Jahrgang 
14-26 (1877)
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Illuſtrirte Chronit der Zeit.

Guſtav ſchüttelte mit leuchtendem Blick dem Freunde die Hand, es bedurfte keiner Worte, die Mutter erkennen zu laſſen, daß die Herzen ſich gefunden hatten, ſie las es in den thränen⸗ feuchten Augen ihres Kindes, in dem Lächeln des Glücks, welches die Lippen Guſtavs umſpielte, mit zitternder Stimme ſegnete ſie den Bund, und alle Zweifel, alle Bedenken traten in dieſem Mo⸗ ment in den Hintergrund, die Freude des Mutterherzens über das Glück des geliebtes Kindes beſiegte ſie.

Einen ſo fröhlichen Abend hatten die glücklichen Menſchen nie zuvor erlebt, und mit vollem Herzen gaben ſie dem Glück und der Freude ſich hin.

Kein Schatten trübte die Heiterkeit, obgleich ſie Alle die dunklen Wolken ſahen, die in der Ferne aufſtiegen, in hellem Sonnenglanze lag die Zukunft vor ihnen, was nun auch kommen mochte, getroſt wollten ſie ihm die Stirne bieten.

Guſtav hatte die Räthin beruhigt und in einem Tone, der ſeine Entſchloſſenheit und Willensfeſtigkeit nicht bezweifeln ließ, ihr erklärt, er werde am nächſten Morgen die Einwilligung ſeiner

Eltern fordern, ſollte ſie ihm verweigert werden, ſo könne ihn das nicht abhalten, ſein Wort einzulöſen.

Er ging überhaupt über dieſen Punkt ziemlich ſorglos hinweg, nach ſeinem Dafürhalten konnte ſein Vater keinen Grund finden, dieſer Verlobung ſeine Zuſtimmung zu verſagen.

Der nächſte Tag war ein Sonntag; ſchon am Vormittag fuhr Guſtav nach Plettenberg hinaus, entſchloſſen, die erſte günſtige Minute zu benutzen, um ſeine Eltern von dem Vorgefallenen zu unterrichten.

Der Rittergutsbeſitzer hatte bei der Ankunft ſeines Sohnes Beſuch, einige Herren aus der Stadt waren kurz vor Guſtav ein⸗ getroffen, Robert Bogen bewirthete ſie auf der Terraſſe mit Bur⸗ gunder und Madeira.

Guſtav wurde in das Geſpräch hineingezogen, es betraf alltäg⸗ liche Dinge, die ihn nicht intereſſirten, vorzüglich in dieſem Augen⸗ blick nicht, da ſein ganzes Denken ſich nur mit ſeiner Verlobten beſchäftigte.

Theilnahmlos ſaß er bei den Herren, den Blick in die Ferne

Schloß Miramar

gerichtet, ab und zu an ſeinem Glaſe nippend, und die Fragen, die an ihn adreſſirt waren, ſo kurz wie möglich beantwortend.

Endlich verabſchiedeten die Gäſte ſich, aber es fand ſich auch jetzt noch keine Gelegenheit zu einer Erklärung; der Gutsbeſitzer hatte ſeinem Gärtner und dem Kutſcher eine Menge von Anord⸗ nungen zu geben, und nachdem das Alles erledigt war, rief Joſeph die Herren zur Tafel.

So lange der Kammerdiener ab und zu ging, um die Speiſen aufzutragen und zu ſerviren, wurde bei Tiſche nur wenig geredet; Madame hatte das ſo eingeführt, über Familienangelegenheiten durfte nie in Gegenwart des Dienſtperſonals geſprochen werden.

Erſt als das Deſſert aufgetragen war, entfernte Joſeph ſich. Guſtav befand ſich mit den Eltern allein.

Bringſt Du uns Nachrichten über das Befinden Bertha's? fragte Madame Bogen ihren Sohn, der jetzt, ſo kurz vor dem ent⸗ ſcheidenden Augenblick, an alle Beſorgniſſe ſich erinnerte, die Käthchens Mutter am Abende vorher geäußert hatte.

Bertha? erwiederte Guſtav, wie aus einem Traume erwachend; ich war vorgeſtern zuletzt bei ihr.

So ſelten gehſt Du zu ihr? fragte der alte Herr vorwurfs⸗

bei Trieſt.(S. 419.)

voll, während er langſam ſeine Serviette zuſammenrollte.

Ihr müßt das entſchuldigen, am Tage nimmt das Geſchäft meine volle Zeit in Anſpruch, und Abends empfängt Bertha nicht gerne Beſuch, ſie behauptet, es rege ſie auf.

Na, und Ackermann? erwiederte der Gutsbeſitzer.Läßt er ſie Abends auch allein?

Ich glaube nicht, daß er ſich ſonderlich viel um ſie beküm⸗ mert, er ſcheint überhaupt eine kalte, gleichgiltige Natur zu ſein.

Wäre ich an Deiner Stelle, Robert, ſo würde ich darauf energiſch dringen, daß Bertha hieher gebracht wird, ſagte Madame, und ein harter Zug umzuckte dabei ihre Mundwinkel.Sie ſelbſt wünſcht und verlangt es, und es befremdet mich in hohem Grade, daß Ackermann ſich dagegen ſträubt.

Nun, er hat ſeine Gründe dafür!

Gründe? Ich kann keine finden.

Ein ironiſches Lächeln glitt über das rothe Geſicht des Guts⸗ Peſißers mit ſichtbarem Behagen ſchlürfte er den duftenden Rüdes⸗ heimer.

Es ſind drei Gründe, ſagte er,und ich muß geſtehen, daß ich nichts gegen ſie einwenden konnte. Zuerſt behauptet er, der