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264 Illuſtrirte Chronik der Zeit.
Thusnelda.„Fand der Förſter ſie nicht, ſo mußte der Hund ſie finden.“
„Der Hund iſt noch jung,“ erwiederte Theobald,„ſeine Dreſſur noch nicht beendet, er mag wohl Spuren gefunden und nicht weiter beachtet haben. Geſtern Morgen ſagte mir der Förſter, er habe eine Fährke gefunden und er werde ſie verfolgen, bis das geheime Verſteck entdeckt ſei.“
„Solkte ein ſolches wirklich beſtehen?“ fragte der Baron.
„Keller behauptet es mit voller Sicherheit, aber wo es ſich befindet und wodurch er zu dieſer Ueberzeugung gekommen iſt, wollte er mir nicht mittheilen, er meinte nur, wir würden ſehr überraſcht ſein. Gegen Mittag trennte ich mich von ihm an der großen Buche, er ſchlug nicht den geraden Weg zum Forſthauſe ein, und als ich ihn darauf aufmerkſam machte, erwiederte er, er wähle abſichtlich den Umweg, weil er auf ihm eine Entdeckung zu machen hoffe. Es fiel mir weiter nicht auf, und ich wollte ihm
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auch nicht mit Fragen läſtig fallen, wir kennen ja Alle ſeine Ge⸗
heimthuerei, über die wir manchmal gelacht haben. Ich ſchritt rüſtig von dannen und hatte ſchon eine bedeutende Strecke zurück⸗ gelegt, als ich in der Ferne plötzlich zwei Schüſſe fallen hörte. Mein Hund ſpitzte die Ohren, ich blieb ſtehen und horchte. Die Schüſſe waren raſch nach einander gefallen, ich konnte nur ver⸗ muthen, daß der Förſter die beiden Läufe ſeiner Doppelbüchſe ab⸗ gefenert hatte. Vielleicht galten die Schüſſe einem Fuchs oder einem Raubvogel, ich hielt es nicht der Mühe werth, weiter darüber nach⸗ zudenken und ſetzte meinen Weg fort. Jetzt aber ſteigt doch ein Verdacht in mir auf, der mich beunruhigt, der Verdacht, daß die Schüſſe einem Menſchen gegolten haben können.“
Der Blick Thusnelda's ruhte voll fieberhafter Erwartung auf dem Bruder, während der Baron gedankenvoll auf und nieder wanderte. 3 Das iſt allerdings nur eine Vermuthung,“ ſagte der Letztere,
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Tfracd erdh—
Das trojaniſche Pferd.?(S. 279.)
„aber ich verkenne nicht, daß ſie zu Nachforſchungen zwingt. Wir wollen ſofort aufbrechen, Theobald, wir nehmen unſere Büchſen und die Hunde mit.“
Der junge Mann war augenblicklich dazu bereit, ein Diener ſollte die Herren begleiten, durch den ſie der Baroneſſe Nachricht geben konnten, ſobald irgend eine Entdeckung die ſofortige Anzeige beim Gericht nothwendig machte.
Eine Viertelſtunde ſpäter verließen ſie das Schloß; nach einer ziemlich langen Wanderung ſtanden ſie an der großen Buche, an der Theobald Tags vorher ſich von dem Förſter getrennt hatte.
Sie wanderten jetzt in der Richtung weiter, die der Förſter ein⸗ geſchlagen hatte, aber alle Nachforſchungen blieben erfolglos, man fand nichts, was zu irgend einer Entdeckung hätte führen können, ſelbſt auf der Stelle nicht, auf der nach der Berechnung Theobalds die Schüſſe gefallen ſein mußten.
Man wählte für den Rückweg eine andere Richtung, bald
darauf ſchlugen die Hunde an, man fand den Hund des Förſters erſchoſſen, die Kugel hatte ihn in den Kopf getroffen.
„Jetzt wiſſen wir, weshalb der Hund nicht heimgekommen iſt,“ ſagte Theobald beſtüuzt,„und daß der Förſter ſelbſt ihn erſchoſſen haben ſoll, läßt ſich nicht wohl annehmen.“
„Er müßte dazu einen beſonderen Grund gehabt haben,“ erwie⸗ derte der Baron kopfſchüttelnd.„Keller iſt kein jähzorniger Mann.“
„Nein, gewiß nicht,“ fuhr Theobald mit gedämpfter Stimme fort,„und ich glaube nun zu der Behauptung berechtigt zu ſein, daß die zweite Kugel dem Hunde, die erſte aber dem Förſter ge⸗ golten hat.“
„Dann müßte man ſeine Leiche finden.“
„Sie kann verſcharrt ſein.“
„Die Hunde würden ſie wittern.“
„Darauf wollen wir uns nicht verlaſſen, Vater, die Thiere ſind darauf nicht dreſſirt.“
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