Samen ſuchen ein Unterkommen. Das Waſſer trägt die einen hin⸗ weg, andere ſegeln, von Flügeln oder Federkronen getragen, im Luft⸗ zuge weiter. Das Gevögel, welches durch die Büſche ſchlüpft, das Wild, welches, von den Feldern zurückkehrend, im Walde ſich von neuem häuslich einrichtet, ſelbſt der Menſch, welcher der Arbeit oder dem Vergnügen im Walde nachgeht,— ſie alle müſſen unbewußt helfen, die kleinen Samen weiter zu tragen. Mit Stacheln und Haken hängen dieſelben ſich feſt und werden anderwärts wieder abgeſtreift. Manche jener Samen gehen dabei wohl zu Grunde, hinreichend genug finden aber auch geeignete Stätten zum Keimen. Im nächſten Jahre werden dieſelben Arten kleiner Gewächſe hier wieder grünen und blühen.—
Die ausdauernden Kräuter legten unterirdiſche Knospen an, ſpeicherten in den Wurzelſtöcken Nahrungsvorräthe für ſie auf. Mit den abgeſtorbenen Blättern und den verwelkten Stengeln decken ſie ſich ſchließlich ſelbſt zu— ein Gärtner könnte es kaum beſſer be⸗ ſorgen..
Auch das geſammte kleine Gethier, das von den Blättern und Blüthen des Waldes während des Sommers zehrte und groß ward, wandert in die Winterquartiere, die meiſten hinein in den Boden. Du findeſt die ausgefreſſene Haſelnuß, den durchlöcherten Gallapfel am dürren Eichenblatt,— die Larven der kleinen Käfer und Gall⸗ mücken ſind in die Erde und in die Moosdecke geflüchtet und haben ſich daſelbſt eingepuppt. Auch die Baumborke mit ihren tiefen Ritzen muß Schlafkämmerchen abgeben. Dort liegen Eihäufchen von Spin⸗ nen und Schmetterlingen mit Geſpinnſt oder Filz überzogen. Dort hängen Puppen von Tagfaltern und Blattwespen hinter den Flechten⸗ büſcheln. Die Nacktſchnecken haben ſich verkrochen, die Gehäus⸗ ſchnecken ſind eben dabei, ihre Hausthür zu ſchließen. Sie ſchrumpfen auf den möglichſt kleinſten Raum ein und fertigen dann zum Schutz eine verſchließende Wand aus erhärtendem Schleim.
Die Laub- und Grasfröſche, Kröten und Salamander haben das Waſſer als Zuflucht aufgeſucht. Blindſchleichen, Nattern und Ottern beziehen die Winterlöcher unter den Gebüſchwurzeln und ſchmiegen ſich gern zu mehreren an einander. Im hohlen Baum richten ſich die Fledermäuſe zum langen Schlafe ein.
Was wackelt dort für ein ſonderbares Ding über den Weg? Ein Igel iſt's, der ſich im dichteſten Laube gewälzt hat. Hundert Blätter hat er mit ſeinen Stacheln aufgeſpießt, lange dürre Gras⸗
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halme ſchleppt er hintennach. Er trägt Bauſtoffe zuſammen, um ſein Winterlager zu fertigen. Mitten in dem wirren, großen Haufen, den er aufthürmt, wird er ſich ein ſauberes Kämmerchen einrichten und dann einſchlafen.
Ein heiteres Lied, von kräftiger Männerſtimme geſungen, klingt durch den Wald. Ein Wanderburſch ſchreitet den Fußpfad entlang dem Städtchen zu, das jenſeits des Berges liegt.
Was zieht nicht an der Seele des heimkehrenden Wanderers alles vorüber bei ſeinem Marſch durch die herbſtliche Waldung! Alle ſüßen Erinnerungen des Kinderfrühlings, alle Blumen des Sommers! Ja, es iſt wahr, zur Herbſtfriſche geſellt ſich gelegentlich wohl auch die Herbſtwehmuth, beſonders wenn die Nebel dicht und ſchwer auf der Landſchaft lagern und die großen Tropfen langſam von einem welken Blatte zum andern perlen. Das Sommerfeſt des Waldes iſt ja zu Ende. Wie am ſpäten Weihnachtsabend den ſchlaftrunkenen Kindern das neu erhaltene Spielzeug zuletzt aus den Händen dahinſinkt, ſo taumelt auch im Herbſtwalde ſchließlich alles zur Erde: Blätter und Halme. Aber Vater und Mutter wachen ja über den träumenden Schläfern,— ſie werden ſchon aufräumen!
Frühling war es, als der Wanderburſch einſt vom Elternhauſe im Städtchen drüben davonzog. Wie das junge Grün damals aus den ſich öffnenden Knospen hervorquoll, ſo ſproßten zahlloſe Hoff⸗ nungen, Wünſche und Pläne aus überſtrömender Jünglingskraft. Ein langer Sommer iſt an ihm vorübergegangen. Er ſieht die welken Blätter vor ſeinen Füßen zur Erde taumeln,— auch viele ſeiner Träume und Hoffnungen ſanken dahin, aber er hat erkennen gelernt, daß jedes fallende Blatt zuvor eine Knospe zu einem neuen Zweige erzeugt hat und daß auch von dieſen nicht jede ein Fruchtauge ſein kann. Die Winterknospen der Bäume ſind gepanzert mit der⸗ ben Schuppen, bereit zum Kampfe mit Wind und Wetter. Der Herbſtwald erſcheint ihm als ein gewappnetes Heer kräftiger Männer.
Der blumenſpendende Lenz trieb nach außen, der Sommer ſchürte die Luſt zu heller Lohe,— der Herbſt führt zurück von außen nach innen. Unverdroſſener Wanderburſch! Das Vaterhaus wird dich erwarten und aufnehmen; dort ſproßt, grünt und blüht es weiter
in Geiſt und Gemüth, was das helle Sommerleben draußen dir
ſpendete! Glückſelige Heimkehr!
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Meine kleine Hausapotheke.
Von Dr. Dyrenfurth.
In der bei weitem größten Mehrzahl der Krankheitsfälle bildet der Arzt die zweite Inſtanz, welche angerufen wird, nachdem der Proceß in der erſten verloren worden. Verhältnißmäßig ſelten er⸗ blickt der Arzt eine Krankheit friſch und unverfälſcht, wie ſie aus der Hand der Natur kommt; meiſtens haben ſchon ſo und ſo viel geeig⸗ nete und ungeeignete Hausmittel an ihr herumgepfuſcht, und erſt, wenn dieſe die erwartete Hilfe verſagt haben, oft wenn der Tod ſchon auf der Zunge ſitzt, heißt es: rette, Doctor! Wie häufig tritt nun aber der Fall ein, daß, um mit dem begonnenen Rechtsgleichniß zu ſchließen, mittler⸗ weile die Appellationsfriſt verſtrichen und die Partei, die ſich zu lange auf Winkelconſulenten verlaſſen, unwiderruflich in die Koſten — an Leben und Geſundheit!— verurtheilt iſt!
Nicht möglich!— höre ich einwenden— was kann es Harm⸗ loſeres, Unſchuldigeres geben, als ein Hausmittel? Hirſchtalg, Roſen⸗ ſalbe, Mückenfett und Birkenthee— was ſteckt denn für ein gefähr⸗ liches Gift in dieſen Sachen?— Und wie oft ſchon hat ein einfaches Hausmittel in ſchweren Krankheiten geholfen, wo der Doctor in ellen⸗ langen Receptensſeine ganze Kunſt vergebens erſchöpft hatte! Beſitzt doch ein jeder Strich, jedes Dorf gegen beſtimmte Krankheiten ſein beſtimmtes Heilmittel, deſſen Ruf ſich beharrlich durch Generationen fortpflanzt. Hier ſoll in fieberhaften Krankheiten die Lindenblüthe die Hitze lindern, da die eingeſchmierte braune Butter Anſchwellungen jeder Art, auch Halsentzündung und Bräune zertheilen, dort ein auf⸗ gelegter Kuhfladen geheimnißvolle Kräfte bei Eiterungen entwickeln, abgeſehen von anderen, noch ekelhafteren Stoffen, welchen bei Wunden, Verbrennungen und Geſchwüren ein unfehlbarer Erfolg zugeſchrieben wird. Vielen vertritt als erſte Hilfe der Aberglaube— denn der
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und die Quackſalberei ſind ja leibliche Geſchwiſter— die Stelle des Hausmittels, und nicht immer der ungebildetſte Theil des Volkes ſetzt ein unerſchütterliches Vertrauen auf allerlei Sympathieen und ſon⸗ ſtigen Hokuspokus. Hat ſich von meinen Leſerinnen noch keine ein Leberbein, eine Warze, das Fieber oder die Roſe verſprechen laſſen?—
„Hilft's nicht, ſo ſchadet's auch nicht,“ lautet die ſolchen Unſinn beſchönigende Redensart, die aber auf einem ſehr großen Irrthum beruht. Denn einerlei, ob wir die Hände müßig in den Schoß legen, oder nicht helfende Mittel anwenden— in gefährlichen Fällen ſteigern wir durch Verſäumen der rechten Hilfe die Gefahr. Und ſind denn die gang und gäben Volksmittel, wenn wir ſie bei Lichte be⸗ trachten, immer ſo unſchädlich? Mit vielen, ich will ſie nicht nennen, wird ein heilloſer Mißbrauch getrieben. Aber ſelbſt ein an ſich ganz unſchuldiges, unter Umſtänden wohl recht brauchbares Mittel kann, am unrechten Ort und zur unrechten Zeit angewandt, das größte Unheil ſtiften. Gar manchem, der am eingeklemmten Bruch litt, hat das Vertrauen auf warme Brettchen, Steine oder Salben, mit denen der ſchmerzhafte Unterleib gemaßregelt wurde, den Tod gebracht, während ein einziger, aber rechtzeitiger glücklicher Handgriff des Arztes ſein Leben hätte erhalten können.— Die Mohnmilch erfreut ſich eines nicht ſeltenen Gebrauchs in der Kinderſtube, ſie ſteht in dem Ruf, den kleinen Schreihälſen Ruhe und Schlaf zu ſchenken, wie ſie denn, vermöge des im Mohn enthaltenen Opiums, ſchon ſo manches Kind in die ewige Ruhe befördert hat!— Für entzündete Augen der Neugebornen rühmt der Volksmund das Auflegen rohen Rind⸗ fleiſches, und wenn auch hundert unglückliche Kinder fürs ganze Leben ihr Augenlicht verloren haben— das rohe Rindfleiſch wird bei
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Geſſelle, der Jung
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heſteten Atmoſphäre treiben, und fördert dem Gehirn, woran Die Hausmit
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Qoſe Lorhaben, den Leſ
vorzuführen, für
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