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Illuſtrirte Chronik der Zeit.
Es gelang mein Plan, einige Seeleute unter den Goldgräbern zu finden und an uns zu feſſeln. Jetzt noch einige vortheilhafte Unter⸗ nehmungen, dann verlaſſen wir zuſammen dies blutige Land.“
„Es fragt ſich aber wohl noch, ob wir bereit ſind, Euch zu helfen,“ bemerkte der Schotte.„Ihr habt uns bethört, Kapitän. Keiner von uns hat Luſt, Euretwegen an den Galgen zu kommen.“
„Wenn ihr nicht ſofort die beſte Miene zu meinen Vorſchlägen macht, wenn ihr euch noch länger ſtörrig zeigt, ſo laſſe ich euch vor Ablauf einer Stunde an die Bäume dort hängen. Nun könnt ihr wählen, was ihr wollt!“
„Wenn dem ſo iſt, ſo unterwerfe ich mich,“ brummte der Schotte.„Ich will mich ſo lange vor dem Hängen ſchützen als möglich.“
„Wir ſind unter ſolchen Umſtänden gezwungen, Eurem Willen zu gehorchen,“ ſagte Karl Vogel, und ſein Bruder nickte Zuſtimmung.
„Ich bin auch dabei,“ bemerkte der kleine dicke Schiffskoch. „Zum Teufel, Bob Hawkins, ich kenne Euch. Ich war auf der „Betſy Jones', als das ſchmucke Fahrzeug von Euch gekapert wurde. Die ganze Mannſchaft ließet Ihr den blutgierigen Haifiſchen vor⸗ werfen, bis auf meine Perſon, weil Ihr mich als Koch brauchen konntet. Nachher kam ich glücklich vom Schiff weg und man ſagte mir ſpäter in Sydney, daß man Euch gefangen habe und daß Ihr gehängt werden ſolltet. Dummer Eſel, der ich bin, ich kannte Euch doch gleich, als ich Euch in der Schlucht ſah. Aber freilich, wie kann man ſich denn vorſtellen, daß ein gehängter Mann noch in der Welt herumläuft? Nun ſitze ich ſchon wieder einmal in der Patſche. Das iſt mir freilich ſchon oft paſſirt!“
„Hoffe, daß ich bald wieder auf die blaue See hinauskomme,“ ſagte der ehemalige Pirat.„Wir ſind alſo nun Alle einig! So wollen wir denn jetzt das Lager aufſuchen und uns einen frohen Tag machen! Whiskey und Tabak haben wir in Fülle mitgebracht!“
„Hurrah!“ ſchrie die Bande, und unſere Goldgräber ſchrieen aus Politik mit.„Hurrah! Es lebe der Hauptmann!“
Darauf drang die Schaar in den Wald ein. Der Lagerplatz der Bande im Dickicht drinnen lag auf einem kleinen ſteilen Hügel und war rings von Dorngeſträuch umgeben, durch welches ein künſtlicher Pfad gehauen war, den ein Uneingeweihter von außen nur ſchwer entdecken konnte. Ein paar ſchlechte Rindenhütten ſtan⸗ den da, den Wohnſtätten der Eingeborenen ähnlich. Ein ausge⸗ waidetes Känguruh hing an einem Baume und herunliegende Thierknochen gaben Kunde von früherer Jagdbeute. Was die Buſch⸗ rähndſcher an Waffen und ſonſtigen Gegenſtänden beſaßen, war alles den Goldgräbern geraubt, die ſo unglücklich geweſen, in die Hände der Bande zu fallen.
Die mitgebrachten leichten Linnenzelte wurden aufgeſchlagen und dann fand eine Vertheilung von Kleidern und Waffen ſeatt. Nach einer halben Stunde ſahen die Strolche in ihren neuen An⸗ zügen wie anſtändige Miner aus und hätten ſich dreiſt in den Dig⸗ gings zeigen können, wie Einer von ihnen mit Befriedigung be⸗ merkte.
„Das iſt auch mein Plan,“ ſagte Hawkins.„Zehn von euch ſollen morgen als anſcheinend anſtändige Goldgräbergeſellſchaft mit dem Laſteſel und dem einen Zelt nach den Diggings am oberen Laddon aufbrechen. Dort iſt Beute zu machen. Ein Zeitungsblatt aus Melbourne, welches unſere neuen Freunde vom Long Gully⸗ Lager mitbrachten, meldete von reichen Funden in dortiger Gegend. Jack Robinſon ſoll Anführer der Unternehmung ſein.“ 4
„Ich bin bereit, Kapitän!“ ſchrie ein ſtruppiger Kerl, der muth⸗ maßlich der größte Schurke von Allen war.
„Ihr wollt alſo ſelbſt nicht mit, Kapitän?“ fragte ein Anderer etwas mißtrauiſch.
„Teufel, Mate, Ihr traut mir zu viel zu. Ich habe die letzten 16 Tage den anſtrengendſten Marſch gemacht und möchte nun meine müden Knochen ausruhen. Vier Tagereiſen ſind's bis zum Laddon, eine Kleinigkeit für Eure friſchen Kräfte, aber die Strapaze iſt für mich zu groß, wie Ihr begreifen werdet. Soll ich ſelber die Führung übernehmen, ſo muß die Expedition noch län⸗ gere Zeit hinausgeſchoben werden.“
„Nein, nein!“ riefen Mehrere.„Der Kapitän hat Recht! Und Zwei von uns bleiben ja überdies hier!“
„Und die Neuen? Iſt ihnen ſchon ganz zu trauen?“ fragte Einer, auf die abſeits gelagerten vier Ankömmlinge deutend.
„Wahrlich, ich denke, daß die Vier nichts gegen uns Drei aus⸗ richten können. Auch werde ich dafür ſorgen, Laß ſie vorläufig unbewaffnet bleiben. Weshalb hegt ihr überhaupt dieſes Mißtrauen gegen mich, Mates? Habe ich euch je dazu Urſache gegeben? Ich habe mich der größten Gefahr ausgeſetzt, um euch Proviſionen und die beſten Waffen zu verſchaffen. Nun ſeid ihr ſo vortrefflich ausgerüſtet, daß ihr einer doppelten Uebermacht furchtlos entgegen treten könnt.“
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„Sollen wir nicht auch die Pferde mitnehmen? Das würde uns ein noch mehr reputirliches Ausſehen geben.“
„Nein. Der Beſitz der Thiere iſt für uns zu koſtbar und ſie müſſen geſchont werden. An dem alten Eſel iſt nichts gelegen, wenn er ſich zu Schanden ſchleppt.“
„Kapitän Hawkins' Meinung iſt in Allem weislich,“ ſagte Jack Robinſon, der ſichtlich vergnügt darüber war, daß er als Führer einer wichtigen Expedition fungiren ſollte.„Wir wollen eine nette Plünderung in den Diggings in's Werk ſetzen und einen Haufen Gold heimbringen zu dem, was wir ſchon haben. Nun laßt uns ein fröhliches Abſchiedsfeſt feiern, Mates, und den neuen Whiskey probiren!“
Dieſer Vorſchlag fand den lärmendſten Beifall ſämmtlicher Banditen.
Es ging nun hoch her in der Wildniß. Die mitgebrachten Vorräthe wurden in Anſpruch genommen und der Whiskey nicht
geſpart. Das erlegte Känguruh lieferte einen trefflichen Braten.
Gegen Abend wurde die Geſellſchaft ſo munter, daß unſere Goldgräber, ſie mochten insgeheim noch ſo ſehr davor ſchaudern, mit den Buſchrähndſchern Brüderſchaft trinken mußten. Wer unter Wölfen iſt, muß mit ihnen heulen, wenn er nicht gefreſſen werden will, heißt es im Sprichwort.
Endlich, als der Mond ſchon hoch am Himmel ſtand, begab man ſich zur Ruhe. Die Ankömmlinge waren ermüdet von den gehabten Reiſeſtrapazen und die Expeditionsſchaar mußte ſich ſtärken zu den Beſchwerlichkeiten, denen ſie entgegen gehen ſollte.
Die beiden Deutſchen, der Holländer und der Schotte erhielten ihren Schlafplatz für ſich in einer der Hütten angewieſen.
In der Nacht, als Alles ſtill war, ſtieß Macgregor den kleinen Schiffskoch ſo lange in die Seite, bis van Tromp brummend aus dem Schlafe auffuhr und mürriſch fragte, was es denn gebe. Er habe eben einen ſchönen Traum von den Luſtbarkeiten in Antwerpen geträumt und es wäre ihm höchſt unangenehm, aus ſolchem Ver⸗ gnügen aufgeſchreckt und in die rauhe, troſtloſe Wirklichkeit zurück⸗ geworfen zu werden.
„Tromp,“ flüſterte der Schotte vorſichtig,„glaubt mir, ich denke nur daran, aus den Klauen dieſer Schufte zu entkommen. Ihr waret mit auf dem Barkſchiffe ‚Betſy Jones, ſagtet Ihr vorhin?“
„Ja. Und dieſer blutige Pirat kaperte uns.“
„War es ein Fahrzeug von Live pool?“
„Ja. Der Kapitän hieß Jarais. Wir wurden gekapert in der Torresſtraße.“
„Das ſtimmt. Es befand ſich unter den Matroſen ein junger Mann, Namens Richard Lyons?“
„Ganz recht. Den habe ich gut gekannt.“
„Und er wurde von Hawkins den Haifiſchen zum Fraß vor⸗ geworfen?“
„Wie alle die Anderen von der Mannſchaft, bis auf mich Habt Ihr Lyons gekannt?“
„Er war mein beſter Freund und der Bräutigam meiner armen Schweſter, die aus Gram über den auf der See Verlorenen ſtarb. So weiß ich doch nun, an wem ſie gerächt werden muß!“
„Teufel, Mate, Ihr wollt...“
„Ich will den blutigen Piraten Hawkins tödten oder ſelber bei dem Verſuch umkommen. Ich denke aber, er dreht ſich ſelber den richtigen Strick um den Hals, denn mir ſcheint, er hat etwas Be⸗ ſonderes im Werke. Er will ſich den größten Theil der Bande vom Halſe ſchaffen, um ſeine Abſichten auszuführen. Nachher will ich dann das Spiel zu unſeren Gunſten drehen. Seid vorſichtig, Tromp! Jetzt ſchlaft nur wieder ein. Ich weiß nun, was ich wiſſen wollte!“
Der alte Holländer ſchlief faſt augenblicklich ein; allein er träumte nicht mehr von Antwerpen; der Traumgott ſpiegelte ihm
eine Scene vor, in der er Hawkins am Galgen hängen ſah. Dieſer
Traum verſchaffte ihm alſo auch einen angenehmen Genuß.
Macggregor lag noch lange wach und ſann über ſeine gewagten Pläne nach, bis er endlich doch entſchlief.
Am anderen Morgen herrſchte mit Sonnenaufgang eine rege Geſchäftigkeit im Banditenlager. Die zehn Männer, welche die Expedition mitmauchen ſollten, rüſteten ſich zum Aufbruch.
Einige Stunden ſpäter fand die Abreiſe ſtatt. Die Schaar zog nach Weſten, durch den Wald, dem Fluſſe Laddon zu. Van Tromp ſchaute traurig ſeinem geliebten Eſel nach, den er nicht wieder ſehen ſollte.
Der Schotte flüſterte jetzt den Kameraden zu, daß ſie ſich bereit halten ſollten, einen entſcheidenden Schlag zu führen, um aus der Gewalt der Buſchrähndſcher zu entkommen. Vor allen Dingen galt es, ſich Waffen zu verſchaffen, ohne welche ſie gegen die drei Räuber nichts ausrichten konnten.
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