Jahrgang 
27-38 (1867)
Seite
494
Einzelbild herunterladen

ſind, auf die Dauer unhaltbar. Es gab und gibt Patrioten, die über dieſe Gefahr ſeufzen und ihre Landsleute zur deutſchen Fahne zurück⸗ rufen mit aller Inbrunſt bekümmerter Liebe zu Mutterſprache und Vaterland, aber ihre Stimme verhallt, ſie ſchwimmen gegen einen ſchon breit und reißend gewordenen Strom.

Aber auf dieſem Fleckchen Erde kann man ſo recht die Wahrheit des Satzes erproben: die Sympathie geht mit der Sprache. Der Luxemburger ſteht im Begriff, dieſen ſittlichen und geiſtigen Schwer⸗ punkt zu verlieren. Die Frage wiegt ſchwer genug, um noch einen Augenblick vor ihr ſtehen zu bleiben; es iſt eine Lebensfrage für Land und Volk.

Nicht blos in den höheren Ständen, ſchon im gebildeteren Mittelſtand(und ſcharfe Grenzlinien beſtehen zwiſchen beiden kaum) iſt der Bildungsgang der, daß das Kind, nachdem es in ſeinemLützel⸗ burgiſch deutſch die erſten Lall⸗ und Sprechverſuche gemacht, mit zwei Jahren in die Myſterien der franzöſiſchen Sprache eingeweiht wird. Alſo der Unſegen franzöſiſcher Bonnenbildung noch geſteigert und weit verführeriſcher!

Ein hochgeachteter Luxemburger ſelbſt nennt das einenanor⸗ malen Zuſtand der Doppelzüngigkeit. Die Schule fügt dann dem heimiſchen Patois und dem erlernten Franzöſiſch das Hochdeutſche hinzu. In den Primärſchulen wird deutſch unterrichtet, im Athe⸗ näum(dem einzigen Gymnaſium des Landes) nach den Lehrfächern wechſelnd, deutſch oder franzöſiſch, in den Kirchen ebenſo, doch über⸗ wiegend franzöſiſch gepredigt überall ein ſprachliches Doppelleben. Iſt das Geſundheit oder iſt es ein Kränkeln? Eine traurig ſchwan⸗ kende Halbheit iſt es jedenfalls. Zur Schriftſprache kann das Luxemburger Deutſch ſich noch weit weniger entwickeln als die vlä⸗ miſche Mundart. Auf jenes wie ausdrücklich geſagt, klingt das treffend⸗ſchöne Wort unſeres Jakob Grimm:NJede Volks⸗ mundart iſt heimlich und ſicher, aber auch unbeholfen und unedel, dem bequemen Hauskleid, in welchem nicht ausgegangen wird, ähnlich. Im Grunde ſträubt ſich die ſchämige Mundart wider das rauſchende Papier; wird aber etwas in ihr aufgeſchrieben, ſo kann es durch treuherzige Unſchuld gefallen: große und ganze Wirkung vermag ſie nicht hervorzubringen. Sollen Dialekte ſich ſetzen und lebendige Sprachen aus ihnen werden, ſo bedarf es ſchon eines gewiſſen Raumes von Gebiet, innerhalb deſſen die Entfaltung eintrete. Für die Sprache gibt unter allen Einwirkungen den Ausſchlag das Ge⸗ deihen der Poeſie. Zu poetiſcher Darſtellung hat ſich der luxem⸗ burgiſche Dialekt nie aufgeſchwungen. Kaum leben Volkslieder in Herz und Mund des Volkes fort, aufgezeichnet ſind ſie nicht. Local⸗ poſſen aber, deren etliche in der Mundart geſchrieben ſind, wird man zur Dichtung nicht rechnen.

Iſt aber der Dialekt unfähig, ſich in die lichte Geiſtesſphäre der Poeſie, der Literatur überhaupt zu erheben, ſo iſt die Bildungs⸗ welt an den Scheideweg geſtellt, ob ſie ſich zum Franzöſiſchen oder zum Deutſchen bekennen will. In dem Zuſtand der Unentſchieden⸗ heit iſt das Volk überhaupt zu einer geiſtigen Productivität nicht geeignet. Das tiefere Leben verſtummt, ein kräftiges, wahrhaftiges, geiſtiges Ausleben iſt undenkbar, wo eine einheitliche Sprache fehlt,

49484

die zugleich angeboren und jeder Bildung zugänglich iſt. Wohl iſt, dem materiellen Aufſchwung des Landes entſprechend, eine äußere Gewandtheit und Volubilität des Geiſtes bei jenen babyloniſchen Sprachwirren möglich, aber auch da zieht ſchon das Geſchäftsintereſſe und der Genius dieſer Sprache zum Franzöſiſchen. Denn keine Sprache der Welt iſt geſchickter für die Routine, die gewandte Ver⸗ äußerlichung des Denkens und Lebens.

Schuld oder Schickſal in dem Widerſtreit der beiden Cultur⸗ ſprachen wird, falls nicht eine übermächtige Hand in das Rad dieſer Naturentwickelung eingreift, die franzöſiſche den Sieg davontragen. Mit Stolz weiſt der Luxemburger auf ſeine allverbreitete Volks⸗ bildung ohne Schulzwang hin, worin er den Nachbarländern Frank⸗ reich und Belgien weit voraus iſt und offenbar dem deutſchen Zuge folgt, auf die nicht ganz kleine Zahl von mittleren Schulen(während das Land auf 200,000 Seelen nur ein Gymnaſium beſitzt) aber alle dieſe Inſtitute, ihr Beſtehen und ihr Wirken, widerlegt unſern Satz mit nichten, daß es dem Volk bei aller Regſamkeit im ganzen an idealem Schwung, vollends an geiſtig⸗productiver Kraft gebreche. Es iſt kein urſprüngliches, ſondern ein Leben aus zweiter Hand. Vor jedem Buchladen ſchon tritt dir dieſer das⸗innerſte Geiſtesleben hem⸗ mende Dualismus leibhaft vor Augen. Franzöſiſche und deutſche Bücher, die Parität ängſtlich feſtgehalten, oft nicht die beſte Waare, findeſt du überall ausgeſtellt.

So ſtehen wir wie von ſelbſt vor der Cardinalfrage des Augen⸗ blicks; iſt das Herz dieſes Völkchens, ſeine Geſinnung und ſein Streben nach Oſten oder Weſten gerichtet? Iſt es der verlorene Sohn, der ins Vaterhaus zurückverlangt, oder der ſich wohl fühlt in der Fremde, noch tiefer hineinwandern will?

Das WortBruderſtamm iſt neuerdings vielfach gefallen. Nicht blos in regelloſen Volksverſammlungen, auch von der politiſchen Tribüne herab. Wer die Frage an der Quelle ſtudirt hat, der lächelt über den Ehrennamen. Man will damit offenbar auf die Be⸗ wohner der Herzogthümer exemplificiren, auf deren zähen, mann⸗ haften Widerſtand gegen ihre Entnationaliſirung durch däniſche Liſt und Gewalt. Aber auch nicht in einem Stück eine Aehnlichkeit! Dort volles warmes Gefühl von ihrer Zugehörigkeit zum großen Vaterland, wenn auch mitunter particular geſtimmt und gefärbt, ein Heimweh, großgezogen und vertieft durch langjährige Entbehrung und Verkürzung, hier ſatte Selbſtſeligkeit, die particularſte aller Par⸗ ticularitäten, die unter dem gewaltigen Umdrehen des Zeitenrades lediglich bleiben möchte, was ſie iſt und war, oder, wenn das nicht ſein kann, gegen eine verſchwindend kleine Minorität der Sonne im Weſten zuſteuern möchte. Das iſt doch höchſtens Stiefbruderſchaft. Schon in der Schule begegnen deutſche Knaben, denen die glorreichen Erinnerungen des vergangenen Jahres das Friſcheſte und Größte ihres jungen Lebens ſind, höhnendem Widerſpruch und der Drohung, der Franzoſe werde die Preußen ſchon Mores lehren.

Das alte Stillleben ohne Störung und Opfer fortzuleben, im kleinen ein neutral erklärtes Belgien oder eine Schweiz en miniature zu ſein, das iſt, wie geſagt, das politiſche Ideal des Ländchens. Wir verdenken ihm, dem es materiell ſo wohl ergeht, ſolche Träume nicht. Aber Träume ſind es, und zum Wachen wird es Zeit.

Am Jamilientiſche.

Eine Geiſtergeſchichte auf der Alm.

Faſt kein Sommerreiſender, welcher die am großen Atterſee gelegenen Dörfer Unterach oder Weißenbach beſucht, unterläßt es, Loidls Fiſchbe⸗ hälter in der Burgauzu betrachten, welcher wegen ſeines ſtets reichlichen Vorrathes an großen Lachsforellen, Hechten, Rutten und anderen Floſſen⸗ trägern für eine Sehenswürdigkeit gehalten wird, an welcher man nicht vorübergehen darf. Der Vater des jetzigen Beſitzers, der alte Loidl, war ein Mann, der als muthiger Jäger vielleicht nur einen ſeinesgleichen hatte, und das war ſein nächſter Nachbar, der Häusl Toni, deſſen noch heute ſo benanntes Haus gegen den Burggraben hin am Seeufer ſteht.

Manche Leute freilich wußten vom Häusl⸗Toni noch weit mehr, als die Jäger. Der alte Hammerl⸗Müller z. B. in Mondſee, ſelbſt ein Hort zahl⸗ loſer wunderſamer Kenntniſſe, erzählte gelegentlich dem Verfaſſer dieſer Skizze ſelbſt, daß er ſich, was das Wiſſen in Kräutern und im Schatzfinden anbe⸗ lange, durchaus nicht mit dem Häusl⸗Toni meſſen könne. Unter den alten

Leuten denn das heutige Geſchlecht glaubt nicht mehr an ſolche Künſte war es ausgemachte Sache, daß er das Wild an ſein Hauszuzubannen verſtand. Als er einmal einen prächtigen Rehbock tödten wollte, welcher un⸗ beweglich in dem kleinen Gärtchen vor ſeinem Hauſe ſtand, fragte ihn ein Be⸗

kannter, welcher eben zuſah, wie es denn komme, daß ſich das Wild ſo in die

Nähe ſeiner Büchſe wage. Der Häusl⸗Toni antwortete ihm:Stell Dich auf meine Fußſchaufeln(oberer Theil des Fußes)! Als jener der Auf⸗ forderung nachgekommen war, erblickte er zwei böſe Geiſter, welche das Reh an den Ohren hielten. Dem Thiere drang eine Thräne aus dem Auge über den Zwang, welchen ihm die Unholde anthaten.

Von Loidl aber, welcher vor einigen Jahren geſtorben iſt, war außer dem Umſtande, daß er ſich eben ſo ſelten in der Kirche ſehen ließ, als er häu fig Tonis Jagdgenoſſe war, nichts bekannt, was ihn in den Verdacht der Aus⸗ übung ähnlicher Künſte hätte bringen können. An dem Tage, in deſſen Nacht

das ſogleich zu Berichtende ſich zutrug, waren die beiden übereingekommen, die zwiſchen dem Schwarzen⸗

Abends um zehn Uhr ſich auf der Kasperl⸗-Alm,

gſchehe entgege

See! belan

vor d

Eid

dieſe

war

hüͤuf iw des an di dinter dunkl nur wech Es iſ an de vor ü Herzen der rec

d und he an, ſi imme Mutt geöfft noch ſelbe die wie fe ander ließe. los la zwölf

1 der Ta es noch am Hie Hayne

ziigten Fhe geöffne hoch a NR. mif und

ef ſei in Selzhaͤn wie man

teiegen.

Alm in glaube des m gehend zu ergr und wa