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Illuſtrirte Chronit der Zeit.
nun nicht weiter darum, Du machſt Dir nur unnöthige Sorgen. Ich weiß, wer mir die ganze Suppe eingebrockt hat, der Baron will mich in's Gefängniß bringen, damit er den Vagabund aus ſeinem Walde los wird.“
„Willſt Du mir nicht ſagen, weſſen Du beſchuldigt wirſt?“
„Hat es der Richter Dir nicht geſagt?“
„Nein.“
„Dann frag' ihn drum, wirſt lachen über den Unſinn „Valentin, bei unſerer früheren Liebe beſchwöre ich Dich—“
„Laß das!“ ſagte er rauh mit einer abwehrenden Bewegung, „den Glauben an Deine Liebe haſt Du ſelbſt mir genommen. Du haſt mich nie geliebt—“
„Ich hab's gethan, Valentin, und es könnt' Alles noch gut werden, wenn Du wieder arbeiten und für Weib und Kind ſorgen wollteſt, wie es einem rechtſchaffenen Mann geziemt.“
„Damit das Weib ſich wieder putzen kann—“
„Nein, die Zeiten ſind vorbei! Ich bin auch eine Thörin ge⸗ weſen, aber Niemand hat mich darauf aufmerkſam gemacht, und Du ſahſt es gerne, wenn ich mich putzte. Du hätteſt auch nicht ſo raſch den Muth verlieren ſollen!“
„Fangen die alten Vorwürfe wieder an?“
„Nein, ſie ändern ja doch nichts, aber zu einem guten Rath iſt es noch nicht zu ſpät.“
„Und der Rath lautet: ich ſoll arbeiten! In einer andern Mühle Säcke tragen und mich von den Knechten und Mägden hän⸗ ſeln laſſen! Lieber verhungern, als das!“
„Und was ſoll aus Deinem Kinde werden?“
„Erlaubt das Geſetz dem Dampfmüller, die Leute zu betrügen und das Mehl zu fälſchen, dann mag es ihm auch befehlen, mein Kind zu ernähren!“
„Du weißt ſelbſt nicht, was Du ſprichſt, Valentin,“ ſagte die Müllerin, tief aufſeufzend,„Du biſt Gatte und Vater, und es iſt Deine Pflicht, für uns Beide zu ſorgen. Hier kommen wir auf keinen grünen Zweig mehr, wir ſind ſo arm, daß wir nicht noch ärmer werden können, und es wird nicht lange dauern, ſo ſtößt man uns auf die Straße hinaus.“.
„Dann muß das Armenhaus uns aufnehmen!“
„Iſt das Dein Troſt? Wir ſind rüſtige Leute, man wird uns auffordern zu arbeiten—“
„Dann ſoll man uns Arbeit geben!“
„Sei nicht ſo trotzig, Valentin, Dein Trotz beſſert nichts. Ich weiß nicht, weſſen man Dich beſchuldigt, Du willſt es mir nicht ſagen, aber es beunruhigt mich, und noch immer hat das Sprich⸗ wort ſich bewährt, daß da, wo Rauch iſt, auch Feuer ſein muß. Wenn Du verhaftet wirſt, dann läßt das Ende ſich nicht voraus⸗ ſehen, und wir Alle kommen in Elend und Unglück. Laß uns aus⸗ wandern, Valentin, drüben kennt uns Niemand.“
„Auswandern?“ höhnte er.„Womit? Mit leeren Händen? Haſt Du das Geld für die Ueberfahrt?“
„Wir wollen darüber nachdenken, wie wir es uns verſchaffen können.“
„Was nutzt da alles Nachdenken? Ich kenne Niemand, der mir einen Groſchen borgen wird.“
„Verkauf' dem Baron die Mühle, vielleicht gibt er Dir dann auch noch die Summe, die wir nöthig haben.“
„Dem Baron? Niemals!“
„Und was haſt Du davon, wenn ſie gerichtlich verſteigert wird? Gut' Wort findet immer einen guten Ort, und ſind wir erſt drüben, ſo werden wir auch vorwärts kommen.“
„Oder verhungern!“*
„Ein geſunder Menſch verhungert nicht, wenn er noch arbeiten
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Abermals ließ das heiſere unheimliche Lachen des Müllers ſich vernehmen, er nahm die Mütze vom Nagel und ſchritt auf die Thüre zu.
„Wenn Du mir das Geld verſchaffen kannſt, dann bin ich augenblicklich bereit,“ ſagte er ſpöttiſch,„mich hält hier nichts zu⸗ rück. Wir wollen darüber nachher ſprechen, ich bin jetzt nicht ruhig genug, die Geſchichte hat mich doch aufgeregt. Und daß Du ſchweigſt, wenn Jemand Dich fragen ſollte! Du weißt nichts, gar nichts, und was Du gehört oder geſehen haben willſt, das iſt auch nur eitel Einbildung.“
Er ging hinaus und ſchlug die Thüre dröhnend hinter ſich zu,
Jetzt brachte die Zeitung eine Aufforderung, in welcher der Staatsanwalt von dieſem Verſchwinden Anzeige machte und Jeden, de darüber Auskunft geben konnte, um ſofortige Mittheilung er⸗ uchte.
Gleichzeitig wurden in dieſer Aufforderung demjenigen, der die erſte ſichere Nachricht über das Schickſal des Verſchwundenen brachte, von Seiten des Barons v. Frankendorf hundert Thaler zugeſichert.
Friedrich Becker, der Privatſekretär Ackermann'’s, beſaß jetzt die Mittel, die Zeitung zu halten, er fand ſie jeden Morgen auf dem Frühſtücktiſch.
Natürlich konnte die mit großer Schrift gedruckte Aufforderung ſeiner Aufmerkſamkeit nicht entgehen, er las ſie zweimal, dann legte er mit einem langgedehnten:„A— h“ das Blatt auf den Tiſch.
„Davon hatte ich noch keine Ahnung,“ ſagte er leiſe,„und wo der Förſter geſucht werden muß, das iſt mir ſchon jetzt klar, ich könnte die Belohnung heute noch verdienen.“
Er trank ſeine Taſſe aus und erhob ſich, um das Zimmer einige Mal mit großen Schritten zu durchmeſſen.
„Hundert Thaler!“ fuhr er fort.„Bah, für dieſen Judas⸗ lohn verrathe ich einen alten Freund nicht. Aber jetzt habe ich Gewalt über ihn, und wenn ich einmal davon Gebrauch machen will, dann muß er tanzen, wie ich pfeife. Man kann ja nicht wiſſen, wie die Dinge ſich geſtalten, und es iſt immer gut, wenn man ſich auf alle Eventualitäten vorbereitet.“ Er blieb vor dem Spiegel ſtehen und fuhr mit der Hand durch das graue Haar, dann zog er die blaue Brille aus dem Etui, um ſie aufzuſetzen.
Er war damit eben fertig geworden, als lautes und ungeſtümes Pochen ihn aus ſeinem Sinnen weckte, und es überraſchte ihn eben Kicht angenehm, als er in dem Eintretenden den Juſtizrath Feldern erkannte.
Ein großer hagerer Herr, der in Gang, Haltung und Kleidung den Beamten nicht verleugnen konnte, begleitete ihn, der Juſtizrath. ſtellte ihn als Polizeirath Stern aus P. vor.
„Ich komme in der bewußten Angelegenheit,“ nahm der Polizei⸗ rath das Wort, nachdem er den ihm angebotenen Stuhl angenommen hatte,„Sie haben damals verſprochen, uns Auskunft über die Perſon, die wir ſuchen, zu geben, dieſem Verſprechen ſind Sie un⸗ treu geworden—“
„Verzeihen Sie, ich muß entſchieden in Abrede ſtellen, ein ſolches Verſprechen gegeben zu haben,“ unterbrach Becker ihn.„Der Herr Juſtizrath wird mir bezeugen, daß ich nur geſagt habe, es ſei vielleicht möglich, den jetzigen Aufenthaltsort jenes Woldemar Kramer zu erforſchen, doch ſei dies mit Mühe und Koſten ver⸗ bunden. Ich habe ferner ihm eine Fährte gezeigt, es iſt ſeine Sache, ſie zu verfolgen.“
„Ich habe nach Wien geſchrieben,“ erwiederte der Juſtizrath, „man hat mir geantwortet, der Name Woldemar Kramer ſei dort gänzlich unbekannt und in den Liſten der Polizeibehörde nicht zu finden.“ 4„Dann hat der Herr vorge’ogen, ſich nicht anzumelden bei der Polizei,“ ſagte Becker achſelzuckend.„Ich kann Ihnen weiter nichts ſagen, als daß ich damals ihn in einer Reſtauration häufig an⸗ getroffen habe.“ 3
„Der Herr Juſtizrath ſchlug Ihnen vor, auf unſere Koſten nach Wien zu reiſen—“
„Ich würde dieſen Vorſchlag angenommen haben, wenn ich nicht durch die Pflichten meiner Stellung abgehalten wäre.“
„Können Sie nicht auf einige Tage Urlaub nehmen?“
„Jetzt ſchon, nachdem ich meine Stelle kaum angetreten habe? Die reichen Herren ſehen es nicht gerne, wenn man nicht ihnen allein, ſondern zugleich auch Anderen dient. Und in einigen Tagen läßt ſich das auch nicht abmachen, es iſt ja ſehr fraglich, ob ich den Betreffenden ſofort finde, ob er nicht Wien längſt verlaſſen hat und ich ihn Wochen lang vergeblich ſuche.“
„Wir ſichern Ihnen eine hohe Belohnung zu, wenn Ihre Be⸗ mühungen den Mann in unſere Hände liefern,“ erwiederte der Polizeirath, während er den Blick prüfend durch das Zimmer ſchweifen ließ.
„Eine hohe Belohnung?“ ſagte der alte Mann zweifelnd. „Der Herr Juſtizrath hat ſie mir nicht in Ausſicht geſtellt, er ſprach nur von Erſtattung der Koſten und Auslagen.“
„Ich aber bin beauftragt, Ihnen dieſe Belohnung zuzuſichern, natürlich vorausgeſetzt, daß Ihre Ausſagen und Bemühungen die
die unglückliche Frau barg ſchluchzend das Antlitz in ihre Hände. Sechzehntes Kapitel. Entdeckungen. Acht Tage waren ſeit dem Verſchwinden des Förſters verſtri⸗ chen und trotz aller Bemühungen des Polizeikommiſſärs noch immer keine Spuren von ihm entdeckt worden.
Auffindung jenes Mannes herbeiführen.“
„So weiß man jetzt, daß er das Verbrechen begangen hat?“ fragte Becker, die lauernden Augen feſt auf das hagere Geſicht des Beamten heftend.„Ich habe dem Herrn Juſtizrath derzeit geſagt, es ſei eine gewagte Sache, einen Mann zu verfolgen, auf dem nur ein unbeſtimmter Verdacht ruhe.“
„Dieſer Verdacht hat eine Beſtätigung gefunden,“ fagte der
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