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Der Prinz dreht ſich um, ein kurzer Ausruf— Erſtaunen oder Mißmuth bezeichnend— entfährt ſeinen Lippen; doch ehe Charles noch ein Wort geſprochen, hat ihn der Greis zurückgeſchoben und iſt in das Cabinet getreten.— Der Prinz wendet ſich ganz um, macht ſeinem Leibkammerdiener ein Zeichen mit der Hand,— dieſer ver⸗ läßt das Gemach, und der Eindringling befindet ſich mit dem Ex⸗ Präſidenten allein.
„Ich mache... und vielleicht zum letzten Male... von dem Rechte Gebrauch, das Sie mir eingeräumt haben, Prinz,“ ſagt er mit einer Stimme, in der eine große Aufregung ſich mit Gewalt zu verbergen ſucht,„zu jeder Stunde bei Ihnen vorgelaſſen zu werden...“
„Und da Sie mir zu jeder Stunde willkommen ſind,“ unter⸗ bricht der Prinz,„ſo bin ich Ihnen Dank ſchuldig, jedesmal wenn ich Sie ſehe!“
Der Greis ſucht nach Worten, er ſieht ſich ſcheu im Cabi⸗ nette um; endlich ſteht er auf und nähert ſich dem Prinzen; ſeine Stimme iſt vor innerer Bewegung faſt unverſtändlich; ſeine Hand will ſich ihm entgegenſtrecken, doch eben ſo ſchnell zieht er ſie wieder zurück...
„Louis!“ ſagt er endlich,„Sie hätten mich doch wenigſtens ſollen arretiren laſſen!“—
„Sie, meinen verehrten Lehrer, Sie meinen älteſten, meinen beſten Freund!“ ruft der Prinz,„Sie, Veillard, der meinen Geiſt gebildet wie meine Mutter mein Herz, Sie, dem ich ſo viel ſchulde!...“
„Und zum Danke, entehren Sie mich!“ erwidert der andere mit feſter Stimme,„nicht Ihr Lehrer, nicht Ihr Freund,— nein! den Deputirten, der auf der äußerſten Linken ſitzt, den Mann, der ſchon
Republikaner war, ehe er denken konnte,— und der es ſein wird, ſo lange noch ein Hauch von Leben in ihm iſt,— den hätten Sie arretiren laſſen ſollen, Prinz, er hätte Ihnen gedankt,— und
würde nicht, um ſeine Ehre zu retten, gezwungen ſein, morgen ſein ſiebzigjähriges Haupt auf der Barrikade zu zeigen und das verrathene Volk zu begeiſtern zum Bürgerkriege,... zum Widerſtande, zur Vergeltung, zur Rache gegen... gegen Sie, Louis, meinen Zögling ... faſt mein Kind!...
Der alte Mann iſt auf einen Stuhl geſunken und hat ſein Geſicht in den Händen verborgen;... der Prinz ſteht vor ihm,— ſein Blick iſt gut, liebevoll und freundlich.—„Mein armer Veillard,“ ſagt er,„mein armer Freund!... wollen Sie, können Sie in dieſem Augenblicke mir ruhig zuhören? Daß Sie leiden, weiß, fühle ich; aber ich hoffe, Ihren ſcharfen Verſtand, Ihren klaren Geiſt voll⸗ ſtändig zu beruhigen! Wenn Sie dieſes Zimmer verlaſſen, ſo hoffe ich, Sie werden es mit der Ueberzeugung thun, daß in dieſem herben Conflikte zwiſchen uns beiden ein jeder ſeine Pflicht erfüllt, ich, indem ich Frankreich rette, Sie, indem Sie vielleicht Ihr Leben Ihrer unerſchütterlichen Meinung zum Opfer bringen!“
Und Louis Napoleon ſetzt ſich ſeinem Lehrer gegenüber, zieht aus einem Kaſten ganze Packete von Papieren, zeigt einige derſelben dem Greiſe und ſagt:
„Eine ſociale Umwälzung, Sie felbſt haben es mir oft genug geſagt, kann nur durch eine ſtarke, mächtige Regierung ausgeführt werden; der Führer, der den Wagen einen ſteilen Abhang ſicher herunterleiten ſoll, muß die unumſchränkte Verfügung über den Hemmſchuh haben! Nur ein Diktator kann die zügelloſen Volks⸗ elemente bändigen! Sehen Sie! Hunderte von Beweiſen liegen in meiner Hand, daß die Umwälzung des nächſten Frühjahrs eine ſocialiſtiſche ſein würde! und die Häupter jener Partei haben voll⸗ ſtändig Recht, nur für eine ſocialiſtiſche Revolution taugt der Boden, den 21 Jahre Parlamentarismus aufgelockert haben! Leute wie Sie, Veillard, edle, hochherzige Charaktere, haben 1789 hervorgerufen; jedoch 1792 folgte ihnen auf dem Fuß. Die Häupter der Berg⸗ partei, die für 1852 vielleicht ſogar gute Abſichten haben, liegen vielleicht ſchon 1854 wie Camille Desmoulins auf dem Kirchhof des Hochgerichts zu Clamart. Der von der Höhe herabrollende Staats⸗ wagen wird die Führer wie damals mit zerſchmettertem Haupte längs der Heerſtraße liegen laſſen und wird mit den zügelloſen Roſſen dem gähnenden Abgrund zuſtürzen, und Frankreich wird verloren ſein, wenn nicht wie damals im letzten Augenblicke die kräftige Hand eines Diktators die Zügel ergreift und ſich auf den Sitz ſchwingt!“
„Zeigen Sie mir ein einziges Beiſpiel der Weltgeſchichte, das
mich eines anderen belehre, ich kenne keins! Ich will anders handeln wie Caeſar, Cromwell oder Bonaparte, ich will nicht warten, bis das Land am Abgrund ſteht, ich will nicht, daß Frankreich ſich ſelbſt durch einen furchtbaren Bürgerkrieg ſchwäche; im Augenblick, wo das Fuhrwerk die Räder in das Geleiſe ſetzt, das zum Abgrund führt, da ergreife ich die Zügel mit der einen, den Hemmſchuh mit der an⸗ dern Hand, und wenn Gott mir beiſteht, ſoll das ſtaunende Europa ein Frankreich aus meinen Händen hervortauchen ſehen, wie ein zweites nie geweſen!— Gehen Sie auf die Barrikade, Veillard, ich verdenke es Ihnen nicht; ich liebe Sie wie einen Vater, und wenn ich Sie verliere, werde ich wie um einen Vater trauern; aber mit dem tiefen, feſtgewurzelten Gedanken:„Ich rette Frankreich“ kennt mein Herz keine andern Affekte! Ich— Ihr Schüler, Ihr Freund, faſt Ihr Kind, Veillard— ich mache mir keine Illuſionen,—— das Blut, welches ſchon gefloſſen iſt und in Strömen noch fließen wird, befleckt die Pflaſterſteine in Folge deſſe, was man meinen Eid⸗ bruch nennen wird, ich weiß es ſehr wohl, die Köpfe, welche die Guillo⸗ tine in den düſtern Korb werfen wird, werden mit ihrem letzten Athem⸗ zuge noch den Eidbrüchigen verfluchen; Mütter, Gattinnen, Greiſe und Kinder werden ein Anathema über mich rufen, werden rache⸗
reich erretten!“
Der Prinz hält einen Augenblick inne.. Veillard ſtarrt düſter vor ſich hin.
„Oder,“ fährt jener fort,„hätte ich denn wirklich die Stroh⸗ puppe ſein ſollen, für die man mich gehalten hat, und nicht mit kräf⸗ tiger Hand das Steuer ergreifen, wenn das Schiff, vom reißenden Strudel erfaßt, Gefahr läuft, an den Felſen der Küſte zu zerſchellen? — Ja freilich! ich hätte es wie der General Cavaignac machen können! ſtreng die Formel, das Gewand des geleiſteten Eides be⸗ wahren und dennoch Diktator ſein! Doch das widerſteht mir!... Ich hätte auch ruhig dem Bürger Ledru⸗Rollin den Präſidentenſtuhl abtreten können und ein friedlicher Zuſchauer der Kataſtrophe ſein! Nein, Veillard, man nenne mich einen Eidbrüchigen, ich wiederhole es Ihnen zum zehnten Mal, dem die ſcrupulös rechtſchaffenen Menſchen den Rücken drehen werden, dem die Geſchichte jedoch einſt Gerechtigkeit widerfahren laſſen und ihn von dieſem Attentate freiſprechen wird, der...“
Veillard iſt aufgeſprungen, hat ſeine Hand ergriffen und mit haſtiger Stimme ruft er:„Und dann? wenn Frankreich gerettet.... was werden Sie dann thun?“
„Mein Schickſal liegt in den Händen der Franzoſen!“ erwidert der Prinz,„ich werde mich dem Ausſpruche der Nation fügen.“
„Und mit tiefem Bedauern die Kaiſerkrone annehmen,“ ergänzt Veillard bitter lächelnd,„v mein Gott! Lonuis, welch eine Rolle könnte Ihr Name in der Geſchichte ſpielen, wenn Sie wirklich Frankreich retteten und dann——“
„Wie Cincinnatus, zu meinem Pfluge zurückkehrte,“ unterbricht der Prinz lächelnd.„Wiſſen Sie, Veillard, welches die gefährlichſten Schwärmer ſind? die claſſiſchen! Sie ſchwärmen für Dinge, die heute ein Gräuel wären!.. doch, lieber Veillard,... Pardon!“
„Ich verſtehe, Monſeigneur,... ich verſtehe... der künftige Caeſar muß über ſeinen Triumphzug nachdenken, doch, wenn Sie mich auch einen claſſiſchen Schwärmer ſchelten, muß ich Ihnen ſagen, daß ich die Caeſaren vorziehe... ſie führten gefangene Könige vor ihrem Triumphwagen her... Sie jedoch, Monſeigneur, werden nur das Kapitol erſteigen, indem Sie„das gefeſſelte Fra nkreich“ ſich nachſchleppen,— adieu Monſeigneur, adieu!!!“
Herr Veillard hat das Cabinet verlaſſen und der Prinz ſieht
ihm lange, lange nach; dann kehrt er wieder an ſeinen Tiſch zurück und empfängt kurz nachher von General Roguet eine Anzahl Depeſchen,
welche ihm anzeigen, daß die Barrikaden ſich unaufhörlich vermehren,
daß das Volk anfängt, vom Kampfe wie berauſcht zu werden, daß
das Comité de résistance unermüdet wirkt, und daß die Truppen anfangen... ermüdet zu werden!
Des großen Kaiſers bleicher Neffe läßt ſeinen Kopf in die Hand
ſinken, bleibt einen Augenblick unbeweglich, dann tritt er ans Fenſter und ſtarrt zu dem klaren hellbeſternten Himmel auf. *X*
*. Es iſt Mittag, am vierten December!— ſeit dem vergangenen Abend haben ſich die Truppen, man möchte ſagen, ausgeruht; denn
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