Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
166
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Stundenlang ſchweifte er ſchon in den öden Revieren und ſuchte und forſchte erfolglos. An ſteiler Felswand kletterte er hinab, wo ſein Fuß auf kaum zollbreiten Vorſprüngen ruhte, und hing wie der Mauerſpecht über dem gähnenden Abgrunde. Da ſieht er tief unter ſich die helle Quarzader den Felſen durchziehen und eine ſchmale Felſenſpalte von Geröll halbverſchüttet, wo das Muttergeſtein die kryſtalliniſche Bildung zeigt. Näher kann er der Stelle nicht kommen, in ſenkrechtem Abſturze geht es hinunter. Wie ſcharf auch die Nägel ſeiner Holzſchuhe ſind, nirgends greifen und haften ſie mehr; wohin er verſucht, den Fuß zu ſetzen, weicht das morſche Geſtein und zer⸗ bröckelt beim leiſeſten Drucke. Da zieht er den rechten Fuß wieder auf, der taſtend keinen Anhalt mehr fand und mißt noch einmal mit einem letzten, kaltblütig prüfenden Blick die Entfernung. Jetzt end⸗ lich iſt er von der Unmöglichkeit überzeugt, von hier aus das Ziel zu erreichen und klimmt wieder nach oben. Wie gering oder bedeutend die Beute ſein mag, weiß er ſelbſt noch nicht, aber die Oertlichkeit iſt ſeinem erfahrenen Blick vielverſprechend.Von der andern Seite geht es wohl eher! denkt er, leider iſt es für heute zu ſpät, auch würden die faſt den Dienſt verſagenden Kniee das eben Vollbrachte nicht zum zweiten Male leiſten.

Er kommt am Abend wieder ins Thal, müde, mit leerem Ränzel und verſucht ſich die Sache aus dem Sinne zu ſchlagen.

Still geht er einher und beantwortet kaum die Fragen der Nachbarn, die wohl wiſſen, daß er heute hinauf geweſen iſt, um Kry⸗ ſtalle zu ſuchen. Einige Tage bleibt er zu Hauſe und beſorgt, was zu thun iſt. Bei der Kartoffelernte hilft er ſeiner Frau und beſſert den Gartenzaun wieder aus und richtet ihn wieder ordentlich auf; der Sturm der vergangenen Woche hatte ihn arg zerzauſt und große Stücke daraus entführt. Aber ſeine Gedanken ſind nicht bei der Arbeit, häufig ſieht er nach dem Wetter, ob es hell bleibt. Wenn das Wetter ſich ändert, ſo iſt es für dies Jahr vorbei, das weiß er, man ſollte die gute Zeit jetzt noch benutzen. Indeſſen geht die Sonne in gleicher Pracht auf, einen Tag wie den andern, es hält ihn nicht länger im Thale. Diesmal braucht er nicht lange zu ſuchen; die Stelle hat er ſich genau gemerkt und ſteigt auf dem nächſten Wege hinan, von der Sägemühle im Balmwalde iſt er oben in kaum vier Stunden. Heute verſucht er es von der andern Seite, aber ohne beſſern Erfolg. Deutlich unterſcheidet er diesmal einige kleine Kry⸗ ſtalle von ſchöner Bildung, die offen zu Tage liegen und ihn reizen und locken mit ihrem verführeriſchen Glanze. Einen perlmutter⸗ ſchillernden Waſſeropal kann er mit dem Strahlſtecken faſt erreichen und beugt ſich weit hinüber. Schon glaubt er ihn zu berühren, noch ein weniges, und er könnte ihn mit dem Ende der Eiſenſtange ab⸗ ſchlagen, aber weshalb? das werthvolle Stück, das einzige, welches er vielleicht erreichen kann, würde ja doch für ihn verloren ſein. Wo die Spalte nach unten zu Ende geht und verdeckt liegt, lehnt eine ſchräge Fläche von Trümmerſtücken dagegen, die Reſte eines alten Lawinenſturzes; unzählige unregelmäßige Bruchſtücke von Steinen in allen Größen, die beim geringſten Anſtoße ſich in Bewegung ſetzen und in großen Sprüngen der Tiefe zueilen oder in Maſſe nach unten drängen und ſchieben. Ein Sprung auf dieſen loſen Grund wäre Wahnſinn. Daſſieht er dreißig Schritt unter ſich, kaum erkennbar in dem Gerölle, einen unſcheinbaren Gegenſtand, der ihm alles Blut zum Herzen treibt, vie Spur eines Menſchen, ein Meuſch iſt vor ihm an dieſem Orte geweſen. Kein Zweifel! ein Bergſchuh ſteckt in den Steinen; weiß gebleicht das Holz wie ein Knochen, die Nägel verroſtet und dort, nur wenige Schritte davon ragt das Ende einer Eiſen⸗ ſtange hervor, gleichfalls dick mit Roſt überzogen. Tauſend ſchwarze Gedanken kreuzen bei dieſem Anblick ſein Hirn, wie ein greller Licht⸗ ſtrahl fällt es auf eine längſt begrabene, faſt vergeſſene Unglücksge⸗ ſchichte. Vor ſich ſieht er im Geiſte das traurige Ende ſeines Vaters, ein ſchreckliches Geſicht! Vor langen Jahren ſuchte auch jeuer eifrig Kryſtalle und ſtieg in dieſe Einöden hinauf, um niemals wiederzukehren. Alles Suchen und Forſchen nach ihm war vergeblich geblieben, wie Rauch von der Erde verſchwunden hatte keine Spur der troſtloſen Wittwe das Grab ihres Mannes verrathen. Schweigend bewahrte der unbarmherzige Stein ſein Opfer.

Den Kryſtallſucher überfällt ein Grauen. Die Gefahr ſeiner eigenen Lage kommt über ihn, wie ein Schatten. Aus dem Abgrunde ſteigt das Geſpenſt des Schwindels, und es winkt ihm der Unhold, langſam, mit gräßlichem Grinſen: hinunter hinunter! Erſchließt die Augen. Wenn die Arvenwurzel nicht hält, die er mit eiſerner

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Hand umklammert und der er das ganze Gewicht ſeines Körpers an⸗ vertraut hat; wenn ihre zähen, harzigen Faſern nachgeben oder reißen, ſo iſt er verloren, es iſt ihm, als ob ſie ſich lockern. Mit dem Reſt ſeines Muthes klammert er ſich an den Felſen und klimmt hinauf, die unheimliche Schlucht zu verlaſſen. Oben an ſicherer Stelle liegt er eine Stunde in tiefer Erſchöpfung, bis er die nöthigen Kräfte wieder⸗ gefunden hat, um den Heimweg anzutreten.

Diesmal erzählt er alles im Thal, denn er iſt feſt entſchloſſen, allein nicht wieder das Wagſtück zu unternehmen. Aufgegeben iſt die Sache deswegen nicht. Die Kryſtalle ſind ja vorhanden und her⸗ unter müſſen ſie. Es finden ſich bald einige beherzte Männer, die unter ſeiner Führung die Felſenſpalte erreichen. Die Hinderniſſe, welche für den einzelnen Mann unüberwindlich waren, werden mit vereinigter Kraft beſiegt. Während die Gefährten eifrig arbeiten und die Beute in Sicherheit bringen, läßt er ſich am Seile hinab, um den Schuh und den verroſteten Strahlſtecken zu holen und vielleicht noch weitere Ueberreſte von dem vermuthlich hier Verſchütteten zu entdecken. Es ſollte nicht ſein. Während er die Eiſenſtange aus den Trümmern zog, geriethen die Steine auf dem abſchüſſigen Hange ins Rutſchen, riſſen den Schuh mit hinab und nachfolgend donnerte die ganze Geröllmaſſe zu Thal. Wenn die Gebeine des Verſchollenen darunter begraben lagen, ſo fuhren ſie jetzt zerſchmettert mit hinab, viele hundert Fuß in die Tiefe. Eine düſterbraune Staubwolke wälzte ſich herauf und umhüllte die Kryſtallſucher über dem Abgrunde.

Bei der Arbeit war das Glück ihnen hold und die Mühe ge⸗ ſegnet, ſie brachten am Abend eine ſchöne Ausbeute von Kryſtallen heim. Runde hundert Franken in ſchönen Goldſtücken zahlte man ihnen in Amſteg baar auf den Tiſch für den ganzen Fund. Bei ge⸗ meinſchaftlichen Unternehmungen wird die Ausbeute gewiſſenhaft ge⸗ theilt, entweder ſogleich oder nach dem Verkaufe der oft nur kärgliche Lohn. Werden bei ſolchen Gelegenheiten noch weitere Entdeckungen gemacht, ſo wird auch zuſammen weiter gearbeitet auf gemeinſchaft⸗ liche Gefahr und Rechnung. Obgleich die Fundorte nicht immer ſo ſchwer zugänglich ſind und nur mit Lebensgefahr zu erreichen, bleibt die Arbeit doch immer hart und mühſelig, faſt immer gefährlich. Kein Pfad leitet auf dieſe unwirthlichen Höhen, für jeden Schritt des Fußes muß das Auge den paſſenden Platz erſt wählen, oft muß die Hacke Stufen ſchlagen, um den Aufſtieg zu ermöglichen. Es finden ſich freilich hin und wieder Kryſtalle im Thale ſelbſt, die entweder von wilden Bergbächen mitgeriſſen oder von den Lawinen ins Thal geführt wurden; mancher Touriſt fand ſchon zufällig ein ſchönes Stück am Wege, aber da ſucht der Kryſtallgräber nicht, der durchſpäht die einſamſten Schluchten und Felſenriſſe.

In der Reihenfolge der die Erdrinde bildenden Geſteine liegen die Sedimentär⸗ oder Flötzgeſteine in zehn Schichten übereinander, von der jetzigen Erdoberfläche, dem Alluvium bis zum Silur, der am tiefſten liegenden Schicht. In dieſen allen ſinden ſich Spuren orga⸗ niſcher Reſte. Nur, wo die noch tiefer lagernden Urſchiefer, die pluto⸗ niſchen und vulkaniſchen Geſteine durch unterirdiſche Gewalten ge⸗ hoben wurden und dieſe Schichten durchbrachen, liegen Gneiß und

Grauit zu Tage, Serpentin, Porphyr und der uralte Baſalt. Keine Spur von organiſchen Reſten datirt bis ſo weit zurück. Die Ur⸗ ſchiefer, Granit und Gneiß, ſind das Reich des Bergkryſtalls. Unbe⸗

kannt iſt ſein Alter, die Art ſeines Entſtehens Vermuthung. Niemand vermag aus den Beſtandtheilen des ſchieferartigen Gneiß, aus Glimmer, Quarz und Feldſpath einen Kryſtall zu erzeugen, und doch iſt er daraus oder darin entſtanden, ſein⸗Daſein beweiſt es. Für den Geologen iſt das Maderanerthal ein ungemein intereſſantes. Zu beiden Seiten des Thales liegen kryſtalliniſche Schiefer, von denen die ſüdlichen Gebirgsſtöcke die ergiebigſten an ſchönen Mineralien ſind. In den Kalkſteinmaſſen der kleinen Windgelle ſinden ſich außer Einlagerungen der unteren braunen Juraformation, die zahlreiche Verſteinerungen enthalten, auch ſolche von rothem Porphyr, eine hier unerklärliche Er⸗ ſcheinung.

Der Bergkryſtall iſt vollkommen durchſichtig, man hat am Gott⸗ hard ſchon centnerſchwere Stücke gefunden. Gewöhnlich in ſechsſeitigen Säulen, deren eines Ende auf dem Felſen, wo der Keyſtall ſich bildete, aufſitzt, das andere Ende, als ſechsſeitige Pyramide zugeſpitzt erſcheint, zeigt dieſe Grundform mancherlei Unregelmäßigkeiten, welche durch ſtörende Einflüſſe bei ſeiner Entſtehung bedingt wurden. Zuweilen iſt er bräunlichgrau und heißt dann Rauchtopas oder gelb Citrin; violet durch Mangan nennt man ihn Amethyſt. Zuweilen finden,

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Na vie man ſe fand, in verkauft/ audere ten Läden der Juwelier dem ſchönen Ameth Frankfurt, wo ſie an den Fuß ihrer 9 als Schmuckſachen? und allerlei zierliche beſuch, denn lange Schachteln und Sch Koffers vermehren, b Lieben zu erfreuen. Als erfahrene Oswald, der mich in was noch kein nei Ihm vorzüglich r Oertlichkeiten. Ar und Verwandten,! Ich kann die noch ſo nahe, ſchö Maderanerthales mir zürnen, wer d thale und Hüfiglet gefallen, iſt freilic dieſer Herrlihheiten durcheilen darf ich Aus den G Grießernbach und Durch Tannenwa mühle, wo ein ſch gruppen ſind bald Weg widder ſteili Wim Thal, die recht der Gaſthof zum die von den Lawi⸗ obere Thal heimſu

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