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Alle dieſe Umſtände kombinirte Melzer mit der nur ſchlecht verhehlten Aufregung des Geſandten und wußte nun ungefähr, welches Inhaltes die ihm anvertraute Depeſche war. Ebenſo er⸗ kannte er daraus aber auch, wie doppelt nothwendig es diesmal ſei, das Papier vor Spähern und Dieben, welche man den Kurieren nachzuſchicken pflegte, zu hüten. Deshalb, und weil ihm die höchſte Eile anbefohlen war, gönnte er ſich die erſte Raſt nicht eher, als bis er das Haus ſeiner Freunde erreicht hatte, und deshalb wandte er auch dort alle möglichen Vorſichtsmaßregeln an, ehe er ſich zur Ruhe begab.„
Erfüllt von der auf ihm laſtenden Verantwortlichkeit ſchlief Melzer zwar ſofort ein, aber ſein Schlaf war nicht, wie man nach der gehabten Anſtrengung hätte vermuthen ſollen, traumlos und erquickend. Er träumte, er ſitze mit dem franzöſiſchen Geſandten, dem ruſſiſchen Polizeiminiſter und dem Fürſten Theodor Ozinoff am Spieltiſch und habe beträchtlich gewonnen, der Fürſt greife
Illuſtrirte Chronil der Zeit.
aber nach den Banknoten und wolle ſie ihm entreißen. Heftig fuhr er auf und nun war es nicht mehr der Gewinn, den man ihm zu nehmen trachtete, ſondern der Anſchlag ſchien ihm gegen das Portefeuille mit den Depeſchen gerichtet zu ſein. Einen Augen⸗ blick rangen Schlaf und Wachen, Traum und Wirklichkeit um ihn. Das Geſchnatter der unter ihm eingeſperrten Gänſe, die durch irgend etwas aufgeſtört zu ſein ſchienen, diente dazu, ihn vollends zu erwecken, und mit der Wiederkehr des Bewußtſeins hatte er die Empfindung, als ob Jemand im Zimmer ſei.
Inſtinktmäßig griff er mit der einen Hand nach ſeinen Waffen, mit der anderen nach dem Portefeuille. Die Piſtolen lagen genau an derſelben Stelle, auf die er ſie gelegt, das Portefeuille befand ſich unter ſeinem Kopffiſſen und er konnte die Zinnkapſel, welche die Depeſche umſchloß, fühlen. Tiefe Stille herrſchte im Zimmer, beim Scheine des Mondes, der durch das Fenſter fiel, ſah er, daß die Truhe ebenſo vor der Thüre ſtand, wie er ſie des Abends hin⸗
gerückt hatte. Seine aufgeregte Phantaſie hatte ihm einen Streich geſpielt und den Traum im Wachen noch weiter fortgeſetzt; was aber die Gänſe anbetraf, die ſich inzwiſchen auch beruhigt hatten, ſo waren ſie ohne Zweifel durch das Heranſchleichen eines Fuchſes oder Marders aufgeſchreckt worden. Beruhigt legte er ſich auf die andere Seite und ſchlief nun erſt feſt und ſüß bis zu dem Augen⸗ blicke, wo er von ſeinem Wirthe geweckt wurde.
Die erſten ſchwachen Streifen im Oſten verkündeten den neuen Tag, als der Kurier ſich bereits wieder auf die Reiſe machte und den Kampf mit ſchlechten Landſtraßen, ausgetretenen Flüſſen, wider⸗ ſpenſtigen Poſtmeiſtern und neugierigen Mitreiſenden von Neuem begann. Mit Hilfe des Einfluſſes und des Geldes des franzöſiſchen Geſandten und indem er hier beſtach und dort drohte, überwand er jedoch alle Schwierigkeiten, erlangte jederzeit friſche Pferde und athmete hoch auf, als er die ruſſiſche Grenze hinter ſich hatte und deutſchen Boden unter ſeinen Füßen fühlte. Hatte er auch die Depeſche des Grafen L. feſt auf ſeinem Herzen geborgen, was half
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Der Kletterbarſch oder laufende Fiſch.
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dieſe Vorſichtsmaßregel, wenn das Herz ſelbſt ſtill ſtand? Und er wäre nicht der erſte Kurier geweſen, der ſammt ſeinen Depeſchen auf ruſſiſchen Landſtraßen verſchwunden und niemals wieder zum Vorſchein gekommen war.
Dank der beſſeren Beförderungsmittel ging die Reiſe durch Deutſchland noch ſchneller von Statten, Melzer gelangte über den Rhein und kam in Paris mit dem ſtolzen Gefühl eines Menſchen b der in einem überaus ſchwierigen Unternehmen Sieger geblie⸗ en iſt.
Es war drei Uhr Morgens, als er die Barrièren der fran⸗ zöſiſchen Hauptſtadt paſſirte, aber dieſe frühe oder ſpäte Stunde, wie man es nehmen will, hielt ihn nicht ab, ſich ſofort nach dem Hotel des Kriegsminiſters zu begeben. War ihm doch befohlen, ſeine Depeſchen unverzüglich in die Hände Seiner Excellenz zu liefern.
Im Miniſterhotek hatte ein glänzender Ball zu Ehren des erſt kürzlich in Paris angekommenen neuen ruſſiſchen Geſandten
ſtattgefunden und die Dienerſchaft war ſoeben erſt zur Ruhe ge⸗
den C ſcien ihn a verlan
haben aber


