Jahrgang 
14-26 (1877)
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933 Illuſtrirte Chronik der Zeit.

Durch die Schmeicheleien und die liebenswürdigen Aufmerkſamkeiten Ackermann's beſtochen, hatte ſie nie daran gedacht, ſeinen Charakter zu ſtudiren, ſein Herz und ſein Gemüth auf die Probe zu ſtellen.

Er war reich, ſehr reich, er war ein ſchöner und liebens⸗ würdiger Mann, und ihre Eltern wünſchten dieſe Verbindung, um die alle Freundinnen ſie beneideten.

Erzogen in Pracht und Ueberfluß, gewohnt, jeden Wunſch erfüllt zu ſehen, noch ehe ſie ihn ausgeſprochen hatte, war für ſie der Reichthum ſtets die Quinteſſenz alles Erdenglücks geweſen; ſie konnte und mochte ihn nicht entbehren, und von dieſem Geſichts⸗ punkte aus betrachtet verhieß ihr das Gold Ackermann's eine über⸗ aus glänzende Zukunft.,

Dieſer Geſichtspunkt war allein maßgebend für ſie geweſen, als ſie ihm das Jawort gab, und um ſo ſchwerer mußten nun die unvermutheten Enthüllungen ſie treffen. Das dunkle Geheimniß, das der Gatte ihr ſo ſorgfältig verbarg, ſein vertrauter Verkehr mit einem Manne, der ſo tief unter ihm ſtand, die ihr theilweiſe allerdings unverſtändliche Unterredung der Beiden dies Alles

Schlafzimmer, um ihre Schmuckſchatulle zu holen.

Sie haben mich rufen laſſen, gnädige Frau, ſagte der Juwelier eintretend,ich ſtehe zu Ihrem Befehl.

Die junge Frau öffnete die Schatulle, der Juwelier konnte einen Ausruf der Ueberraſchung nicht unterdrücken, als ſein Blick auf die blitzenden Steine fiel.

Dieſer Schmuck iſt würdig, von einer Fürſtin getragen zu werden, ſagte er, während er mit Kennermiene die prachtvollen Steine betrachtete,ich irre wohl nicht, wenn ich annehme, daß es ein Familienſchmuck iſt?

Das weiß ich nicht, erwiederte Bertha, die ihre Freude über dieſes Lob nicht verhehlte,er iſt ein Geſchenk meines Gatten.

Solche Geſchenke empfängt man gerne!

Wie gefällt Ihnen die Zeichnung der Faſſung? Ich wünſche darüber Ihr Urtheil zu hören, Sie ſind mir ſo warm empfohlen worden, daß ich auf Ihr Urtheil großen Werth. lege.

Der Juwelier verbeugte ſich und ordnete die einzelnen Theile

des Schmuckes auf dem Tiſche, um ſie eine geraume Weile prüfend zu betrachten.

Das neue Berſetzungs⸗Dock in Nikolajeff am Schwarzen Meere.(S.

zuſammengenommen mußte ſie ja im höchſten Grade beunruhigen chöne Glückstraum

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und ihr die ernſte Beſorgniß einflößen, daß der ſ wie Nebel zerrinnen werde.

Wenn jenes Gehimniß ungefährlich war, weshalb weigerte er ſich ſo hartnäckig, es ihr zu enthüllen und ihre Beſorgniſſe zu ver⸗ ſcheuchen?

Galt nicht auch ihr die Gefahr, die ihren Gatten bedrohte?

Wenn die Enthüllung jenes dunklen Geheimniſſes ſeinen Namen mit Schmach bedeckte, traf dieſe Schmach nicht auch ſie?

Dieſer Gedanke war entſetzlich! Sie wollte, ſie mußte Gewiß⸗ heit haben!

Der Eintritt der Zofe weckte ſie aus ihrem Brüten.

Der Juwelier iſt da, den die gnädige Frau befohlen haben, ſagte Jeanette mit einem erſtaunten, forſchenden Blick auf ihre Herrin.

Bertha erhob ſich und warf einen prüfenden Blick in den Spiegel.

Er mag eintreten, erwiederte ſie, dann ging ſie in das

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Wenn ich etwas zu tadeln finde, ſo trifft dieſer Tadel nur das Diadem, ſagte er.Die Zeichnung iſt allerdings korrekt und gefällig, aber die größeren Steine werden zu ſehr verdeckt, ſie machen dadurch nicht den Effekt, den ſie in anderer Faſſung machen müßten. Daſſelbe hat auch Mama geſagt, ſie meint ebenfalls, die großen Steine müßten deutlicher hervortreten. Dieſer große Brillant zum Beiſpiel kann ſein volles Feuer nicht entwickeln, weil er zu dicht von kleineren Steinen umgeben iſt. Sodann auch gefällt mir, aufrichtig geſagt, das Kreuz nicht. Sie ſind proteſtantiſch, gnädige Frau? deshalb nicht, mein Herr, ich wollte nur darauf aufmerk⸗ ſam machen, daß ein Stern ſtatt des Kreuzes vielleicht beſſer in die Zeichnung paſſen würde.. Ich bewundere Ihren künſtleriſchen Geſchmack, der ſofort das Rechte getroffen hat. Der große, überaus prachtvolle Stein könnte im Mittelpunkte des Sterns ſein ganzes, blendendes Feuer ent⸗ wickeln, ſeine Schönheit würde zu voller Geltung kommen.

(Fortſetzung folgt.)

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