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368 Illuſtrirte Chronik der Zeit.
dahin abzielende Bemerkungen hatte die Räthin ſehr entſchieden erklärt: daß davon keine Rede und übrigens ihr Neffe Hugo ſo gut wie verlobt wäre— ein Umſtand, welcher auch Eliſen bekannt ſei.
Die Verlobung war allerdings nach einiger Zeit aus nie recht bekannt gewordenen Urfachen wieder aufgehoben worden. Man wußte nur, daß die Braut, die Tochter eines reichen Großhändlers, dem Maler Wallberg ſein Wort zurückgegeben, um ſich bald darauf mit einem Offizier zu vermählen.
Hugo ertrug das mit ziemlicher Faſſung; er war überhaupt nicht der Menſch, das Leben ernſt zu nehmen, und ſein leichter Sinn artete nicht ſelten in Leichtſinn aus.„Er hat eben eine Künſtlernatur,“ pflegte Eliſe entſchuldigend zu ſagen, wenn die Räthin über die oft leichtfertigen Jugendſtreiche des Neffen, den ſie übrigens zärtlich liebte, ſchalt. Eliſe und Hugo vertrugen ſich ſehr gut, nie kam ein Zank, ja nur eine ernſtere Meinungsver⸗ ſchiedenheit zwiſchen ihnen vor, und beſonders als Hugo's Verlöbniß gelöst ward, trat Eliſe ihm näher und ihr milder Zuſpruch, ihre ſanften Troſtesworte trugen viel dazu bei, daß der junge Mann das Unvermeidliche mit ruhigerer Faſſung hinnahm, als möglicher⸗ weiſe ſonſt geſchehen wäre.
Es herrſchte äußerlich ein völlig geſchwiſterliches Verhältniß zwiſchen den Beiden, und Hugo hatte zu der um einige Jahre älteren Eliſe das größte Zutrauen. Sie war die vertraute Rath⸗ geberin in allen ſei— nen kleinen und gro⸗ ßen Geldverlegenhei⸗ ten und die Vermitt⸗ lerin zwiſchen ihm und der Tante. Nur eins hatte er der ſchweſter⸗ lichen Freundin an⸗ fänglich verſchwiegen — und zwar: daß er ſein Herz an ein jun⸗ ges Mädchen verloren, welches er eines Ta⸗ ges zufällig in ſeinem Atelier kennen gelernt. Um nämlich einem Wunſche der Räthin zu genügen, hatte Hugo in einem geeig⸗ neten Raume, der an ſein Maler⸗Atelier
ſem Altelier.“ ſtieß, einen Salon mit
allem Nöthigen zum Photographiren ver⸗ ſehen laſſen. Er ſelbſt n hatte das Photogra⸗ phiren erlernt und ein— geſchickter Gehilfe er⸗ ledigte die nicht eben allzu zahlreich ein⸗ gehenden Aufträge. Sehr einträglich konnte dieſer neue Zweig, den Hugo hatte auf den Baum ſeiner Kunſt pfropfen müſſen, auch nicht genannt werden; da jedoch des Neffen„Malerei“, wie Frau Wallberg meinte, noch nie einen Heller eingebracht und er immer nur ſich bald in dem, bald in jenem Genre mit mehr oder weniger Glück verſucht hatte, ſo wünſchte ſie, daß er einmal den Genuß haben ſollte, ſelbſt verdientes Geld einzunehmen und äußerte: dies würde ihn anſpornen, auch in ſeiner eigentlichen Kunſt ein wenig auf den pekuniären Erfolg zu denken.
Thereſe Engert, ein liebliches, wenn auch nicht eben ſchönes Mädchen, mit milden blauen Augen und lichtblondem Seidenhaar, friſch wie ein Mairöslein, hatte durch ihre kindliche Heiterkeit, ihr ungekünſteltes, liebenswürdiges Weſen Hugo's leicht entzündbares Herz entflammt. Ein Vorwand, die nähere Bekanntſchaft von Mutter und Tochter zu machen, war bald gefunden. Hugo brachte dem jungen Mädchen ſelbſt die fertigen Bilder— das Gefallen war ein gegenſeitiges geweſen— er erhielt die erbetene Erlaubniß, zuweilen das Haus der Wittwe Engert beſuchen zu dürfen. Frau Engert hielt eine Nähſchule, und da Mutter und Tochter ſehr geſchickt und beliebt waren, hatten ſie viele Schülerinnen und friſteten ſo ihr Leben durch ihrer Hände Arbeit auf die ehren⸗ vollſte Weiſe.
Nachdem das Verhältniß, welches mit der Zeit, wie natürlich, an Innigkeit gewonnen, ziemlich ein Jahr gewährt, drang Frau Engert darauf, daß nun auch die Räthin Wallberg davon erfahre.
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Verſchiffen der Heringe im Hafen von Wick.
Jetzt hatte Hugo ſich entſchließen müſſen, der Freundin ſein Geheimniß zu vertrauen und dieſe um ihren Beiſtand in dem nun unvermeidlichen Streite mit der Tante zu bitten.
Welchen Eindruck dieſe Entdeckung auf Eliſe gemacht, iſt ſchwer zu beſtimmen. Eine ſo verſchloſſene Natur gewährt ſelten Anderen einen Einblick in ihr Gemüth. Auch ward ſie juſt am anderen Tage krank und mußte faſt eine Woche das Bett hüten. Hatte nun Hugo diesmal Eliſens Einfluß auf die Tante über⸗ ſchätzt, oder wollte ſie denſelben nicht geltend machen— genug, Räthin Wallberg weigerte ſich entſchieden, ihre Einwilligung zu der projektirten Verbindung zu geben. Ja, ſie verbot dem Neffen ſogar allen Ernſtes, der Sache je wieder vor ihr Erwähnung zu thun und that Aeußerungen über das junge Mädchen und deren Mutter, die zur Genüge verriethen, daß ihr Urtheil über dieſe völlig reſpektablen Perſonen von irgend einer Seite her beeinflußt worden ſei.
Der junge Mann ward durch dieſen, denn doch unerwarteten
Widerſtand in eine peinliche Verlegenheit verſetzt. Wenn er Frau
Engert auch nicht die volle Wahrheit ſagte, ſo mußte er ihr doch geſtehen, daß die Tante ſeine Wahl nicht billige, was genügte, um die redlich denkende Mutter vielleicht zu einem Bruche des Verhält⸗ niſſes zu vermögen. Dies jedoch mußte um jeden Preis vermieden werden. Sein leichter Sinn ließ ihn aber bald einen Ausweg erſinnen. Von der Ueberzeugung ausgehend, daß irgend eine der
3 alten Freundinnen der Tante und ſogenann⸗ ten Kaffeeſchweſtern Thereſe und deren Mutter verleumdet hätten, glaubte er mit der blinden Zuverſicht aller Verliebten, daß es ſchon genüge, wenn die Räthin das Mäd⸗ chen ſeiner Wahl von Angeſicht zu Angeſicht ſehe, um den gün⸗ ſtigſten Eindruck von ihrer Perſönlichkeit zu erhalten. Deshalb hatte er es auf eine Ueberrumpelung der Tante abgeſehen und Tags zuvor Thereſe und deren Mutter er⸗ ſucht— die Kranke zu beſuchen.
Die beiden ah⸗ nungsloſen Frauen waren zur beſtimmten 5 Stunde erſchienen und 5 SNS von Fräulein Cliſe
1 auch freundlich im Sa⸗ lon empfangen wor⸗ den. Nun aber— als Hugo nothgedrungen der Tante Mittheilung machen mußte, wer die ⸗Beſucherinnen ſeien, die ihrer harrten, folgte eine furcht⸗ bare Scene. Die alte Dame überhäufte den Neffen mit Vorwürfen und ſchwur hoch und theuer, daß ſie eine Heirath zwiſchen dieſem und der leichtfertigen Nähterin nie und nimmer zugeben werde. Auch drohte ſie Hugo mit Enterbung, wenn er ihr hierin nicht gehorſame.
Als Hugo, der überhaupt leicht exregt, nun in den heftigſten Zorn gerathen, das Schlafzimmer der Tante verlaſſen, fand Rieke, die Köchin, welche, von dem Lärm der ſtreitenden Stimmen herbei⸗ gezogen, an der Thüre gelauſcht hatte, ihre Herrin faſt ohnmächtig im Lehnſtuhl hingeſtreckt. Es entſtand nun eine große Verwirrung, Doktor Walter ward geholt, und unter dem Vorwande, daß der Geſundheitszuſtand ſeiner Tante ſich plötzlich bedeutend verſchlimmert habe, gelang es auch dem jungen Manne, die Geliebte und deren Mutter, ohne zu großes Aufſehen zu erregen, aus dem Hauſe zu führen.
Freilich ſorgte Riekens Redſeligkeit dafür, daß noch am ſelben Abend Frau Bernhard und die neugierige Jungfer Roſalie etwas von der heimlichen Liebſchaft des jungen Herrn, welche die Tante nicht billigte, erfuhren. Wie ſtets in ſolchen Fällen, nahm Rieke die Partei ihrer Herrin und fand es ſehr ſchön von der„Fräulein Eliſe“, daß dieſe es ſich ſo angelegen ſein ließ, in einer langen geheimen Unterredung dem jungen Herrn„den Kopf zurecht zu ſetzen“. Allerdings hatte ſie nichts ausgerichtet, wie Rieke aus
Allem ſchloß. Eliſe war nämlich ganz blaß und wie verſtört Abends
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in Handel


