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Lampuns und Meerkatzen, Hundsköpfige und andere. Ein ſehr großer, alter und griesgrämiger Lampun war der Polizeicommiſſarius. Er kletterte faſt gar nicht, ſondern ſah mit ſeinem dicken Hängebauch und Doppelkinn gewöhn⸗ lich unten auf dem ſtrohbedeckten Boden des Hauſes ſtillbrütend vor ſich hin. Doch dieſe Ruhe war nur ſcheinbar, denn er achtete ſehr auf Ordnung. So⸗ bald ſich, was ſehr häufig geſchah, das kleinere Volk in die Haare gerieth, war er wie ein Blitz dazwiſchen und theilte ſo energiſche Ohrfeigen aus, daß Mord⸗ und Zetergeſchrei entſtand und alles zitternd ſich an die Latten klammerte.
Als wir den„Kapellmeiſter“ zu dieſer Bande einſperrten, fand ſofort eine genaue Unterſuchung ſeiner Perſönlichkeit ſtatt. Die ganze Geſellſchaft gruppirte ſich um ihn in allen möglichen und unmöglichen Situationen und be⸗ gann das Examen. Nur der Polizeicommiſſarius nahm keine Notiz von dem Ankömmling. Affenbekanntſchaften beginnen ſtets mit einem oft ſehr im⸗ pertinenten Beriechen und Befühlen. Die Großen drängten ſich natürlich vor, ſo daß die Kleinen nichts von dem Fremden ſehen, ſondern ſich höchſtens mit den langen Armen oder Beinen durchdrängen konnten, um ihn zu fühlen und ihm bei dieſer Gelegenheit einen Büſchel Haare auszureißen. Der Kapell⸗ meiſter ließ ſich anfänglich alles gefallen. Als aber eine naſeweiſe Meerkatze ſich mit ihrer Schnauze der ſeinen ſehr näherte und ein kleiner Kobold ihm gleichzeitig hinten eine Hand voll Haare ausriß, hielt er den Augenblick für geeignet, ſich in den nöthigen Reſpect zu ſetzen und biß der Meerkatze ſo in die Naſe, daß das Blut gleich ſtromweiſe floß. Nun war aber der Teufel los. Wie die Furien ſiel die ganze Bande fauchend, ſchreiend und beißend über ihn her, und der Kapellmeiſter wäre ohne Gnade verloren geweſen, wenn nicht der Polizeicommiſſarius dazwiſchen gefahren wäre und Ruhe ge⸗ ſtiftet hätte. Er kam deshalb noch mit dem blauen Auge davon, ſah aber, daß hier unter ſo brutalem Pack ſeine feinere Bildung leiden würde und be⸗ ſchloß, die neue Wohnung bald zu verlaſſen. Als Abends der Thierwärter futterte, ſtand ich in der Nähe und beobachtete die Thiere. Ich bemerkte, daß der Kapellmeiſter ganz zuſammengekauert und ſcheinbar theilnahmlos an der Thür ſaß, während alle andern mit wilder Gier lüber das Futter herſtürzten. Anfangs glaubte ich, er habe wohl bei der Prügelei ſo viel gelitten, daß ihm der Appetit vergangen ſei, aber ich ſollte bald eines andern belehrt werden. Als der Wärter fort war und ich mich einen Augenblick umgedreht hatte, hörte ich plötzlich vom ganzen Chor jenes eigenthümliche kurze„Ho, ho, ho,“ durch welches die Affen Schrecken oder Staunen auszudrücken pflegen. Als ich um⸗ blickte, ſaß her Kapellmeiſter ſchon in den Wanten und lachte, etwa zehn Affen waren bekeits ebenfalls im Freien, und ich konnte nur durch ſchnelles Zu⸗ ſpringen die übrigen von dem Entwiſchen zurückhalten. Die Thür ſtand offen, der Kapellmeiſter hatte beobachtet, wie der Wärter die durch Pflock und Schlinge geſicherte Thüre geſchloſſen und nach ſeinem Fortgange ſich ſofort an die Oeffnung gemacht. Bei ſeiner außerordentlichen Geſchicklichkeit, mit der er ſich ſchon auf der Arcona ſtets aus allen Banden und Schlingen befreite, erreichte er ſehr ſchnell ſeinen Zweck und war wieder auf freien Füßen.
An Wiederbekommen war nicht zu denken, daran ſcheiterte ſelbſt mein Juan, ein kleiner Spanier, den ich für 10 Pfd. Sterl. auf Lanzarote ſeinem Vater abgekauft, und deſſen größtes Vergnügen es war, die entwiſchten Thiere wieder einzufangen. Bei der faſt an das Wunderbare grenzenden Behendig keit, welche dieſer Knabe beſaß, gelang ihm dies auch jedesmal und zwar ſchnell, aber dem Kapellmeiſter war er doch nicht gewachſen.
Daher beſchloß ich, ihn durch Hunger zu zwingen, ſeinen luftigen Aufent⸗ halt in den Toppen zu verlaſſen und an Deck ſich einfangen zu laſſen; aber alles war vergebens. Er war zu klug, um in die Falle zu gehen, und wußte ſich auf alle möglichen Arten Futter zu verſchaffen. Ging der Wärter mit Reis zum Elephanten, ſo ſaß er auf der Lauer, um wie ein Blitz auf den nichts ahnenden Kuhl herniederzufahren, ihn in den Haaren zu zauſen, dann deſſen Erſchrecken zu benutzen, um ein Paar Hände voll Reis zu ſtehlen und ihn aus dem nächſten Want mit gefüllten Backentaſchen höhnend auszulachen. Früchte und dergleichen durfte man nirgends aufbewahren, er ſtahl ſie alle; wenn die Kellner das Eſſen aus der Küche nach den Cajüten brachten, ließ er ſich plötzlich auf ſie niederfallen, raubte in unglaublicher Schnelligkeit Kar toffeln oder Fleiſch und war im Nu verſchwunden.
Ich ſah, auf dieſe Weiſe erreichte ich nichts und ließ ihm deshalb fortan Nahrung hinſtellen; denn wenn er uns durch ſeine Streiche auch bisweilen ſehr in Harniſch brachte, ſo wollte ich ihn doch nicht tödten, weil ich practiſche und energiſche Naturen, gehörten ſie auch einem Affen an, immer ſchätze.
Eines Nachmittags ſaß ich bei ſchönem Wetter allein mit einem Buche auf dem Hinterdeck und der Kapellmeiſter im Großtopp. Ich wußte mich von ihm beobachtet und that deshalb, als ob ich eifrig ins Leſen vertieft ſei. Bald ſtieg er leiſe die Wanten herab, aber immer nur wenige Stufen, um zu prüfen, ob er auch unbemerkt herunterkommen könne. Mir gegenüber, in etwa 12 Fuß Entfernung, befand ſich ein mit Trallen verſehener Hühnerſtall, deſſen Trog noch ziemlich mit geweichtem Brot gefüllt war. Dies war das Ziel, auf welches er losſteuerte. Ich hielt mich durchaus ruhig, und er rückte dis an den Trog vor. Als er die Hand nach dem Brote ausſtreckte, pickte ein Huhn nach ihm. Ich biß mir die Lippen blutig, um das Lachen über ſeine Grimaſſe zurückzuhalten. In derſelben ſprach ſich eine ſo unwiderſtehliche Komik und zugleich ein ſo drohender Ernſt aus, daß ſie den ärgſten Hypochon⸗ der eurirt hätte. So deutlich, als ob es geſprochen wäre, lag darin:„Du, nimm Dich in Acht, das nächſte Mal bekommſt Du Hiebe.“ Und ſo war es auch. Das unglückliche Huhn pickte wieder, aber der Kapellmeiſter hielt ſein
Wort. Wie ein Blitz fuhr die linke Hand durch die Trallen, ergriff den Hals
des Huhnes, holte den Kopf nach außen und maulſchellirte dieſen mit der Rechten mit ſolcher Schnelligkeit, daß dem armen Huhne Hören und Sehen verging. Ich dachte, ich ſollte mich überſchlagen vor Lachen, glaubte aber, da er mir im Eifer ganz den Rücken zugekehrt, den günſtigen Augenblick ge⸗ kommen, um ihn zu greifen. Ich ſtürzte auf ihn zu, faßte ihn auch, aber durch einen Biß in die Hand befreite er ſich augenblicklich, ſprang mit einem verzweifelten Satze über meine Schulter auf das Deck, lief aber nicht etwa gleich nach oben— nein, der infame Strick wollte ſich erſt an mir rächen. Meine beiden Cacadu ſtanden auf ihren Stöcken in der Sonne vor meiner Cajüte. Hierher wandte er ſeine Schritte ganz bedächtig; beide ſträubten bei ſeinem Herankommen Kamm und Federn, aber das beabſichtigte er gerade. Mit einer genialen Handbewegung riß er dem größten von ihnen den ganzen prachtvollen Federkamm aus und ſaß im Nu im Want. Während er mich angrinſte, ließ er Feder für Feder über Bord fliegen. Nun ſage mir einer
noch, das Thier habe keinen Verſtand gehabt. Ich war natürlich nicht in
der roſigſten Stimmung und dachte ſchon wirklich daran, den Unverbeſſer⸗ lichen zu erſchießen, aber noch an demſelben Nachmittage wurde ich mit ihm durch einen andern Streich ausgeſöhnt, deſſen Komik ſo groß war, daß mir und allen Zuſchauern vor Lachen die Thränen über die Backen liefen.
Einer der kleinen Lampuns war ſo ſehr zahm, daß er faſt ſtets in meiner Nähe blieb und mir wie ein Hund folgte. Natürlich bekam er alle möglichen Leckerbiſſen. Von Eiern ſind Affen ganz beſondere Freunde, und ſobald eins nicht recht friſch war, erhielt es mein kleiner Bobbi. Er ſteckte es ſofort in die Backentaſche unter der Unterkiefer, doch wenn es auch gut durch den Schlitz hineinging, ſo brachte er es nur mit größter Mühe wieder heraus, und ich amüſirte mich oft darüber, wie das kleine Thier mit dem verkehrten Händchen ſchob und ſchob, ohne zum Ziele zu gelangen.
Heute ſaß es in derſelben komiſchen Poſitur auf dem Gangſpill, während ich weiter las. Auf einmal hörte ich Bobbi ein furchtbares Geſchrei aus⸗ ſtoßen und ein Blick belehrte mich, daß der niederträchtige Kapellmeiſter ihn überfallen hatte. Schon wollte ich aufſpringen, um meinem Lieblinge zu Hilfe zu kommen, aber der ſich mir bietende Anblick bannte mich auf den Stuhl und ich mußte ſo lachen, wie ſelten in meinem Leben. Der Kapell⸗ meiſter hatte es auf das Ei abgeſehen; mit kühnem Griff faßte er Bobbi mit der Linken, während die Rechte das Ei in der Backentaſche umklammerte und zerdrückte. Das Eigelb lief dem armen Kleinen zum Maule heraus, und während er unter den eiſernen Händen des Kapellmeiſters wie im Schraub⸗ ſtocke ſaß und nur unarticulirte, durch das Ei halb erſtickte Klagelaute her⸗ vorbrachte, leckte dieſer ihm den hervorquellenden Inhalt des Eies in aller Gemüthsruhe vom Maule fort. Mit der Rechten drückte er die Backentaſche ſo lange, bis das letzte Tröpfchen herausgequetſcht war. Dann ſprang der Räuber mit einem Satze ins Want hinauf und lachte; der arme Bobbi wim⸗ merte aber kläglich und holte bekümmert die Eierſchalen aus der Taſche, um den übrig gebliebenen Reſt abzulecken.
Ein ſo außergewöhuͤlicher Charakter, wie der Kapellmeiſter, konnte auch nur ein außergewöhnliches Ende nehmen. Eines Abends bekamen wir eine heftige Gewitterböe. Sämmtliche Segel wurden gegeit und die oberen ſollten feſtgemacht werden. Der Regen goß in Strömen, und die ſchwarzen Gewitter⸗ wolken hatten die Dämmerung zur Nacht gemacht. Der Donner brüllte, die Blitze zuckten und auf den eiſenbeſchlagenen Spitzen der Ragen hüpften in grünlichem Lichte die Elmsfeuer, während der Phosphorſchein der Wellen dieſe wie ein Feuermeer erglänzen ließ. Der Kapellmeiſter ſaß in der Groß⸗ mars, als er, durch die Segelfeſtmacher aufgeſchreckt, auf die Bramraa ſprang. Als er ſich auch hier gefolgt ſah, kroch er ganz auf die Spitze hinaus. Plötz⸗ lich fährt ein Blitz hernieder, und ein Elmsfeuer flammt neben ihm auf. Ge⸗ blendet und erſchreckt ſpringt er empor und will die Braſſe erfaſſen, aber greift, fehl und ſtürzt 120 Fuß hoch hinab in die ſchäumende See.
Wir haben ihn nicht wieder geſehen, und er wird unfehlbar im Rachen eines Hais ſein Grab gefunden haben.
Aber wie er ſich auch verſündigt, bedauert haben wir ihn doch, und unſere Achtung hat er mit ſich genommen. Er war ein Affe, wie ihn die Welt nicht oft ſieht. Kapellmeiſter, ſanft ruhe Deine Aſche! R. Werner.
Auflöſung des Scherz⸗Rebus in No. 3.
Keine Ruh' bei Tag und Nacht, Nichts was mir Vergnügen macht, Schmale Koſt und wenig Geld, Das ertrage wem's gefällt.
Juhalt: Das Weib des Karaiten.(Fortſ.) Nov. von M. Ben Aron.— Aus vielen Meeren. V. Der Deutſche Pfarrer von Triſtan da Cunha. (Schluß.)— Ein Vormittag bei Vogel von Falckenſtein. Von unſerm Be⸗
richterſtatter, Verf. des Beſuchs bei Moltke.— Dichter und Bildhauer. Mit
Illuſtr.— Am Familientiſche.
Briefe und Sendungen ſind zu richten an die Redaction des Daheim in Leipzig, Poſtſtraße Nr. 17.
Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bieleſeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig
—, 1
Verlag der Vaheim-Expedition von Velhagen* Klaſing in Bieleſeld
2
und Berlin.— Druck von Liſcher* Wittig in Leipzig.
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