Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
176
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(weniger als 1 deutſche) Meilen, in Städten aber nur 2 engliſche Meilen die Stunde. Eine halbe deutſche Meile in der Stunde macht man natürlich lieber zu Fuße alſo fürs erſte keine Landdampfer auf den Straßen, ſelbſt in England nicht! Ch. D.

Ein fürſtlicher Wohlthäter aus bürgerlichem Stande.

Am 15. October d. J. waren in der geräumigen Halle eines ſtattlichen Gebäudes der Stadt South⸗Danvers(Maſſachuſetts) in Nordamerika 11 1200 Kinder, Knaben und Mädchen, zu Ehren eines Greiſes verſam⸗ melt und empfingen den ſehnlich Erwarteten, als er endlich die Platform be⸗ trat, mit lautem Zurufe und wehenden Taſchentüchern. Das Haus, in welchem dieſe Verſammlung ſtattfand, war dasPeabody Inſtitute, und der 7 1jährige Greis, der heute ſo fröhlich der Jugend ſein Taſchentuch zum Gegengruße zuſchwenkte, war der durch ſeinemehr als fürſtliche Wohlthätig⸗ keit, wie die Königin Victoria ihm ſchrieb, bekannte amerikaniſche Bankier von London, Herr George Peabody, der Gründer dieſes Inſtitutes.

Faſt zwei Generationen ſind vergangen, ſagte er zu den Kindern, als der erſte Jubel vorüber war,ſeitdem ich dieſe meine Geburtsſtadt verließ mit weniger Kenntniſſen, als ſie der jüngſte unter euch hat, und mit keiner Ausſicht auf Erfolg im Leben, als der, welche irgend einer der hier anweſenden Knaben hat, der geſund, fleißig und ausdauernd iſt und das Herz auf dem rechten Flecke hat.

Mit den Kindern ſchien der Greis wieder jung zu werden, als er weiter ſprach und ſeiner eigenen Kindheit und aller damit verbundenen Erinnerun⸗ gen gedachte und an die Schüler Worte väterlicher Liebe und Weisheit rich⸗ tete, und keiner blieb ungerührt, als er ihnen zum Schluſſe ein herzliches Lebe⸗ wohl zurief. 3

Aus einer alten, engliſchen Familie, die in den Zeiten der Puritaner nach Amerika auswanderte, herſtammend, war George Peabody am 18ten Februar 1795 in Danvers geboren. Elf Jahre alt, trat er als Laufburſche in einen Gewürzladen, vier Jahre ſpäter in das größere Handelsgeſchäft ſeines ältern Bruders. In dem kriegeriſchen Jahre 1812 griff er, ſeinem Onkel, der ſich zum General emporgeſchwungen, folgend, zu den Waffen und zog voll patriotiſcher Begeiſterung in den Kampf, als die Nachricht kam, daß die britiſche Flotte den Potomac hinauffahre und die Hauptſtadt bedrohe. Nicht ſeine Schuld war es, daß er zuletzt doch nicht ins Feuer kam und ohne kriegeriſche Lorbeeren geerntet zu haben, wieder in das ruhigere Kauf⸗ mannsleben zurückkehrte. Als Compagnon trat er jetzt in ein Haus in Bal⸗ timore ein. Damals legte er folgendes Gelübde ab:Wenn Gott mein Leben erhält und mir Glück im Geſchäfte gibt, dann will ich das Eigenthum, welches ich einſt beſitzen werde, zu ſeiner Ehre verwenden, indem ich das Veſte meiner Mitmenſchen überall zu fördern ſuche, wo ſie ihre Anſprüche am meiſten an mich zu weiſen ſcheinen.

Was der Jüngling gelobt, der Mann hat es gehalten mit bewun⸗

die erſte und die einzige Gabe, zu der er ſeinen Reichthum verwendet. An ſein Vaterland hatte er zuerſt gedacht. Schon im Jahre 1852 gründete er

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Bädagogiſche Briefe.

Von Dr. Friedrich Rieck. 8. geh. 1 Thlr. 10 Sgr.

Eine Art Gymnaſial⸗Pädagogik in freier Form. Wir glauben auf dies bedeutende Werk beſonders aufmerkſam machen zu müſſen. des Blattes abgedruckt worden

8 Bielefeld und Leipzig, December 1866.

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Bei uns iſt ſo eben erſchienen und in allen Buchhandlungen zu haben:

Erinnerungen V Aus der Erinnerung an Gregor Wilhelm Nitzſch. eines eyangeliſchen Seldpredigers im ſranzöſiſchen Lgger vor Sewaſtopol 1855 1856. Von Max Reichard. 8. geh. 18 Sgr.

Braucht den Leſern des Daheim nicht erſt empfohlen zu werden, da mehrere Kapitel daraus im vorigen Jahrgange durch ſeparaten Abdruck noch weitern Kreiſen zugänglich

Briefe und Sendungen ſind zu richten an die Redaction des Daheim in Leipzig, Poſtſtraße Nr. 17. Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Aoenig in Tripzig Verlag der Daheim⸗Expedition von Velhagen* Klaſing in Bieleſeld und Berlin. Druck von Fiſcher* Wittig in Leipzig.

über den Norden der Vereinigten Staaten ergoſſen, bot er in ſeinem Her⸗ zen ein treuer Sohn ſeines Vaterlandes den Armen Londons den erſten Theil jener großartigen Summe dar, eine That, die wohl kaum ihres Gleichen in den Annalen der Mildthätigkeit hat..

Jeden Lohn wies er zurück, weder einen Baronstitel, noch einen Orden wollte er annehmen; nur um einen Brief von der Königin, deren Schutz er ſo lange genoſſen, bat er, um ihn als Andenken mit in die alte Heimat zu nehmen. Die Bitte ward ihm gewährt, dazu ein Porträt Victorias der Brief und Peabodys Antwort ſind aus den Zeitungen bekannt. Damit be⸗ gnügte ſich der Mann, der ſich noch ganz andere Verdienſte, als die bereits genannten, erworben, der Mann, der in einer Zeit nationaler Panik den Credit ſeines Vaterlandes gerettet, indem er für einen der größten Staaten deſſelben Bürgſchaft leiſtete; der Mann, der, als ein großer Con⸗ greß es unterließ, den Wunſch des Volkes zu erfüllen, ſelbſt die Koſten jener berühmten arktiſchen Expedition übernahm, die unter Dr. Kane zur Erret⸗ tung des armen Franklin und ſeiner Mannſchaft ausfuhr. Das Ehrenbür⸗ gerrecht von London, das ihm 1862 bereits ertheilt wurde, und der über alle Begriffe ſtürmiſch enthuſiaſtiſche Empfang, mit dem er, kurz vor ſeinem Scheiden von London, in der Induſtrieausſtellung der Arbeiterklaſſen in Guildhall begrüßt wurde, waren ungeſuchte Ehrenbezeugungen, die der be⸗ ſcheidene Mann nie erwartet und gewünſcht hatte..

Nicht nur der engliſche, auch Deutſchlands und der deutſchen Schweiz Bürgerſtand, hat Vertreter aufzuweiſen, die annähernd Aehnliches gethan, wie dieſer Bürger Amerikas, wir dürfen nur u. a. an Merian von Baſel erinnern obgleich wenige ſo Großes bei Lebzeiten, ſondern meiſt erſt nach ihrem Tode durch Legate zu thun pflegen. Und haben wir wohl ein Recht, wie wir glauben, ſolche Männerfürſtliche Wohlthäter zu nennen, ſo ſei auch das ſchließlich nicht vergeſſen, daß unter Deutſchlands Fürſten nicht minder zahlreiche geweſen und noch ſind, die durch ungewöhn⸗ liche Akte der Wohlthätigkeit hervorragen. Von einem ſolchen, der vor bald acht Jahren geſtorben, nachdem er wohl weit über eine Million Thaler meiſt ganz im Verborgenen noch bei Lebzeiten verſchenkt, ſoll ein anderes Mal die Rede ſein. R. K

Briefkaſten.

Sehr häufig wird an uns von verſchiedenen Correſpondenten die Bitte gerichtet, päda⸗ gogiſche Themata in unſern Spalten zu behandeln, oder wenigſtens hie und da auf gute, neue Schriften über Erziehung hinzuweiſen. Der letzteren Zahl iſt Legion, und die Aus⸗ wahl keinesweges leicht, auch glauben wir, offen geſtanden, nicht, daß die Mütter, die eigentlich ausſchließlich danach verlangen, aus den meiſten dieſer theoretiſchen Helfer viel lernen können. Mutterliebe und eigene Erfahrung ſind die beſten pädago⸗ giſchen Rathgeberinnen. Ein aus dieſer Quelle hervorgegangenes, von einer er⸗ fahrenen Mutter geſchriebenes Büchlein:Der Kinder⸗Advokat. Von H. v. O. GBerlin W. Hertz) das neben mancher alten Wahrheit auch wirklich neue Geſichtspunkte über die Be⸗ handlung der Kinder darbietet und in anſprechender, ſinniger Weiſe auf wenigen Blättern dieſelben durchführt, ſei deshalb denen genannt, die nach den Erfahrungen anderer begehren und von denſelben lernen wollen. Zum Beſten ganz junger Frauen und Mütter ſei noch an ein anderes altbewährtes Buch erinnert, an das von Dr. Grenſer in zwölfter Auflage herausgegebene Werk Ammons:Die erſten Mutterpflichten und die erſte Kindespflege.(Leipzig, S. Hirzel), das in ſeiner Art ein klaſſiſches ge⸗ nannt werden kann. Dem Freunde X. Y. Z. in A., dermüde die Waage der Themis zu halten, ſich zuweilen leider mit Verſedrechſeln beſchäftigt, beſten Dank für ſeine Grüße und ſeine friſchbegeiſterten Verſe, die uns indes alsRahmen für das von ihm erwartete Bild nicht dienen kennten, da wir bereits einen anderen in Bereitſchaft hatten. Auch ſein Rath kam zu ſpät wir ſind indes gewiß, daß ihm die Portraits in der nächſten Nummer gefallen werden. Herrn Pf. H. A. N. in J. b. O. Jhrem Wunſche gemäß, haben wir ein Kölner Dombanlotterieloos(Nr. 131,847) gekauft und es der Kaſſe für das Rettungs⸗ weſen zur See mit Ihren beſten Wünſchen für einen guten Erfolg übergeben. Fr. G. St. in P. Sie haben Recht; das Büchlein: Kurprinz Friedrich Wilhelm iſt eine ſtarkerweiterte und vervollſtändigte Ausgabe des im I. Jahrg. des Daheim(Nr. 48. 49.) erſchienenen Aufſatzes:Aus Kurprinz(Friedrich Wilhelms Kinderzeit, von Werner Hahn, dem Verf. des Lebens Ziethens, Friedrich Wilhelm III. und Luiſe ꝛc. B. v. S. in Kiel. Wir können Ihnen die genaue Adreſſe unſeres Mitarbeiters W. von Tecklenburg nicht angeben, da derſelbe ſich gegenwärtig noch auf Reiſen befindet.

Inhalt: Fröhliche Weihnachten! Nov. von Arn. Wellmer. Schweizer Verkehrs⸗ und Culturbilder. I. Unter den Kryſtallſuchern im Maderanerthal (Schluß). Mit Illuſtr. von A. Mosengel. Naturgeſchichtliche Weihnachtsw n⸗ derungen in einer Großſtadt. Von Hermann Wagner. Mein Vogeltobies. Von Dr. E. Baldamus. Bilder aus Nord und Süd. Mit 2 Jlluſtr.

Hurdy Hurdy. Bilder aus einem Landgängerdorfe. Von Ottokar Schupp. 8. geb. 8 Sgr.

Dieſe vortreffliche und ergreifende Volksſchrift wurde zuerſt im Daheim veröffentlicht. Wir haben geglaubt, ſie

machen zu müſſen.

Velhagen& Klaſing.

ſind.

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