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keit, die verletzt haben würde, durfte der Adjutant ſich nicht zu Schulden kommen laſſen. 4
Der Kaffee wurde ſervirt; ſchon bei der erſten Taſſe hatte das lebhafte Kind den Lieutenant in eine Unterhaltung verwickelt, die ſich in's Endloſe hineinziehen zu wollen ſchien.
Alice„ſchwärmte“ für die deutſchen Dichter, ſie hatte die ganze klaſſiſche Literatur geleſen; unerſchöpflich in Citaten, richtete ſie an Kurt zahlloſe Fragen, die ihn, den minder Beleſenen, in Verlegen⸗ heit ſetzten.
Wie auf glühenden Kohlen ſaß er ihr gegenüber, einer ſo leb⸗ haften, redſeligen Dame war er noch nie begegnet, der Gedanke, ſie für das ganze Leben an ſich ketten zu ſollen, erfüllte ihn mit Schaudern.
Seine Nerven waren gewiß nicht ſchwach, aber dieſer unauf⸗ hörliche Redeſtrom, dieſe ſich überſtürzenden Fragen, dieſes fort⸗ währende Abſpringen von einem Thema zum andern brachte ſie in fieberhafte Aufregung, und er dankte dem Himmel, als der Stadt⸗ rath ſich einfand, mit dem ſich ein vernünftiges Wort reden ließ.
Aber das Kind ſchien den Stadtrath als eine Null zu betrach⸗ ten, es nahm, nachdem es ſeinen Gruß erwiedert hatte, nicht die geringſte Notiz von ihm und fuhr fort, den Huſarenoffizier mit ſeinen klaſſiſchen Kenntniſſen zu beglücken.
Er ſollte ſein Urtheil über Byron's„Manfred“ äußern, aber ſie wartete ſeine Erklärung, daß er das Gedicht nicht einmal geleſen habe, gar nicht ab, mit einem Wortſchwall, der einer beſſeren Sache würdig geweſen wäre, zergliederte ſie das Werk, um die Schönheiten deſſelben zu beweiſen.
Unter dem Vorwande, daß der Dienſt ihn abrufe, fand Kurt endlich die erſehnte Gelegenheit, ſich zu entfernen, er athmete er⸗ leichtert auf, als er den Salon verlaſſen hatte. Im Begriff, an der Glasthüre des Comptoirs vorbeizuſchreiten, ſah er ſich plötzlich dem Stadtrath gegenüber, der ihn durch einen Wink aufforderte, einzutreten.
„Sie werden Gott danken, daß Sie erlöst ſind,“ ſagte Bitter⸗ lein ſcherzend, während er zwei Gläſer füllte, die auf dem Tiſch ſtanden,„das geht wie ein Mühlrad, man kommt nicht zu Athem dabei. Auf Ihr Wohl, Herr Lieutenant, ein Glas Portwein iſt in ſolchen Fällen eine wahre Herzſtärkung.
Mechaniſch ergriff Kurt das Glas, es war ihm noch nicht möglich, ſeine Gedanken zu ſammeln, ſo ſummte und ſchwirrte es in ſeinem Kopf.
„Das Kind, wie meine Frau dieſe Dame nennt, muß verteufelt viel geleſen haben,“ fuhr der Stadtrath fort,„das iſt ja ganz hübſch und unter Umſtänden auch angenehm, aber es wird langweilig, wenn man Stunden lang Geſchichten anhören muß, für die man ſich nicht intereſſirt.“
„Sie haben Recht,“ nickte der Adjutant, mit der Hand über die Stirne ſtreichend,„jedenfalls kennen Sie Fräulein Feldern ſchon länger—“
„Und daraus glauben Sie ſchließen zu dürfen, ich müſſe nun abgehärtet ſein? Ich möchte Ihnen gerne einen guten Rath geben, Herr Lieutenant, aber ich weiß nicht, ob ich es wagen darf.“
„Nur immer zu, Herr Stadtrath!“
„Sie werden es mir nicht übel nehmen?“
„Für einen guten Rath kann man nur dankbar ſein.“
Johannes Bitterlein hielt ſein Glas gegen das Licht und be⸗ trachtete mit Kennerblicken die Farbe des Weins.
„Wenn ich unter zwei Uebeln wählen müßte,“ ſagte er leiſe, „unter einer Schuldenlaſt, die ſogar drückend ſein könnte, und unter der Frage, ob ich Fräulein Alice Feldern heirathen ſolle, dann würde ich das Erſte vorziehen!“
„Und glauben Sie wirklich, daß ich zu dem Zweiten mich ent⸗ ſchließen könnte?“ fragte Kurt, dem das Blut in die Wangen ſchoß. „Um keinen Preis, nicht um alles Gold der Erde!“
„Nun, das freut mich für Sie, darauf ſtoße ich mit Ihnen an, Herr Lieutenant. Sie ſind heute einmal das Opferlamm ge⸗ weſen, aber Sie werden's nicht wieder ſein.“
„Nein, gewiß nicht. Ihre Frau Gemahlin hat Ihnen alſo das Projekt mitgetheilt—“
„Bitte, machen Sie keinen Gebrauch davon; meine Frau darf nicht wiſſen, daß ich ſo offen mit Ihnen darüber geredet habe!“
„Ich werde ihr das nicht mittheilen,“ fuhr Kurt fort,„aber ich werde auch kein Bedenken tragen, ihr unverhohlen zu erklären, daß ſie ihr Projekt als geſcheitert betrachten kann. Madame wird mir zwar zürnen!“
„Ich werde ſie zu beſänftigen ſuchen! Gütiger Himmel, ſie wird doch auch einſehen, daß dieſe Heirath Ihr Unglück wäre, und das kann und darf ſie nicht verlangen.“
„Sie hat es verlangt, Herr Stadtrath—“ „Ich werde ihr beweiſen, daß es ein unvernünftiges Verlangen
Illuſtrirte Chronik der Zeit.
war. Beruhigen Sie ſich, ich ſtehe auf Ihrer Seite, ſeitdem ich von dieſem Attentat auf Ihre Freiheit und Ihr Lebensglück Kennt⸗ niß erhalten habe, und ohne meine Zuſtimmung kann meine Frau Sie wegen der Schuld nicht belangen. Sie müſſen nun freilich ſehen, wie Sie ſich durchhelfen, unſere Kaſſe wird Ihnen wohl nicht mehr zur Verfügung ſtehen, ich ſage Ihnen das ganz offen, ſo leid es mir auch thut.“
„Ich habe mir das ſelbſt ſchon geſagt,“ erwiederte Kurt, den dieſe Offenheit keineswegs unangenehm berührte,„ich werde mich nach der Decke ſtrecken, ſo ſchwer mir das auch in meiner Stellung fallen mag.“
„Aber was auch kommen mag, wozu auch die Verhältniſſe Sie nöthigen mögen, hüten Sie ſich vor allen Dingen, einem Wucherer in die Hände zu fallen.“
„Das verſpreche ich Ihnen. Und nun danke ich Ihnen noch⸗ mals für Ihre Offenheit, Herr Stadtrath; was wir mit einander geredet haben, bleibt natürlich unter uns.“
Bitterlein reichte dem Offizier die Hand und ſah ihn mit einem treuherzigen Blick an.
„Sollte Ihnen meine Frau ſo ſehr grollen, daß ſie dadurch ſich zu Drohungen verleiten ließe, ſo achten Sie nicht darauf,“ ſagte er,„dieſe Drohungen ſind ungefährlich, ſo lange ich auf Ihrer Seite bin.“
Kurt verließ mit dieſer beruhigenden Verſicherung das Haus, und der Stadtrath zündete, behaglich lächelnd, ſeine Pfeife an. In dieſer Angelegenheit hatte er über ſeine Frau einen Sieg errungen; das kam ſo ſelten vor, daß ihm die herzliche Freude darüber nicht zu verdenken war. 3
Er gönnte ihr die Niederlage um ſo mehr, weil Alice Feldern ihm ſtets ein Dorn im Auge geweſen war, vielleicht kam es jetzt zu einem Bruch zwiſchen ſeiner Frau und dieſer redſeligen Dame, und was er dazu thun konnte, um ihn herbeizuführen, das ſollte gewiß
eſchehen. 3 Mit ſeinen Gedanken darüber beſchäftigt, wanderte er raſtlos auf und ab, das Eiſen mußte geſchmiedet werden, ſo lange es warm war.
Die beiden Damen ſchritten an der Thüre vorbei, Frau Eugenie begleitete ihre Freundin, deren Redefluß noch immer nicht ge⸗ hemmt war.
Gleich darauf trat Madame Bitterlein in's Comptoir, der Stadtrath blieb vor ihr ſtehen und ſah ſie mit einem bedauernden Blick an.
„Kopfweh?“ fragte er lakoniſch.
„Wovon?“ erwiederte ſie achſelzuckend.
„Hilf, Himmel, Du mußt Nerven von Stahl haben! Haſt Du denn all das Zeug geleſen, worüber dieſes Kind ſo unermüdlich zu ſchwatzen weiß?“
„Du wirſt beleidigend, Johannes!“ erwiederte Frau Eugenie, in deren Augen es zornig aufblitzte.„Herr v. Plettenberg hat ſich vortrefflich amüſirt und gewiß ſehr bedauert, daß der Dienſt ihn abrief.“
„Wirklich?“ ſpottete Bitterlein.„Na ja, ich habe ſeine Ge— duld bewundert, er ſaß da wie ein Opferlamm, und ich glaube, wenn die Decke über ihm eingeſtürzt wäre, würde er es kaum be⸗ merkt haben.“
„Gilt Dir das nicht als ein Zeichen, daß ſeine Aufmerkſamkeit im höchſten Grade gefeſſelt war?“
„Gott bewahre, betäubt war er, ſo furchtbar betäubt, daß er hier eine Viertelſtunde lang nach Luft geſchnappt hat. Er wäre ohn⸗ mächtig geworden, wenn ich ihm nicht ein Glas Wein gegeben hätte!“
„Johannes!“
„Und das ſollteſt Du nicht bemerkt haben? Dein Projekt, Eugenie, iſt vollſtändig in's Waſſer gefallen!“
Madame Bitterlein zuckte verächtlich die Achſeln.
„Du urtheilſt, wie Du es verſtehſt,“ ſagte ſie,„ich denke anders darüber! Alice Feldern hat dem Offizier imponirt, und ſie ſelbſt iſt entzückt von ihm.“
„Das Letztere will ich gerne glauben, aber das Erſtere weiß ich beſſer.“
p„Hat Herr v. Plettenberg mit Dir darüber geſprochen?“
„Na, ich will Dir die Wahrheit ſagen, Eugenie,“ erwiederte der Stadtrath,„es könnte Dir ſonſt begegnen, daß die Sache in die Oeffentlichkeit kommt, und dann wärſt Du allein kompromittirt.“
„Ich verbitte mir dieſen Ton!“ fuhr Frau Eugenie auf.„Mein Projekt hat einen durchaus edlen Zweck—“ 8
„Verzeihe, wer das nicht weiß, der glaubt es nicht, und einen unerreichbaren Zweck eizenſinnig zu verfolgen, führt niemals zu einem guten Ende.“
„Unerreichbar? dern redet aus Dir!“
Dein unbegründeter Haß gegen Fränlein Fel⸗
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nicht u Zweck i Nachmit Gold de
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gornig. Ich w
T tilgen!
ſchaft Stadtr . 3
würdig


