348 Illuſtrirte Chronik der Zeit.
hier bleibt, bis ſie ſo weit wieder hergeſtellt iſt, daß ſie die projektirte Badereiſe antreten kann. In welchem Bade ſie dann die Kur gebrauchen ſoll, darüber läßt ſich jetzt noch nichts beſtimmen, wir werden das ſpäter berathen.“
„Ich bin Ihnen ſehr dankbar dafür, daß Sie auf meine Wünſche eingehen
„Bitte ſehr, ſie ſtimmen mit meinen Anſichten überein, da kann ich ja nicht anders. Aber nun muß ich gehen, meine Patienten erwarten mich.“
Der alte Herr trank ſein Glas aus und erhob ſich; Acker⸗
d mann begleitete ihn bis zur Treppe, dann kehrte er in ſein Kabinet zurück.
„Nach Plettenberg will ſie?“ ſagte er leiſe, während er in den Papieren blätterte, die auf dem Schreibtiſch lagen.„Soll ich darin Abneigung gegen mich oder Mißtrauen erkennen 2 Gleichviel, dieſes Verlangen darf nicht exfüllt werden, und ich denke, an dem Doktor jetzt einen guten Verbündeten zu haben.“
„Herr Rittergutsbeſitzer Bogen!“ meldete Daniel.
Ackermann wandte haſtig ſich um und ging ſeinem Schwieger⸗ vater entgegen..
„Sie waren geſtern Abend bei Bertha,“ ſagte er, ihm die Hand bietend,„leider befand ich mich nicht zu Hauſe.“
„Und wie befindet Bertha heute ſich?“ fragte Bogen.
oeben verlaſſen, er ſieht die Sache nicht
„Der Arzt hat mich ſ
d———
ſo ſchlimm an—“
„Deshalb würde ich rathen, einen zweiten Arzt hinzu zu ziehen,“ ſagte der Gutsbeſitzer, indem er ſich in einen Seſſel niederließ.
Ackermann hatte die Hände auf den Rücken gelegt, er wanderte langſam auf und nieder..
„Wenn die Sache bedenklich wäre, würde der Arzt es mir ſicher nicht verſchwiegen haben,“ erwiederte er,„wir müſſen Geduld haben—“
„Geduld, bis es zu ſpät iſt!“
„Sie ſetzen gleich das Schlimmſte voraus! Der Doktor glaubt zuverſichtlich, Bertha werde in einigen Tagen ſo weit hergeſtellt
ſein, daß wir unſere Badereiſe antreten können.“
La Valette auf der Inſel Malta.(S. 359.)
„Redensarten!“ ſagte der Gutsbeſitzer achſelzuckend.„Ich glaube nur das, was ich ſehe. Bertha hat mich gebeten, ihr in Plettenberg einige Zimmer einzuräumen—“
„Meine Frau hat dieſen Wunſch wohl geäußert, ohne ihn vorher zu überlegen,“ fiel Ackermann ihm in die Rede,„ich begreife überhaupt nicht, was ſie veranlaſſen konnte, denſelben zu äußern.“
„Sie dürfen ihr das nicht übel nehmen, das Kind ſehnt ſich immer nach der Mutter.“
„Aber Mama würde ſie nicht ſo ſorgſam pflegen können, wie wir es thun.“.
„Ei, ei, weshalb nicht?“ fragte der Gutsbeſitzer in einem Tone,
der etwas gereizt klang.
——


