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Die Nachricht über beſagte Execution iſt in doppelter Verſion auf uns gekommen, und ein rechtes Beiſpiel, wie neidiſch die Geſchicht⸗ ſchreibung berühmten Männern Streiche zu ſpielen verſucht. Nach der erſteren hätte Heer von Sydow dem Malefſicanten auf ſeinem Zimmer tüchtig den Buckel mit ungebrannter Aſche eingerieben und ſich eine in optima forma gültige Quittung über den richtigen Verlauf dieſer Procedur von dem keinen Widerſtand verſuchenden Opfer ſchwarz auf weiß ausſtellen laſſen. Aber wirſt du ſolches glauben, o Nach⸗ welt? Höre auch, was die Freunde über dieſe dunkle Partie be⸗ richten!
Ein Mann, der Macht über die Geiſter hat, wo läßt der ſich ſo armſelig und feige in die Enge treiben? Nein, als der grimmige Urtheilvollſtrecker das Muſeum des Angeſchuldigten betrat, des Willens, den Befehl ſeines Gnädigen auszuführen, da eilte dieſer alsbald in eine Ecke des Gemaches, warf ſich mit verzweifelten Ge⸗ berden nieder auf ſeine Kniee und begann die hilfreichen Geiſter unter den fürchterlichſten Drohungen zu beſchwören, alles Unglück auf das Haupt ſeines Feindes kommen zu laſſen. Siehe da, das Mittel half! Der Obriſtlieutenant mochte ſich auf keinen ſo ungleichen Kampf ein⸗ laſſen und entfloh mit entſetztem Angeſicht aus der unheimlichen Atmoſphäre, ohne ihm ein Haar zu krümmen.
Und doch intereſſirte ſich der Herzog von Kurland für den Wunderthäter. Wie klärt ſich dieſes Dunkel uns auf?
Saxe, eines illegitimen Sohnes Auguſts des Starken, dieſen letzten Sprößling des galanten Königs beerbt. Das Vermögen des Chevalier, der als Maltheſerritter unverheirathet geſtorben war, konnte ſich ſehen laſſen und beſtand theilweiſe aus mütterlichen Familiengütern, theilweiſe aus dem anſehnlichen Palais und Parke deſſelben zu Dresden.
Weniger aber, als man vermuthete, betrug die Summe des hinterlaſſenen baaren Geldes, und dieſe mußte doch eine ſehr be⸗ deutende ſein, da der Chevalier ſo viele und einträgliche Aemter be⸗ kleidet hatte. Wo ſollte der Schatz hingekommen ſein? Die all⸗ wiſſende Frau Sage raunte dem Herzog in die Ohren, daß er an einem verborgen gehaltenen Orte des Palaſtes aufbewahrt ſei, und daß, wenn der Geiſt des Abgeſchiedenen citirt werde, man ſicher⸗ lich die Stätte erfahren und das Geld heben könne. Doch wen nun finden, um das Wagniß zu beſtehen? Der Herzog ſann hin und her fand keine Auskunft.
Da tauchte plöͤtzlich der Leipziger Geiſterbeſchwörer in ſeiner unmittelbaren Umgebung auf— nun mußte es Rath geben! Indes war eine harte Nuß vorher noch zu knacken. Der Herzog hatte den Mann beleidigt und verfolgt, was war zu thun?
Eines Tags fuhr ſeine Karoſſe vor dem Hotel de Pologne vor, wo Schröpfer immer noch ſein Abſteigequartier aufgeſchlagen hatte
Schweizeriſche
Da ſteht nun der getreue Schweizerführer wieder in Reih und
Glied zwiſchen allerlei claſſiſchen und unclaſſiſchen Werken in der be⸗ ſcheidenen Junggeſellenbibliothek und kehrt mir verdrießlich den Rücken. Er, der ſo oft um Rath Gefragte, wird keines Blickes mehr gewürdigt, und das Büchlein, welches im ſonnigen October die einzige Lectüre des Beſitzers war, muß jetzt geduldig ertragen, wie ſeine nächſten Nachbarn ihm vorgezogen werden. Undank iſt der Welt Lohn! Hat er mir deshalb ſo trefflich gerathen, als ich die Gotthardſtraße hin⸗ aufwanderte vor kaum zwei Monaten!„Amſteg,“ Weißes Kreuz, ge⸗ müthliche Wirthsleute, billig. Vortreffliche Forellen, gute Zeugniſſe im Fremdenbuche. Wer in das Maderanerthal geht, quartiere ſich hier ein.“ Dieſer Satz nimmt einen ſo herzgewinnenden Anlauf, daß der Wanderer ſchon faſt entſchloſſen war, in das Maderanerthal zu gehen, ehe er noch bis zum Punkt geleſen hatte, und doch reiſte er diesmal in beſonderen, daheimlichen Angelegenheiten.
*) Wir bringen hiermit unſern Leſern die erſte der Reiſefrüchte unſeres
liebenswürdigen Künſtlers A. Mosengel, dem die anderen in raſcher Folge ſich anreihen werden.
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und auf großem Fuße lebte. Herzog Karl machte vem Beleidigten einen Ehrenbeſuch, bat ihm im Gegenwart mehrerer Freunde den angethanen Schimpf ab, erſuchte ihn deswegen um Verzeihung und verhieß alle mögliche Genugthuung dafür zu geben. Mit tiefge⸗ rührtem Herzen nahm jener das alles an, und bald war die entente cordiale, und beſſer, wie jemals, zwiſchen beiden wieder hergeſtellt.
Seitdem ſah man den Wundermann öfters bei dem Herzog aus- und eingehen und immer familiärer mit ihm werden. Es ge⸗ lang ihm, den lernbegierigen Schüler vollkommen zu erobern und für die Realität ſeiner Kunſt geradezu zu enthuſiasmiren. Der Kammerherr des Herzogs, der General von Biſchofswerder, trank Brüderſchaft mit ihm, und ein Beſuch des hohen Herrn dünkte jenem zuletzt etwas ſo Gewöhnliches, daß er bei ſeinem Eintritt ins Zimmer nicht mehr aufſtand, ſondern ihm mit leichtem Kopfnicken ohne weiteres einen Platz an ſeiner Seite anwies.
Immer deutlicher rückte nun der Herzog mit der Farbe herans und bat, einige Proben der übernatürlichen Macht ſehen zu dürfen. Dieſe Forderung zu gewähren, ging aber ſo ſchnell nicht an, und etliche Geduldsproben mußte ſich derſelbe noch auflegen laſſen. Das Heraufbeſchwören eines Geiſtes aus dem Grabe, ſo ſagte Schröpfer mit ernſter Miene, ſei wahrlich keine Kleinigkeit und kein Kinder⸗ ſpiel, ſondern gefährlich, ſowohl für ihn ſelbſt, wie für den, der
ſolches begehre, außerdem auch mit vielen ſchrecklichen Umſtänden Herzog Karl von Kurland hatte als Neffe des Chevalier de
verbunden, nach denen er kein muthwilliges Gelüſte in ſich verſpüre. Jeden Geiſt dürfe er ohnehin nicht rufen, und die Wahrheit zu reden, ſei ſeine Abneigung und ſein Widerwille gegen ein Werk der Art groß genug, um es für ewig zu unterlaſſen.
Je mehr er ſich aber ſträubte und ſeinen Worten treffliche Gründe beizugeſellen wußte, um ſo mehr wuchs die Erwartung des Prinzen, und die fieberiſche Unruhe, die ihn erfaßt hatte, ließ ihm ſelbſt im Schlafe keine Ruhe.
Nach langem Zaudern, Zureden, Bitten und Drängen ſchmeichelte der Prinz die Einwilligung des Magiers zur Erfüllung ſeines ſehn⸗ lichen Wunſches dieſem ab, aber erſt wieder nach langem Bedenken und mannigfachem Zögern war er zu dem Verſprechen zu vermögen, den gewünſchten Geiſt des Chevalier de Saxe heraufzuholen. Oberſte Bedingung bei der Zuſage bildete übrigens die Forderung, daß über die Vornahme der Handlung das tiefſte Stillſchweigen müſſe beobachtet werden, daß ferner die Citation nur vor einer auserwählten Geſell⸗ ſchaft zu geſchehen habe, und daß zur nöthigen Vorbereitung darauf ein Zimmer des Palaſtes, welches ſich dazu eigne, ihm überlaſſen bleibe.
Der Herzog ging mit Freuden auf alles ein und wußte alles den Augen des Kurfürſten, der an ſolchen Sachen keinen Gefallen hatte, ſo geſchickt zu verbergen, daß unvermerkt die Vorbereitungen und Einladungen ins Werk geſetzt waren, als die zur Geiſterbe— ſchwörung beſtimmte Auguſtnacht herannahte.(Schluß folgt.)
Verkehrs- und Culturbilder. I. Unter den Kryſtallſuchern im Maderanerthal.*) Von A. Mosengel.
Von Altdorf, dem Hauptorte des Canton Uri, erreicht man Am⸗ ſteg zu Fuß in drei Stunden. Am Steg heißt es wohl, ſeit die erſten Hütten hier gebaut wurden und die Bewohner derſelben ein Paar Tannenſtämme über die Reuß legten; jetzt wölbt ſich eine ſtattliche, ſteinerne Brücke über den Fluß, und es wäre gar leicht hinüber⸗ zukommen, wenn nicht das Wirthshaus und das Maderanerthal exiſtirten.
Im weißen Kreuz war alles nach dem Buche, ja mehr als das Verſprochene. Ein ſchönes Wirthstöchterlein, wie es die Volkslieder ſingen und alle mündlichen Ueberlieferungen beſchreiben, konnte man wohl mit Recht erwarten, aber auf zwei, wie hier, war niemand ge⸗ faßt, und es mußte etwas geſchehen, um die Sache wieder ins Geleiſe zu bringen. Bald erfuhr ich auch, daß der Vater hoch oben im Maderanerthal ein zweites Gaſthaus gebaut habe, welches im ver⸗ gangenen Sommer ſchon ſtark beſucht war und eine höchſt willkommene Station für alle Touriſten gewährt, die von hier aus Gletſcherpartieen unternehmen oder die Seitenthäler beſuchen wollen. Da können die beiden Feen nun walten und ihre Zauberkreiſe ziehen, die eine unten


