Jahrgang 
14-26 (1877)
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Illuſtrirte Chronik der Zeit.

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Todt?

Der Sergeant hob den Mantel auf und ſah in das bleiche ſtarre Antlitz, dann verhüllte er es wieder.

Haben Sie in der vergangenen Nacht gar nichts entdeckt? fragte der Kommiſſär.

Nicht das Geringſte.

Na, ich erwarte hier Jemand, der mir eine Mittheilung machen will, wenn das geſchehen iſt, können Sie in die Stadt gehen und mir einen anderen Sergeanten herausſchicken.

Und Sie wollen hier bleiben?

Bis die Ablöſung kommt. Die nächſte Nacht muß noch ein- mal durchwacht werden.

Der Sergeant ſchüttelte den Kopf, aber der Reſpekt vor dem Vorgeſetzten hinderte ihn, ſeine Anſicht zu äußern, die mit der des Kommiſſärs nicht übereinſtimmte.

Eine Viertelſtunde ſpäter traf der Adjutant wieder ein, er war ſichtbar erregt, auf ſeiner Stirne lagerten dunkle Schatten.

Ich danke Gott, daß das vorüber iſt, ſagte er,es war ein ſchwerer Gang.

Kann's mir denken, erwiederte der Kommiſſär.Hofft der Arzt, daß der Herr Baron mit dem Leben davon kommen wird?

Er hat ſeine Anſicht noch nicht ausgeſprochen, man weiß ja, wie die Herren es machen, ſie zucken mit bedenklicher Miene die Achſeln und laſſen die Natur ſorgen. Kommen wir jetzt auf die Entdeckung zurück, die ich gemacht zu haben glaube. Sind Sie oft an dieſer Stelle geweſen?

Ja; hier wurde ja der erſchoſſene Hund gefunden, gerade hier mußten die Anfänge einer Spur geſucht werden.

Und Sie haben nie etwas entdeckt?

Nie, Herr Lieutenant!

In der Nähe liegt ein großer Stein, kennen Sie ihn?

Ich habe ihn geſehen, erwiederte der Kommiſſär erwartungs⸗ voll.Bezieht er ſich auf Ihre Entdeckung?

Jawohl. Ich war heute Morgen mit meinem Kameraden zuerſt auf dem Platze, wir kamen eine Viertelſtunde zu früh. Mein armer Freund hatte mir für den Fall ſeines Todes noch einige Mittheilungen zu machen; wir ſetzten uns auf den Stein und ich entdeckte, daß derſelbe nachgab, er lag nicht ſo feſt, wie man es bei einem ſo großen und ſchweren Steine erwarten muß. Dann aber ſtieg mir auch ein ſeltſamer und ganz abſcheulicher Geruch in die Naſe, und die Luft, die ich einathmete, beengte mir den Athem ſo ſehr, daß ich aufſtehen mußte.

Vielleicht liegt unter dieſem Steine die Leiche des Förſters, ſagte der Kommiſſär erregt.

Hören Sie weiter. Ich ſtieß mit dem Fuß an den Stein, anſcheinend abſichtslos, um meinen Freund nicht aufmerkſam zu machen, und ich bemerkte, daß der Stein durch dieſen Stoß um eines Fingers Breite verſchoben wurde.

Darin finde ich nichts Auffallendes!

Darin allerdings nicht, aber einige Minuten ſpäter lag der Stein wieder genau ſo, wie er gelegen hatte.

Und das wiſſen Sie ganz ſicher? fragte der Beamte, in deſſen Augen es aufblitzte.

Ich bin meiner Sache durchaus ſicher.

Wohlan, ſo weiß ich, was ich unter dem Steine zu ſuchen habe. Sergeant, vorwärts, ich glaube, wir haben gefunden, was wir ſuchen.

Wollen Sie nicht warten, bis die Leute kommen, welche die Leiche holen ſollten? fragte Kurt.

Warten, Herr Lieutenant? Keine Sekunde! erwiederte der Kommiſſär, haſtig voranſchreitend.Mit einem einzelnen Manne werden wir wohl fertig werden! Hier iſt der Stein, verſuchen Sie, ihn beiſeite zu wälgen, Sergeant. Warten Sie, ich helfe Ihnen den Teufel auch, das ſieht ja aus wie eine Bärengrube!

Er hatte, da der Stein dem Druck ſofort nachgab, in Gefahr geſchwebt, in die Höhle hinunterzuſtürzen, im letzten Augenblick war er noch zurückgeſprungen und jetzt blickte er in das dunkle Loch hinunter, aus der eine verpeſtete Luft aufſtieg.

Heda, Krumm, ſeid Ihr da unten? rief er.Verſteckt Euch nicht länger, es hilft nichts.

Ein Schuß war die Antwort, der Kommiſſär hörte die Kugel an ſeinem Kopf vorbeiſauſen, und als der Pulverdampf ſich ver⸗ zogen hatte, ſtarrte ihm aus der Finſterniß da unten das bleiche, verzerrte Geſicht des Müllers entgegen.

Sieh' da, Ihr habt ja vor dem Richter behauptet, mit Schuß⸗ waffen gar nicht umgehen zu können, ſpottete der Beamte,und nun hättet Ihr beinahe den zweiten Mord auf Euer Gewiſſen ge⸗ laden. Kommt heraus, Müller, ich begreife nicht, daß Ihr da unten noch athmen könnt.

Das begreife ich ſelbſt nicht, erwiederte Valentin mit heiſerer Stimme,aber lebendig bekommt Ihr mich nicht.

Spaß! Wir räuchern Euch hexaus. Uebrigens haben wir auch Waffen! Eure Mühle iſt in der vorigen Nacht abgebrannt, vielleicht wißt Ihr das noch nicht.

Und wo iſt mein Weib? ſchrie der Müller.

Baroneſſe v. Frankendorf hat ſich Eurer Frau und Eures Kindes angenommen, für die Beiden iſt geſorgt. Ladet nicht noch größere Schuld auf Euer Gewiſſen, denn die Verbrechen des Vaters fallen auf ſeine Kinder zurück.

Die letzten Worte ſchienen doch Eindruck auf den Müller zu machen, er ſchwieg eine geraume Zeit, dann richtete er die Leiter empor, an der er langſam hinaufſtieg.

Ich gehe mit Euch, ſagte er,mag nun geſchehen, was da will, ich werde es tragen. Hätte nimmer gedacht, daß mein Weib Bettelbrod annehmen würde. 3 8

Hunger thut weh, erwiederte der Kommiſſär lakoniſch.Habt Ihr alle die Zeit in dem Loch da unten gehaust?

Ich hab's oft verlaſſen wollen, nickte der Müller,aber nie war die Luft ſo rein, daß ich es wagen durfte. Als der Stein heute Morgen fortgerückt wurde, da wußte ich, daß das Ende jetzt gekommen war. Rührt mich nicht an! fuhr er auf, als der Ser⸗ geant Miene machte, ihm die Handſchellen anzulegen,ich gehe freiwillig mit Euch, alſo erſpart mir dieſe Schmach, wenn Ihr mich nicht wild machen wollt.

Der Kommiſſär gab dem Beamten einen Wink.

Es ſoll Euch erſpart bleiben, wenn Ihr Euer Verſprechen haltet und gutwillig mitgeht, ſagte er;ſobald Ihr aber nur eine verdächtige Bewegung macht, werdet Ihr gefeſſelt. Sergeant, ich vertraue Ihnen den Gefangenen an, will mich nur da unten ein⸗ mal umſehen. Wenn Sie mich begleiten wollen, Herr Lieutenant

Ich danke! erwiederte Kurt zurücktretend,die Atmoſphäre, die mir hier entgegenweht, iſt keineswegs einladend.

Der Kommiſſär ſtieg hinunter, aber er kehrte ſchon nach einigen Minuten zurück.

Da iſt die Büchſe und hier ein Säckchen mit Munition, ſagte er, auf die Gegenſtände in ſeiner Hand zeigend.Die Höhle iſt kunſtgerecht gebaut, dagegen läßt ſich nichts einwenden, Lebens⸗ mittel ſind auch noch vorhanden

Ich hätt's immer noch einige Tage aushalten können, ſpot⸗ tete der Müller.

Wenn Ihr nur aus der Höhle nicht eine Todtengruft ge⸗ macht hättet!

Haben Sie das in der Geſchwindigkeit auch ſchon entdeckt?

Leugnet nicht, Krumm, Ihr habt die Leiche des Förſters da unten in der Höhle eingeſcharrt!

Alſo das iſt die Urſache der Luftverpeſtung? fragte der Adjutant entſetzt.

Was würde längeres Leugnen mir nutzen? ſagte der Müller achſelzuckend.Man wird jetzt die Leiche finden, ich kann's nicht mehr verhindern..

Sie haben alſo wirklich den alten Mann ermordet? rief Kurt erregt.

Ermordet iſt ein böſes Wort, erwiederte Valentin, ihn trotzig anblickend,ich hab' ihn erſchoſſen, ihn und ſeinen Hund, es war Nothwehr, denn er hatte Alles entdeckt. Ich war auf dem Anſtand geweſen und kam mit der geladenen Büchſe zurück; hier in dem Loch ſtand der Förſter auf der Leiter und ſein Hund ſprang mir entgegen, da iſt's geſchehen, ehe ich ſelbſt es wußte, der alte Mann ſtürzte kopfüber hinunter und der Hund brach zuſammen, ohne einen Laut auszuſtoßen. Niemand hätte mir etwas beweiſen können, wenn die Höhle nicht entdeckt worden wäre.

Na, nun wiſſen wir mehr als genug, ſagte der Kommiſſär, das Uebrige können wir getroſt dem Unterſuchungsrichter überlaſſen.

Er ſchob den Stein wieder auf die Oeffnung, hing die Büchſe über die Schulter und nahm von dem Adjutanten Abſchied, der auf dem Duellplatze zurückbleiben wollte, bis die Leiche ſeines Freun⸗ des geholt wurde.

Zwiſchen den Beamten ſchritt der Verbrecher mit trotzig er⸗ hobenem Haupt von dannen, der Ausdruck ſeines Geſichts ließ keine Spur von Reue erkennen.

Einundzwanzigſtes Kapitel. Ernſte Zerwürfniſſe.

In dem prachtvollen Hauſe des reichen Herrn Ackermann war es ſtill, ſehr ſtill geworden.

Schon ſeit 14 Tagen lag die junge ſchöne Frau auf dem Krankenlager, und der Arzt konnte noch immer nicht ſeine Diagnoſe

ſtellen. Es war eine ſeltſame und beunruhigende Krankheit, vor der

zu lindern.

die Wiſſenſchaft rathlos ſtand, unfähig, ſie zu heben oder nur

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