keit am folgenden Tage(zufällig gerade dem Geburtstag des Componiſten) allen den dort anſäſſigen Deutſchen ein großes Gaſtmahl gab, bei dem das anweſende Orcheſter, dem Componiſten zu Ehren, nur Melodien aus„Martha“ ſpielen mußte.
Die Deutſchen aber, glücklich, ihren Zweck erreicht und wieder einen gei⸗ ſtigen Sieg über das Ausland errungen zu haben, feuerten, mit Erlaubniß des Präſidenten, an demſelben Abende einhundert Kanonenſchüſſe ab, die der Stadt Santiago dieſes, für die Deutſchen ſo ehrende, Ereigniß verkündeten. Am fol⸗ genden Tage las man in der Zeitung eine ausführliche und ungemein günſtige Kritik über deutſche Muſik.
Alle Spanier, die ſo glücklich geweſen waren, der Oper beigewohnt zu haben, baten um die Wiederholung derſelben. Ihrem Wunſche wurde durch die ferneren Bemühungen der Deutſchen entſprochen. Die Oper wurde noch mehr als zwanzigmal aufgeführt, bei dem Charakter des Veränderung lieben⸗ den Südamerikaners ein höchſt ſeltener Fall.
Indes blieb es bei dieſer einen Oper nicht. Auf„Martha“ folgten noch verſchiedene andere deutſche Opern, und immer mit demſelben großartigen Erfolge.
Schon im Jahre 1865 ſprach man faſt nur über deutſche Muſik, und die italieniſche iſt ſeitdem in den Hintergrund getreten.— Ehre unſerer deutſchen Muſik! Fr. Becker.
Eine kleine Völkerwanderung aus den Bündneralpen.
Alljährlich im Monat Mai, wenn der Frühling ſeine reiche Blüthenpracht entfaltet, beginnt aus den hochgelegenen Bergdörfern des Bündneroberlandes (Canton Graubünden in der Schweiz) eine friedliche Völkerwanderung ganz eigenthümlicher Art, nämlich von Scharen von Kindern von 6 bis 15 Jahren. Ihr Zug geht dem Lauf des Rheines entlang bis hinaus in die geſegneten Gefilde des Schwabenlandes. Aus einer Gemeinde ziehen oft 20 bis 30 Kinder aus, unter der Leitung eines kaum 15 jährigen Knaben. Bis an die Gemeinde⸗ grenze begleiten ſte die Mütter und der Ortspfarrer. Dieſer ſpricht an die kleine Wanderſchaft ein ermunterndes Abſchiedswort, indem er nachweiſt, wie viele ihrer Väter in der Fremde ſchon ihr Glück gemacht, und wie auch ſie an das Wanderleben ſich frühe gewöhnen müßten. Sie ſollten brav bleiben, und ihren Meiſterleuten gehorſam ſein, dann werde auch der Segen Gottes auf der Wanderſchaft ſie begleiten. Unter Schluchzen und Thränen nehmen die Müt ter Abſchied von ihren Kleinen. Die Väter ſind meiſtens ſchon vor dieſen in die Fremde ausgezogen. So bleiben in den Bündnerbergdörfern nur Frauen, Mädchen, Greiſe und ganz kleine Kinder zu Hauſe. In jedem Dorfe, durch welches die Kinderwanderſchar kommt, wird etwas Halt gemacht, und dieſelbe auf freiem Platze aufgeſtellt. Männer und Frauen kommen herbei, ſich einen Hüterbuben oder ein Kindermädchen auszuwählen. So wird die Schar immer kleiner und kleiner, je weiter ſie ſich von der lieben Heimat entfernt. Gerade umgekehrt verhält es ſich mit der Heimkehr. Da ſchwillt die Wander⸗ ſchar mehr und mehr an, je näher ſie dem trauten Heimatdorfe rückt. Der ſpärliche Erwerb, den die Sommerarbeit in der Fremde gebracht, wird ge⸗ wiſſenhaft der Mutter heimgebracht, die daraus den nöthigſten Kleiderbedarf beſorgt. So gewöhnen ſich die Bündner früh ans Wanderleben. Sind ſie erwachſen, dann gehen ſie über Land und Meer, als Kaffeeſieder, Zuckerbäcker, Schuſter, Schneider, Handelsleute. Aber ihr Herz bleibt doch im Hochland. Zu Hauſe ſterben wollen ſie alle. Darum kehren ſie, wenn ſie ſich ein be⸗ ſcheidenes Vermögen erworben, alle wieder den heimatlichen Bergen zu. Das iſt der Zug der Heimat. A. F.
Erinnerungen eines Feldpredigers im franzöſiſchen Lager vor Sewaſtopol.
Unſere Leſer werden ſich mit Vergnügen der„Erinnerungen eines Feldpredigers“ von M. Reichard erinnern, die wir ihnen in den vori⸗
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v. Wilh. Camphauſen.— Leipziger Allerlei.
gen Jahrgängen mittheilten*). Es waren einzelne Kapitel aus einem größern Ganzen, zu umfangreich, um ganz abgedruckt zu werden, was es ſonſt wohl verdient hätte. Es wird vielen Leſern erfreulich ſein, zu hören, daß dieſe Er⸗ innerungen jetzt vollſtändig in einem ſaubern Bändchen gedruckt erſchienen ſind(Bielefeld und Leipzig bei Velhagen& Klaſing, Preis: 18 Sgr.) und als eine vielfach willkommene Gabe auf den Weihnachtstiſch gelegt werden können. Intereſſant wird auch die Vergleichung der Leiden und Freuden des Feldpre⸗ digers im Krimkriege mit denen im ſo eben erlebten deutſchen Feld⸗ zuge ſein. Wenn wir früher ſolche Kriegserlebniſſe laſen, ſo war uns das etwas Fremdartiges, Fernliegendes, ſchier Fabelhaftes, man las das mit dem behaglichen Intereſſe, wie
„Wenn hinten weit in der Türkei Die Völker auf einander ſchlagen.“
Das iſt jetzt anders geworden, und die eigenen Kriegserlebniſſe werden unſere Theilnahme an denen anderer Völker eher mehren, als mindern, zu⸗ mal wenn ein treues deutſches Blut ſie uns erzählt, wie hier.
*) Vergl. I. Jahrgang S. 646. 719. 767. II. Jahrg. S. 54. 191.
Briefkaſten.
Herrn Z. in Z. bei Fiddichow. Auch wenn das Pilzſcheibchen nicht ſo total mit beiden Briefſeiten verklebt wäre, wie ſolches bei der überſandten Probe der Fall, würde ſich aus ihm allein nicht mit Sicherheit erkennen laſſen, ob es von einer ächten Trüffel oder— was uns wahrſcheinlicher dünkt— von einer der zahlreichen Verwandten derſelben herſtammt. uUnſere einheimiſche Flora beſitzt eine reiche Anzahl trüffelähnlicher Pilze(gegen 40). Die ächte Trüffel bleibt unter der Erde und liebt mehr eine fette, lockere Walderde, iſt im Innern mit Adern von grauer, ſchließlich brauner Farbe durchzogen. Ihren Pilz, der auf Wegen dicht an der Oberfläche gefunden wurde, moͤchten wir nach Ihren Angaben für die ſogenannte Schweinetrüffel halten, die zwar im Jugendzuſtande von manchen Pilzenthuſiaſten auch verzehrt wird, dabei aber ziemlich geſchmacklos iſt. Die ächte Trüffel macht ſich ſchon durch ihren angenehm aromatiſchen Geruch und Ge⸗ ſchmack auch dem Nichtbotaniker kenntlich. Herrn P. D. in Kl. Leider ſteht es nicht in unſerer Macht, dem von vielen Seiten gerügten Uebelſtande abzuhelfen. Die Poſtämter gehen nicht von threr Gewohnheit ab, die Nummern zu knicken, aus dem Grunde, weil ſie für ungebrochene Nummern neue Fächer machen laſſen müßten.— Verehrerin in der Rheinpfalz. Wir erinnern uns Ihrer Frage nicht mehr, und ſie mag allerdings in der bewegten Zeit überſehen ſein. Die Anekdote iſt nicht für uns geeignet, weil ſie verletzend für die andere Confeſſion iſt.
Herrn K. in St. Ueber Ihren Gedanken,„die Romantik als einen providentiellen Canal fur die Circulation der Wahrheit“ zu benützen, ließe ſich manches ſagen; für uns eignen ſich pädagogiſche Arbeiten„mit romantiſchem Anſtrich“ jedenfalls nicht.-A. R. in Aachen. Der Wunſch gehört ins Gebiet der Unmöglichkeiten. Die Gründe auseinander zu ſetzen würde zu weit führen, nur einen: die ganze Auflage der Hefte muß in 24 Stunden broſchirt ſein.— M. V. in L. Sie haben Recht; in die Auflöſung des Rebus von No. 5(mitgetheilt in No. 6) hat ſich ein Druchfehler geſchlichen; es muß heißen: Freundes Lob hinkt, nicht: ſinkt— Herrn W. C. in L. Vielen Dank für die Nachdrucksmit⸗ tbeilung; ſie hat bereits Berückſichtigung gefunden.— F. B. und R. H. in Elberfeld. Kennen Sie denn Camphauſens Tagebuch vom Schlesw. Holſt. Kriegsſchauplatze nicht? Die ge⸗ wünſchte Karte ſinden Sie in dem neueſten, ſpeciell über die Neugeſtaltung Deutſchlands handelnden Hefte der Petermannſchen Mittheilungen.— Das Daheim wird nach wlie vor zur ſelben Zeit expedirt, die Schuld verſpäteten Eintreffens hätten Sie alſo bei Ihrer Be⸗ zugsquelle zu ſuchen.
Den zahlreichen Reflectanten zur Nachricht, daß die bekannten dauer⸗ haften und eleganten Einbanddecken in Leinwand und Golddruck zum II. Jahrgange des„Daheim“ wieder vorräthig und für 14 Sgr. durch jede Buchhandlung zu beziehen ſind.
Dieſelben geben ein angemeſſenes Kleid für den reichen Inhalt des Jahr⸗ gangs und ſind nur durch Anfertigung großer Maſſen ſo billig herzuſtellen.
Inhalt: Ein armer Sünder. Aus den Denkwürdigkeiten eines ehemal. Miniſters.— Eine Reiterthat vor den Thoren von Preßburg. Mit Illuſtr. Von H. Wagner.— Ein Wun⸗ dermann des XVIII. Jahrhunderts. Von Theod. Bindewald.— Schweize⸗ riſche Verkehrs⸗ und Culturbilder. I. Unter den Kryſtallſuchern im Made⸗ ranerthal. Von A. Mosengel. Mit Illuſtr.— Am Familientiſche.
Rützliches Weihnachtsgeschenk für die frauenwelt.
raktiſches Kochbuch
von Heuriette Davidis. Lilfte verbeſſerte und vermehrfe Auflage.
Preis geheftet 1 Thlr., elegant gebunden 1 Thlr. 7 ½ Sgr. Die erſte Auflage dieſes vielverbreiteten Kochbuch erſchien 1844, die zweite 1845, die dritte 1846, die vierte 1848, die fünfte
1851, die ſechſte 1854, die ſiebente 1858, die achte 1860, die neunte 1862, die zehnte 1864 und die eilfte 1865.
Bei der großen Zahl
concurrirender Kochbücher liegt in dieſer ſtarken und nachhaltigen Verbreitung wohl die beſte Empfehlung.
Bielefeld und Leipzig, December 1866.
Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Kornig in Leipzig Verlag der Daheim-Expeditian von Velhagen* Klaſing in Bielefeld und Berlin.— Druck von Liſcher a Wittig in Leipzig.
Briefe und Sendungen ſind zu richten au die Redaction des Daheim in Leipzig, Poſtſtraße Nr. 17.
Velhagen& Klaſing.
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III. Jahr
Gegen M den Köhlerhütte ſuchte er ſich ein und abwärts he⸗ und ſpähete. 1 er nicht gern, ja Augenblic daß ſich im Walde Köhlerweib, da blieb ſtill, und Entfernung im erkennen, wer e einmal unterſu
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