Jahrgang 
14-26 (1877)
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Iltuſtrirte Chronik der Zeit.

er in ſeinen Hoffnungen getäuſcht worden iſt. Sie mögen in der Reſidenz andere Erſahrungen gemacht haben, ich beneide Sie nicht um dieſelben, denn Sie haben ſie mit dem Verluſt Ihrer Ehre er⸗ kaufen müſſen.

Wuth und Haß flammten aus den Augen des Rittmeiſters, und dieſer flammende Blick ruhte durchdringend auf dem Antlitz Theobalds.

Nichts berechtigt Sie, mir das zu ſagen, rief er, mühſam ſeine Faſſung behauptend,ich muß alſo annehmen, daß Sie ab⸗ ſichtlich mich beleidigen wollen

Abſichtlich? Das iſt nie meine Art geweſen! Ueber Ihr Leben in der Reſidenz habe ich ſehr zuverläſſige Nachrichten erhalten, und wenn ich noch eine Beſtätigung für die Wahrheit dieſer Nachrichten gewünſcht hätte, ſo würde ich ſie in den Worten meiner Schweſter vorhin gefunden haben.

Wenn Sie den Muth haben, einen Mann von Ehre zu be⸗ leidigen, Herr Baron, ſo werden Sie wohl auch ihm die Genug⸗ thuung nicht verweigern, die er in ſolchen Fällen fordern darf.

Zweifeln Sie daran?

Nein, ich hoffe, Sie werden auch darin mit mir überein⸗ ſtimmen, daß die Sache ſpäteſtens morgen in der Frühe geordnet werden muß.

Kurt, Du wirſt die Güte haben, das Nähere mit dem Herrn Rittmeiſter feſtzuſtellen, wandte Theobald ſich zu dem Adjutanten, ich werde Dir meine Wünſche nennen.

Ich bitte um Entſchuldigung, daß ich Sie unterbreche, Herr Baron, ſagte Pillnitz,reiteſt Du ſogleich mit mir zurück, Kurt?

Jawohl.

Dann werde ich Befehl geben, die Pferde ſatteln zu laſſen und auf Dich warten.

Der Rittmeiſter verabſchiedete ſich mit einem höflichen Gruß von dem Baron und ging von dannen.

Iſt das Duell unvermeidlich? fragte Kurt, der erſt jetzt ſei⸗ ner Beſtürzung Worte leihen konnte.

Und das fragſt Du noch? erwiederte Theobald zürnend. Ich fange an die Aufrichtigkeit Deiner Liebe zu Thusnelda zu be⸗ zweifeln, haſt Du das Wort nicht vernommen, mit dem er ſie be⸗ ſchimpfte?

Wenn er es zurücknimmt

Dann bleibt die Beleidigung noch immer, die er ihr perſön⸗

lich zugefügt hat. Was er ihr geſagt hat, weiß ich nicht, und Thusnelda wird es mir nicht ſagen, um mich nicht aufzuregen, die Antwort, die ſie ihm gab, genügt mir. Ordnen wir nun raſch, was noch zu ordnen iſt. Ich werde morgen Früh um ſieben Uhr meinen Gegner erwarten, und zwar im Walde dort, wo der er⸗ ſchoſſene Hund des Förſters gefunden worden iſt. Wenn Du einen Arzt mitbringen willſt, ſo werde ich Dir dankbar dafür ſein.

Und die Waffen?

Piſtolen natürlich. Alles Andere überlaſſe ich Dir, Du kannſt das mit dem Rittmeiſter oder ſeinem Sekundanten ordnen und mir morgen Früh das Nähere mittheilen. Und nun gehe, die Pſende warten ſchon, ich bleibe ſo lange hier, bis ihr fortgeritten ſeid. Ich frage Dich noch einmal, willſt Du mir nicht erlauben, einen Sühneverſuch zu machen? ſagte Kurt, indem er die Hand des Freundes feſt in der ſeinigen hielt.

Wozu das? Zum Austrage mußte es einmal kommen, Pill⸗ nitz wird ſo wenig wie ich die Verſöhnung wünſchen.

Kopfſchüttelnd verließ Kurt den Freund, einige Minuten ſpäter ſchwang er ſich in den Sattel, die beiden Offiziere ſprengten von dannen.

Sie hatten ſchon eine ziemliche Strecke zurückgelegt, als der Rittmeiſter ſein Pferd zügelte.

Baroneſſe Thusnelda v. Frankendorf iſt eine wunderliche Hei⸗ lige, ſagte er lachend,ſie findet eine Beleidigung darin, wenn man um ihre Hand wirbt..

In den Augen Kurts blitzte es auf, der verletzende Hohn in dieſen Worten empörte ihn.

In der Werbung ſelbſt dürfte wohl weniger die Beleidigung zu ſuchen ſein, als in den Worten, erwiederte er ſcharf. Thus⸗ nelda v. Frankendorf denkt darüber ernſter, als die Damen, mit denen Du in der Reſidenz verkehrteſt.

Kommſt Du auch darauf zurück? die der Baron über mich erhalten hat?

Dieſe direkte Frage zwingt mich zu einer bejahenden Ant⸗ wort.?

Nun? Wie lauten ſie? fragte Pillnitz ungeduldig.

7 12Dn wirſt mir geſtatten, darüber zu ſchweigen, erwiederte urt.

Kennſt Du die Nachrichten,

(Fortſetzung folgt.)

9 Der räthſelhafte Kurier.

₰ℳ S 8 Erzählung von Jenny Hirſch.(Ancdeue verboten⸗ ollah, Freund Hoppe! Aufgemacht! ertönte gleich⸗ mit ſeiner Frau und antwortete ausweichend:Wir haben heute D ſ zeitig mit Pferdegetrappel und Peitſchenknall eine friſche, ſehr viel Gäſte im Hauſe, aber für Dich iſt immer Raum. Danach frage ich nicht, das verſteht ſich zwiſchen uns von

kräftlige Mannesſtimme vor dem Gaſthofe zu den

drei Adlern in dem livländiſchen Städtchen Klots⸗

kow.Aufgemacht, mein Pferd und ich ſind beide 8 todmüde und halb erſtarrt.

Meiner Seele, das iſt der Kaſpar! rief die Wirthin.Mach ſchnell auf, Mann!

Der iſt auch immer da, wenn man am wenigſten auf ihn rechnet; haben heute das Haus ſchon ohne ihn voll genug, brummte der Wirth, eilte aber trotzdem aus dem Zimmer, um dem ver⸗ ſpäteten Ankömmling die Thüre zu öffnen.

So eilig der Fremde es gehabt zu haben ſchien, in's Haus zu gelangen, ſo wenig lebhaft mußte ſeine Sehnſucht nach der mit Rauch und Menſchen angefüllten Gaſtſtube ſein. Es verging eine geraume Zeit, ehe er in Begleitung des Wirthes eintrat, und doch verrieth, als dies endlich geſchah, ſein Ausſehen, daß er einen ſchar⸗ fen Ritt durch den Regen und Nebel des ruſſiſchen Oktoberabends gemacht habe und des ſchützenden Obdaches dringend bedürfe.

Golt zum Gruß, Kaſpar! rief ihm die Frau zu, indem ſie mit ausgeſtreckter Hand dem Eintretenden entgegeneilte.Erſt können Sie nicht ſchnell genug in's Haus kommen und nun bleiben Sie wer weiß wie lange noch draußen.

Ein ordentlicher Reiter ſorgt erſt für ſein Thier, antwortete der Fremde, indem er ſeine Pelzmütze abnahm und die Reitpeitſche aus der Hand legte.Wir haben uns Beide die Ruhe heute recht⸗ ſchaffen verdient, und ich will das Pferd morgen bis zur nächſten Station behalten.

Hat's denn ſo furchtbare Eile? fragte neckend der Wirth. Kin Curier hat immer Eile, entgegnete auf den Scherz ein⸗ ich bin auf dem Wege nach Paris und habe Antlitz bis zu den Sdliie unden nh Beit bei Dir ſehr ge⸗

5 3[4 3 2 lonftiue ſagte er würk der Wirth blitzſchnell einen Blick

ſelbſt, ich will nur wiſſen, ob ich mein Zimmer haben kann.

Ich glaube, Sie hätten es bequemer, wenn ich Ihnen hier ein Bett neben dem Herdfeuer herrichtete, miſchte ſich Frau Hoppe in's Geſpräch.

Nichts da, ich muß mein Zimmer haben, verſetzte Kaſpar beharrlich,aber das findet ſich ſchon, bringen Sie mir nur zuerſt etwas Warmes zu eſſen und zu trinken, Frau Hoppe.

Die Wirthin eilte an den Herd und Kaſpar nahm an einem der hölzernen Tiſche Platz. Das Geſpräch zwiſchen ihm und ſeinen Wirthen war in deutſcher Sprache geführt worden, denn ſie waren alle drei Deulſche, Rheinländer, die aus der ſonnigen Heimath gen Oſten gezogen waren, wo ihnen in verſchiedenen Berufsarten ein ganz einträglicher Erwerb zu Theil geworden.

Fritz Hoppe und ſeine Frau hielten in dem livländiſchen Städt⸗ chen einen Gaſthof, welcher zu Ehren Rußlands, Oeſterreichs und Preußens der drei Kaiſermächte, wie wir heute ſagen würden das SchildZu den drei Adlern führte; Kaſpar Melzer war Kurier der franzöſiſchen Geſandtſchaft in Petersburg und richtete es, wenn es nur irgend anging, auf ſeinen vielen Reiſen immer ſo ein, daß er eine Nacht im Hauſe ſeiner Landsleute zubrachte, wozu ihn außer dem landsmänniſchen Intereſſe die Ausſicht bewog, daſelbſt ein gutes reinliches Bett und eine ſchmackhaft und appetitlich zu⸗ gerichtete Mahlzeit zu finden.

Der GaſthofZu den drei Adlern unterſchied ſich in ſeiner äußeren Bauart durch nichts von den anderen Häuſern der kleinen Stadt. Das große Gemach zu ebener Erde diente gleichzeitig als Küche, Wohn⸗ und Gaſtzimmer und wurde Abends durch Stroh⸗

bündel und Kiſſen zum gemeinſchaftlichen Schlafſaal umgewandelt. Das einzige beſondere Zimmer des Hauſes war ein über dem ge⸗ räumigen Gänſeſtall gelegener Verſchlag, zu dem man von der un⸗ teren Stube aus vermittelſt einer hölgernen Stiege gelangte. Hier

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