Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
173
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Wann, ſäl ſit äwer wat dulaackt, unt urnk, as wenn ſine Glider üm⸗ mer aller⸗ hand In⸗ wennungen makendeden, wenn hei ſei au ehre ge⸗ wöhnliche Beſtimmung bruken wull.Seine Hauptre⸗

densarten,

die den gan⸗ zen Mann charakteriſi⸗ ren, laute⸗

94,

t is all ſo, as tis. T is all ſo, as V

dat Ledder is. Watſall einer dorki dauhn? Dieſe Urbe⸗ V guemlichkeit

atte den ttenqung- ochen denn V ich an die⸗ V m Morgen

n ſein drütſtik gebracht. eit unver⸗ eichlichem morſchil⸗ uns der rfaſſer, Jung⸗ afolger bemäch⸗ ſich nicht Mut⸗ auſchan prallte nit den Jochen De ver⸗ dieſem

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Und nun folgt die urkomiſche Jagd Bräſigs auf den Thronfolger; hei hadd ſoglik Bauſchanen ſine Undaht gewohr worden un fohrte in alle Ecken von de Stuw rümmer nah en dägten Stock för den Thronfolger ſinen Puckel, un achter ehr her ſwemmten un flogen in de Luft en Por lange, lange, ſwarte Rockſlippen, as wenn de Drak treckt, un ut den hogen, ſwarten Rockkragen un unner den hogen ſwarten Haut, de halw äwer de Ogen gläden was, lücht te en füerrodes, wüthendes Geſicht herut, as wenn en Schoſteinfeger'ne gläugnige Kahl in den Mund namen hett, üm Kinner grugen tau maken.

Jung⸗Jochen was grad kein Kind mihr, äwer grugen würd em doch,

hei was upſprungen un höll ſik an de Lehn von ſinen Staul wiß un rep ümmer ümſchichtig: Herr Paſter! Bräſig! Bräſig! Herr Paſter! Un de Thronfol⸗ ger was noch in de Kinnerjohren, em würd ſchrecklich gru⸗ gen, hei fohrte ok in de Ecken rümmer un jaulte un kum nich rut ut de Stuw, denn de Dör was tau⸗ ſnappt, un as em de ſwarte Geſtalt mit en gelen Stock tau Liw rückte, dunn Noth breckt Iſen fohrte hei dörch de Finſterruten un namm de halwe Finſterlucht mit up de Strat. Der Skandal ruftFru Nüßlern herbei: Un grad, as ſei in de Dör rinne ſtört'te, ſchow ſik Bräſig mit de ein Hand den Haut ut de Ogen un wiſte mit de anner un den Gelen up de leddige Finſterlucht un rep de ewig denkwürdi⸗ gen Würd:Da hätt'ſt Du eigentlich durchmüſſen, Jung⸗ Jochen! Denn was verſteht die unver⸗ ſtändige Kretur von Thronfolger da⸗ von?

Dieſen letzten Moment ſtellt unſer Bild dar, und es iſt, als ob in der porträtähnlichen Figur desEntſpekters uns alle die Haupt⸗ momente ſeines Charakters entgegenträten, die uns den Mann lieb und zu einem Freunde gemacht haben. Es iſt eine Geſtalt echt nord⸗ deutſchen Gepräges, dieſer Bräſig ein wahres Original, in dem ſich die Derbheit, Naivetät, der urwüchſige Humor und Mutterwitz ſeiner Landsleute mit der größten Gutmüthigkeit, ja mit dem tiefen, freilich ſelten zur Schau tretenden Gefühle derſelben vereinigen eine Eigenthümlichkeit, die ſich in der plattdeutſchen Rede aufs un⸗ verkennbarſte wiederſpiegelt. Ja, man könnte ſagen, das norddeutſche Weſen iſt mit dem Plattdeutſchen ſo innig verwachſen, daß es ohne daſſelbe gar nicht recht verſtanden werden kann. Man überſetze Reuter ins Hochdeutſche, und man wird die Wahrheit dieſer Behaup⸗ tung beſtätigt finden.

Mit der Mundart fällt aber überhaupt die rechte Volkseigen⸗

Martina u Illuſtration von A. Kindler z

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thümlichkeit. Wer kann Hebels allemanniſche Gedichte in hoch⸗ deutſcher Ueberſetzung recht genießen? Und warum erſcheinen uns Auerbachs Dorfgeſchichten, namentlich ſeine neueren, faſt matt und blaß, wenn wir ſie mit den urkräftigen Erzeugniſſen Reuters ver⸗ gleichen? Wir meinen, hauptſächlich deshalb, weil bei Auerbach abgeſehen von einer ans Tendenziöſe ſtreifenden Richtung, die Reuter durchweg fremd iſt trotz aller Treue in den großen Zügen der Volkscharaktere doch das eigentlich locale, das ſprachliche Colorit fehlt. InJoſeph im Schnee ſpricht Jedermann hochdeutſch; wie iſt es aber möglich, Schwarzwälder Bauern richtig zu ſchildern, wenn man ſie in einer, ihnen nur ſchwer verſtändlichen Sprache reden läßt! An der Vergleichung mit Reuter iſt mir dieſe Thatſache zum klaren Verſtändniß gekommen, und ich glaube, werUt mine Stromtid und Joſeph im Schnee

nacheinander lieſt, wird mir Recht geben.

Und dennoch konnte ich nicht auf⸗ hören, als ich, durch Kindlers fünfzehn Illuſtrationen ver⸗ anlaßt, mich darau machte, die erwähnte Erzählung Auer⸗ bachs aufs neue zu leſen. In dem Bildercyclus Kind⸗ lers auch eines Sohns desSchwarz⸗ waldes lieſt man aber am anmuthig⸗ ſten noch einmal die ganze Geſchichte. Da wird man ſo recht erſt des darin enthaltenen Reich⸗ thums an Charakte⸗ ren und des doch ethiſch verſöhnenden Gehaltes der Fabel gewahr. Gleich auf dem erſten Bilde beugt ſich Martina ſchmerzbewegt und ſchlaflos über ihr ſchwer eingeſchlum⸗ mertes Kind, das ſie an ihren Fehltritt erinnert, auf dem zweiten ſehen wir, wie ſich ihr Verhältniß mit dem

Vater deſſelben, dem rieſigen Adam Röttmann in einem Geſpräch am Bache einſt entſponnen, in dem Bilde aber, das wir heute mittheilen, wurzelt die ganze Tragik der Erzählung, und doch iſt darin zugleich die Cataſtrophe, die endliche, verſöhnende Löſung, angedeutet.Am Samſtag Mittag vor Johanni ſaß eine Frauengeſtalt, ganz in ſich zuſammengekauert, hinter einem Felſen, der jäh abſpringt in den Bach, dort, wo die Schwallung angelegt iſt. Es war Martina, um ihrer Verirrung willen von Adams harten Mutter mit Schanden aus dem Hauſe getrieben, in Verzweiflung hinkauernd und über Selbſtmordge⸗ danken brütend. Gott aber bewahrt ſie vor dem Aeußerſten, die Nätherin Leegart, die treue, brave Seele, kommt gerade des Weges, ſchrickt erſt vor Angſt zuſammen, dann aber rettet ſie mit feſtem Ent⸗

nd die Leegart. u AuerbachsJoſeph im Schnee.

in den letzten Bildern, auf dem einen, wo wir Adam und vnſh

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Weile allein in dem d

ämme⸗ Tehen, Felönders aber am Weihnachfate G

ſchluſſe das unglückliche Mädchen. Dieſe Rettung ſehen wir voller N