Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
578
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gebracht, und der verſammelte Rath der hinzugerufenen Aerzte ſpäter erklärt hatte, es ſei eine Rückenmarkserſchütterung und dürfte die Ge⸗ neſung lange dauern, falls die Kräfte des Knaben ſolche überhaupt geſtatteten, blieb ein Geheimniß zwiſchen ihr und Gott. Was wir aber als gewiß ſagen können, iſt, daß ihr Geſicht den beſchriebe⸗ nen hoffnungsreichen Ausdruck trug, als ſie zuerſt den Platz neben dem Bettchen einnahm, und daß der Doctor, mochte er kommen, wann er wollte, nie einem andern begegnete.

Es dürfte ſchwerer zu ſagen ſein, was in der Seele des ver⸗ ſchloſſenen Mannes vorging, aber, wenn man erwägt, daß alle Pläne auf Ausbreitung von Ruhm vorläufig ſiſtirt ſchienen, daß Arthur ſich ſo viel wie möglich von ſeiner öffentlichen Thätigkeit los⸗ machte, ſelbſt ſeine Praxis auf das knappſte Maß beſchränkte, und, ſo viel es möglich war, das Kind beobachtete, ſo dürfte der Schluß nahe liegen, daß er mit der ganzen eiſernen Energie ſeines Weſens gegen eine dunkle, unſichtbare Macht kämpfte, der er im Verlauf der Jahre ſo manchen Sieg abgerungen und die jetzt drohend zu Häupten ſeines Knaben ſtand.

Ahnungslos lag indes der Gegenſtand ſo vieler Sorge in ſeinem Bett und ſchaute gedankenvoll den Sonnenſtrahlen zu, wie ſie ſich früh roſenroth durch die weißen Fenſtervorhänge ſtahlen, dann immer weiter und weiter an den Wänden entlang glitten, in großen, runden Flecken auf ſeine Decke fielen und ſchließlich gleich einem breiten Strom vollen Lichts, in welchem Millionen zitternder Sonnen⸗ ſtäubchen hin- und herwogten, durch das Zimmer floſſen. Er beob⸗ achtete ferner, wie allmählich erſt leiſe und flüchtig, wie eine Wolke, die ſchwarzen Abendſchatten vorüberhuſchten, dann immer zahlreicher und dunkler herankrochen, bis zuletzt auch der letzte goldene Lichtreflex von ihnen verſchlungen war. Nie wurde das Kind müde, dieſem Vorgange zu folgen, und einmal fragte es ſeine Mama:

Biſt Du auch ſicher, daß die Sonnenſtrahlen immer wieder kommen und die häßliche Dunkelheit ſie nicht feſthält?

Nächſt den Sonnenſtrahlen war die alte Linde vor dem Fenſter des kranken Knaben Unterhaltung. Er hatte von ſeinem Lager aus geſehen wie ſich das erſte zarte Grün entfaltet, wie ſie ſpäter geblüht hatte, und nun entdeckte er die erſten gelben Blätter.

Mama, fragte er,was geſchieht dann, wenn die Blätter alle gelb ſind?

Dann fallen ſie ab, mein Kind.

Das weiß ich wohl, aber ich möchte gern wiſſen, ganz todt ſind?

Allerdings, mein Herz, jedoch im nächſten Frühling erhält die Linde neue.

Der nächſte Frühling, Mama, ſagte der Knabe mit nachdenk⸗ lichem Ausdruck,iſt lange hin, und dieſe Blätter kenne ich und habe ſie lieb⸗ Ich wollte, ſie ſtürbenenicht.. 1.1*

Es war kein Zufall, daß von dieſem Tage an ſeine Mama be⸗ hauptete, das Licht blende ſie und unter dieſem Vorwande die Vor⸗ hänge jenes Fenſters geſchloſſen blieben. Ach, keine zarte Vorſorge konnte den Gang der Natur und das verrinnende Leben aufhalten, die Blätter der Linde färbten ſich immer gelber und röthlicher und das Antlitz des Kindes immer weißer und durchſichtiger.

Es war ein ſtürmiſcher Octobernachmittag, der Wind ſtrich ächzend durch die faſt ganz entlaubten Bäume und trieb raſchelnd das dürre abgefallene Laub vor ſich her. In dem Krankenzimmer, wo im Gegenſatz zu draußen eine feierliche Stille herrſchte, begannen die Schatten wieder den alten Kampf mit den blaſſen Sonnenſtrahlen.

Mama, ſagte endlich eine matte Stimme,hat Dir der Wind nicht erzählt, ob der arme König ſein Herz wiederbekommen?

Es dauerte einige Minuten, bis ſie ihre Bewegung, erzeugt durch die Erinnerung an eine ferne, glückſelige Stunde, bekämpft

hatte und freundlich erwiderte, ſie habe noch keine Nachricht, glaube aber ſicher, er werde es erhalten.

Mama, liebe Mama, ſagte nach einem Weilchen die Stimme, gib mir Deine Hand..

Sie legte ihre Hand in das kleine, blaugeäderte, ſieberheiße Händchen, welches ſie zitternd umſchloß.

Mama, bitte, komm näher, Mama warum rückſt Du fort ſo weit ſo weit fort?

In ihrer Herzensangſt über das Bett gebeugt, die Wange an das Geſicht ihres Lieblings gedrückt, ihre Arme wie zum Schutz um ihn ſchlingend, ſagte ſie in den beſchwichtigendſten, zärtlichſten Tönen

ob ſie dann

ihrer Stimme, daß ſie ja da ſei, daß ſie immer bei ihm bleibe, immer, immer.

Mama, liebe Mama, rief in dem Accent fürchterlicher Angſt der Knabe,ich kann Dich nicht ſehen, die dunkle Wolke verdeckt Dich ſie rückt immer näher ſie wird immer finſterer Mama*

Ein leiſes Beben der zarten Glieder, ein Zuſammenziehen der kleinen Hand, ein Seufzer, wie das letzte Verklingen einer zerriſſenen Saite, und die dunkle Wolke war von den Augen des Kindes ge⸗ nommen.

Als bald darauf der Doctor die Thür öffnete, hemmte das feierliche Geheimniß ſeinen Schritt. Die knieende Geſtalt neben dem Bette richtete ſich empor, und er ſchaute in ein Antlitz, auf das der tiefſte Schmerz ſeine höchſten Weihen gedrückt.

Arthur, wir haben kein Kind mehr, wohl aber einen Engel im Himmel!

Als er ſich über das Lager beugte, ſah er noch einmal daſſelbe ſüße Geſicht, nur erſtarrt in der Majeſtät des Todes.

Getheilter Schmerz iſt halber Schmerz!

In dem Doctorhauſe ſchien man das alte Sprichwort nicht zu tennen, wenigſtens trug jeder ſtill und allein ſeine Laſt, ohne ihrer zum andern zu erwähnen.

Nach außen hin finſterer und unnahbarer als je hatte ſich Ar⸗ thur wieder ganz in ſeine Thätigkeit geſtürzt, ja, er war womöglich noch raſtloſer als früher und vermied ängſtlich jedes Alleinſein mit ſeiner Gattin. Erweckte ihr Anblick ihm eine peinliche Erinnerung, die er durch Arbeit zu betäuben ſuchte, und war dies der Grund, daß ihre freundlichen Annäherungen ſtets erfolglos an ſeinem düſtern Weſen ſcheiterten? Oder brütete er vielleicht wieder über neuen Plänen, baute er wieder an dem Gebäude ſeines Ruhms, wenn er viele Stun⸗ den, zuweilen halbe Nächte lang, in gleichmäßigem Schritt auf und ab ging? Niemand konnte es ſagen, niemand erfuhr es, und wenn der Bruſt des ſinſtern Mannes vielleicht in der Stille der Nacht ein Seufzer entfloh, ſo bewahrten die verſchwiegenen Wände des Zim⸗ mers ſein Geheimniß.

Auf dieſe Weiſe waren zehn Monate nach dem Tode des Kindes bleiern ſchwer für die beiden Gatten verſtrichen, als an einem heitern Sommertage Frau Räthin Wiegand eine ihrer überraſchenden Expe⸗ ditionen nach des Doctors Beſitzung unternahm. Der Umſtand, daß der Advocat in letzter Zeit häufiger denn je dort verkehrte, genügte der ausgezeichneten Frau, ihre Aufmerkſamkeit zu verſchärfen und den Gegenſtand ihres Intereſſes mit Argusaugen zu bewachen. Dieſelb Rückſicht veranlaßte ſie heute, ihren Miethswagen ein Stück vor der Hauſe zu verabſchieden und den Weg durch den Garten zu wählen. Es ſchien, als ſolle diesmal endlich die ſtaunenswerthe und eines ſo großen Zweckes würdige Ausdauer ihren Lohn erhalten, denn kaum wand ſich die Tante mit der Geſchicklichkeit und Vorſicht einer auf Raub ausgehenden Katze geräuſchlos durch den entlegenſten und ge⸗ deckteſten Gang, als ihre ſpähenden abwandelnd erſchauten. So nah wie möglich ſchleichen und hinter

dem dichteſten Geſträuch niederkauern, war das Werk eines Augen⸗ blicks und wurde mit einer Promptheit vollführt, wie ſie nur durch lange Uebung errungen werden kann. Von ihrem Verſteck aus be⸗ merkte ſie, daß die Haltung von Lucy eine ungewöhnliche Erregung verrieth, daß ſie aufs lebhafteſte zu ihrem Begleiter ſprach und die Hände rang, während Thränen über ihr Geſicht ſtrömten.

Jetzt, ſagte die würdige Frau,kommt die Kriſis, wenn ich nur hörte, was ſie ſprechen.;

Als hätten die beiden durch eine unſichtbare Macht dem Wunſch gehorchen müſſen, näherten ſie ſich davon ſtehen.

Sagen Sie es nur, Wort iſt zwar eine neue Schlimmeres für ihn, aber es kommt nicht darauf an, ich kann jetzt alles hören. Noch einmal, ſprechen Sie unverhohlen, es iſt nichts in mir, das der Schonung bedürfte, es gibt keine Hoffnung, keinen Wunſch, keine noch ſo ferne Ausſicht, die dieſen Schlag überlebte.

O Lucy, ſagen Sie das nicht, Sie zerreißen mir mit Ihren Worten das Herz.

Sind wir da angelangt, ſagte die Lauſcherin, als die Stim⸗

Herr Wentzel, ſagen Sie es nur, jedes

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