einen Marktkorb hervor und tritt einen zweiten Rundgang an. Es ſind lauter kleine Papierpackete, die ſie jetzt austheilt. Da ſind Pfunde Reis, die in ihrem Innern noch artige Tütchen mit geſtoßenem Zimmt und Zuckey beherbergen, ſchon fertig gemiſcht, um den kinderfeſtlichen Milchreisbrei hübſch bräunlich damit zu überſtreuen,— Pfunde Back⸗ pflaumen, die in kurzer Brühe geſchmort, ganz köſtlich zu den Schweine⸗ rippen munden werden,— halbe Pfunde Zucker und Kaffee, ſchon gebrannt und appetitlich duftend, daß auch in den Hütten der Armuth wenigſtens am lieben Weihnachtsfeſt einmal echter, ſüßer Feſtkaffee getrunken werden kann—— aber Tante Roſaura möchte um alles in der Welt nicht, daß Onkel Tob mit ſeinen hinterliſtigen Augen ſie bei dieſem Rundgange beobachtete. Nicht als ob Tante Roſaura nicht auf die allerehrlichſte Weiſe zu dieſen Colonialwaaren gekommen wäre —— die Geſchäftsbücher von J. C. Strant und Comp. können ſogar bekräftigen, daß Fräulein Roſaura Strant an dieſem Nach⸗ mittage— Onkel Tob war im Comptoir beſchäftigt— bei dem Jünglinge von vierzehn Jahren vorn im Laden bedeutende Einkäufe machte und baar bezahlte! Tante Roſaura würde aber vor Scham in den Boden ſinken, wenn Onkel Tob merkte, daß ſie ein Herz— ja ein gutes Herz hätte!.
Onkel Tob, nachdem er ſich luſtig mit den Jungen geſchneeballt, ſchreitet an der Spitze ſeiner zwölf Schützlinge in die warme helle Stube. Ein ſtaunendes„Ah!!“ entwiſcht den zwölf Jungen.
3 Onkel Tob tritt an jeden Teller und lieſt laut den Namen vor, der auf einem großen Pfefferkuchen mit Zuckerguß deutlich geſchrieben ſteht. O, wie die Augen der Genannten bei dieſer Vorleſung glänzen.
Elſe und Stina gehen von einem Teller zum andern und ſprechen freundlich mit den Kindern und ſagen jedem einzelnen, daß alle Herrlichkeiten, die unter und neben dem Zuckernamen liegen, von jetzt an ihm— ihm ganz allein gehören!
Die armen Kinder ſtaunen die Schätze mit blitzenden Augen an, aber ſie ſind ſtumm vor Entzücken und vor Schüchternheit.
„Und nun, Jungen,“— ſagt Onkel Tob—„macht Euch luſtig mit dem, was der heilige Chriſt Euch beſcheert hat! Daß mir aber keiner ein Stück von ſeinem Teller naſcht, das ſollt Ihr mit nach Hauſe nehmen für morgen, wer es gut mit ſich meint, hebt ſich zu übermorgen auch noch ein Stück Pfefferkuchen auf. Hier ſollt Ihr Euch doch redlich ſatt eſſen an Roſinenſtolle und Warmbier!“
„Lieber Onkel“— flüſterte Elſe—„wir haben ja aber noch kein Weihnachtslied geſungen!“
„Du haſt Recht, Elſe, wie konnte ich das nur vergeſſen!“
Und Elſe ſtimmt mit ihrer hellen Stimme an, und Stina ſtimmt ein, und Onkel Tob verſucht es wenigſtens redlich, mit einzuſtimmen, aber es fehlt ihm geradezu alles, was außer dem guten Willen noch zum Singen von Weihnachtsliedern gehört,— von Stimme und Gehör hat der arme Onkel auch nicht ein Pröbchen abbekommen— und der Hüne Dorr brummt dazwiſchen— und der alte Theo in der Ofenecke erwacht nach den erſten Tönen und nickt lächelnd mit dem Kopfe und ſingt mit zitternder Stimme mit dem Chor der Alten und A Jungen:
„O du fröhliche, o du ſelige, Gnadenbringende Weihnachtszeit!“
„Und nun zum Weihnachtsbier und Roſinenſtolle!“— ſagt Stina und ſchenkt aus dem einen großen, braunen Topfe in zwölf gleich große Henkeltöpfchen ein. Elſe ſchneidet die Stollen— nicht etwa in fingerdünne Streifchen, die kaum zu drei Häppchen reichen— nein, kein Gedanke daran, Elſe ſäbelt mit dem großen Käſemeſſer des Geſchäfts ſo derbe Stücke ab, daß die hungrigen Mäulchen nur mit Mühe überbeißen können. Onkel Tob hat alle Hände voll zu thun, ſeinen Jungen einen regelrechten Gänſemarſch am Warmbier vorbei und um den Weihnachtstiſch herum beizubringen. Ohne einige freundſchaftliche Klapſe geht's dabei natürlich nicht ab.
„Und nun noch ein luſtiges Weihnachtslied, Jungen,“ ruft Onkel Tob, der beiläufig bemerkt— drei Monate jünger als Tante Roſaura iſt,„mir iſt heute Abend ſelber ſo ſingerig zu Muthe, wie lange nicht— ja, es zuckt mir ſogar in den alten Füßen, Tantchen, als könnte ich mit Ihnen ein ſo luſtiges Tänzchen riskiren, wie auf Vhrer Kindtaufe, wo ich zum letzten Mal tanzte!— Elſe, Kopf hoch, ſollſt heute Abend noch Urſache genug haben, luſtig zu ſein und zu ſingen und ſpringen, jetzt ſei Deinem alten Onkel zu Liebe mal wieder 1 o von Herzen vergnügt, wie Du früher immer zu Weihnachten warſt
und jetzt alle angefaßt, wir wollen einen gemüthlichen Ringel⸗Singe⸗ tanz rutſchen!“
Und jetzt ſtimmt Onkel Tob an— er thut wenigſtens ſein Beſtes— und Elſe und Stina und die zwölf Kinder ſtimmen mit hellen Kehlen ein, und Papa Dorr brummt, und Tante Roſaura ſummt, wenn Onkel Tob ſein vergnügtes Geſicht grade nach einer andern Seite wendet, und der alte Theo erwacht nach den erſten Tönen und ſchaut ſich verwundert mit den kindlichen, hellen Augen um und nickt lächelnd und ſingt leiſe und zitternd mit:
Kinder, laßt uns fröhlich ſein, Heil'ger Chriſt uns ladet ein,
Ein Mal werden wir noch wach, Heiſa! morgen iſt Weihnachtstag!“
Singend und chaſſirend geht's luſtig nm den brennenden Weih⸗ nachtsbaum herum!
Sie merken zuerſt gar nicht, daß ſich die Küchenthür weit aufthut, und nach und nach ſieben Geſichter erſcheinen, die ſich ſo künſtlich in der Oeffnung zwiſchen den beiden Thürpfoſten zu drapiren wiſſen, daß alle zugleich ſehen und geſehen werden können.
Da iſt in der Draperie zuerſt ein recht altes, grämliches Geſicht, hager und ledern, mit kalten, grauen Augen und dichtem, hochſtehendem Haar, die ſchmalen Lippen ſind feſt zuſammengeknifſen, und eine Feder ſteckt hinter dem Ohr. Ja, man kann ſich dies Ohr ohne Feder gar nicht denken. Dies Geſicht iſt nichts weniger, als weihnachtsfröhlich, wie jeder ja ſelber ſieht. Zu dem Geſicht gehört ein kleiner, dürrer Leib, der in ſchwarzen, recht glänzenden Kleidern ſchlottert. Aber, o weh! dieſer Glanz duftet ſehr verdächtig nach Leinöl und Heringslake.
Neben dieſem ſtrengen, alten Geſichte lacht— circa 18 Zoll niedriger— ein hübſches, roſiges Kindergeſicht. Dies luſtige Geſicht⸗ chen und der ganze kleine zierliche Junge, dem es zum ausſchließlichen Eigenthum angehört, ſehen kaum älter, als zehn Jahre aus— und doch ſind ſie ſchon im letzten Herbſte rechtmäßig miteinander confirmirt.
Ferner drapiren ſich in der Thüröffnung noch ein großes, rothes Geſicht, die Vorderfront eines kugelrunden Kahlkopfes, über dem einige Dutzend ſorgfältig mit Ricinusöl geſalbte Haare in ſymmetriſchen Linien ausgeſpannt ſind— und ein blaſſes Geſicht, das ſich beſtändig melancholiſch auf die linke Seite neigt,— und ein flottes Geſicht mit einem Schnauzbärtchen und Henriquatre, zu dem Sonntagnachmittags beim Spazierengehen nothwendig die allermodernſten Halskragen und lilafarbenen Glacés und Reitſtöckchen und Lorgnon gehören— und ein ſemmelblondes Geſicht, das vom eigenen Fette wunderbar glänzt, und endlich iſt da ein Geſicht, von dem ſich weiter nicht viel ſagen läßt, als daß ſechzig von der Sorte auf ein Schock gehen!
Natürlich gehören dieſe ſieben Geſichter in Stinas Küchenthür dem Herrn J. C. Strant und ſeinen ſechs Ladenjünglingen zum un⸗ beſchränkten Eigenthum, voran„der Meiſter“, wie ihn die ſechs Jünglinge von 14—44 Jahren unter ſich tituliren— hinterher „die Diener“, wie„der Meiſter“ die Sechſe vor allen Kunden nennt.
„Unſinn!“— ſagt J. C. Strant nach dem erſten Blick auf den luſtigen Weihnachtstanz und den brennenden Tannenbaum.
„Unſinn!“ murmeln die ſechs Diener pflichtſchuldigſt nach.
„Blödſinn!“— ſagt J. C. Strant nach dem zweiten Blick— „mit anderer Leute Kindern ſein Geld und ſeine Zeit zu vertrödeln!“
„Blödſinn!“— klingt ein ſechsfaches Gemurmel ſittlicher Ent⸗ rüſtung hinterher.
„Wahnſinn, mit Bettelkindern tanzen und alberne Lieder ſingen!“
„Wahnſinn!“ tönt das Echo ſechs Mal wieder. Die Jünglinge überſtürzen ſich faſt im Dienereifer!
„Dieſe Menge bunter Wachslichter— Jacken— Holzpantoffel — und gar Spielſachen und Näſchereien—— Mittel gegen ſchnellen Reichthum!“ ſagt der Meiſter.
„Mittel gegen ſchnellen Reichthum!“ dienern die Sechſe.
Das iſt die vierte von J. C. Strants Redensarten, die er abwechſelnd gebraucht, wie's ihm grade paßt. Unſinn— Blödſinn — Wahnſinn iſt für ihn alles, was nicht zum„Geſchäft“ gehört— je nachdem..
Außer dem Geſchäft liebt J. C. Strant nur noch ein Perſönchen auf der Welt— die kleine Elſe. Ja, er liebt ſie ſogar mehr, als man einem ſo ſoliden, praktiſchen Geſchäftsmann eigentlich zutrauen ſollte. Aber er liebt ſeine Elſe auf die praktiſchſte Weiſe. Sein ganzes Geſchäftsſtreben geht dahin, ſie reich— das bedeutet in ſeinen
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