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öffentlich veräußern wollten und ſo bliebe ſeinem Sohne Michael nichts übrig, als mit Weib und Kind wie ein Bettler von dannen zu ziehen.
Das ſei ihm, dem Vater, an's Herz gegangen, und wie er ſo in Jammer und Thränen nach einem Ausweg gegrübelt, kam ſein Weib aus der Stadt und erzählte von der Pracht und Herrlichkeit, mit der die Leiche der Frau Martinus aufgebahrt wäre, und wie die Todte nach ihres Herrn Willen den ganzen koſtbaren Braut⸗ ſchmuck mit in's Grab nehmen ſolle.
Da kommt dem Alten der teufliſche Gedanke: die Leiche zu be⸗ rauben! Anfangs weist er ihn zurück— aber immer wieder flü⸗ ſtert der Böſe ihm in das Ohr: was ſoll der Todten die Pracht und das theure Geſchmeide, das die Lebenden vor Elend und Schande bewahren könnte, und iſt es nicht Sünde, ſolche Schätze nutzlos ver⸗ derben zu laſſen— und wer wird denn beraubt— wem bringt es Schaden?
Am Abend, als das Leichenbegängniß ſchon vorüber, kommt der Sohn und klagt dem Alten nochmals ſeine Noth in beweglichen
Von Entſetzen geſchüttelt, entfällt die Laterne der Hand des Leichenräubers, er ſelbſt ſtürzt hinaus und bricht ohnmächtig in der Nähe ſeines Häuschens zuſammen.
Erſt am Morgen fand ihn die Frau— Beide wagten ſich nun in die Gruft, dort lagen auf dem feuchten Boden die Schmuckſtücke verſtreut— der Sarg war leer, die Todte daraus verſchwunden.
Auf die gepflogenen Erkundigungen erfuhr die Frau des Todten⸗ gräbers die ganze ſeltſame Begebenheit, ſo ſich in der Nacht im Hauſe des Herrn Martinus zugetragen und der reuige Sünder raffte den geraubten Schmuck zuſammen und begab ſich zagend da⸗ mit zur Stadt, in der Hoffnung, das Herz des Kaufherrn durch ſein Flehen zu erweichen..
Wohl hätte der Unglückliche vergebens gebeten, wäre nicht Herr Martinus ein Anderer geworden durch die Erlebniſſe der letzten Tage. Und doch wallte der Zorn und die Empörung in ihm auf, als der Alte die Vorgänge in der Gruft ſchilderte— als er mit dem Auge ſeines Geiſtes ſah, wie das ſcharfe Meſſer den zarten Finger des geliebten Weibes blutig ritzte— aber der Gedanke, daß dieſe kleine Wunde es geweſen, welche den fürchterlichen Bann
Jlluſtrirte Chronit der Zeit.
Worten— das gibt den Ausſchlag; kurz vor Mitternacht beſchließt
Konrad ſein Vorhaben auszuführen, aber vorerſt ſoll keines der
Seinigen von dem Verbrechen wiſſen. Mit einer Laterne, Hammer und Meißel in Händen, ſchleicht er ſich in die Gruft und öffnet den Sarg.
Nach langem Kampfe und nicht ohne Schauder löst er den Schmuck von Hals und Buſen der Leiche, da blinkt, im hellen Lichte der Laterne, ihm noch ein koſtbarer Ring entgegen, die Hab⸗ ſucht, auch dieſes werthvolle Kleinod noch zu beſitzen, erwacht. Allein ſo ſehr er ſich auch müht, den Ring von dem ſtarren Finger der Leiche zu ziehen, es gelingt ihm nicht— zornig über den unerwar⸗ teten Widerſtand, zieht er ſein ſcharfes Taſchenmeſſer, um den Fin⸗ ger oberhalb des Ringes zu durchſchneiden— ſchon ſetzt er an, die ſcharfe Schneide des Meſſers iſt bereits in das Fleiſch gedrungen und purpurne Tropfen fallen auf das ſchneeige Brautgewand— da geht ein Zucken durch den Körper der Leiche— die ſtarren Lider heben ſich, ein ſtierer, gläſerner Blick trifft den Räuber— die Todte richtet ſich auf in ihrem Sarge und ſtößt einen Weheruf aus!
— Anſicht von Antiochig in Syrien.(S. 300.)
gebrochen und die Scheintodte zum Leben erweckt, beſänuftigte ſo⸗ gleich wieder das aufgeregte Blut und fromm das Haupt entblößend pries er ſtill die Fügung des Höchſten, die des Verbrechers Hand zum Werkzeug der Rettung erkoren.
Da tönte der Ruf einer ſanften Stimme an das Ohr des Gatten— Meta rief!— Er eilte zu ihrem Lager, mit freundlichem Lächeln auf den Lippen ſchaute ſie ihm entgegen und in ſtummem, ſeligem Umfangen feierten die Glücklichen ihre Wiedervereinigung.
Als dann der Sturm des erſten Entzückens ſich gelegt, er⸗ innerte ſich der Kaufherr, daß im Nebengemache unter Zittern und Zagen ein Unglücklicher ſeines Richterſpruches harre— er rief den Greis, der vor dem Lager der Wiedererſtandenen ſchluchzend nieder⸗ ſank.
Meta's Stimme— ſie erſchien Meiſter Konrad wie die eines Engels— verkündete ihm Verzeihung und— mehr noch— ſagte ihm Hilfe zu in ſeiner Noth.
Der werthvolle Schmuck, ſo beſtimmte ſpäter Herr Martinus, ſollte verkauft und zu mildthätigen Zwecken verwendet werden. Zu⸗ vörderſt ward die Schuldenlaſt auf dem Häuschen, das dem Sohne
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