Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
78
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ters wie viele traurige Andenken an dahingeſchiedene Kinder... dieſes Königs o beſiegt!... heimatlos!... auf fremder Erde inriitten ſeiner tapferen Landeskinder, beſiegt, heimatlos wie er!...

Es iſt mir faſt zur Pflicht geworden, dieſe Zeilen zu ſchreiben, da, wie der Leſer weiß, ich in letzter Zeit vielfach Gelegenheit hatte, die Meinungen hochgeſtellter Perſönlichkeiten über den denkwürdigen Feldzug des Jahres 1866 zu hören und von allen, beſonders aber vom General Moltke, die größte Hochachtung dem ſächſiſchen Heere gezollt wurde. Wenn ich mich recht entſinne, waren ſeine Worte folgende:

Daß die Sachſen ſich überall und beſonders bei Prob⸗ lus außerordentlich geſchlagen haben, das wiſſen Sie, auch daß ſie die einzigen waren, die in der großen Entſcheidungsſchlacht nicht von dem paniſchen Schrecken ergriffen wurden, der die Niederlage der Oeſterreicher in wilde Flucht verwandelte. Eine geſchlagene Armee, die, dem Unvermeidlichen ſich fügend, ruhig und geordnet das Schlacht⸗ feld verläßt, kann ſich dem Sieger faſt ebenbürtig zur Seite ſtellen, und wolle Gott, daß dies geſchehe... und bald!

Ein anderer höherer, im letzten Feldzuge vielgenannter Officier ſagte mir:

Die Sachſen, das war ganz etwas anderes; trefflich ge⸗ ſchult, ſich mit verzweifelter Tapferkeit wehrend, ſchien auch das Ver⸗ hältniß der Officiere zu den Soldaten ein ganz anderes zu ſein, wie bei den Oeſterreichern. Da lag Ordnung und Disciplin darin! das klappte ganz anders, wenn Sie dieſen Ausdruck beſſer ver⸗ ſtehen, und ich kann Ihnen die Verſicherung geben, daß ein jeder von uns dachte: Wie ſchade, daß dieſe Armee, die der unſeren ſo nahe verwandt iſt, uns gegenüber ſteht!

Dieſe Worte zweier Führer der ſiegreichen Armee, von denen der eine eine gewaltige Autorität in Kriegsſachen iſt, ſind ein Zeug⸗

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niß, die jede Sachſenbruſt mit Stolz erfüllen muß, und wenn jene Tapferen von Problus an den heimatlichen Herd einſt... bald zu⸗ rückkehren, dann mögen dieſe Worte der Sieger den Beſiegten als Trophäe dienen. Mögen die Parteien eifern, mag der zukünftige Geſchichtsſchreiber lind oder ſtreng die Politik des ſächſiſchen Hofes richten; es liegt im deutſchen Gemüthe, daß Unglück in ihm ſtets Sympathie hervorruft, und der greiſe Sachſenkönig hat ſich in allen deutſchen Gauen dieſe Sympathie durch ſeine Perſönlichkeit und durch die Trefflichkeit ſeiner Truppen in reichlichem Maße erworben.

Und für uns Schriftſteller, die wir Philalethes, den gekrönten Ueberſetzer des Dichterfürſten Dante, mit Stolz in unſeren Reihen zählen, haben jene heimatloſen Krieger mit dem ergreiſten Dichter in ihrer Mitte, der die Macht hat, mit einem Worte ſie zu dem ſo

lang erſehnten häuslichen Herd zurückzuführen für uns hat jenes

Heer eine faſt epiſche Bedeutung! Es hat in Deutſchland keine ein⸗ zige Feder gegeben, ſo ſchroff auch in den letzten Monaten die Par⸗ teien ſich einander gegenüberſtellten, die dem ſächſiſchen Heere nicht die ihm gebührende rühmliche Gerechtigkeit widerfahren ließ; keinen Schriftſteller, der gegen den unglücklichen König, der politiſch faſt allen entgegenſteht, ein kränkendes Wort geſchrieben hätte!

... Vielleicht, wenn dieſe Zeilen unter die Augen der Leſer kommen, iſt unſer, iſt ganz Sachſens heißer Wunſch ſchon erfüllt, vielleicht iſt Friede in Sachſen, vielleicht iſt das tapfere Heer ſchon in der Heimat!

Nun, dann mögen dieſe Zeilen ihnen als Gruß als:

Willkommen daheim!

dienen! Wir werden uns von ganzem Herzen mit ihnen freuen, und ganz Sachſen wird ihnen zujauchzen, ſeinen Söhnen und Brü⸗ dern, den Tapferen von Problus! M.

Am Jamilientiſche.

Das Menagerieſchiff. V. Die muſikaliſche Auguſte.)

Wenn der geneigte Leſer etwa der Anſicht iſt, daß ich ihm hier die Lebens⸗ beſchteibuns irgend eines verkannten weiblichen Genies geben will, ſo irrt er ſich.

Ebenſowenig wie derKapellmeiſter ein Orcheſter dirigirte, ebenſowenig war diemuſikaliſche Auguſte eine wirkliche Auguſte, ſondern eine Gans, zwar muſikaliſch und von ausgezeichnetem Charakter, wenn auch in anderer Art wie der Kapellmeiſter, aber trotzdem eine Gans.

Wir machten die Bekanntſchaft dieſes edlen Thieres im Jahre 1861 an der Küſte von China, im gelben Meere, das wohl nur ſeinen Namen daher er⸗ halten hat, weil es nicht gelb iſt lucus a non lucendo.

Wir lagen mehrere Monate mit unſern Schiffen in der Nähe von Tſchifu, bei der Verzweiflungsinſel, vor Anker, während die Geſandtſchaft in Peking weilte und die handelspolitiſche Oeffnung des himmliſchen Reiches für den Zollverein anſtrebte. Dieſe Inſel wird der orientirungsſüchtige Leſer zwar vergeblich auf der Karte ſuchen, allein ſie verdient den ihr in feier⸗ lichſter Weiſe von uns zuerkannten Namen mit vollem Rechte, darauf darf man ſich verlaſſen.

Man denke ſich eine Inſel von etwa 1000 Morgen Größe, mit dem ſchönſten knietiefen Sande bedeckt, auf der nicht einmal ein Grashalm Schat⸗ ten warf, bei 280 Reaumür acht Wochen lang als die einzige Erholung von 500 civiliſirten Menſchen. Zwar wurde ein Zelteaſino errichtet, in dem man für 22 ½ Sgr. eine Flaſche aus Tſchifu beſchafften lauwarmen Bieres trinken und dabei unentgeltlich Schwitzbäder nehmen konnte; ja ein genialer Kopf ſchlug ſogar Ballſpiel vor; aber die Melancholie zeigte ſich täglich in ſchwärzerer Geſtalt, und ſelbſt der Auſternfelſen, von dem man ſich anfänglich ſo viel verſprach, fand täglich weniger Beſucher. Dieſer Felſen lag etwa zweihundert Schritte vom Ufer, kam mit der Ebbe trocken und war ganz mit Auſtern bedeckt. Man ſchwamm dort hin, ließ ſich häuslich auf ihm nieder und löſte die Auſtern mit Hammer und Meißel ab, um ſie im Naturzuſtande nach beiden Seiten hin zu genießen. Doch die Auſtern rächten ſich mit ihren ſcharfen Kanten, und der Felſen vereinſamte allmählich.

Das einzige, was die Geiſter in dieſer Einöde noch etwas aufrecht er⸗ hielt, war die Muſik der Arcona, die Abends nach Sonnenuntergang ſpielte und deren Klänge die nahende Verzweiflung verbannten.

Eines Abends bemerkten wir während des Spiels eine große Schar wilder Gänſe, welche über das Schiff fort landwärts zogen. Plötzlich löſte ſich eine von der Schar ab, ließ ſich in der Nähe der Arcona auf das Waſſer nieder, ſchwamm langſam umher und fiel uns namentlich dadurch auf, daß ſie höchſt eigenthümliche Wendungen mit ihrem Halſe machte und dabei öfters einen quäkenden Ton vernehmen ließ. Als die Muſik aufhörte, quäkte ſie

*) Siehe No. 4 Seite 63.

noch zwei bis drei Mal, als ob ſie da capo hätte rufen wollen. Leider ver⸗ ſtanden wir jedoch damals die Sprache des ausgezeichneten Thieres noch nicht, und die Muſik pauſirte deshalb fort. Die Gans erhob ſich ſcheinbar enttäuſcht in die Lüfte und folgte ihren entſchwundenen Gefährtinnen nach.

Am andern Abend wiederholte ſich das Schauſpiel mit denſelben Neben⸗ umſtänden. Nun begann das Spiel auf das da capo der befiederten Zu⸗ hörerin aufs neue und ſiehe da ſie blieb ſitzen, bis die Muſik wieder auf⸗ hörte. Man ſah ihr aa, wie entzückt ſie über die Klänge war und alles andere zu vergeſſen ſchien. Als wenigſtens einige Tage darauf zufällig ein Boot in ihrer unmittelbaren Nähe vorüberfuhr, nahm ſie nicht die geringſte Notiz da⸗ von, ſondern drehte den Hals und quäkte unbefangen weiter.

Dieſe Wahrnehmung führte zu der Idee, die muſikaliſche Gans während ihrer Verzückung zu fangen, und die Ausführung fand auch gar keine Hinder⸗ niſſe. Das Thier ließ ſich ruhig greifen und an Bord bringen. Ein zeit⸗ weiſes, aber durchaus ſauftmüthiges Quäk, Quäk entrang ſich ihrem gefühl⸗ vollen Buſen, aber als ſie mit gebundenen Flügeln auf das Deck geſetzt wurde, verrieth ſie durchaus keine Wildheit oder Unbehagen. Sie freute ſich offenbar nur, den bezaubernden Tönen näher zu ſein, und ſobald dieſe wieder erklangen, watſchelte ſie auf das Hinterdeck, wo die Spielleute waren, und lauſchte.

Es war für uns ein ebenſo komiſcher als wunderbarer Anblick, das Thier in dieſer Situation zu ſehen, und natürlich wurde es bald der Held des Ge⸗ ſchwaders. Jedes an Bord befindliche Thier erhält ſeinen Namen und durch Stimmenmehrheit wurde die Gans Auguſte getauft. Sie wurde bald ganz zahm, fraß aus der Hand und ließ ſich von Jedermann anfaſſen und ſtreicheln. Nur wenn die Muſik ſpielte, ließ ſie ſich nicht halten, dann lief ſie auf das Hinterdeck und ſchenkte den Tönen ihre ungetheilte Aufmerkſamkeit.

Bei Rückkunft der Arcona wurde das merkwürdige Thier dem zoologiſchen Garten in Berlin überwieſen. Die muſikaliſche Auguſte lebte noch vor einem Jahre ſchade, daß ſie in ihrer neuen Heimat ſo wenig Gelegenheit hat, ihr zartfühlendes Herz an harmoniſchen Accorden zu erfreuen. R. Werner.

Fiſchſtudien. III.*)

Die Weichfiſche im Müritzſee und ihr Feind, der Cormoran.

Kein Land in Deutſchland hat nach Verhältniß ſeiner Größe ſo viele Seen, als Mecklenburg⸗Schwerin. Im Südoſten und in der Mitte des Lan⸗ des iſt keine Stadt, ja faſt kein Dorf und Hof ohne einen größeren oder klei⸗ neren See. Abgeſehen von dem Einfluß dieſer Gewäſſer auf die romantiſche Lage vieler Gegenden und von ihrem anderweitigen Nutzen, enthalten die⸗ ſelben einen großen Reichthum der wohlſchmeckendſten Fiſche. Die zahlreichſten und edelſten Zünfte und Sippſchaften der ſogenannten Weichfiſche, von denen die Zünfte der Karpfen und Brachſen den Typus der Fiſche vorzugsweiſe an

ſich tragen, ſind nicht blos für Mecklenburg, ſondern für ganz Deutſchland in

der Müritz vertreten. Dieſer Reichthum und dieſe Schönheit haben in der

*) Siehe Daheim, Jahrgang II. S. 388, 491.

nämlich einen regel in einer Entfernung weiter; einige tau

Tiefe vor ſich hin

blindlings fortſchwi dem Waſſer aufßs La die Cormorane in M ergiebige Jagdrevier ſie im lo. und 16. Jc Hern von Werle und jung eingefangen, g nerei in Süddeutſcht

und ihre Pflege hatt

Ei

Wer ſollte es, mittelbarer Nähe de tigem Charakter vor ſcheinen, und Cultur laſſen. Und doch iſt Landſtrich, wucher hat, und durch ſene ſtellt; es iſt die une ſächlichſten Bedarf Landſchaft zuerſt et kennen zu lernen,

Im Norden b ununterbrochener S Zehdenicküber Lieben Rathenor nach Hav von ihr unſchloſſene früher ein großer S nd, uanenlih un Dranienburg nach g. ßen Drſaßa 1 und Windungen da durchſloſſene Waſſe hat ſich wohl das gebildet, in welche und in jahrhunde

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