Jahrgang 
14-26 (1877)
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Illuſtrirte Chronik der Zeit.

mittlere iſt 80 Fuß lang. Das Dock beſteht aus einer Anzahl Pontons von nahe viereckigem Durchſchnitt, welche parallel zu einander unter rech⸗ ten Winkeln an die Langſeite des Docks angeſtoßen ſind und ſo gleichſam die Grundform eines Kammes bilden; alle dieſe Pontons ſind einander vollkommen gleich, je 72 Fuß lang, 15 Fuß breit und 18 Fuß hoch, jedes durch aufrechte Querwände in waſſerdichte Abtheilungen getheilt. Die ganze hebende Kraft des Docks wird in dieſen Pontons unmittelbar unter dem zu hebenden Schiff angewendet. Das Dock hat auch keine Neigung, ſich nach irgend einer Weiſe zu drehen, und iſt ſo eingerichtet, daß, wenn alle ſeine arbeitenden Theile auch ganz mit Waſſer gefüllt ſind und das Dock auch noch ſo tief ſinkt, es doch vollkommen eben ſchwimmt. Um es unter ein Schiff zu bringen, welches ausgebeſſert werden ſoll, werden die Pontons mit Waſſer gefüllt und verſenkt, das Schiff darüber wird ver⸗ ankert. Sodann werden mit Dampfkraft die Pontons leer gepumpt, worauf ſie emporſteigen und ſo das Schiff heben. Die Pontons ragen dann meiſt noch 6 7 Fuß über den Waſſerſpiegel empor. Iſt das Schiff auf dieſe Weiſe gehoben, ſo wird das Dock mittelſt ſtehender Dampf⸗ maſchinen ſo gegen die gemauerten roſtartigen Träger des Ausbeſſerungs⸗ docks gerückt, daß jedes Ponton zwiſchen zwei derartigen Roſtmauern zu ſtehen kommt, die etwa 12 Fuß niedriger ſind als die ſchwimmenden Pontons. Nun wird in die einzelnen Pontons ſo viel Waſſer eingelaſſen, daß ſie ſich wieder ſenken, und zwar je 23 Fuß tiefer als der gemauerte Roſt, auf welchen dann das Schiff mit ſeiner eiſernen Bettung aufruht, worauf die Pontons wieder zurückfahren. In umgekehrter Weiſe wird das ausgebeſſerte Schiff dann von den Roſtmauern wieder in's Waſſer verſetzt.

Antiochia in Syrien. (Mit Bild auf S. 292.)

Im Alterthume führten mehrere Städte den Namen Antiochia, allein die intereſſanteſte und bedeutendſte war jene, welche die Griechen nach dem nahe dabei gelegenen und dem Apoll geweihten Hain Daphne mit dem Namen Antiochia Epidaphne oder bei Daphne bezeichneten und die ſeit der fernen griechiſchen Vorzeit die bedeutendſte und wichtigſte Stadt in Syrien geblieben und noch die Würde einer Hauptſtadt von Syrien bekleidet, dieſelbe wundervoll gelegene Stadt, von welcher unſer Bild auf Seite 292 eine Anſicht bietet, das heutige Antaki oder An⸗ takijah, einſt eine der bedeutendſten Wiegen der Kultur im fernen Oſten. In der heutigen Stadt mit ihren 14 Moſcheen und etwa 8000 meiſt türkiſchen Einwohnern, welche meiſt von Seidenzucht, Oel und Getraide⸗ bau, Fiſch⸗ und namentlich Aalfang leben, erinnert nur wenig mehr an den Glanz, welcher im Alterthum und frühen Mittelalter dieſe Stadt aus⸗ zeichnete, und nur ihre wunderſchöne Lage unter den felſigen Kuppen, welche hier wie mächtige Thürme aus der antiocheniſchen Ebene aufragen und ſich in dem breiten See El Göleh ſpiegeln, hat der Zahn der Zeit nicht zu zerſtören vermocht. Die Stadt Antiochia, die ehemalige Reſidenz der Seleukiden, war ungefähr um das Jahr 301 vor Chriſto hier in der überaus fruchtbaren Thalebene, 22 Kilometer vom mittelländiſchen Meere, durch Seleukos Nikator gegründet worden. Die günſtige Lage und üppig fruchtbare Umgebung dieſer Stadt lockte ſo viele Einwanderer herbei, daß man ihr immer wieder neue Stadtviertel und Gemeinweſen mit eigenen Ring⸗ mauern anſügen mußte, ſo daß ſie ſchließlich aus vier ſelbſtſtändigen aber in eine gemeinſame Ringmauer eingeſchloſſenen Städten beſtand und daher Vier⸗ ſtadt, Tetrapolis, genannt wurde. Unter den ſyriſchen Herrſchern, Antiochos dem Großen und ſeinen Nachfolgern und noch mehr unter den römiſchen Kaiſern, von denen mehrere hier Hof hielten, entfaltete ſich die Stadt in den drei erſten Jahrhunderten der chriſtlichen Zeitrechnung zu der höchſten Blüthe und vermochte ſich bei einer Einwohnerzahl von einer halben Million ſogar an Glanz und Bedeutung mit Rom zu meſſen. Nach der Ausbreitung des Chriſtenthums ward es Sitz eines der vier mächtigſten Patriarchen des römiſchen Reichs und die Pflanzſtätte jener chriſtlich⸗theo⸗ logiſchen Bildung, welche die ſogenannte Antiocheniſche Schule vertritt. Hier entſtand eine der erſten Chriſtengemeinden außerhalb Paläſtina, wie wir aus der Apoſtelgeſchichte wiſſen, und in den erſten fünf Jahrhunderten des Chriſtenthums wurden hier, wo über 300 Klöſter beſtanden, zehn große Kirchenverſammlungen abgehalten. Erdbeben und die Eroberung und Zerſtörung der Stadt durch den Perſerkönig Chosroes 541 machten den größten Theil der Stadt dem Erdboden gleich, und die glänzende Stadt Thecupolis, welche Juſtinian auf den Trümmern des alten Antiochia mit großen Koſten aufführen ließ, entwickelte ſich niemals zu der Größe und Bedeutung ihrer Vorgängerin. Nachdem Römer, Perſer, byzantiniſche Grie⸗ chen und Saracenen oftmals um den Beſitz dieſer Stadt gekämpft hatten, kamen endlich die Kreuzfahrer auf dem erſten Kreuzzuge am 3. Juni 1098 nach faſt neunmonatlicher Belagerung in den Beſitz derſelben; Bohemund von Tarent nannte ſich nach ihrFürſt von Antiochia, und die feſte Stadt blieb in den folgenden Kreuzzügen in den Händen derLateiner oder Kreuzfahrer und bild te eine der wichtigſten Stützen von Jeruſalem. Die griechiſchen Kaiſer aber, welche von jeher nach dem Alleinbeſitz Syriens

und des heiligen Landes geſtrebt hatten, ſuchten nun durch Ränke aller Art die Laleiner aus Antiochia zu vertreiben, was 1137 dem König Johannes durch Belagerung gelang, worauf er ſie ſeinem Reiche einver⸗ leibte. Nach mancherlei weiteren Schickſalen ward ſie dann 1269 von dem egyptiſchen Sultan Bibars erobert und völlig zerſtört, ſank zu gänzlicher Bedeutungsloſigkeit herab und verſchwand ganz aus der Geſchichte. Die heutige Stadt, dem ſyriſchen Vilajet Aleppo zugetheilt, konnte ſich unter der Türkenherrſchaft niemals wieder erheben; ſie ſteht auf den Trümmern der alten Stadt, nimmt aber nur den nordweſtlichen Theil derſelben ein vielleicht den zehnten Theil des ehemaligen Raumes. Alles Uebrige

iſt mit Gärten und Pflanzungen bedeckt, wo in dem gezen 40 Fuß hohen Schutt nun Feigen⸗, Maulbeer⸗ und Oelbäume gedeihen. Der Hain Daphne iſt längſt verſchwunden und kaum mehr ſeine frühere Stelle nachzuweiſen. Aber die gewaltigen Ueberreſte an Mauern und Thürmen in der Ebene und auf den felſigen Höhen ob dem heutigen Antaki zeugen noch von der ungemeinen Feſtigkeit und Ausdehnung, welche die Befeſtigungen des Antiochia der Römerzeit einſt hatten.

Eine japaneſiſche Fähre. (Mit Bild auf S. 293.)

Während ſich in Japan's Hauptſtadt Jeddo und deren Umgebungen jetzt die gewaltigſte Umgeſtaltung vorbereitet, bleibt im Innern des Landes ſo ziemlich Alles beim Alten und der reiſende Ausländer braucht nur einige Meilen weit in's Innere hineinzudringen, um noch unendlich viel von den früheren urſprünglichen Zuſtänden und Zügen des äußeren Lebens in Japan zu Geſicht zu bekommen. Vor Allem werden ihm dort die ganz eigenthümlichen Verkehrsmittel auffallen, deren eines, eine Fähre über einen der großen Binnenflüſſe, wir unſeren Leſern in dem reizenden Bilde auf S. 293 vorführen. Ein hübſches junges Mädchen oder eine junge Frau will irgend einem der vielen Mathuris oder Tempelfeſte beiwohnen, welche in Japan die Stelle unſerer Kirchweihen vertreten. Sie kommt von einer Gegend des Ufers, wo ſich keine Brücken über den Fluß ſchwingen, aber ſie hat eine der landesüblichen Fähren zur Verfügung, welche ihr den Umweg über die entferntere Brücke erſparen. Sie braucht ſich nur auf ein kleines hübſch verziertes kahnartiges Floß zu ſetzen und einige durchlöcherte Kupfermünzen zu ſpenden und ſieben Männer ſpringen in den Strom, theilen mit rüſtigen, ſehnigen Armen die Wellen und ziehen ſchwimmend mit einer beträchtlichen Geſchwindigkeit die junge Schöne und ihre Zofen über den Fluß hinüber und landen ſie am Tori des Tempels, d. h. an einem der hohen, jochförmigen hölzernen Portale, welche die Zugänge zu den Tempeln bezeichnen und gewiſſermaßen die Landmarken derſelben für die Schiffer wie für die Wanderer ſind. So iſt mit der Wallfahrt zum Mathuri oder Tempelfeſte zugleich ein kleines Vergnügen verbunden, ganz dem Geiſte dieſes aufgeweckten rührigen Volkes angemeſ⸗ ſen, das zwar arbeitſam, anſtellig und tüchtig zu jedem Geſchäfte, aber auch ſo dem Vergnügen zugethan iſt, daß es jede Gelegenheit ergreift, um ſich einen Feiertag zu machen und Theater, Wettrennen, Volksbeluſtigungen aller Art zu beſuchen und im Freien herumzubummeln.

Charade. Die Erſte läßt Du Dir nicht zweimal ſagen, Wenn Dir in glühend heißen Sommertagen Gelegenheit zur Labung winkt. Und haſt der Mahnung Folge Du gegeben, So kommt's wohl, daß der Bruſt, dem frohen Leben Zum Preis, die Zweite ſich entringt. Das Ganze aber wirſt Du hören ſchallen Wenn Du Dich nahſt den freuderfüllten Hallen, Wo Zecherglas an Zecherglas erklingt.

Auflöſung folgt im nächſten Heft.

Auflöſung des Homonyms vom 14. Heft: Eine Taube.

Zilder-Räthſel.

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Auflöſung folgt im nächſten Heft. Auflöſung des Bilder⸗Räthſels vom 14. Heſt: Lieb' alle Menſchen, ſei nicht eines Menſchen Feind, doch welcher Tugend übt, den bitte:Sei mein Freund.

Alle Rechte vorbehalten.

Redaktion, Druch und Verlag von Hermann Schöulein in Stuttgart.

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