Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
162
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Geſicht: winzig, um nicht zu ſagen, faſt gar nicht.

Naſe: lang, mager und ſpitz.

Augen: waſſerfarben.

Haar: gelbliche Pfropfenzieherlöckchen.

Geſichtsfarbe: graulich, auf jedem Backenknochen glüht ein rother Fleck, gleich einem vergeſſenen Herbſtröschen.

Bart: nicht abzuleugnen.

Herz: vorhanden, ſogar ziemlich gut.

Stand oder Gewerbe: Privatkünſtlerin.

Beſondere Kennzeichen: malt leidenſchaftlich in Waſſer⸗ farben. Auch jetzt, beim Ausputzen des Weihnachtsbaumes, finden wir die Künſtlerin. Fräulein Roſaura hängt keinen goldenen Apfel, keine ſilberne Nuß an den Baum, ohne dafür einen Grund der Sym⸗ metrie, des Lichteffectes, Contraſtes oder des gebildeten Geſchmackes zu haben. In dieſem Augenblicke ſchreitet ſie ſchon zum dritten Mal, einen zuckernen Schornſteinfegerjungen zwiſchen Daumen und Zeige⸗ finger, um den Baum. Ernſthaft muſtert ſie ihr Decorationswerk, um nach den Regeln der Kunſt ein lauſchiges, grünes Plätzchen zu ſuchen, wo ſich der ſüße Schornſteinfeger am effectvollſten präſentiren muß. Beim vierten Rundgange findet der ſchwarze Junge ein vor⸗ zügliches Unterkommen zwiſchen dieſer rothwangigen Schweizerin und der ſchneeweißen Schäferin mit dem gelben Strohhute und dem unſchuldigen Lämmlein aufgehängt, kann er es ſich ſchon gefallen laſſen!

Fräulein Roſaura tritt zwei Schritte letzte Compoſition mit entzücktem Auge an.

Sieh doch, Elſe, welch einen Effect ich durch den Schornſtein⸗ feger erzielt² habe Du wirſt mir zugeben müſſen, es geht nichts über die Contraſte!

Die Angeredete Eliſabeth oder Elſe Strant ſaß an dem großen, runden Tiſch vor dem Sopha und ſtrickte an einem blau⸗ wollenen Kinderſtrumpfe. Sie hat ein liebliches, ſanftes Geſicht, roſig angehaucht, große, dunkelblane, fromme Kinderaugen und kaſta⸗ nienbraunes Haar, über einer Stirn voll Unſchuld und Reinheit ein⸗ fach geſcheitelt. Sie hatte der Tante den Rücken zugewendet und ſich tief auf ihr Strickzeug geneigt.

Warum ſchrickt Elſe ſo ſichtbar zuſammen, da Roſaura ſie auf den bewundernswürdigen Schornſteinfegerjungen aufmerkſam macht?

Elſens Gedanken hatten eine weite heimliche Wanderung ge⸗ macht weit weit fort von den blauen Strümpfen von Tante Roſaura von dem Schornſteinfegerjlungen Elſens Gedanken waren in Italien!

Ja, ihre Gedanken waren muthig über die Alpen geſtiegen ſie fuhren auf der Gondel unter der Seufzerbrücke in Venedig durch ſie kletterten im rauhen Albanergebirge umher ſie ſchleppten ſich müde durch die glühende Campagna ſie gingen ſuchend durch

die Säle des Vatican theilnahmlos vorüber an den Kunſtſchätzen ſie muſterten faſt ängſtlich die Geſichter auf dem Corſo in der

zurück und ſchaut ihre

Peterskirche enttäuſcht wanderten ſie weiter ſie ſtiegen enge Treppen hinauf in ein großes, unwirthliches Maleratelier es iſt Chriſtabend kein Tannenbaum brennt duftend vor der

Staffelei ſteht ein junger Mann dunkle Locken fallen ihm reich in den Nacken er wendet den Kopf ein liebes, bekanntes Geſicht lächelt ſo unendlich traurigo, jetzt haben die Gedanken ge⸗ funden, was ſie ſuchten da fuhr Tante Roſaura mit ihrem Schornſteinfegerjungen dazwiſchen

Darum ſchrak die arme Elſe ſo zuſammen!

Ihr liebes Geſicht iſt bis unter den Haarſcheitel mit dunklem Purpur übergoſſen, als ſie ſich umwendet und den Schornſteinfeger mit ſeinen beiden Schönen anſchaut. Ihre Augen ſchimmern feucht, und ihre Stimme ſagt etwas unſicher:Ja, Tante, ſehr ſchön!

Das will ich meinen, Elſe, ich möchte wohl wiſſen, ob es in der ganzen Stadt heute Abend einen ſo künſtleriſch aufgeputzten Weih⸗ nachtsbaum gibt, wie bei J. C. Strant und Comp.

Elſe ſagt nichts. Sie ſtrickt eifrig weiter an dem blauen Strümpfchen. Sie iſt ſchon beim Zuſpitzen. Zeit wird's auch, denn das Strümpfchen ſoll einem armen Kinde heute Abend noch eine Chriſtfreude machen.

Elſe, ich glaube, Du denkſt ſchon wieder an Walter. Kind, Du ſollteſt froh ſein, daß der Unſinn, wie Dein Vater ganz richtig ſagt, mit ihm vorbei iſt. Walter wird im Leben kein echter Künſtler, kein

großer Maler. Einige Anlagen hatte er wohl als Knabe, das will ich gern zugeben aber er war von jeher ſo entſetzlich hochmüthig, daß er nie auf meinen Rath beim Zeichnen oder Malen achtete!

Liebe Tante, Walter hat in der Academie doch die große, goldene Medaille erhalten! Elſens Stricknadeln klappern dabei etwas lauter, als ſonſt zuſammen.

Wohl möglich, Kind, aber das hat ihn nur noch hochmüthiger gemacht. Ich werde ihm nie vergeſſen, wie er ſich bei meinen beiden ſpielenden Katzen benahm. Ich halte die Katzen für mein beſtes Bild. Als ich ſie auf den Wunſch eines ganzen Damenkaffees in die Kunſtausſtellung ſchickte, war immer ein großes Publikum davor ver⸗ ſammelt. Der Zeitungskritiker ſagte wörtlich:Es ſind die wunder⸗ barſten Katzen, die wir je geſehen haben! Nur mein lieber Neffe Walter, als er von der Handelsſchule in den Ferien zum Beſuch hier war, fragte naſeweis, ob es Waſchbären oder Meerſchweine ſein ſollten das iſt ſchändlich, Elſe!

Onkel Tob ſagte aber auch, Tante, als er das Bild zum erſten Mal ſah, es wären die natürlichſten Kälber, er wiſſe nur nicht recht, ob Land⸗ oder Seekälber!

In Elſens Augen blitzt es ein ganz wenig zornig, und ihr Ton klingt ſo ſcharf, als ihre ſüße Stimme nur klingen kann. Sie darf ihn, den ſie über alles auf der Welt liebt der ſo traurig iſt, weil man ihn von ihr trennen will nicht ungeſtraft beleidigen laſſen ſie muß ihn rächen!

Seekälber! ſagt Tante Roſaura, und ihre dünnen Löckchen gerathen in große AufregungOnkel Tob iſt ſelber ein Seekalb und noch dazu das allerböſeſte von der Welt. Er kennt keine größere Freude, als mich zu ärgern!

Er meint's nicht ſchlimm, Tante, er neckt nur gern. Man findet kein beſſeres Herz, als das Onkel Tobs. Du wirſt nachher ja ſehen, mit welcher reinen Freude am Wohlthun er ſeinen zwölf armen Kindern beſcheert.

Hm nun ja, Elſe, den armen Leuten thut Onkel Tob viel Gutes, und beſonders um die Weihnachtszeit läßt er es ſich immer ein hübſches Stück Geld koſten Gerechtigkeit laſſe ich ſelbſt meinem Feinde widerfahren, und für meinen Feind muß ich Onkel Tob ſeit der Seekälbergeſchichte nun einmal halten!

Und wie gut er immer gegen Walter war!

Ja, er hat dem Jungen ſtets den Rücken geſtärkt, und das iſt Walters Unglück. Sonſt hätte Walter wohl zu Kreuz kriechen müſſen, als Dein Vater dem Herrn Neffen die Wahl ließ, entweder als Lehrling bei J. C. Strant und Comp. einzutreten oder das Haus, das ihm ſo lange ein Vaterhaus war, auf immer zu verlaſſen!

Ueber Elſens liebliches Geſichtchen zucken Wolkenſchatten ſo bang und ſchmerzlich und jetzt tropft ſogar Thräne auf Thräne auf das Kinderſtrümpfchen nieder.

Wir wiſſen aus Tante Roſauras Signalement, daß ſie Beſitzerin eines ziemlich guten Herzens iſt. Dies Herz meldet ſich, als die erſten Thränen aus Elſens Augen blitzen. Es befiehlt ſeiner Herrin

nein, ſeiner Dienerin, die Runde mit dem fetten Liebesengel, deſſen Koſtüm lediglich in zwei goldenen Flügeln und einem Zwirnsfaden um den Hals beſteht, augenblicklich zu unterbrechen, ihre dürren Arme um Elſens Nacken zu legen und die gelben Pfropfenzieherlöckchen tiefer und tiefer zu ſenken, bis die welken Lippen einen innigen Kuß auf Elſens Stirn drücken. Und dann trocknet ſie die Thränen aus den blauen Kinderaugen und flüſtert:Am fröhlichen Chriſtabend darf man nicht weinen, Elſe!

Glaubſt Du denn, Tante, daß Walter heute Abend fröhlich ſein kann ſo weit weit von hier und ſo mutterſeelenallein?

Vor Schluchzen kann Elſe dieſe Worte kaum hervorbringen.

Kind, da denkſt Du ſchon wieder an ihn nur immer an ihn, ja, wenn er es noch verdiente! Aber er hat es nicht beſſer haben wollen, er könnte jetzt ſo weich und warm hinter Deines Vaters. Ladentiſch ſtehen, und heute Abend hätte eure Verlobung ſein können er hat ſein Glück mit Füßen von ſich geſtoßen!

Aber er fühlte einen anderen Beruf in ſich, als Zuckertüten zu kleben und Contobücher zu führen!

Kind, als ob ich den Beruf hätte, Suppe zu kochen, Wäſche zu ſortiren und mit dem Schlüſſelbunde umherzulaufen, aber man bringt denen, die man liebt, ſeine Neigungen zum Opfer!

Tante Roſaura ſieht in dieſem Augenblicke ſo erhaben aus, wie man ſich eine antike Prieſterin der Tugend nur immer vorſtellen mag.

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