Jahrgang 
14-26 (1877)
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Illuſtrirte Chronik der Zeit.

waren Sie mir ſchuldig, Ihretwegen hatte ich Fräulein Feldern eingeladen, das arme Kind iſt ganz vernarrt in Sie, es macht ſich Hoffnungen

Die ich niemals erfüllen werde! unterbrach Kurt ſie ernſt. Niemals, Madame, das ſteht unabänderlich feſt.

Natürlich, die adeligen Vorurtheile

Sie würden mich niemals hindern, eine Bürgerliche zu hei⸗ rathen, wenn innige Liebe dieſen Bund ſchließt.

Alice Feldern iſt der Liebe eines Mannes werth.

Ich will das nicht beſtreiten, mir aber wird ſie niemals Liebe einflößen können.

Weil Sie eine Andere lieben?

Ja wohl, das iſt der erſte Grund, und ich glaube, er genügt, es iſt alſo unnöthig, auch die anderen Gründe zu erwähnen.

Sie haben mit meinem Manne darüber geſprochen, ſagte Frau Eugenie erbittert,und das Urtheil, welches Sie über Alice

Feldern fällten, hat mich tief gekränkt.

Das iſt meine Schuld nicht

Herr v. Plettenberg, ich muß Sie bitten, nicht zu vergeſſen, daß ich mich in Ihrer Wohnung befinde, der beleidigenden Worte ſind von Ihren Lippen genug gefallen!

Dem jungen Mann ſchoß das Blut ſiedendheiß in die Wangen, auch in ſeinem Innern regte ſich jetzt der Groll.

Ich wiederhole noch einmal, es war meine Schuld nicht, ſagte er in gereiztem Tone,Fräulein Feldern beſitzt nicht die Eigen⸗

ſchaften, die einen Mann bezaubern und feſſeln können, das wiſſen Sie ſo gut wie ich! Und nun bitte ich Sie, reden wir nicht weiter davon, ich erkenne ja Ihre Freundſchaft mit aufrichtigem Dank an.

Madame Bitterlein konnte ihre Ungeduld kaum bezwingen, ſie ſpiegelte ſich in jedem Zuge ihres hageren, unſchönen Geſichts.

Sie ſagten vorhin, der Hauptgrund Ihrer Abneigung gegen Alice Feldern ſei Ihre Liebe zu einer andern Dame, erwiederte ſie, nun wohl, dieſer Grund war Ihnen längſt bekannt, Sie wußten alſo voraus, daß das Kind keinen Eindruck auf Sie machen würde, alſo

Alſo hätte auch die Komödie unterbleiben können, ergänzte Kurt den Satz.Aber wer hat denn darauf gedrungen, daß ſie in Scene geſetzt werden ſolle? Wenn Sie gerecht ſein wollen, gnädige Frau, ſo müſſen Sie zugeben, daß Sie es waren, und da⸗ mit wird jeder Vorwurf von mir genommen. Ich wollte Ihnen das Alles nicht ſagen, und deshalb kam ich auch nicht zu Ihnen, überdies hatte mich der plötzliche Tod meines Freundes ſo ſehr er⸗ ſchüttert, daß ich alles Andere darüber vergaß.

Jetzt überwog in der Seele der hageren Frau die Neugier den Groll.

Das Duell hat wegen der Baroneſſe v. Frankendorf ſtattge⸗ funden? fragte ſie.Ich hatte erwartet, Sie würden zu mir kommen, um mir Mittheilungen darüber zu machen, aber nein, Sie nahmen auch dieſe Rückſicht nicht auf mich, Sie überließen es der Zeitung und den in der Luft ſchwirrenden Gerüchten, mich zu unterrichten.

Das Pfarrhaus in Lützelflüh, Jeremias Gotthelf's Wohnſtätte.(S. 379.)

Ueber die Lippen Kurts glitt ein ironiſches Lächeln, gedanken⸗ voll drehte er an den Spitzen ſeines Schnurrbarts; er wußte, daß er in ſeinen Mittheilungen dieſer Frau gegenüber vorſichtig ſein mußte.

Den eigentlichen Grund der Herausforderung weiß ich ſelbſt nicht, ſagte er zurückhaltend.Pillnitz iſt todt, der Baron v. Frankendorf ſchwer verwundet

Sie ſind der Sekundant des Barons geweſen?

Dos iſt richtig!

Und der Baron ſollte nicht einmal ſeinem Sekundanten den Grund mitgetheilt haben?

Er wurde mir nur angedeutet, erwiederte Kurt mit bedauern⸗ dem Achſelzucken.Herr v. Pillnitz hat um die Hand der Baro⸗ neſſe geworben und einen Korb erhalten, darüber iſt es zwiſchen ihm und dem Bruder der Dame zu böſen Worten gekommen, deren Folge die Herausforderung war.

Und wer hat den erſten Schuß gehabt? forſchte Frau En⸗ genie.Man behauptet, Herr v. Pillnitz habe zuerſt geſchoſſen und den Baron ſchwer verwundet, aber trotz dieſer Verwundung ſei der Baron fünf Schritte vorgerückt, um ſeinem Gegner die Piſtole ſo zu ſagen auf die Bruſt zu ſetzen.

Vom Hörenſagen kommen die Lügen, ſpottete der junge Mann,die Sache liegt doch etwas anders. Den erſten Schuß hat keiner der beiden Duellanten gehabt, ſie haben zugleich ge⸗ ſchoſſen, wie es verabredet war.

Sie waren auch zugegen, als die Höhle im Walde entdeckt und der Mörder des Förſters verhaftet wurde? fragte Madame Bitterlein erwartungsvoll.

Ich habe zuerſt die Höhle entdeckt!.

So? Man erzählt ſich haarſträubende Dinge davon. Es ſoll eine wahre Mörderhöhle ſein.

Die Höhle war weiter nichts, als eine geräumige Grube, die urſprünglich wohl nur zur Aufbewahrung des geſtohlenen Wildprets dienen ſollte. Der Müller hat dann ſpäter ſie als Verſteck für ſich ſelbſt benützt, und es mag ihm erbärmlich genug darin zu Muthe geweſen ſein. Die Schauergeſchichten, die man an dieſe Höhle knüpfen will, ſind erfunden, und ich kann dabei noch nicht einmal die Phantaſie des Erfinders bewundern.

Der Müller ſoll ein offenes Geſtändniß abgelegt haben.

Das hat er ſchon im Augenblicke ſeiner Verhaftung gethan, ich bin als Zeuge in dieſer Sache vernommen worden und habe bei der Gelegenheit erfahren, daß er keinen Verſuch gemacht hat, ſein Geſtändniß zurückzunehmen. Er hat den Förſter erſchoſſen, weil er ſeine Höhle entdeckt ſah.

Frau Eugenie ſchüttelte den Kopf, dieſe Erklärung war ihr zu nach zu proſaiſch, der Phantaſie wurde dabei kein Spielraum ge⸗ voten.

Waren Sie in der Höhle? fragte ſie.

Nein, gnädige Frau.

Nun, dann können Sie auch nicht als Augenzeuge betrachtet