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ſich niederbeugte, um ihr die blühende Wange zu küſſen, wie er ſonſt oft gethan, da wendete die Wittwe ihr rundes Köpfchen, und die Lippen beider begegneten ſich in einem heißen Kuß.
Darnach ließ der Mann das hochaufathmende Weib aus ſeinen Armen, drückte ihr die Hand und lief, ohne ein Wort zu ſagen, hin⸗ aus, draußen aber ſtimmte er mit wahrer Donnerſtimme ein altes Soldatenlied an, machte einen rieſigen Satz über die Häckſelſchneide und rannte zum Hofthore hinaus.
„Na, aber iſt der Verwalter luſtig heut!“ ſagten die Mägde und ſchauten dem Davoneilenden lachend und neugierig nach.
Mit ganz anderen Gefühlen aber blickte ihm die Wittwe Lau— tenſpihl nach, der gingen die Augen über vor purer Rührung.
Am Abend erſt kam der Vetter wieder; er fand ſein Herzens⸗ Chriſtianichen lieber und freundlicher, als je, er las ihr auch wieder, wie ſonſt, ſeine Carmina vor, und er hatte deren einen ziemlichen Vor⸗ rath in letzter Zeit aufgeſtapelt; ſie waren begreiflicher Weiſe faſt alle, wie ein wohlconditionirter Haſenbraten mit Speck, dicht mit Complimenten für die hübſche Wittwe geſpickt und gefielen derſelben faſt noch mehr, als dem Dichter ſelbſt, was viel ſagen will. Sie drückte dem glückſeligen Poeten gar bewegt die Hand und rühmte ſehr anmuthig deſſen hohe Kunſt; ach, wie ſind die Frauen doch nachſich⸗ tig gegen die Verſe, welche ihnen zu Ehren erklingen!
So ging' denn mehrere Tage; jeden Morgen nahm ſich's die Wittwe feſt vor, dem Vetter ganz tapfer den Vorſchlag zur Heirath zu machen, und doch that ſie's kein Mal. Das junge Weib war wie⸗ der ſchüchtern, wie ein Mädchen geworden, ſeit es ſich von der neuen Liebe zu dem Vetter ergriffen fühlte. Je länger das aber dauerte, deſto ſchüchterner wurde die Wittwe und deſto weniger wagte ſie von der Heirath zu reden; ſie hatte es ſchon ganz aufgegeben, ſelbſt davon anzufangen und wartete jetzt ſehnlichſt auf den Antrag von ſeiner Seite. Das wäre auch eigentlich ganz in der Ordnung geweſen, aber da hätte ſie lange warten können, denn der Vetter fühlte ſich erſtens zur Zeit viel zu glückſelig, als daß er nur von weitem an eine Veränderung hätte denken mögen, und dann würde der baum⸗ lange Geſell niemals den Muth gefunden haben, ſeine Werbung an⸗ zubringen, denn die Wittwe Lautenſpihl war ja eine reiche Beſitzerin und er ein armer Verwalter. In früheren Zeiten mochte er wohl daran gedacht haben, die Chriſtiane zu heirathen, ſchon lange aber hatte ihm dies Ziel unerreichbar gedünkt; Jahrelang war ſein Dich⸗ ten und Trachten nur darauf gerichtet geweſen, ſie mit dem Feld⸗ webel Theerbuſch zuſammenzubringen; es kam ihm nicht ein Mal der Gedanke, daß er jetzt der Mann ſei, der Chriſtiane aus der Witt⸗ wenſchaft zu erlöſen beruſen ſei, und er ſah in ihrer Zärtlichkeit für ihn nichts, als großmüthige Freundſchaft und pure Güte.
Wer weiß, wie lange ſich dieſe beiden armen, verliebten Seelen noch ſo mit einander herumgezogen hätten, wenn ihnen nicht ein Mächtigerer zu Hilfe gekommen wäre! kein Geringerer in der That kam ihnen zu Hilfe, als der König von Preußen.
Im Frühjahr nämlich, als der König zum Kriege gegen Oeſterreich rüſten ließ, wurde plötzlich auch der lange Verwalter vom neuen Hof zur Gardelandwehr nach Magdeburg einberufen, und auch Ludolf Käsmark eilte ſofort zu ſeiner Fahne, obwohl ſeine Stimmung dazumal nichts weniger als kriegeriſch, ſondern gerade höchſt liebevoll und zärtlich war.
Die königliche Einberufungsordre war aber für ihn in dop⸗ pelter Beziehung ein großes Glück, denn erſtlich fand nun die Wittwe Lautenſpihl in der Aufregung der thränenreichen Abſchiedsſtunde doch den Muth, dem geliebten Manne zuzuflüſtern:„Wenn Du glücklich heimkehrſt, Ludolf, wollen wir ein Paar werden!“ und dann wurde dem ſchon beginnenden übeln Gerede über ihn und ſeine Wittwe ein Ende geſetzt. Die Mägde hatten nänllich ſchon ſeit einiger Zeit ein ſcharfes Auge auf die Liebenden gehabt, es waren zärtliche Worte belauſcht und weitergetragen worden, man hatte Bemerkungen dazu gemacht, die eben nicht von beſonderer Zartheit zeugten, und Fräulein Editha Reinecke, die Schweſter des Oberamtmanns Reinecke auf Rotis, eine kleine runde Perſon und fett wie eine Wachtel, hatte als ehemalige Schulfreundin Chriſtianens dieſer ſchon allerlei warnende Vorſtellungen, wenn auch noch in ziemlich verblümter Weiſe, zu machen gewagt.
All dieſes Gerede wurde jetzt durch die offene Erklärung der Wittwe niedergeſchlagen, daß ſie ſich ihrem Vetter verlobt habe und nach dem Kriege mit ihm vor den Altar treten werde. Geredet wurde
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über dieſen Entſchluß begreiflicher Weiſe auch mehr als grade noth⸗ wendig war in Quedlinburg und Umgegend,— da aber doch keiner was dagegen haben konnte und überdem der Krieg die Aufmerkſam⸗ keit aller mächtig in Anſpruch nahm, ſo ward es bald ſtill über dieſen Punkt.
Und ſtill ſaß die Wittwe Lautenſpihl mit ihrem Herzen voll Sehnſucht auf dem alten Hof; noch fleißiger als ſonſt las ſie in ihrer kleinen zerleſenen Bibel, und wie eifrig ſie für den Liebſten in der Ferne betete, brauchen wir nicht zu ſagen; ebenſo wenig, wie glück⸗ ſelig ſie war, wenn ihr ein Feldpoſtbrief ins Haus lief, der faſt immer reimweiſe abgefaßt war. Wir wollen hier nur bemerken, daß der Unterofficier Ludolf Käsmark immer am beſten verproviantirt war im ganzen Gardelandwehrbataillon Magdeburg, was dann mehreren Kameraden auch mit zu Gut kam. Sonſt hatte der lange Verwalter vom neuen Hofe keine beſondere Gelegenheit gefunden, ſich auszuzeich⸗ nen, er pflückte perſönlich in dieſem Feldzuge keine Lorberen, aber er that als ein wackerer Mann überall ſeine Schuldigkeit in Sachſen wie in Böhmen.
Im Auguſt, als der Friede ſchon feſtſtand, war die Wittwe Lautenſpihl eines Sonnabends zum Markt nach Quedlinburg ge⸗ fahren: ſie war gar luſtig und guter Dinge und dachte im Herzen ſehnſüchtig der Hochzeit, die gar keinen Aufſchub mehr erleiden ſollte, ſobald der Vetter von der Fahne entlaſſen; da begegnete ihr, es war vor dem neuen, höchſt vornehmen Hotel Grobecker, ein Soldat vom ſiebenundzwanzigſten, der ſehr bleich ausſah und den rechten Arm in der Binde trug.
Die Wittwe hätte in dem ſtattlichen Krieger, der ſeine Ehren⸗ wunden mit nicht geringem Stolz trug, bald den kleinen Peters nicht wieder erkannt, obwohl ſie mit deſſen Schweſtern ſehr befreundet war.
Der ſtolze Siebenundzwanziger aber ſalutirte militäriſch, faßte mit ſoldatiſchem Anſtande die glückliche Hand der Wittwe mit ſeiner ebenfalls glücklich noch heilen Linken und ſagte ſcherzend:„Schöne Königin, ſchon ſeit etlichen Tagen habe ich Sie in Ihrer Reſidenz, im Palaſt des alten Hofes, aufſuchen und um Audienz bitten wollen, denn ich habe einen Gruß aus dem fernen Böhmerlande auszurichten.“
Chriſtiane, die ſofort an ihren baumlangen Gardelandwehrmann dachte, wurde ſehr roth, was der pfiffige Siebenundzwanziger gleich bemerkte, weshalb er denn auch lachend fortfuhr:„Ich ſoll Ihnen einen ſchönen Gruß ausrichten von dem Feldwebel Theerbuſch, welches hohen Auftrags ich mich hiermit gebührender Maaßen und in aller Form entledigt haben will!“
Peters ſcherzte, aber der Scherz verging ihm, denn er ſah, daß die Wittwe ſchneebleich wurde. Indeſſen Chriſtiane war ein ſtarkes Weib, ſie faßte ſich gleich wieder und ſagte mit einem etwas erzwun⸗ genen Lächeln:„Schönſten Dank für Gruß und Botſchaft, wie ſieht denn der Theerbuſch aus? und wo hat er denn geſteckt, daß man ſo lange Jahre auch gar nichts von ihm gehört hat?“
„So viel ich weiß,“ entgegnete der Siebenundzwanziger„hat der Feldwebel immer in Berlin geſtanden, hat Ihnen denn der Vetter nichts von ihm erzählt? Der hat ihn doch im letzten Winter noch in Berlin beſucht, und durch den Vetter hat der Feldwebel immer Nach⸗ richt von Ihnen gehabt, wie er mir ſagte.“
Die Wittwe Lautenſpihl mußte ſich mit Macht zuſammenneh⸗ men; es war ihr einen Augenblick zu Muth, als müſſe ſie auf der Stelle umſinken, aber das wackere Weib hielt ſich doch und fragte, wo— Peters bleſſirt worden ſei. Da gab's denn eine lange Er⸗ zählung, während welcher ſie ſich wieder leidlich zu faſſen vermochte.
Als ſie von dem Siebenundzwanziger Abſchied nahm, hatte der zwar etwas gemerkt, aber nicht viel und wußte überdem auch nicht recht, was er eigentlich bemerkt hatte.
Chriſtiane hielt ſich auch wacker auf der Heimfahrt, des Knechtes wegen, der die Roſſe lenkte, als ſie aber auf dem alten Hofe glücklich angekommen war, da lief ſie auf ihre Kammer, ſchloß die Thür vor⸗ ſichtig hinter ſich zu, warf ſich wie zum Tode erſchöpft auf ihr Bett, und ihr Schmerz brach in einen Strom von Thränen aus.
Sie weinte nicht um den Theerbuſch, ſie liebte jetzt den Vetter viel mehr, tauſend Mal mehr, als ſie jenen je geliebt, aber eben weil ſie ihn ſo liebte, drum war's ihr ſo ſchrecklich, daß der ſie nun Jahre lang ſo ſchrecklich belogen und betrogen haben ſollte. Sie hatte ihn ja eigentlich darum ſo gewaltig liebgewonnen, weil er ſo treu bei ihr ausgehalten und ihr beigeſtanden, den Theerbuſch wieder zu finden. Es war ihr gar zu weh, daß ſie dieſes Herz untreu erfinden
machen pollte lriſieme im vürde, nicht laſ Vürelang ibe Ein liebe grade viele Ta zurechtgemacht, ſondern beinah heißen Liebe zu Stich ins Herz, geblieben, aber das iſt doch kein So vergin einen Brief Lu⸗ freilich verſtand ſollte, denn der einer Kühnheit Glücklich ihr die Stadel wirkt, daß de Gegenwart au bekamen ſie v am nächſten S Mit groß Cyröane dem A g warten konnte Gedanken, un Bett, nachden geſchloſſen.„ auf den Fließe bethränte Antli viellecht, als blickwollte, da u zürnen, we liebende Herz ſ fertigen und ſ Und da Schuh hoch u der Hand und trat. Chriſtie licher und ſcht „Herzen dens⸗Chriſtian Da kam⸗ ich nicn de liebten Mann und zu küſſen nicht von Eu ihm nicht au dem Sieben hätte man's lügen und m dn 3 4 ng 3 enn ge gewuß ugen!“


