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Nomantik innewohne, wußte mir keine Antwort auf meine Fragen
Illuſtrirte Chronik der Zeit.
Aunferſtanden.
geführt hatte. bringen müſſen, —3 ſehnſüchtig nach der Heimath verlangt und dem eige⸗ nen Herd, iſt gar traurig, ändern und ſchon machte ich mich darauf gefaßt, die langen Abend⸗ ſtunden einſam in dem Gaſtzimmer meines Hotels zu verbringen, als ich eine Einladung meines Geſchäftsfreundes, des Kaufherrn Mertens, erhielt.*
Sehr dankbar nahm ich die freundliche Aufforderung, den Weihnachtsabend im traulichen Familienkreiſe zu verleben, an und folgte dem jungen Commis, welchen der Kaufherr geſandt hatte, den Fremden wohlbehalten in ſein Haus zu geleiten.
Da ſich mein Gaſthof am alten Markt befand, und Herr Mertens am Sudenburger Thore wohnte, hatten wir eine ziemlich lange Promenade den ſogenannten„breiten Weg“ entlang zu machen. Dieſe ſchönſte und ſtattlichſte Straße der ganzen Stadt, welche dieſelbe von Süden nach Norden durchſchneidet, iſt zugleich auch die Hauptverkehrsader, in der das regſte Leben pulſirt. Heute war dies beſonders der Fall. Der Menſchenſtrom fluthete haſtig auf und nieder und mich doppelt allein fühlend in dem fröhlichen Getriebe, richtete ich meinen Blick empor zu dem klaren, ſternen⸗ beſäeten Himmel, von dem die volle Mondſcheibe in mildem Glanze herabſtrahlte.
Da gewahrte ich an einem der ſpitzgiebeligen hohen Häuſer, auf der anderen Seite der Straße, und zwar unterhalb des Daches, eine ſeltſame Verzierung. Es war ein aus Stein zierlich gemeißeltes Pferd, das in Lebensgröße und zwar ſo an der Vorderfront des Hauſes angebracht war, als lehne es ſich mit dem halben Leibe zum Fenſter hinaus. O
In der That war nur der Oberkörper ſichtbar, man konnte dies deutlich wahrnehmen, da juſt der helle Mondſtrahl das alterthümliche Haus und dieſe ſonderbare Zierath ſilbern be⸗ leuchtete. Ich blieb ſtehen und fragte, neugierig geworden, meinen Begleiter nach der Bedeutung und Geſchichte dieſes Steingebildes, denn daß eine ſolche exiſtiren müſſe, ſetzte ich richtig voraus, hatte man mir hier während meines kurzen Aufenthaltes doch ſchon ſo manche intereſſante Sage aus der bewegten Vorzeit der Stadt mit⸗ getheilt.
Der junge Mann aber, deſſ Augen mich darauf ſchließen ließen, daß
en nüchterne Züge und kaltblickende ihm wenig Sinn für
zu ertheilen, und ſo ſchritten wir denn endlich weiter und langten in dem Hauſe meines Gaſtfreundes an, der nur auf mich gewartet, um das Zeichen zum Beginne des Nachtmahls zu geben.
Die Tafel, an der die Comptoiriſten theilnahmen, war in dem großen Speiſeſaale ſervirt, und obgleich die Speiſen trefflich zube⸗ reitet und in großer Menge vorhanden waren, ſehnte ich doch das Ende des Mahles herbei, denn es ging ſehr ſteif dabei zu und die Unterhaltung war trocken und einſilbig.
Ich war denn auch recht froh, als die Tafel aufgehoben ward, die jungen Leute ſich empfahlen und Herr Mertens mich auffor⸗ derte, noch ein gemüthliches Plauderſtündchen bei einem Glaſe Punſch in ſeiner und ſeiner trefflichen Frau Geſellſchaft zu verbringen.
Bald ſaßen wir denn auch im behaglichen Wohngemache am runden Tiſche, auf dem eine Bowle vorzüglichen Punſches dampfte. Die redſelige Frau Mertens ſchenkte fleißig ein und plauderte dabei von dem und jenem.
Das Ehepaar fühlte ſ jüngſte Tochter des Hauſes geheirathet hatte und deſſen Vaterſtadt Hamburg gefolgt war.
„Sonſt ging es freilich munterer bei uns zu, beſonders an dieſem Abend,“ meinte denn auch Frau Mertens ſeufzend,„Lina — unſer Neſthäkchen— fand ſtets viel Gefallen am Erzählen, be⸗ ſonders von Volksſagen oder Geiſtergeſchichten, und wenn das Nacht⸗ mahl beendet und nur einige vertraute Freunde noch geblieben waren, dann mußte ein Jeder etwas dergleichen zum Beſten geben.“
„Dieſe ſchöne Sitte ſollten Sie auch jetzt noch pflegen, verehrte Frau,“ verſetzte ich. wenigſtens im
ich ein wenig vereinſamt, ſeit auch die dem Gatten in
„Und daß es Ihnen dabei, Hinblick auf mich, nicht an Stoff fehlen dürfte, brauche ich wohl kaum zu bemerken. Ich bin mit den Sagen Norddeutſchlands wenig
bekannt, und iſt mir denn auch ſchon auf dem Wege zu Ihnen Etwas aufgefallen, das ganz gelviß in Ihrer Lokalgeſchichte oder Lokalſage irgend welche Rolle ſpielt.“
Eine Sage aus der Vorzeit der Stadt Magdeburg. Erzählt von Ernſt v. Waldow.
(Nachdruck verboten.)
„Ah, Sie meinen gewiß das Pferd— in Stein gehauen— nicht wahr?“ unterbrach mich der Kaufherr,„ja, danach pflegt jeder Fremde zu fragen. Allerdings knüpft ſich daran eine Geſchichte, die Ihnen meine Frau gern erzählen wird.“
„Sehr gern bin ich bereit,“ bemerkte hiezu meine freundliche Wirthin,„und wenn es Ihnen recht iſt, beginne ich ſogleich damit.“
„Ich bitte Sie,“ nahm ich ſogleich das Wort.
Frau Mertens lehnte ſich nun in ihren bequemen Sorgenſtuhl zurück und begann:
„Vor vielen, vielen Jahren lebte hier in Magdeburg und zwar in dem Hauſe am breiten Weg, das heute Ihre Aufmerk⸗ ſamkeit in ſo hohem Grade erregt hat, ein angeſehener und reicher Kaufherr. Er war, was man ſo nennt, ein Kind des Glücks und vielleicht hatte gerade dies ſeinen von Natur edlen und milden Charakter allmählig verhärtet und einen gewiſſen Stolz in ihm genährt, ſo daß er zuletzt glaubte, es müſſe Alles nach ſeinen Wünſchen gehen. Eine Zeit lang hatte dies auch den Anſchein. Bei jedem Geſchäfte, es konnte ein noch ſo gewagtes Unternehmen ſein, hatte Herr Martinus den reichſten Gewinn, ſeine Schiffe kehrten mit koſtbarer Fracht ungefährdet von fernen Welttheilen zurück, ſein Hausſtand gedieh, blühende Kinder nannten ihn Vater und ein zärtlich geliebtes Weib wartete ſeiner am traulichen Herde. Herr Martinus pries ſein Glück mit ſtolzem Munde, mußte er doch zuletzt zu dem Glauben gelangen, daß es ihm zu Theil geworden, weil er deſſen ſo werth ſei. Das aber können jene Mächte, denen Gewalt über die Sterblichen gegeben iſt, am wenigſten vertragen. In dem alten Liede heißt es:
„Zwiſchen Lipp und Kelchesrand Waltet dunkler Mächte Hand,
Zwiſchen ein⸗ und noch einmal Niederzuckt des Blitzes Strahl.“
So auch hier— und wirklich wie ein Blitzſtrahl, ſo plötzlich und verderbenbringend kam das Unheil.
Frau Meta, ſeine Hausehre, die blühende Roſe, erkrankte ſchwer, und ehe der erſchreckte Gatte noch einen ſchlimmen Aus⸗ gang nur zu ahnen vermochte, lag das ſchöne Weib bleich und gebrochen, eine Sterbende, auf ihrem Lager. Die Kunſt der Aerzte erſchöpfte ſich, alle Mittel wurden angewendet, das fliehende Leben zurückzuhalten— vergebens— das holde Auge brach, der freundliche Mund ſchloß ſich— Herr Martinus hielt eine Leiche in ſeinen Armen. 5
Der Schlag traf ihn in's Herz, was nützte ihm jetzt Geld und Gut— für all' den fürſtlichen Reichthum, welchen er auf⸗ geſpeichert, konnte er nicht eine Stunde dieſes entflohenen Lebens zurückkaufen. Jetzt ward ihm die volle Erkenntniß der menſch⸗ lichen Schwäche und ſeiner Armuth, und verzweifelnd und klagend kniete er an der Todtenbahre der geliebten Galtin, deren ſtarre Hülle er mit heißen Thränen benetzte.
Weder dem Zureden ſeiner Verwandten und Freunde, noch den Bitten ſeiner zarten Kinder gelang es, Herrn Martinus die Faſſung zurückzugeben, auf daß er das Unglück mit Ergebung und Würde trage, wie es dem Manne geziemt. 8 4
Da er das Geſchehene nicht ungeſchehen zu machen vermochte, beſchloß er, wenigſtens Alles zu thun, um der entſchlafenen Gattin einen letzten Beweis ſeiner grenzenloſen Liebe zu geben.
Vor dem Sudenburger Thore, außerhalb des Feſtungswalles, war der Friedhof gelegen, dort beſaß auch Herr Martinus ein Erb⸗ begräbniß. In dem reich ausgeſtatteten Grabgewölbe ruhten die Glieder ſeiner Familie— Großeltern, Eltern und Geſchwiſter.
Dort ſollte auch Meta's Leiche beigeſetzt werden.
Nach dreien Tagen, wie das Geſetz es vorſchrieb, geſchah dies
nun auch und zwar mit fürſtlichem Pomp.
Vorher war die Leiche der ſchönen jungen Frau öffentlich aus⸗ geſtellt geweſen und Viele hatten ſich zu dem Anblick gedrängt. Lag Frau Meta doch da in ihrem koſtbaren Sarge auf den weißen Seidenpolſtern wie eine Schlummernde. Herr Martinus hatte
nämlich, der herrſchenden Sitte entgegen, es nicht gelitten, daß man
ſein ſüßes Weib in ein Sterbekleid hülle. Im Brautkleide, an⸗ gethan mit dem prächtigen und überaus werthvollen Familienſchmuck, ſo ſollte ſie beſtattet werden, damit wollte er aller Welt kund thun, daß ihm nichts zu theuer und koſtbar für die Verblichene ſei.
Die Flammen der hohen Wachskerzen, die, auf ſilbernen Kan⸗ delabern ſteckend, den Sarg umgaben, warfen, vom Luftzuge bewegt, ihr gelbliches Licht auf die noch im Tode ſo rührend lieblichen Züge der Entſchlummerten. Es war die letzte Nacht, die Herr Mar⸗
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