Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
134
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Philippine an jenem Abend in der Laube, ſondern auch ſeine Reden an die jungen Burſchen, die ihn gefangen genommen hatten, in Abrede ſtellte, ſo trafen doch alle gegen ihn ſprechenden Indicien ſo genau zuſammen, daß er, Leugnens ungeachtet, für überführt er⸗ kannt und wegen vorſätzlichen Mordes zum Tode verurtheilt wurde.

Höchſten Orts wurde die Strafe jedoch in fünfzehnjährige Kerkerſtrafe verwandelt und gemildert, theils wegen mangelnden Geſtändniſſes, theils weil man dem Großherzoge die leidenſchaftliche Eiferſucht des Schuldigen als Milderungsgrund vorgeſtellt hatte. Als aber ſchon nach zwei Jahren, kurz ehe ich zum Miniſter ernannt wurde, das landesfürſtliche Haus durch die Geburt des Erbgroß⸗ herzogs geſegnet ward und der Großherzog ſeine Freude darüber durch eine Menge von Straferlaſſen und Begnadigungen bezeugte, hatte eine beſondere Fürſprache auch den Jäger Keil auf die Liſte zu bringen gewußt.

Auf Welzer hatte der Verluſt des Sohnes unter ſo ſchrecklichen Umſtänden ungemein lähmend und niederdrückend gewirkt, und ſelbſt äußerlich war er kaum wiederzuerkennen; ſolche Furchen hatte der Gram durch ſein Angeſicht gezogen, ſo ſchnell war ſein Haar ergraut. Seine frühere Thätigkeit, ſein immer rüſtiger Fleiß war einer finſteren Gleichgültigkeit gewichen, und in kurzer Zeit würde die ganze Guts⸗ wirthſchaft in Verfall gerathen ſein, hätten ſeine wackern Leute ſich derſelben nicht theils aus Anhänglichkeit, theils aus Mitleid gerade jetzt mit verdoppeltem Eifer angenommen. Er ſchien nur noch Sinn zu haben für den eifrigen Briefwechſel mit einem Advocaten, der ihn von dem Gange der Unterſuchung gegen Keil fortwährend in Kenntniß halten mußte. Dieſer Briefwechſel war in der Folge zu den Acten gebracht, und aus Intereſſe für die Sache ließ ich mir einige Auszüge davon anfertigen, aus denen ich etliches hier folgen laſſe.

Es wäre gegen alle Gerechtigkeit im Himmel und auf Erden, wenn das Leugnen des Böſewichts mehr gelten ſollte, als alle die Beweiſe und Zeugniſſe, die gegen ihn aufgebracht ſind. Es wäre ſchrecklich, wenn auf ſolche Weiſe das Verbrechen den Sieg davon trüge über die Gerechtigkeit. Was bliebe dann übrig, als daß man ſelbſt das Werk der Gerechtigkeit in die Hand nähme? Das ver⸗ goſſene Blut meines Sohnes ſchreit zum Himmel, und was ſoll ich thun, wenn es keiner hört? Es läßt mir Tag und Nacht keine Ruhe.

Sie ſchreiben von Vergeben? Das verſtehen Sie nicht. Sie ſind kein Vater. Sie ſind es niemals geweſen. Wäre ſein Mord⸗ anſchlag gegen mich geweſen, ſo hätte ich ihm vergeben können, noch im Sterben. Aber dem Mörder meines einzigen Sohnes? Ich müßte verrückt ſein, wenn ich es thäte, und ich wollte, ich wäre es. Dann hätte ich Ruhe.

Nein, ich bin nicht rachſüchtig. Sie thun mir Unrecht. Nie im Leben habe ich mich an einem Menſchen gerächt. Was will ich denn jetzt? Rache? Ich verlange ja von der ganzen weiten Welt, von Gott und Menſchen nichts weiter als Gerechtigkeit. Wozu ſind alle Geſetze und Gerichte und Obrigkeiten und das ganze Staats⸗ weſen, wenn Mord unvergolten bleibt?

(Aus einem Briefe des Advocaten:)Philippinens Vater iſt in ſehr zerrütteten Umſtänden geſtorben, und das arme Mädchen ſieht ſich gegenwärtig nach einem Dienſte um. Früher mochte man allerlei gegen ſie ſagen können, und vielleicht war in ihrer Lage eine ſo auffallende Schönheit eine große Verſuchung; allein ſeit jener Kataſtrophe hat ſie ſich auf das lobenswertheſte benommen, allen Umgang abgebrochen, höchſt eingezogen gelebt, das Hausweſen beſorgt und ihren Vater gepflegt. Die Kirchenbeſuche waren ihre einzigen Ausgänge. Jetzt muß ſie das väterliche Haus verlaſſen und weiß nicht, wohin. Wären Sie nicht geneigt, die Arme zu ſich zu nehmen? Ich bin überzeugt, ſie würde Ihnen den Haushalt aufs beſte verſehen, und Sie hätten doch jemand um ſich, der Ihren Sohn geliebt hat und noch liebt.

(Aus Welzers Briefen:)Was Philippine betrifft, ſo geben Sie ihr die beikommende Summe. Sie ſollen alle Vierteljahr den⸗ ſelben Betrag für ſie haben. Damit wird ſie leben können, ohne einen Dienſt zu ſuchen. Dienen ſoll die Braut meines Leopolds nicht. Sagen Sie ihr aber nicht, von wem das Geld kommt. Er⸗ finden Sie etwas. Ich mache es Ihnen zur Pflicht. Sparen Sie auch nicht, wenn Sie irgend was thun können, um meinem Er⸗ mordeten ſein Recht zu verſchaffen an dem Blutmenſchen. Sehen kann ich das Mädchen nicht und wenn ſie ein Engel vom Himmel wäre.

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Denke ich, ſie könnten ihn frei ſprechen, ſo ſchnürt es mir die Stirn zuſammen, daß mir der Kopf zerſpringen will. Ich fürchte mich davor, als müſſe ich alle die Schrecken noch einmal erleben. Aber Sie meinen ja, er werde verurtheilt werden. Gott weiß, ich freue mich nicht darauf, und doch iſt es mir wie die Ausſicht auf eine Erlöſung.

Alſo zum Tode verurtheilt! War je in der Welt ein Urtheil gerecht, ſo iſt es dieſes. Tauſend, tauſend Dank für die Nachricht. Ich hätte es in einer Welt nicht ausgehalten, wo der Mörder meines einzigen geliebten Sohnes noch gelebt hätte. Schreiben Sie mir ſogleich, wenn das Urtheil vollzogen iſt. Dann kann ich doch ruhig ſterben. Mit dem Leben bin ich ohnehin fertig. Es hat nichts mehr für mich. Ich werde es tragen, ſo lange ich muß, und ich werde es tragen können, wenn die Blutſchuld ausgetilgt iſt.

Was? Geht man ſo mit der Gerechtigkeit um? Iſt ein Richterſpruch denn nur ein Kinderſpiel? zu 15 Jahren Gefängniß begnadigt? Können 15 Jahre Gefängniß das Blut abwaſchen, das der Mörder vergoſſen hat? Gnade? Alles, was Sie darüber ſchreiben, iſt Thorheit. Der Mörder hat nicht geſtanden, nicht bereut, er iſt bis heute verſtockt. Ja, ich weiß es, wir haben alle Gnade nöthig, das brauchen Sie mir nicht zu ſagen. Aber wiſſen Sie auch wohl, daß ſogar Gott dem keine Gnade gibt, der nicht bereuet, der nicht einmal ſeine Sünde geſteht? Wenn der Menſch gnädiger ſein will, als Gott, ſo tritt er die Gerechtigkeit mit Füßen. Es darf nicht dabei bleiben. Setzen Sie Himmel und Erde in Bewegung, daß die Be⸗ gnadigung zurückgenommen wird. Schonen Sie kein Geld! Ich unterſchreibe alles.

Ja, wer die Sache ſo kalt und verſtändig anſehen kann, wie Sie, der mag Ihnen Recht geben. Auch mögen Sie darin Recht haben, daß es nun nicht mehr zu ändern iſt, und ich muß den Bann, der über mir liegt, tragen, bis er mich zuſammendrückt. Aber ver⸗ klucht ſei eine Welt, in welcher mein lieber, guter, unſchuldiger Sohn ſo ſcheußlich hingemordet werden konnte und der freche Mörder nach 15 Jahren frei über ſein Grab hinlaufen kann. Sie können nichts mehr thun? Ich glaube es Ihnen. Sie ſind ein recht⸗ ſchaffener Mann. Ob ich noch was thun kann, darauf muß ich ſinnen. Zu ſchreiben habe ich jetzt nichts mehr. Fordern Sie das Geld für Philippine zur rechten Zeit von mir ab. Ich könnte es vergeſſen. Ich kann an nichts mehr denken, als an das Eine.

So ſchloß der Briefwechſel, und Welzer verſank ſeitdem immer mehr in düſtere Theilnahmloſigkeit nach außen. Eins darf jedoch nicht unerwähnt bleiben. Nachdem Keil in die Strafanſtalt abgeführt worden war, fand eine Verſteigerung ſeiner Habſeligkeiten ſtatt, und einer von Welzers Knechten, der zu Leopold eine beſondere Zuneigung gehabt hatte, glaubte derſelben, nach Art dieſer Leute, nicht beſſer genugthun zu können, als indem er die Büchſe, mit welcher die That verübt worden war, zum Andenken kaufte. Welzer erfuhr dies, und es verſetzte ihn noch einmal in große Aufregung. Unerträglich war ihm der Gedanke, daß dies Gewehr von einem andern als Merk⸗ würdigkeit aufbewahrt werde. Er tauſchte es gegen ſeine beſte Jagd⸗ flinte von dem Knechte ein und hatte anfangs die Abſicht, es zu zer⸗ ſtören, da er jedoch nicht wußte, wie er dies mit dem Rohre bewerk⸗ ſtelligen ſolle, brachte er es auf eine Bodenkammer zu anderem alten Hausrath und ſchloß es dort ein.

Von nun an wurde ſein Zuſtand immer trauriger, und ſeinen Leuten fiel es vornehmlich auf, daß von ſeiner früheren Heftigkeit, die ſich ſo oft in jähzornigen Aufwallungen Luft gemacht, keine Spur zurückgeblieben zu ſein ſchien. Unordnungen und Verſäumniſſe be⸗ achtete er nicht mehr, und höchſtens ſchüttelte er dabei ſchweigend den Kopf. Anderen Menſchen war er unzugänglich, und der Betrieb der Wirthſchaft, ſowie der Verkauf ihrer Erzeugniſſe lag lediglich in der Hand des Großknechts, der zum Glück ein treuer und gewiſſenhafter Menſch war. Einige Male verſuchte es der Pfarrer, zu ihm zu dringen und mit ihm zu reden. Welzer hatte nur einmal in den erſten Jahren ſeiner Ehe lebhaftere religiöſe Anregungen gehabt. Seine Frau hatte darin günſtig auf ihn gewirkt. Später und ins⸗ beſondere nach deren Tode war er der Kirche immer entfremdeter ge⸗ worden, ohne doch geradezu in Unglauben zu verfallen. Jetzt hörte er den wohlgemeinten Ermahnungen des braven Geiſtlichen kalt und finſter zu, ſchüttelte den Kopf und ſagte nur:Es iſt nichts mehr zu ändern.

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