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ſprechen, Sie zu unterſtützen, halte ich unter allen Umſtänden.“
war ein beſcheidener Gaſthof—
Illuſtrirte Chronik der Zeit.
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Polizeirath,„es iſt bereits bewieſen, daß Woldemar Kramer den alten Freimuth in der Nacht vor dem Tode des Letzteren beſucht hat.“ „In der Nacht? Das zu beweiſen dürfte doch ſchwer ſein. Der alte Mann bewohnte das abgelegene Haus ganz allein—“ „Wenn ich Ihnen ſage, daß es bewieſen iſt, ſo dürfen Sie mir glauben. Sind Sie mit der ganzen Sache bekannt?“ „So weit ſie bis jetzt enthüllt iſt— ja! Ich finde es ge⸗ wagt, behaupten zu wollen, daß der alte Mann ermordet worden ſei, er hat Gift genommen, darin liegt für mich der Beweis des Selbſtmords.“ „Was veranlaßt Sie zu dieſer Bemerkung 2“ fragte der Juſtiz⸗ rath ſcharf.„Haben Sie vielleicht ein Intereſſe daran, daß jener Woldemar Kramer nicht verhaftet wird?“
„Nicht das geringſte!“
„Dennoch hat es den Anſchein—“
„Erlauben Sie, ich warne nur vor einer Uebereilung, die große Unannehmlichkeiten im Gefolge haben könnte. Wie Sie wiſſen, lernte ich Woldemar Kramer in Wien kennen, er machte auf mich den Eindruck eines ſtillen und ruhigen Mannes, ich kann nicht wohl glauben, daß dieſer Mann ein ſo furchtbares Verbrechen begangen haben ſoll.“
„Kommen wir zur Sache!“ fiel der Beamte ihm in's Wort. „Sie wollen alſo nicht nach Wien reiſen?“
„Ich kann es nicht, weil meine Zeit es nicht erlaubt.“
„Begeichnen Sie mir die Straße und die Reſtauration, in der Sie mit dem Manne zuſammentrafen.“
„Wollen Sie ſelbſt die Reiſe machen?“
„Mc.“
„Kennen Sie den Mann perſönlich?“ fragte Becker.
„Nein, aber ich beſitze eine Photographie.“
„Bitte, zeigen Sie mir das Bild, ich werde Ihnen dann ſagen, ob es das Porträt des Mannes iſt, den ich kennen lernte. Der Name Kramer iſt ja ſo ſelten nicht, ich möchte behaupten, daß man uhn in jeder Stadt findet.“
„Aber der Taufname!“ warf der Polizeirath ein.„Man findet den Namen Woldemar nicht oft!“
Der Polizeirath hatte ſein Portefeuille geöffnet, er nahm daraus eine Photographie und überreichte ſie dem alten Manne, der das Porträt lange betrachtete.
„Ja, ja, das iſt derſelbe,“ ſagte er,„ein bartloſes, ſchmales Geſicht, etwas gebräunt von der Sonne— jetzt wiſſen Sie wenig⸗ ſtens mit Sicherheit, daß er vor einem Jahre in Wien geweſen iſt. Ueber die betreffende Reſtauration kann ich Ihnen leider keine ge⸗ naue Auskunft geben, auch der Name der Straße iſt meinem Ge⸗ dächtniß entfallen, in einer fremden Stadt achtet man auf dergleichen nicht.“ 5
„Ich ſollte meinen, in einer fremden Stadt müſſe man darauf ganz beſonders achten,“ erwiederte Feldern, während er den Herren eine Priſe anbot,„ſchon deshalb, um ſich zurechtfinden zu können, wenn man den Weg verloren hat.“—
„Hier iſt ein Plan von Wien,“ ſagte der Polizeirath, indem er das Papier entfaltete,„vielleicht können Sie auf ihm die Straße angeben.“
„Wir wollen ſehen,“ entgegnete der alte Mann,„mein Ver⸗
Er verfolgte mit dem Zeigefinger die Linien. „Hier in dieſer Gegend habe ich gewohnt,“ fuhr er fort,„es
„In welcher Straße?“ fragte Stern.
„Warten Sie— jawohl, es war die Taborſtraße, und die Re⸗
ſtaupation lag hier, in der Bäckerſtraße, ich finde mich jetzt wieder zurecht.“
„Sie erinnern ſich deſſen genau?“
„Sehr genau ſogar. Es fragt ſich nun allerdings, ob Kra⸗ mer noch in Wien iſt—“
„Kam er täglich in die Reſtauration?“
„Jeden Tag, man ſpeiste da ſehr gut! Aber er beklagte ſich ſchon damals darüber, daß die Bedienung ſo läſſig und unhöflich ſei und er deshalb wahrſcheinlich ſich gezwungen ſehe, in einem anderen Hauſe zu ſpeiſen. Ich mache Sie darauf aufmerkſam, damit Sie nicht gleich den Muth verlieren, wenn Sie ihn nicht am erſten Tage ſchon finden.“
„Das laſſen Sie meine Sorge ſein,“ „Kramer hatte eine Stellung in Wien?“
ht D9s weiß ich nicht, er ſprach nicht darüber, und ich fragte nicht.“
„Gab er viel Geld aus?“
„Im Gegentheil, er war ſehr ſparſam.“
„Noch Eins. Haben Sie Brillanten bei ihm geſehen?“
ſagte der Polizeirath.
„Nein,“ erwiederte er.„Er trug nur einen einzigen Ring und das war ein ſchmaler Goldreif, ich hab' ihn für einen Trauring gehalten.“
Der Polizeirath faltete den Plan wieder zuſammen und legte ihn ſammt der Photographie in ſein Portefeuille.
„Haben Sie mir ſonſt nichts mehr über ihn mitzutheilen?“ fragte er.
„Nein, Herr Rath.“
„Sprach er mit Ihnen nie über ſeine Vergangenheit?“
„Nur einmal äußerte er, es lägen trübe Erfahrungen hinter ihm, aber er ſchien nicht gerne näher darauf eingehen zu wollen.“
„Das glaube ich,“ erwiederte der Polizeirath,„wir haben in⸗ zwiſchen Erkundigungen über ihn eingezogen und eine Auskunft erhalten, die unſerem Verdacht nur zur Beſtätigung dienen kann. Sie kennen alſo ſeine Vergangenheit nicht?“
„Nein.“
„Kramer iſt der Sohn braver Leute, ſein Vater war ein tüch⸗ tiger und geachteter Lehrer, deſſen Andenken heute noch von ſeinen früheren Schülern geſegnet wird. Der junge Mann wollte ſtudiren, er beſuchte das Gymnaſium und überflügelte mit ſeinem glänzenden Talent alle Mitſchüler. Trotzdem führte er ſeinen Vorſatz nicht aus, er ſattelte, nachdem er das Abiturienten⸗Examen gemacht hatte, um und trat als Lehrling in ein Bankhaus ein. Gleich darauf ſtarb der Vater, es war gut für ihn, daß er die Schande ſeines Sohnes nicht mehr erlebte. Der junge Herr war durch ſeinen Eifer, ſeinen Fleiß und ſeine Kenntniſſe bald der Günſtling ſeines Prinzipals geworden. Er war noch Lehrling, als ihm ſchon die engliſche und franzöſiſche Korreſpondenz anvertraut wurde, und daß eine glänzende Carriére vor ihm lag, ließ ſich unter ſolchen Um⸗ ſtänden mit Sicherheit vorausſagen. Er wurde Commis und erhielt ſchon im erſten Jahre ein bedeutendes Gehalt, aber es reichte bald nicht mehr aus, um die Ausgaben zu beſtreiten. Kramer war in ſchlimme Geſellſchaft gekommen, und er hatte keinen Freund, der ihn warnte; er wurde zum Hazardſpiel verleitet und verlor große Summen. Um die Spielſchulden tilgen zu können, fälſchte er Wechſel, und als dieſe Wechſel fällig wurden und er nicht die Mittel beſaß, ſie zu decken, machte er einen Mordverſuch auf den Kaſſirer, beraubte die Kaſſe und ergriff die Flucht. Er kam nicht weit, auf dem Bahnhofe wurde er verhaftet, und das Gericht ver⸗ urtheilte ihn zu dreijähriger Zuchthausſtrafe.“
„Und das iſt wirklich Wahrheit?“ fragte Becker.
„Die Akten beweiſen es.“
„Das hätte ich nie geglaubt! Jetzt begreife ich allerdings, weshalb er über ſeine Vergangenheit ſchwieg.“
„Aus dem Zuchthauſe brach er aus, aber er wurde wieder eingefangen und nach Verbüßung ſeiner S rafe entlaſſen. Er ſoll dann nach Amerika gegangen und ſpäter als Sekretär eines reichen Engländers zurückgekehrt ſein. Vor drei Jahren tauchte er in S. auf, er war dort ganz unbekannt und Niemand kümmerte ſich um ihn. Er lebte ſtill und zurückgezogen, vermied jeden Konflikt mit der Behörde und beſuchte ſelten oder nie ein Wirthshaus. Mittags ſpeiste er in einem Hotel, die übrige Zeit des Tages blieb er in ſeiner Wohnung, und ſeine Hausleute behaupten, er habe oft bis in die Nacht hinein ſtudirt. Bald nach dem Tode Freimuth's ver⸗ ließ er die Stadt und ſeitdem iſt er verſchollen.“
„Und hat auf jene Aufforderung in der Zeitung außer mir Niemand ſich gemeldet?“ fragte Becker.
„Nein.“
„Dann möchte ich faſt annehmen, daß er wieder in Amerika iſt.“ „Sprach er mit Ihnen davon?“
„Direkt äußerte er den Vorſatz nicht, allein er rühmte Amerika, Land und Leute gefielen ihm dort beſſer. Aber ich muß Sie bitten, meine Herren, mich jetzt zu entſchuldigen, meine Pflicht ruft mich. Ich wünſche Ihnen eine glückliche Reiſe, Herr Rath, es ſoll mich freuen, wenn Sie Ihren Zweck erreichen.“
Die beiden Herren entfernten ſich, Friedrich Becker wartete, bis ſie das Haus verlaſſen hatten, dann athmete er tief auf. Er trat vor den Spiegel und blieb hier lange ſtehen.
„Bah, was fürchte ich denn für mich?“ ſagte er endlich, wäh⸗ rend er ſein graues Haupt mit dem Hut bedeckte und die Glacee⸗ handſchuhe anzog.„Mich kennen ſie nicht, und nichts kann ſie veranlaſſen, meiner Vergangenheit nachzuforſchen. Es war aller⸗ dings gewagt, daß ich den Brief abſchickte, aber ich mußte es thun, um Auskunft zu erhalten, und vergeben habe ich dadurch mir nichts.“ Er verließ jetzt auch das Haus und trat eine Viertelſtunde ſpäter in das Kabinet Ackermann's. 4
„Sie ſind heute nicht pünktlich,“ ſagte Ackermann,„ich habe auf Sie warten müſſen.“
Der alte Mann ſchüttelte den Kopf.
„Ich hatte Beſuch aus S.,“ erwiederte der alte Mann, ihn ſcharf anblickend.„Kennen Sie den Polizeirath Stern?“.


