgeſtanden und dicht an die aus rohen Baumſtämmchen kunſtlos zuſammengefügte Staffelei getreten, um das darauf ſtehende Bild näher zu betrachten.

Dieſe Skizze iſt wirklich ſehr gut, ſagte ſie, die Miene eines ſachverſtändigen Kritikers annehmend, was ein leiſes Lächeln auf dem ernſten Geſicht des Künſtlers hervorrief,wer hätte gedacht, daß aus dem wilden Philibert, dem kein Baum zu hoch, kein Felſen zu ſteil war, wenn es galt ein Vogelneſt auszunehmen, oder irgend eine ſeltene Pflanze zu holen, einſt ein berühmter Maler werden würde. Wiſſen Sie noch, wie wir uns einmal verſtiegen hatten in den Ber⸗ gen, um den Horſt eines Adlers zu ſuchen, den Sie ausgekund⸗

horſt ausgezogen! Es war mir damals aber gar nicht wohl zu

Muthe, als ich plötzlich merkte, daß ich die Richtung, die ich ſo

genau zu kennen glaubte, verloren, und mich in der pfadloſen Wild⸗ niß verirrt hatte, wo ich weder vor⸗ noch rückwärts einen Weg finden konnte. Dazu empfand ich die heftigſten Gewiſſensbiſſe darüber, daß ich das kleine Mädchen, welches ſich ſo vertrauensvoll meiner Führung anvertraut hatte, in eine ſolche Gefahr gebracht. Ich ſehe Sie noch vor mir, Valentine, wie Sie ſich mit dem blaſſen, ängſt⸗ lichen Geſichtchen, über das ſtill die Thränen herabfloſſen, zitternd

an mich ſchmiegten, während die ſinſteren Wetterwolken immer dichter

über unſeren Häuptern heraufzogen und der Donner lauter und

hei nic ten