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Illuſtrirte Chronik der Zeit.
kommen die gefangenen Thiere in die Hummerſchiffe, kleine ſchnell⸗ ſegelnde Fahrzeuge mit etwas durchlöchertem Boden, ſo daß das Waſſer zu den Thieren gelangen kann. Dieſe Hummerſchiffe bringen ihre Waare nach den großen Märkten.
Oſtindiſche Bauwerke. (Mit 2 Bildern auf Seite 312 und 313.)
Der Reichthum und die Prachtliebe der alten Mogul⸗Kaiſer in den Nordweſtprovinzen von Indien iſt ſprichwörtlich geworden und hat ſich in einer Reihe der wunderbarſten Baudenkmäler verewigt, welche nament⸗ lich die Städte Delhi und Agra mit den großartigſten Marmorpaläſten und herrlichſten Moſcheen ſchmückten. Hier entwickelte ſich jener wunder⸗ volle morgenländiſche Bauſtyl, welchen man den mauriſchen nennt, zu ſeiner herrlichſten Blüthe und phantaſtiſcheſten Großartigkeit. Wir führen unſeren Leſern zwei der prächtigſten Bauten von Agra vor, welche für jenen Styl muſtergiltig ſind, nämlich Seite 312 den Balkon des Zenanah oder Frauengemachs in dem Marmorpalaſt, den ſich Schah Dſchehan im Fort Akberad hart am Fluſſe Dſchamna erbauen ließ, und Seite 313 den berühmten Tadſch Mahal, eine halbe Stunde ſüdlicher und ebenfalls hart am Fluſſe, eines der herrlichſten und großarligſten Grabdenkmäler auf Erden. Agra hat eine ungemein reiche und denkwürdige Geſchichte und war einſt eine der größten, volkreichſten und prächtigſten Städte In⸗ diens, eine der Haupt⸗ und Reſidenzſtädte der mächtigen Mogulkaiſer. Nun aber iſt es ſehr herunter gekommen, namentlich da es ſeit 1861 auch nicht mehr die Reſidenz des Gouverneurs der Nordweſtprovinzen iſt. Es hat heutzutage noch etwa 145,000 Einwohner, meiſt Hindu, zur Zeit ſeines Glanzes unter den muslimiſchen Herrſchern beſaß es aber wohl drei⸗ mal ſo viel. Breit und impoſant lagert ſich die Stadt mit ihren Mauer⸗ reſten, Prachtbauten und geräumigen, drei bis vier Stockwerke hohen Häuſern in weiter kahler Ebene an den Ufern des Dſchamna hin, in wei⸗ tem Umkreis mit einem Kranze von Trümmern und Ruinen umgeben— ein ernſtes, aber ſchönes Denkmal der Vergänglichkeit irdiſcher Pracht. Der nun halb unbewohnte und verlaſſene Palaſt des Schah Dſchehan, zu welchem das Zenanah gehört, iſt ein wunderbar zierlicher und eleganter Bau und beſteht nur aus kleinen, aber luftigen und freundlichen Ge⸗ mächern, mit gewölbten, von zierlichen Säulen getragenen Veranden nach der Flußſeite hin, welche eine reizende Ausſicht beherrſchen. Der Tadſch Mahal aber, das Kleinod von Agra und wohl eine der herrlichſten Kulturbauten der Welt, iſt das Mauſoleum, welches Schah Dſchehan (regierte von 1628 bis 1658) ſeiner Gemahlin Ardſchimand Bann errichten ließ, und dem gegenüber er auf dem jenſeitigen Flußufer noch ein ähn⸗ liches Mauſoleum für ſich ſelbſt erbauen wollte, das aber nicht vollendet ward, weshalb Schah Dſchehan neben ſeiner Gemahlin im Tadſch Mahal bei⸗ geſetzt iſt. Dieſes Grabgebäude, woran 20,000 Menſchen 22 Jahre lang gearbeitet haben ſollen, liegt dicht am Fluſſe Dſchamna in einem recht⸗ winkeligen, durch eine hohe Mauer von rothem Sandſtein umſchloſſenen Raume von 298 Meter Länge und 99 Meter Breite. Das Hauptgebäude, von zwei moſcheeartigen Bauten umgeben, erhebt ſich auf einer Plattform, zu welcher eine Freitreppe von 18 Meter emporführt, und beſteht in einem rechtwinkeligen gleichſeitigen Viereck mit abgefrästen Kanten, über⸗ ragt von einer prächtigen Kuppel von mehr als 18 Meter Durchmeſſer, alles vom ſchönſten weißen polirten Marmor erbaut und im Innern, wo die beiden Steinſärge ſtehen, mit den herrlichſten Ornamenten von ſpitzen⸗ artig durchbrochenem weißem Marmor verziert.— Das Ganze iſt wohl der vollendetſte Prachtbau, den wir in jenem reichen morgenländiſch⸗muslimi⸗ ſchen oder mauriſchen Style kennen, und darum einzig in ſeiner Art.
Kaiſer Otto I. von Deutſchland. (Mit Bild auf S. 316.)
Dem ſtarken, beſonnenen, ſtädtegründenden Kaiſer Heinrich I. folgte ſein gleich ſtarker, kühner Sohn Otto I. auf dem Kaiſerthron. Otto war aus der zweiten Che ſeines Vaters mit Mathilde am 22. November 912 ge⸗ boren und erwuchs unter den Augen ſeines edlen Vaters und durch Lehre und Beiſpiel zum Guten angehalten, zum Jüngling heran, der in allen ritterlichen Uebungen und kriegeriſchen Künſten vollendet, entſchieden in ſeinem Wollen, beſonnen und ausdauernd in ſeinem Thun, innig fromm und wacker im Sinne ſeiner Zeit, ernſt und mannhaft von Anſehen und Haltung, mild und freundlich gegen das Volk und treu und wahr gegen ſeine Freunde war. Als daher Kaiſer Heinrich am 2. Juli 936 geſtorben und im Dome der von ihm gegründeten Stadt Quedlinburg beigeſetzt war und ſich etwa einen Monat ſpäter die deutſchen Fürſten und Großen zu Aachen zur Kaiſerwahl verſammelten, da war es nicht zu verwundern, daß ſie den hochgewachſenen, imponirenden und gewinnenden Otto ſeinem minder anſehnlichen älteren Bruder Thankmar vorzogen und auf den kaiſer⸗ lichen Thron beriefen. Es bedurfte einer ſtarken Hand und eines klaren Kopfes, um damals das deutſche Reich zuſammenzuhalten, das aus ſolch widerſtrebenden Völkerſtämmen beſtand, und worin überall Aufruhr und Unbotmäßigkeit herrſchte, und des Kaiſers eigene Brüder Thankmar und Heinrich ſich gegen ihn empörten. Aber der 24jährige Kaiſer war ſeiner Aufgabe gewachſen und wußte ſchon in den erſten vier Jahren ſeiner Re⸗ gierung Ruhe und Ordnung im Reiche zu ſchaffen, dieſes nach innen und außen zu kräftigen und dem Kaiſerſcepter Achtung zu verſchaffen. Er be⸗ zwang die aufſtändiſchen Söhne des Königs Arnulf von Bayern und den Herzog Eberhard von Franken, und verlieh zur Vermehrung ſeiner Haus⸗ macht deren Länder an ſeine Verwandten; dann beſiegte er in langjährigen
. Kämpfen die Böhmen, die Sachſen und Slaven und den Dänenkönig Harald Blauzahn, welchen er zwang, ſein Land von ihm zum Lehen zu nehmen. Und in dieſem Dänenkriege, welchen theilweiſe noch ein legendenhafter Schleier umgibt, fiel die Begebenheit vor, an welche unſer Bild Seite 316 anknüpft. Otto war ſiegend durch ganz Jütland bis an deſſen Spitze vor⸗ gedrungen und ſchleuderte hier zum Zeichen ſeines Sieges und zum Ge⸗ dächtniß ſeiner Anweſenheit ſeinen Speer in den einen Arm des Limfjord, welcher ſeither den Namen Otteſund führt. In allen Ländern, welche Otto eroberte, errichtete er Bisthümer und wirkte emſig für die Ausbreitung des Chriſtenthums. Viermal ſtieg er nach Welſchland hinab, nämlich 951, 961, 963 und 966, und unterwarf ſich ſowohl hiedurch, wie durch ſeine zweite Heirath mit Adelheid, der Wittwe des italiſchen Königs Lothar, 951, ganz Italien, ließ ſich zu Pavia als König der Lombardei und am 2. Februar 962 zu Rom als römiſcher Kaiſer krönen, und regierte mit eiſernem Scep⸗ ter das widerſtrebende Welſchland. Seine heldenhafte Geſtalt und ſeine energiſche Regierung in den ereignißreichen 37 Jahren, die er auf dem Throne verbrachte, haben ihn zum Gegenſtande der alten deutſchen Helden⸗ ſage gemacht. Er ſtarb am 7. Mai 973 zu Memleben in Thüringen(wo auch ſein Vater geſtorben war), und wurde in dem von ihm gegründeten Dom zu Magdeburg neben dem Sarge ſeiner erſten Gemahlin Cdgitha, einer Tochter König Eduards von England, beigeſetzt. Sein Nachfolger Otto II. war ſein Sohn aus der zweiten Ehe mit Adelheid von Ivrea.
Falindrom. Von wo herab ſie Waſſer gießt? Im Weſterwalde ſuch' den Ort„ Und wiſſe, daß ſie's nicht verdrießt, Wenn Du ſie wendeſt— auf mein Wort! Nein, bleibt ſie gut nur, munter fließt Sie, doch nicht wäſſrig, weiter fort. R. Schönborn. Auflöſung folgt im nächſten Heft.
Cogogriph. 3 Die Lippe ſucht der Liebſten vothen Mund: Ein Kuß wird— rathe, was— dem Liebesbund. Du fügſt ein p dem erſten Laute zu: Und Deiner Liebſten Auge ſucheſt Du. R. Schönborn. Auflöſung folgt im nächſten Heft. Auflöſung der Charade vom 15. Heft:
Trinklied.
Bilder-Räthſel.
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Auflöſung folgt im nächſten Heft.
Auflöſung des Bilder⸗Räthſels vom 15. Heft: Ein Baum in einen Scherben geſetzt kann nicht groß werden.
Auflöſung des großen Bilder⸗Räthſels vom 13. Heft:
Gedenkt der armen Vögelein. Wenn ſich im holden Frühling die Felder und Wälder mit bunter Farbenpracht ſchmücken, da erwacht auch überall das Lied der gefiederten Sänger, die der wärmende Strahl der Soune wieder zu neuen Melo⸗ dien begeiſtert hat Wie ſchmettert da der große Chor ſo laut und fröhlich aus Luft und Hain! Wahrlich, wir müſſen die Vögel lieb gewinnen, denn ſie ſind eine herr⸗ liche Zierde der göttlichen Schöpfung. Zudem nützen ſie aber auch bedeutend, da ſie eine Menge von Ungeziefer vertilgen, das dem Obſtbau und der Landwirthſchaft ſchaden würde. Was machen aber dieſe armen Thierchen im Winter, wenn der Menſch kaum ohne Juchtenſtiefel den Schnee durchwaten kann? Sie hungern und darben. Tragen wir deshalb an den armen Geſchöpfen im rauhen Winter den Dank ab, den wir ihnen vom Sommer her für ihre Konzerte und nützliche Wirkſamkeit ſchulden; öffnen wir unſere Hände, aber nicht etwa zum Applaudiren, ſondern um ihnen Vogelfutter vorzuſtreuen.
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Nedaktion, Druck und Verlag von Hermann Schänlein in Stuttgart.
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