Jahrgang 
14-26 (1877)
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Illuſtrirte Chronik der Zeit.

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Bedingungen können wir ja ſpäter noch reden, halten wir uns damit jetzt nicht auf. Da kommt Guſtav, theilen Sie ihm das Nöthige mit, ich gehe zur Zeitungsexpedition.

Dealte Herr nahm ſeinen Hut und eilte hinaus, eine Minute ſpäter trat Guſtav in das Kabinet.

Was iſt denn hier vorgefallen? fragte er mit einem forſchen⸗ den Blick auf das freudeleuchtende Antlitz Wurzer's,Sie ſind erregt, und mein Onkel ſtürmt an mir vorbei, ohne meinen Gruß zu erwiedern.

Sehen Sie mich an, wenn Sie wiſſen wollen, wie ein glück⸗ licher Bräutigam ausſieht, antwortete Wurzer,Ihre Hand, Herr Vetter und Aſſocis; wie ein leuchtendes Meteor ſoll die Firma jetzt am Horizont der Geſchäftswelt emporſteigen.

Bräutigam? Sie ſind

Der Verlobte Theodore's, offiziell als ſolcher anerkannt.

Mein Ontkel hat wirklich ſeine Zuſtimmung gegeben? fragte Guſtav mit wachſendem Erſtaunen.Nun, dann gratulire ich von ganzem Herzen!

Und das Geſchäft wird uns Beiden übertragen.

Weshalb das?

Na, wenn der Vogel ein Neſt bauen will, muß er doch auch das Material dazu haben!

Und mein Onkel zieht ſich ganz vom Geſchäft zurück?

Jawohl. Das heißt, er wird thätig bleiben, aber um die Leitung des Geſchäfts ſich nicht mehr bekümmern.

Und ich verſtehe davon auch nichts.

Ueberlaſſen Sie das mir, ich werde das Steuer führen, wenn Sie nur kräftig rudern wollen. Ihr Papa ſprach davon, Sie ſollen ſich zurückziehen und in das Geſchäft Ihres Schwagers eintreten, aber ich hoffe, Sie werden mich nun nicht im Stich laſſen, zumal fei ja auch mit Ihrem Schwager nicht auf dem beſten Fuße

ehen.

Befremdet blickte Guſtav den Freund an.

Das kann mein Vater nicht wollen, ſagte er,und wenn er es wirklich beabſichtigte, würde ich meine Zuſtimmung dazu nicht geben. Nein, ich bleibe bei Ihnen und harre mit Ihnen aus, das verſteht ſich von ſelbſt. Es werden überdies noch ſchwere Tage für mich kommen, und es könnte leicht der Fall ſein, daß ſie mich nöthigen, mit meinem Vater zu brechen.

Sie denken an Käthchen?

Ja, mein Freund, ich denke immer an ſie! Die Abende, die ich bei ihr verbringe, zähle ich zu den ſchönſten meines Lebens.

Na, dann machen Sie dem Hangen und Bangen ein Ende und erklären Sie ſich!

Dazu habe ich nicht den Muth!

Unſinn, Sie können doch nicht verlangen, daß Käthchen Ihnen ihre Hand anbieten ſoll. 3

Wenn ich nur mit Sicherheit wüßte

Wenn wenn! Wenn der Himmel einſtürzt, ſind alle Spatzen todt. Nur immer heraus mit dem entſcheidenden Wort, und können Sie es nicht über die Lippen bringen, dann ſchreiben Sie, ich hab' es auch ſo gemacht.

Dagegen machen ſich auch Bedenken geltend, die ich ſo raſch nicht beſeitigen kann.

Welche?

Ich fürchte, daß Käthchen mir einen Korb geben wird, und danm müßte ich das Haus verlaſſen, ich könnte dort nicht mehr wohnen.

Ich glaube Sie darüber beruhigen zu können, ſagte Wurzer lächelnd.

Sie können das nicht, erwiederte Guſtav kopfſchüttelnd, Käthchen und ihre Mutter werden Rückſicht darauf nehmen, daß ich vorausſichtlich die Einwilligung meiner Eltern nicht erhalte, und daß daraus Unannehmlichkeiten erwachſen

Ach was, das ſind unbedeutende Schwierigkeiten, die ſich immerhin überwinden laſſen. Ich werde bei den Damen einmal auf den Buſch klopfen und Ihnen den Weg zu ebnen ſuchen, die Sache iſt nicht ſo gefährlich, wie Sie glauben. Widmen wir jetzt unſere ganze Kraft dem Geſchäft, ich werde ſofort damit beginnen, unſere Magazine zu räumen, wir müſſen uns mit einem kleinen Ge⸗ winn begnügen, um unſere Fonds flüſſig zu machen. Dann aber werden wir das Geſchäft erweitern und eine Menge neuer Artikel hinzufügen, worüber ich ſpäter noch mit Ihnen berathe.

Ohne eine Antwort abzuwarten, eilte er die Treppe hinauf, um ſeiner Braut das freudige Ereigniß mitzutheilen.

Achtzehntes Kapitel. Auf der Fährte.

Der Polizeikommiſſär Wittich war ein tüchtiger Beamter, der ſchon manches dunkle Verbrechen enthüllt hatte.

Schwierigkeiten und Hinderniſſe ſchreckten ihn nicht zurück, mit eiſerner Ausdauer und unerſchütterlicher Energie verfolgte er einen einmal gefaßten Plan, bis er das vorgeſteckte Ziel erreicht hatte.

Daß der ſpurlos verſchwundene Förſter ermordet war, unterlag für ihn keinem Zweifel, und ebenſo unzweifelhaft war es für ihn, daß Valentin Krumm der Mörder ſein mußte.

Es gab allerdings auch in der Stadt übel berüchtigte Subjekte, denen man ein ſolches Verbrechen wohl zutrauen durfte, aber der Mord ſelbſt konnte nur ein Akt der Rache oder der Nothwehr ge⸗ weſen ſein.

Feinde hatte aber der Förſter nicht gehabt, er war geachtet und beliebt geweſen, einen Racheakt durfte man alſo nicht in den Kreis der Berechnungen hineinziehen.

Der räthſelhafte Wilddieb, der ſchon ſeit längerer Zeit den Wald unſicher gemacht hatte, mußte den Mord begangen haben, er war von dem Förſter ertappt worden, und die Furcht vor der Be⸗ ſtrafung hatte ihn zu dem Verbrechen getrieben.

Wer war dieſer Wilddieb? Der Baron v. Frankendorf er⸗ klärte, Valentin Krumm müſſe es ſein, der Förſter habe das ſtets mit überzeugender Sicherheit behauptet.

Hatte der Förſter dieſen Verdacht gehegt, ſo mußte er dafür auch Beweiſe oder wenigſtens überzeugende Gründe gehabt haben, und ſeine Nachforſchungen mußten dem Müller mit jedem Tage unbequemer geworden ſein.

Noch an ſeinem letzten Tage hatte der Förſter behauptet, er habe nun eine Spur gefunden, die er energiſch verfolgen wolle und was war natürlicher, als daß er auf dieſer Verfolgung mit dem Müller zuſammengetroffen war!

Die beiden Schüſſe kurz nach einander, die Erſchießung des Jagdhundes und das trotzige Auftreten des Müllers im Verhör, das Alles gab dem Verdacht gegen ihn eine ſichere Stütze, wenn gleich darin auch noch kein Beweis lag, der zu einer Verhaftung berechtigte.

Der Kommiſſär hatte in den erſten Tagen, von einigen Polizei⸗ ſergeanten begleitet, den Wald nach allen Richtungen hin durch⸗ ſtreift und namentlich der Stelle, wo der erſchoſſene Hund gefunden worden war, ſeine beſondere Aufmerkſamkeit gewidmet.

Er hatte von einem zuverläſſigen Beamten die Mühle be⸗ wachen laſſen, er hatte bei allen Wildprethändlern und in allen Gaſthöfen Nachfrage gehalten, ob ein verdächtig ausſehender Mann Wildpret angeboten habe, aber er war trotz aller Mühe ſeinem Ziele um keinen Schritt näher gekommen.

Waffen und Munition hatte der Müller ebenfalls in der Stadt nicht gekauft, auch nach dieſer Seite hin blieben alle Nachforſchungen fruchtlos; dennoch wurde der Verdacht des Kommiſſärs nicht er⸗ ſchüttert, er ließ durch ſeine Unterbeamten unausgeſetzt im Walde Nachforſchungen nach der Leiche des Förſters anſtellen.

Heute war der Zufall ihm günſtig geweſen; im Begriffe, in den Wald hinaus zu gehen, ſah er plötzlich in der Ferne den Müller kommen, haſtig trat er in ein Haus, um ihn vorbei zu laſſen und alsdann ihm zu folgen.

Es war Abend; der Kommiſſär hatte den Entſchluß gefaßt, die Nacht im Walde in der Nähe der Mühle zu verbringen, er hoffte dadurch eine wichtige Entdeckung zu machen. Am Tage ver⸗ ließ Valentin Krumm die Mühle nicht und während der Nacht war die letztere noch nicht bewacht worden, auf dieſe Nachtwache ſetzte der Kommiſſär ſeine letzte Hoffnung.

Langſam war der Müller an dem Hauſe vorbei gegangen, der Beamte, der ſich in Civilkleidung befand, folgte ihm.

Es fiel ihm auf, daß der Vagabund anſtändiger gekleidet war, er zog daraus den Schluß, daß derſelbe Beſuche zu machen beab⸗ ſichtigte, und dieſe konnten vielleicht den Leuten gelten, denen er das geſtohlene Wild verkauft hatte.

Valentin Krumm ahnte die Gefahr nicht, in der er ſich be⸗ fand; er durchſchritt mehrere Straßen und trat endlich in ein Haus, hinter deſſen Thüre er verſchwand.

Der Kommiſſär wartete einige Minuten, dann trat auch er in das Haus.

Auf dem Flur kam ein Dienſtmädchen ihm entgegen, ſie er⸗ ſchrak, als ſie dem Fremden in's Antlitz blickte, das bewog den Kommiſſär, ſie ſchärfer in's Auge zu faſſen, und er entdeckte jetzt in ihr eine alte Bekannte.

Sind Sie es wirklich, Dore? fragte er ironiſch.

Um des Himmels willen, machen Sie mich nicht unglücklich, flüſterte das Mädchen verwirrt,die Herrſchaft weiß nichts davon, ich habe ſchwer genug gebüßt

Nur ruhig! unterbrach er ſie,ich bin noch nie darauf aus⸗ gegangen, einen Menſchen unglücklich zu machen. Wohnen Sie in dieſem Hauſe?

Ja.