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den Portier, kündigte das Kommen des Cavaliere an— endlich wurde die Thür mit Gewalt aufgeriſſen... und wie eine Marmor⸗ ſtatue ſtand er da.
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„Was wollen dieſe Leute hier?“ rief er mit befehlender Stimme,
und mit einemmale Clelia erblickend:
„Aha... das Fräulein... die...“
„Tritt näher!... tritt näher!“ ſagte der Obriſt mit unheim⸗ lich ruhiger Stimme.
Er machte einen Schritt im Zimmer, aber plötzlich mich bemer⸗ kend, fixirte er mich ſcharf, und eine Todtenbläſſe lagerte ſich auf ſein Geſicht.
„Il Tedesco!... il Tedesco!“ murmelte er.
„Tritt näher!— tritt näher!“ ſagte der Obriſt,„ſieh, das iſt meine Enkelin Clelia, die jetzt meine einzige Erbin iſt, da ich das Teſtament, das Dich einſetzte, zerriſſen habe — und dieſer Herr, der Freund meines Sohnes, iſt ihr Bräu⸗ tigam— kennſt Du ihn noch? Tritt doch näher, gratulire doch ... nun?“
Und plötzlich uns beide von ſich ſtoßend, ſtand der alte Mann kerzengerade auf, und feſten Schrittes ging er auf den Cavaliere zu und ſah ihm ſtarr ins Geſicht.
„Sieh,“ ſagte er, „wie ich Deinen ſchaurigen Blick, der mich überall verfolg⸗ te, nicht mehr fürchte — nun? haſt Du mir wieder eine Mär zu erzählen, wie mein Sohn mich im öffentlichen Café beleidigt hat und wie Du... Du meine Vertheidi⸗ gung ergriffen— wie er Dich geſchlagen, weil Du ihm Still⸗ ſchweigen auferlegen wollteſt— wie Du ihn im Duell durch⸗ V. aus ſchonen wollteſt, wie Deine zitternde Hand keines Zieles fähig war und nur der Zufall, oder, wie Du Heuchler ſagteſt, Gottes Finger, den, der ſeinen Vater läſterte, gezüchtigt hat! nun, wo bleibt Deine Beredt⸗ ſamkeit?— Du ſchweigſt, Cavaliere!— Meine Herren,“ rief der Obriſt, uns plötzlich alle in der Runde anblickend,„dieſer Menſch iſt der größte Schurke unſeres Landes!“
Und indem er ſich umwandte— ſchlug er den Cavaliere ins Geſicht.
„Der Sohn ſchlug Dich zuerſt!“ rief er mit donnernder Stimme—„dann der, welcher des Sohnes Sohn einſt ſein ſollte— und jetzt der ſterbende Vater.... dieſelbe Züchtigung der Familie Ginozzi für... ja, für den größten Schurken Italiens!“
Dann jedoch ſich plötzlich das Geſicht mit beiden Händen be⸗ deckend, rief er:„Nein, ich log, der größte Schurke Italiens bin ich — der dieſem andern geglaubt!“
Wären wir nicht hinzugeſprungen und hätten ihn aufgefangen, er wäre umgeſunken, doch noch einmal ſich gerade aufrichtend, rief er mit furchtbarer Stimme:
„Salviati!— Dämon!— mögeſt Du einſt kinderlos, allein, verlaſſen ſterben!“
Bilder aus Luxemburg.
Gemiſchte Gefühle im Café.
Dann wurde er ohnmächtig, während der Cavaliere langſamen Schrittes zur Thüre hinausſchlich.
Clelia konnte ihrem Großvater nur noch einige Tage lang auf⸗ opferndſte Pflegerin ſein;— er verſchied ſanft in unſeren Armen. Der eiſerne Sinn des alten Mannes war gebrochen, er weinte wie ein Kind, wenn die lieben Hände ſeiner Enkelin ihm einen Trunk be⸗ reiteten, und ſein letzter Wille— nein, ſeine letzte Bitte war, man möge ihn in Ponte Decimo neben ſeinem Sohn beiſetzen.
Einige Tage nach dem Tode des Obriſten kam Beppo Mangini wieder zu mir.
„Signore,“ ſagte er in ſeiner gewöhnlichen Manier,„wollen
Sie die Güte haben, mir ein Atteſt auszuſtellen, ob Sie mit mir zu⸗ frieden geweſen ſind oder nicht— es iſt des Queſtores halber.
„Ich werde ſelbſt zum Queſtore gehen, Beppo,“ erwiderte ich,„und mit ihm über Euch ſprechen.“
„Beſten Dank, Signore,— auch liegt die Caution da, die Sie wieder in Empfang nehmen müſſen.“
„Dieſen Gang müßt Ihr ſchon ſelbſt machen, Beppo, denn da dieſe hundert Na⸗ poleonsEuch gehören, werdet Ihr nicht ver⸗ langen, daß ich ſie Euch noch hole.“
Die zeugungen des Zun⸗ gengewandten dauer⸗ — ten ganze zehn Minu⸗ ten— endlich ent⸗ fernte er ſich, nachdem er mir noch erzählt, daß Salviati am ſel⸗ ben Abend wieder abgereiſt ſei, wahr⸗ ſcheinlich nach Livor⸗ no zurück, wo er ſeine Mutter und Schwe⸗ ſter gelaſſen.
XII.
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den Ereigniſſen ver⸗ floſſen, die ich ſo eben dem Leſer erzählt.— Der Fluch des ſterben⸗ den Obriſten hat ſich ſchauervoll erfüllt.
Salviati, der reichen Erbſchaft beraubt, legte ſich, nachdem er einige Monate von Turin abweſend geweſen, auf Börſenſpeculationen — gewann— verlor— verlor mehr und immer mehr, fiel aus ſeiner geſellſchaftlichen Stellung von Tag zu Tag; und als eines Tages die Polizei ihn, im Verdacht der Wechſelfälſchung, arretiren wollte, jagte er ſich im Augenblicke der Verhaftung eine Kugel durch den Kopf..
Ob der Unglückliche in jenem letzten Augenblicke an die Worie
des Obriſten gedacht hat?...
Seine Mutter war ſchon vorher geſtorben, und Paula fand durch Vermittlung Fra Angiolos eine Zuflucht als Novize in einem Kloſter⸗
Der gute Mönch lebt ruhig und ſtill und erwartet ſehnlichſt den Tag
ſeiner Erlöſung. Was mich anbetrifft... Entſinnſt du dich, gütiger Leſer, biſt, jener Luftſchlöſſer, die ich im Coupé baute, als ich meiner Clel von Turin nach Genua folgte? Sie haben ſich alle, alle erfüllt.— Ich, bin ſo glückl
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der du mir bis hierher gefolgt
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Dankesbe⸗
Jahre ſind ſeit!
lelia
I
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on der! in Lende gele


