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fuhr ſie fort mit einem mich beſeligenden Blicke,„o, wenn Sie wiſſen, was es heißt, allein zu ſein— und dann mit einemmale...“
Sie ſchwieg....„Ihre Befehle?“ fragte Beppo nach einer kleinen Pauſe.
„Wir fahren um 11 Uhr dreißig Minuten nach Turin!“ er⸗ widerte ich.
Beppo rief ſich vergnügt die Hände— ich ſah ihn erſtaunt an. „Was iſt Euch?“ fragte ich.
„Die Herrſchaften werden beim Herrn Obriſten Ginozzi gar nicht vorgelaſſen werden,“ ſagte er vergnügt.
„Und darüber freut Ihr Euch ſo?“
„Gott behüte!— aber ich habe ſo eben einen köſtlichen Weg entdeckt, um den alten Cerberus von Portier und die grimmige Haus⸗ hälterin, alle beide Creaturen Salviatis, für einige Stunden un⸗ ſchädlich zu machen. Sie ſollen ſehen, Signore, Sie werden ſich amü⸗ firen!— Doch wir haben wenig Zeit zu verlieren, Signore, es wird bald eilf Uhr ſchlagen.“
vÄJ... Als Clelia im Coupé mir gegenüberſaß und ihre Hand in der meinen ruhte, brach ſie plötzlich wieder in Thränen aus. — Endlich beruhigte ſie ſich auf mein Flehen und ſagte:
„O, mein Gott— mein Gott— welch ein Traum... heute morgen die verlaſſenſte aller Waiſen— und ehe noch der Tag voll⸗ endet.... o, mein Gott, wie allmächtig biſt Du.... und wie all⸗ gütig!“...
XI.
Es war ſchon ſechs Uhr am nächſtfolgenden Nachmittage, als wir Via Borgo nuovo hinunter dem Hauſe des Obriſten Ginozzi zu⸗ gingen, denn erſt um dieſe Stunde, hatte uns Beppo Mangini ge⸗ ſagt, daß er den Portier unſchädlich machen könne und uns ver⸗ ſprochen, uns bis zu dem alten Einſiedler freien Weg zu bahnen. Clelia hing an meinem Arme, ruhig und entſchloſſen, den ſchweren Gang zu thun und voll Vertrauen auf den Beiſtand des Allmächtigen, der ihr dieſe Pflicht erleichtern würde. Mir zur Seite ging Fra Angiolo, der, als er alles gehört, dem Vorſchlage Clelias ſeine völlige Billigung gegeben hatte und uns nicht allein ſeinen Beiſtand in dieſem Augenblicke angedeihen ließ, ſondern auch für die Folge uns ſeinen ganzen Einfluß in Turin, ſo wie den ſeiner ſehr reichen und mächtigen Familie zuſicherte. Wir hatten ihm alles erzählt, alles.. alles, unſere Liebe und unſere Zukunftspläne.— Der bleiche Mönch hatte meine Clelia an ſich gezogen, hatte ſeine welken Lippen auf ihre reine Stirn gelegt— hatte inbrünſtig die Hände gefaltet und nicht geahnt, daß wir beide wohl wußten, welche Gedanken ſein ſtummes Gebet enthielt.
„Und Sie wollen mir jetzt helfen, Padre,“ hatte ich lächelnd gefragt,„Clelia dem Kloſterleben zu entziehen?“
„Mein Sohn,“ erwiderte er mit kaum hörbarer Stimme,„es iſt nie Gottes Wille, kann nie Gottes Wille ſein, daß man zwei Herzen, die ſich wahr und innig lieben, von einander trenne! Als ich Clelia allein auf Erden glaubte, hielt ich Gottes Haus für den beſten Zufluchtsort für ſie— jetzt— jetzt ſind es Ihre Arme.“
Wir traten in das Haus des Obriſten, mit ſo feſtem Vertrauen in die Geſchicklichkeit Beppo Manginis, daß es uns ganz unmöglich ſchien, daß man uns ein Hinderniß in den Weg lege. Wir hatten uns nicht getäuſcht— die Loge des Portiers war feſt verſchloſſen— niemand zeigte ſich, und wir gingen ungeſtört die Treppe hinauf— kaum aber hatten wir die Klingel berührt, die zur Wohnung des Obriſten führte, als die Thür ſich ſchon öffnete.. und Beppo Man⸗ gini vor uns ſtand. 8
„Raſch!— raſch!“ rief er, indem er uns faſt hereinſchob— Sie ſind gerade zur rechten Zeit gekommen— dort durch den Saal, die erſte Thür rechts, da ſitzt der Obriſt und brütet.“
„Und der Portier?“ fragte ich.
„Liegt betrunken in ſeiner Loge,— hier hab' ich den Schlüſſel, er wird vor einer Stunde nicht erwachen.“
„Aber die Haushälterin, Beppo?“.
„O,“ rief er lachend,„die wird toben.... ich habe ſie als Zeugin auf die Polizei laden laſſen— einer gewiſſen Geſchichte wegen— ſie kann aber nicht vernommen werden, bis ich nicht da
bin— ſie wird warten müſſen, bis Sie hier fertig ſind. Die Schlüſſel.
hatte ſie dem Portier übergeben, und ich nahm ſie ihm ab, als er unter den Tiſch fiel und... ſo...“
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„Wer iſt da?“ ertönte plötzlich eine tiefe Stimme aus den Worten di Nebenzimmer, die uns alle vier erbleichen machte. lhan dann wi Wir ſchwiegen.— Ein wilder Fluch folgte,— dann wurde die er geſyro
Thür mit Gewalt aufgeriſſen und— der Obriſt ſtand vor uns.„Und da
Es waren zwölf Jahre verfloſſen, ſeit ich ihn nicht geſehen,„Dann ich glaubte, einen gebeugten, faſt kindiſch gewordenen Greis zu ſehen„und Dih 2 wie täuſchte ich mich— er ſchien derſelbe, wie vor zwölf Jahren Plicht Dir ge dieſelbe hohe, gerade, martialiſche Geſtalt, und trotz ſeiner fünfun ang geell, ſiebenzig Jahre war ſein kurzgeſchorenes Haar und ſein dich⸗ dandlungen ſe Schnurrbart noch nicht vollſtändig weiß. Nur ein eigenthümli beliebt, aber d Flinkern mit den Augen— einen unſtäten Blick bemerkte ich i Recterſczſt erſten Augenblick ſchon bei ihm!— Er ſah uns eine kleine Weile ſo viele uden ſtaunt an, dann rief er mit drohender, gebieteriſcher Stimme: Handeln zu ſen „Wer ſind Sie?— was wollen Sie in meinem Hauſe?“ Und ohne Ich trat vor und nannte mich. Er ſann einen Augenblick nati a füö zu mir: dann malte ſich plötzlich ein fürchterlicher Zorn in all ſeinen Züge Etzähle und mit vor Wuth bebender Stimme rief er: Wälche) „Ein Spießgeſelle des Majors Ginozzi— ein Schandbult Bachſſtuhl die wie er! O, ich entſinne mich— ein ganzes Jahr lang habe ich i haben. Der in meinem Hauſe gelitten— das iſt lange her... hinaus!— hi ſich geberdend aus! Was wollen Sie hier?“ und gab mir Ich ſah ihm ruhig und feſt ins Geſicht— und ich bem Und ich wiederum, daß ſeine Augenlider mit mächtiger Schnelle auf⸗ u Details. Al abfuhren. wo Salviati „Was wollen Sie?“ donnerte er noch einmal. Fra Angiol, „Ihnen anzeigen,“ erwiderte ich kurz,„daß ich geſtern Ih„Sch la Enkelin Clelia Ihrem Neffen Salviati entführt...“„Sie ge „Wen?“ rief er. ,3ch“ „Ihre Enkelin— die Tochter Ihres Sohnes.“ Nun ka „Ich habe keinen Sohn!“ brüllte er—„habe nie einen Scht bnnte, alles gehabt— mein einziger Freund iſt Salviati, mein Sohn iſt er u rilltirüche! kein anderer— er hat meine Ehre gerettet!“ und an das „Salviati iſt ein Schurke, der Ihren Sohn getödtet hallſ nußte, die⸗ rief ich. die Worte a „Salviati iſt ein Ehrenmann, der ſeinen Degen befleckte, inde ſprach, als i er einen Schurken tödtete!“ ſchrie er. IQder ſäinem 6 Ich hörte einen dumpfen Schrei von Clelias Lippen— da hielt er es ſelbſt war wie erſtarrt— darauf war ich dennoch nicht vr den Stuhle, bereitet! R Noch hatte ich mich nicht erholt, als plötzlich Palla Caſſotti ales duh mir hintrat. Er ging ruhig und kalt auf den Obriſten zu— ſi V Geſicht hatte einen ſeltſamen Ausdruck von Entſchloſſenheit un Worte gehe Milde. Als er kaum noch einen Schritt vom Obriſten entfernt m M hob er das Crucifix, welches an ſeinem Gürtel hing, in die H lberall“ und hielt es dem Obriſten vor. 1 d „Mann!“ rief er mit tiefer Stimme,„im Namen unſeres Sohn ſan kreuzigten Heilands ſage ich Dir, Du haſt Unwahrheit geredet! Kei Aber Silbe von dem, das Du geſprochen, iſt wahr!“ dulhl 3 Der Obriſt wich einen Schritt zurück— ich ſah, daß die n 333 nigen Worte des Mönches ihre Wirkung nicht verfehlt hatten. D. Pnneid e plötzlich raffte er ſich auf und ſich an mich wendend, rief er: un „Ein Lügner— ich ein Lügner!“„ha Ich begriff, daß ich den Zorn des Obriſten aufs äußerſte re wit Ine. müßte, damit die Reaction deſto eher eintrete. Ich nahm mich fahren 34 ſammen, ich wandte meinen Blick von dem greiſen Manne und lhn: mit ſo ſicherer Stimme, wie es mir nur irgend möglich war: Sahn vuc „Ja, ein feiger, erbärmlicher Lügner,— der einen Todten u leumdet!“ cden Der Obriſt fuhr zuſammen, als wenn ihn der Blitz getro baii ich ſah, daß er ſich auf mich zu ſtürzen verſuchte, doch ehe er Sibe difr einen Schritt gethan, erklang wiederum die ruhige, tiefe Stimme Bic Angiolos:—u deuin „Du biſt ein Lügner, alter Mann, ſo wahr dieſer h die Suein. Dich und mich am Kreuze geſtorben iſt, und in wenigen Jahre diati leicht in Wochen, vielleicht in wenigen Stunden wird nur Schöpfers allmächtige Stimme vor Seinen Thron rufen, und, nd ſi er O ſchändlichen Vergehen befleckt, wirſt Du vor Deinen Richter tre neit 4 Wiederum zeigten die Worte des Mönches ihr 1 den Obriſten— ſein Zorn war gedämpft und mit harter, ſiin d d iſ noch etwas unſicherer Stimme fragte er: bi ühn. „Aber was wollt Ihr alle von mir, was wollt Ihr au.. „Ich will,“ antwortete Palla Caſſotti,„ich will, daß i Cl dſr —.———


