Jahrgang 
14-26 (1877)
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Illuſtrirte Chronik der Zeit.

Und Ihnen war es nur darum zu thun, Geld zu erpreſſen!

Bis heute habe ich erſt die Hälfte erhalten.

Soll das eine Drohung ſein?.

Bewahre! Ich habe ja verſprochen, Sie zu ſchützen, und mein Verſprechen halte ich, wenn auch mir Wort gehalten wird. Der Polizeirath wird heute noch nach Wien reiſen, findet er dort die betreffende Perſon nicht

So kehrt er hieher zurück, um Sie zu weiteren Ausſagen zu zwingen! fuhr Ackermann auf.Er wird Verdacht ſchöpfen, Sie beobachten und

Im Gegentheil, er wird annehmen, daß jene Perſon nach Amerika gereist ſei, ich habe ihn darauf ſchon vorbereitet.

Sie ſcheinen die Spürnaſen der Polizei noch immer nicht zu kennen!

Bah, gerade weil ſie ſo klug zu ſein glaubt, kann ſie am leichteſten überliſtet werden! Uebrigens kennt der Rath die ganze Vergangenheit des Mannes, den er verfolgt, und das iſt meine Schuld nicht, ich habe ihm nicht die geringſte Mittheilung darüber gemacht.

Aber er kennt dieſen Mann nicht perſönlich!

Er beſitzt eine Photographie deſſelben.

Ackermann blieb ſtehen, er hatte die Lippen feſt auf einander gepreßt, und ein ſcharfer, trotziger Zug umzuckte ſeine Mundwinkel.

Hat dieſe Photographie Aehnlichkeit? fragte er nach einer langen Pauſe.

Nicht die geringſte!

Hm, am Ende wäre es doch beſſer, wenn Sie nicht mehr in mein Haus kämen, ich halte es ſogar für das Rathſamſte, daß Sie dieſe Stadt für immer verlaſſen.

Glauben Sie, daß dieſer plötzliche Bruch nicht Verdacht erregen würde? erwiederte Becker, der ſich an den Schreibtiſch geſetzt hatte. Man würde mir nachforſchen, man würde ſich bei Ihnen nach dem Grunde dieſes Bruches erkundigen, und dann könnte Manches an den Tag kommen, was uns Beiden nicht angenehm wäre.

Schlimm genug, daß es durch Ihre Dummheit ſo weit ge⸗ kommen iſt! ſagte Ackermann, mit dem Fuß zornig aufſtampfend.

Durch meine Dummheit? Ich muß Sie erſuchen, mich mit beleidigenden Redensarten zu verſchonen! Auch ohne mein Zuthun könnte ein Zufall Alles an's Licht bringen, und dann ſtände Nie⸗ mand rathend und ſchützend Ihnen zur Seite! Was ich gethan habe, bringt Ihnen keine Gefahr, im Gegentheil, dadurch, daß der Polizeirath nach Wien geſchickt worden iſt, habe ich ihn auf eine falſche Spur gebracht, die er nun mit allem Eifer verfolgen wird. Und dafür, daß dieſe Spur nach Amerika führen ſoll, werde ich auch ſchon Sorge tragen. Freilich verhehle ich Ihnen nicht, daß wir in jeder Stunde auf Alles vorbereitet ſein müſſen; Sie werden mich verſtehen, und ich zweifle nicht, daß Sie Ihre Vor⸗ bereitungen getroffen haben.

Ackermann ſchwieg, er hatte ſeine Wanderung durch das Zim⸗ mer wieder aufgenommen; der alte Mann widmete ſeine Aufmerk⸗ ſamkeit den Schriftſtücken, die auf dem Schreibtiſch lagen.

Vorbereitungen? brach er endlich das Schweigen. kenne jene Perſon nicht, ich

Ereifern Sie ſich nicht, unterbrach Becker ihn ruhig,Sie haben dazu jetzt noch keine Veranlaſſung. Aber für alle Fälle wäre es mir lieb, wenn Sie mir nun auch die andere Hälfte geben wollten, man kann ja nicht wiſſen, was paſſirt.

Sie wollen ſich aus dem Staube machen?

Ich denke nicht daran, was ſollte mich auch dazu zwingen? Ich bleibe bei Ihnen bis zum letzten Augenblick, wie ich es Ihnen verſprochen habe..

Und Sie können mir wirklich die Verſicherung geben, daß keine Gefahr zu fürchten iſt?

In der nächſten Zeit noch nicht.

Das lautet ſehr unbeſtimmt, wie lange berechnen Sie dieſe

Ich

nächſte Zeit?

Immerhin einige Wochen.

Ackermann war vor ſeinem eiſernen Schrank ſtehen geblieben, er öffnete ihn und holte einige Packete heraus, die Werthpapiere enthielten.

Rathen Sie mir zu der projektirten Badereiſe? fragte er.

In dieſem Jahre nicht. Sie könnten mit früheren Bekannten zuſammentreffen, in einem Badeorte liegt dieſe Möglichkeit ſehr nahe

Das habe ich mir auch geſagt, aber meine Frau läßt mir keine Ruhe, ſie will ſchon in der nächſten Woche abreiſen.

So erſinnen Sie einen Vorwand, der es Ihnen möglich macht, die Reiſe hinauszuſchieben.

Ich finde keinen.

Ihre Geſchäfte!

Dieſen Vorwand läßt meine Frau nicht gelten!

Was liegt daran! Sie haben ja allein darüber zu beſtimmen. Und bleibt Ihnen kein anderes Mittel, nun ſo laſſen Sie Madame allein reiſen..

Nimmermehr! rief Ackermann lebhaft, Werthpapieren blätterte.

Sind Sie eiferſüchtig? fragte der alte Mann ſpöttiſch.Ich an Ihrer Stelle wäre es nicht, ich würde das Vermögen als die Hauptſache betrachten und meiner Fuau volle Freiheit geben.

Ihre Anſichten ſind nicht die meinigen, erwiederte Acker⸗ mann mit ſcharfer Betonung,hier iſt Ihr Geld, Sie werden nun wohl zufrieden ſein.

Er war an den Schreibtiſch getreten, und als er jetzt die Papiere hinlegte, hielt der alte Mann ſeine Hand feſt.

Ruhig, flüſterte er ſo leiſe, daß Ackermann ſich zu ihm nieder⸗ beugen mußte, um die Worte zu vernehmen,wir werden belauſcht, die Portière des Schlafzimmers hat ſich bewegt.

In den Augen Ackermann's blitzte der Zorn auf, haſtig ſchritt er auf die Portiére zu, und als er ſie öffnete, ſah er nur noch einen Streifen einer hellen Robe, der im nächſten Moment hinter der Thüre, die zum Korridor führte, verſchwand. Ein finſterer Schatten glitt über ſeine Stirne, er ging in das Schlafzimmer und ſchloß die Thüren zum Korridor und zum Ankleidekabinet von innen ab.

Es war meine Frau, ſagte er zurückkehrend, und der Ton ſeiner Stimme verrieth, daß er gewaltſam die innere Erregung bezwang.

Wenn ſie gelauſcht hat

Das glaube ich nicht, vielleicht ſuchte ſie etwas in dem Schlaf⸗ zimmer, man darf nicht gleich das Schlimmſte annehmen.

Einerlei, dieſe Portiéren ſind eine ſehr ſchlechte Erfindung, ſagte Becker achſelzuckend,man kann nie wiſſen, wer dahinter ſteht.

Ich werde dafür ſorgen, daß man uns auf dieſem Wege nicht mehr belauſchen kann!.

Wenn es nicht ſchon zu ſpät iſt!

Ach was, ſollte ſie auch wirklich etwas vernommen haben, ſo verſteht ſie doch den Sinn unſerer Worte nicht. Und nun zu etwas Anderem. Sie wiſſen, daß der Bruder meiner Frau in das Geſchäft ſeines Onkels eingetreten iſt, er hat ſich an demſelben mit 20,000 Thalern betheiligt und iſt um dieſes Geld bereits betrogen.

Iſt es mit der Firma Heinrich Bogen ſchon ſo weit gekommen? fragte der alte Mann überraſcht.

Ich kreditire ihr keine 100 Thaler, aber das bleibt natürlich unter uns. Jene 20,000 Thaler ſind verloren, mein Schwieger⸗ vater hat da wieder einmal Lehrgeld gezahlt, er würde die bittere Erfahrung ſich erſpart haben, wenn er mich vorher um Rath gefragt hätte. Sein Sohn ſoll ſich beſchäftigen und ſein Vermögen ver⸗ mehren, ich mache ihm in dieſem Briefe den Vorſchlag, ihn mit mir zu aſſociiren. Er ſoll ſich an meinen Bergwerken betheiligen, mit einer Einlage von 100,000 Thalern kann er in zehn Jahren Millionär ſein.

Becker lächelte ironiſch.

100,000 Thaler ſind eine große Summe, ſagte er,ich glaube nicht, daß der Gutsbeſitzer ſie Ihnen anvertrauen wird.

Es kommt auf den Verſuch an, erwiederte Ackermann.Sie ſollen den Brief nach Plettenberg bringen und dem alten Herrn die nöthigen Erläuterungen geben. Ich ſtehe gerade jetzt im Begriff, zwei Bergwerke zu kaufen, nehmen Sie die darauf bezüglichen Papiere mit, damit mein Schwiegervater ſie prüfen kann, es wird nicht vieler Worte bedürfen, um ihm die Ueberzeugung zu verſchaffen, daß dieſes Geſchäft einen enormen Gewinn verſpricht. Sollte er Sie

während er in den

fragen, ob und weshalb ich das vor einiger Zeit angekaufte Berg⸗

werk noch nicht wieder verkauft habe, ſo antworten Sie ihm, es ſeien mir verſchiedene Gebote gemacht worden, aber ich wolle noch einige Zeit warten, um einen höheren Preis zu erzielen.

Er könnte den Beweis verlangen, daß die Bergwerke auch in der That angekauft werden..

Verlangt er ihn, ſo ſoll er ihn haben!

Der alte Mann ſah ihn befremdet an.

Denken Sie wirklich daran

Was kümmert es Sie, wie ich das Geld verwende? unter⸗ brach Ackermann ihn.Sie haben weiter nichts zu thun, als dem alten Herrn die Sache plauſibel zu machen und ihn für meinen Vorſchlag günſtig zu ſtimmen. Sagen Sie ihm, ich habe eine geeignete Gelegenheit abwarten wollen, um mit ihm perſönlich darüber zu reden, aber dringende Geſchäfte hielten mich zurück, und ich hege den Wunſch, meinen Schwager an dem augenblicklich ſich darbietenden Geſchäft zu betheiligen..

Ich werde mein Möglichſtes thun!

Wahrſcheinlich wird er verſchiedene, auf meine Unternehmungen

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