Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
160
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Sonntag, den 2. September früh 44, brachte man das Kabel glücklich näher zur Oberfläche. Als man begann, es höher zu winden, ſtieg die Spannung von 9 auf 11 Tonnen(220 Ctr.). Gegen Mittag meldete ein Signal des Medway im Weſten, daß man dort das Kabel wiederum gefaßt und es etwa 500 Faden gehoben habe. Letzteres Schiff erhielt den Auftrag, mit dem Aufwinden ſo raſch als möglich fortzufahren. Man berechnete, daß, wenn das Kabel am Medway ja brechen ſollte, dem Great Eaſtern es deſto leichter werden würde,

das freie Ende zu heben. Der Albany und Medway ſandten Boote dem Great Eaſtern zu Hilfe, um beim Heben zur Hand zu ſein, zu⸗ gleich auch um Beiſtand zu leiſten, wenn bei dem gefährlichen Werke des an Bordwindens jemand ins Waſſer ſtürzen ſollte. Gegen 1 Uhr in der Nacht erſchien der Greifanker mit dem Kabel zwiſchen den Zähnen an der Oberfläche des Waſſers. Trotz der ſpäten Nacht⸗ ſtunde war Jedermann an Bord des Great Eaſtern auf den Beinen und verfolgte mit größter Spannung den Fortſchritt des mühſamen Werkes. Diesmal ward kein Hurrah gehört, und in den Pauſen zwiſchen den Commandos des Capitäns herrſchte eine ſo erwartungs⸗ volle Stille, daß man das Abtropfen des Waſſers vernehmen konnte. Das auftauchende Kabel ward von zahlreichen Tauen und Leinen umſchlungen und jede Hälfte des Bogens an ein fünfzölliges Hanftau geſchleift. Das Kabel hatte ſich ſo feſt in die Zähne des Greifers eingeſetzt, daß ein Mann es mit Hammer, Marlpfriemen und andern Werkzeugen frei machen mußte. Das Weſtende ſchnitt man mit einer Säge ab und zog das freie Oſtende jetzt glücklich an Bord. Es glitt langſam über die Rollräder nach dem vorderen Theile des Verdecks. Die größtmöglichſte Sorgfalt ward angewendet, das Kabel feſtzuhalten und zugleich vor Verletzungen zu ſchützen. Man leitete es in das Telegraphenzimmer, in welchem die verſchiedenen Directoren in höchſter Erwartung ſich verſammelt hatten. Der Obertelegraphiſt erſchien jetzt mit dem freien Ende in der Hand und ſetzte ſich damit an den electriſchen Apparat, um zu prüfen, ob der Leitungsdraht von hier aus 1000 Seemeilen weit bis Irland noch in gutem Zuſtande ſei. Andern Falls wären alle Bemühungen vergeblich geweſen. Eine lautloſe Stille herrſchte im Zimmer. Nicht ein Wort ward geſprochen. Aller Augen waren auf denFernſchreibekünſtler gerichtet. Nach etwa 10 Minuten erklärte derBlitzkraftkundige, daß, ſo weit er es bis jetzt zu beurtheilen vermöge, die Leitung noch in gutem Zuſtande ſei. Nach kaum einer weitern Minute aber nahm er den Hut ab und be⸗ grüßte die Anweſenden mit einem Hurrah, das zunächſt von dieſen, dann von allem Volke im Schiff wiederholt ward. Was war die Urſache jenes Jubels? Der Telegraphiſt hatte durch das Kabel von 1865 eine Depeſche an den Director Glaß in Valentia geſendet und ihm ſeine Freude ausgeſprochen, daß er ihm ſeinen Glückwunſch tele⸗ graphiren könne durch das alte aufgefundene Kabel und von Ir⸗ land aus war eine Gegengratulation eingetroffen!

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für Haus

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Zweite verbeſſerte Auflage 1866.

Die darin enthaltenen 371 Choräle ſind theilweiſe in doppelter und dreifacher Form(in der frühern rhythmiſchen) aufgenommen, ſo daß ſich deren Zahl eigentlich auf ca. als Haus-Choralbuch dienen und iſt dazu, außer durch ſorgfältigſte

alſo zu den vollſtändigſten. Es will vorzugsweiſe

Bearbeitung, durch ſehr ſaubere Ausſtattung und billigen Preis ausgerüſtet worden.

8 Bielefeld und Leipzig, December 1866.

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Man ging alſobald ans Werk, das Reſervekabel mit dem aus dem Meere heraufgezogenen Stücke in haltbare und ſichere Verbindung zu ſetzen. Der Great Eaſtern dampfte dann den Weg nochmals nach Newfoundland und legte die noch fehlenden 600 Meilen ohne allen Unfall zurück.

Es iſt alſo die alte Welt mit der neuen bereits mit zwei jener geheimnißvollen, metalliſchen Nervenfäden verbunden, durch welche die Gedanken mit Blitzesſchnelle ihren Austauſch vollziehen! Da der Preis für das Telegraphiren eines Wortes zunächſt mit ein Pfund Sterling(circa 7 Thaler) angeſetzt iſt, ſo hat man berechnet, daß bei 3 Worten in der Minute die Jahreseinnahme mehr als 10 Millionen Thaler ſein wird. Die preußiſche Thronrede, welche der Londoner Correſpondent des Herald nach Newyork telegraphiren ließ, wurde mit 7000 Thaler honorirt. Bei einer ſolchen Ausſicht auf glänzende Geſchäfte iſt mit ziemlicher Wahrſcheinlichkeit zu erwarten, daß ſich die Zahl der Kabel zwiſchen der alten und neuen Welt in nicht langer Zeit noch vermehren wird, wie dies bei andern Strecken gleicher Weiſe der Fall geweſen iſt. Als man den erſten Telegraphendraht zwiſchen London und Lirpool herſtellte, zweifelten viele, daß ſich für ihn hinreichende Beſchäftigung finden werde, und gegenwärtig reichen die 24 Drähte kaum aus, welche jene beiden Orte verbinden.

Es iſt rein unmöglich, gegenwärtig ſchon nach allen Seiten hin die Tragweite zu verfolgen, welche dieſe Verbindung der beiden Erdhälften durch Telegraphendrähte hat. Von allen Seiten beeilt man ſich, ſie nach Möglichkeit zu benutzen. So hat man bereits begonnen, mit ihrer Hilfe mit möglichſter Genauigkeit die geographi⸗ ſchen Längen zu prüfen, d. h. die Entfernungen der Orte Amerikas von denjenigen Europas durch Zuhilfenahme der Zeitunterſchiede. Ebenſo haben trotz des hohen Preiſes die wichtigſten Zeitungen beider Hemiſphären mit der Telegraphen⸗Compagnie Contracte abgeſchloſſen über Depeſchen, die ihnen fortwährend durch ihre Correſpondenten zugehen.

Das atlantiſche Kabel iſt ein ſehr wichtiges, vielleicht das wich⸗ tigſte Stück in jenem gewaltigen Fadennetz, welches ſich von Jahr zu Jahr weiter und weiter, gleich einem Nervengeflecht, über den ganzen Erdball ausſpannt und die verſchiedenſten Völker ihrer ideellen Be⸗ ſtimmung näher bringt: ſich zu einer großen, das ganze Menſchen⸗ geſchlecht umfaſſenden Familie zu vereinigen, in welcher jedes Glied dem andern dient, mit der Gabe, die es empfangen hat.

Inhalt: Ein armer Sünder. Novelle(Schluß). Ju Dürers Atelier

Mit Illuſtr. von Koch. Ein Wundermann des XIX. Jahrh.(Schluß).

Von Theodor Bindewald. Reminiscenzen aus der Hochſommerzeit.

III. Proclamationen und Requiſitionen. Von G. Hiltl. Das Rieſenkabel. Von H. Wagner. Mit Illuſtration.

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Bei uns iſt ſo eben erſchienen und in allen Buchhandlungen zu haben: Choralbuch

Bearbeitet von H. Lohmeyer. Ler.⸗S. geheftet 1 Thlr. 6 Sgr., eleg. gebunden 1 Thlr. 12 Sgr.

der jetzt üblichen und in Dies Choralbuch gehört

3 3 und Kirche. 500 beläuft. 8

8 Velhagen& Klaſing.

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Unter Verantwortlichkeit von A. Klafing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig.

Bielefeld* Berlin. Druck von Fiſcher a wittig in eipzig.

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III. Jahrgat

Es iſt eine nicht zu groß der Welt!

Der Abend ſam, bedächtig untd der Abend überſti Minuten früher d abenden Sitte iſt. cunde zu Secunde lichen, ſeligen Ch duntel Kworden läßt, der weich u Nach und nach wi ihre erſten Blätt Weihnachtsbäum ichtglanze llitze Morgenthau auf ſedem Tröpf

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