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Tochter halber leidet.“ Rahel.“
Die Kranke hatte die Worte ihres Neffen, beſonders die letzteren, in einer Art von Extaſe mitangehört... ſie faltete ihre Hände und ihr Blick war wieder der der„ſchönen Rahel,“ als ſie ihn gen Him⸗ mel erhob und wie in Begeiſterung flüſterte:...
„Gelobt ſei Dein Name in Ewigkeit!“...
„Und nun, mein Sohn,“ fügte ſie nach einer langen Pauſe hin⸗
So ſprach Reb Iſaak, Euer Bruder, Tante
zu,„jetzt, wo Du haſt gegeben Labung meiner armen trauernden Seele; jetzt erzähle Du mir, wie das ganze Unglück iſt geſcheh'n, da⸗ mit auch ich kann richten meinen Ruben...“
„Bitte, Rebecca,“ ſagt Johanna,„begleite mich ein wenig in den Garten; mein Kopf ſchmerzt, und da der Doctor da iſt, können wir ihm unſere liebe Kranke ſchon anvertrauen.“
(Fortſetzung folgt.)
Kus vielen Meeren.
Erinnerungen eines deutſchen Seeofficiers.
V. Der deutſche Pfarrer von Criſtan da Cunha.
(Schluß.)
Wir ſtießen den Alarmruf aus, Weiber und Kinder rannten aus den Hütten und flüchteten in die Felſen. Jetzt landete auch das zweite Boot des Amerikaners, und nunmehr degann eine Scene der Zerſtörung, welche den Grund legte zum Untergang von Triſtan da Cunha. Die Amerikaner, wahrſcheinlich unter demſelben Capitän, der vor drei Jahren zurückgeſchlagen worden war, bemächtigten ſich vor allem des aufgepflanzten kleinen Geſchützes, das ſie total zertrümmerten; dann drangen ſie in die Wohnungen, welche ſie förmlich plünderten, namentlich alle Waffen wegnahmen, und, was ſie nicht fortbringen konnten, zer⸗ ſchlugen oder beſudelten. Ihre elende Schandthat krönten die Un⸗ menſchen durch die empörendſte Mißhandlung des alten Glaß, der durch die Behauptung ſeiner Autorität das Handgemenge veranlaßt hatte; ſie knebelten ihn, banden ihn dann an einen Pfahl feſt, ſetzten ihm einen Hut von Papier auf, riſſen ihm alle Kleider vom Leibe und geißelten ihn mit Tauenden bis aufs Blut. Dann zogen die er⸗ bärmlichen Piraten von dannen unter Frohlocken über die wohlgelun⸗ gene Rache. Das Glück unſerer friedlichen Inſel war dahin; ſie hat ſich von dem Schlage nie wieder erholt. Als wir zurückkehrten, fanden wir den Vater Glaß halbtodt, unſere Wohnungen verwüſtet, einen großen Theil unſerer fahrenden Habe geraubt, vernichtet; das Entſetzlichſte war aber der Jammer zweier Mütter, deren Töchter, Mädchen von zwölf und vierzehn Jahren, fehlten; ſie waren jeden⸗ falls in den Hütten zurückgeblieben und von den Matroſen mitge⸗ ſchleppt worden; niemals hat man von den unglücklichen Kindern wieder gehört. Der alte Glaß erholte ſich nicht von dem ihm ange— thanen Schimpf, der ihn mehr in der Seele brannte, als ihm die körperliche Mißhandlung geſchadet hatte; er ſtarb bald darauf. An mir ſelber war es nun, die Leitung der Colonie in die Hand zu neh— men; aber es war keine rechte Luſt mehr unter den Anſiedlern; die meiſten ſehnten ſich ſchon heimlich hinweg von dieſem verlorenen Poſten an der Grenze der Menſchheit, welchen die britiſche Regierung, die doch ſonſt ihre Beſitzungen mit ſtraffer Hand feſthält, ganz aufge⸗ geben oder vergeſſen zu haben ſcheint. Ich organiſirte einen regel⸗ mäßigen Wachdienſt, wir richteten uns die große Höhle, deren Zu⸗ gang von einem Manne gegen die größte Ueberzahl vertheidigt werden kann, als regelmäßige Zufluchtsſtätte ein, die mit Waſſer und Pro⸗ viant auf Monate hinaus ſtets verſorgt iſt; ſobald ein Schiff in Sicht kommt, deſſen man nicht ganz ſicher iſt, wird der Hausrath da hinein geflüchtet, ſo daß nur das Unentbehrlichſte in den Wohnungen bleibt, während ſich etwa blos diejenigen Männer an der Landung zeigen, welche nicht abgeneigt ſind, eine Fahrt mitzumachen. Deren war immer noch eine erkleckliche Anzahl, denn es galt wieder zu gewinnen, was verloren worden war. Das Maß unſerer Leiden hatte ſich aber trotz aller Vorſicht nicht erfüllt. Zwei Jahre nach des„Königs“ Tod— er ſtarb 1853— landete ein amerikaniſches Walfiſchboot, um Matroſen anzuwerben. Es waren nicht viel taugliche Leute mehr auf der Inſel, da die meiſten ſchon früher Engagement genommen hatten, eigentlich nur einer, Fred Myer, oder vielmehr Friedrich Meyer, ein Seemann aus Bremen, der einzige Deutſche der Colonie außer uns; darum, und weil er ein braver junger Mann war, mir und meiner Schweſter vor allen lieb. Seit einem Jahre etwa war er verheirathet mit Lowneß(Demuth) einer Enkelin des Königs Glaß; niemals hat dies Eiland eine lieblichere Blüthe getragen, als dies ſchöne, ſanfte, liebreiche Weib, das von Jedermann, vor allem von
ihrem Manne, auf den Händen getragen wurde. Ungern riß er ſich von ihr los, aber er ſchämte ſich der Unthätigkeit und hoffte, durch reichlichen Gewinn das Loos ſeiner Gattin zu verſchönen; ſo ließ er ſich denn heuern und nahm das Handgeld. Als er im Begriff war, abzureiſen, begleitete ihn die weinende Lowneß bis zum Klippenpfade; hier machte ihre Schönheit einen ſolchen Eindruck auf den Capitän der Walfiſchjäger, daß er dem neugeworbenen Matroſen den Vorſchlag machte, ihm ſein Weib zu verkaufen und zurückzubleiben, den dieſer mit großer Entrüſtung von ſich wies, und Lowneß befahl, heimzukeh⸗ ren. Aber ihr verrannten die Böſewichte den Weg, Myer, der ſie ſchützen wollte, wurde niedergeſchlagen und geknebelt, die junge Frau wandte ſich zur Linken und lief leichtfüßig den Felſen hinan. Sie haben vielleicht das ſchwarze Kreuz auf ſeinem Gipfel, nicht weit vom Landungsplatze erblickt— dort hängt die Klippe ſchaurig, mehr als hundert Fuß über der toſenden Brandung, und es führt nur ein ſchma⸗ ler Pfad auf ihren Scheitel. Ihn lief die Unglückſelige, vier Matro⸗ ſen folgten ihr, vom Capitän angefeuert, während die anderen mit Cutlaſſen und Revolvern die Weiber und Greiſe davontrieben, welche ſich am Strande geſammelt hatten. Ich ſelber war unter ihnen, ich beſchwor die Unbarmherzigen, warf mich vor ihnen auf die Kniee— umſonſt, ein fürchterlicher Schlag mit dem Kolben einer Piſtole warf mich bewußtlos nieder. Wohl mir, daß ich das Entſetzliche nicht ſah! Das junge Weib hatte den Gipfel der Klippe erreicht, ſie ſtand dicht am Rand über der ſchwindelnden Tiefe und warf verzweifelnd die Blicke umher nach Rettung— keine, keine! Die Verfolger nahten, ſchon ſtreckten ſie die Hand aus nach ihre⸗esflatternden Gewand— da ſprang ſie— und es war vorbei— die ſüße, holde Geſtalt lag zerſchmettert im Abgrund, eine Beute der gierigen Wogen, die ſie hin⸗ austrugen in des Meeres Unendlichkeit, zum Fraße den Haien. Der markerſchütternde Schrei, der das furchtbare Ereigniß begleitete, weckte mich zum Leben— ſelbſt über die elenden Räuber war der Schrecke
ihrer That gekommen, ſie flüchteten ſo raſch als möglich hinab in ihr Boot, ſchleppten aber nichts deſtoweniger den wimmernden, convul⸗ ſiviſch in ſeinen Banden ſich windenden, um all ſein Glück bübiſch gebrachten, unglückſeligen Witwer mit. Wir haben erſt nach einem Jahre Kunde von ihm erhalten, ſie bildete den ſchrecklichen Schluß des ſchrecklichen ramas. Myer war kaum auf dem Schiffe ſeiner Bande entledigt und in gezwungenem Matroſendienſte, als er die erſte Ge⸗ legenheit benutzte und den Capitän mit dem Meſſer niederſtieß; nach verzweifelter Gegenwehr, bei welcher er noch einen Matroſen tödtete und mehrere hart verwundete, ward er überwältigt, in Eiſen geworfen und nach namenloſen Folterqualen in der Capſtadt dem Ge⸗
Wir fühlten nach Bericht das Bedürfniß arbeiten. Als ich dr geſellte ſich Mr. Tahl Es will mir faſt als
ſeett ein deutſches Scif n das geliebte Vatelan ſſbin der letzte, der dieſen
— viellich ließ ſich I Capſtadt, womöglich d Sorge wäre dann von ich den wackeren Greis ſeinen Wunſch wittheile „Schonung wicht, doß die Kriegsarditel die
auf den Kriegsſchiffen
der Pfarrer; unmitte
teran.„Ich weiß,
ewinnendem Lächeln, „nicht wahr, Sie gla⸗ Ich konnte nur tief be ſcwoll mir das Herz d
Frauen und ſolche Mät Lunha und ſone Schw Am Abend war
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müſe, Kartoffeln, Flei und hatte Capitän Se du intereſſiren ſchien. ds Pfarrers rundweg ditſem Grunde verſagte ſelber, während Urlauh goßer Geſelſchaft fuhr Gig ans Land; wir hr aben an Ka ee, Th lamentlich hatten* würdige Snain*
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ſcümung ſeis ge ſtand epfangen, geſtmd
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im wahren Feſt. N
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richt übergeben. Eine Stunde nach dem Verhör hing er an der aten B„don wun höchſten Raa! Muthwilliger, elender iſt noch niemand in das pru à wotem mehr Verderben gejagt worden, als Fred Myer und ſeine ſüße Lowneß! nn; namentüic. Der Herr möge ſich ihrer unſterblichen Seelen erbarmen und ein eſe den huerdauh gnädiger Richter ſein!“— 3 4* Schänhei d Tief erſchüttert hatten wir der Erzählung dieſer entſetzlichen Er⸗ änd arne ſemald ein, eigniſſe gelauſcht; Mr. Taylor bedurfte ſelber der Sammlung, um Woc habe ich ale fortfahren zu können:„Von nun an haftete das Verhängniß über vali Eralin unſerer ſtillen Inſel. Die alte Mutter Glaß, deren Leben doch mit 8 inne u dem Werk ihres dahingeſchiedenen Gatten verwachſen war, ſagte mit hn u bitteren Zähren dem Grabe deſſelben Lebewohl; ſie konnte das KreuSß 1 nicht ſehen, das wir dem Gedächtniß ihrer lieblichen Enkelin errichtet urn hatten, ſammelte ihre Kinder und Kindeskinder um ſich, vierundzwan⸗ d nd zig an der Zahl, und benutzte die erſte ſich darbietende Gelegenheit n a81 zur, Auswanderung nach Capland— im Januar 1856. Dort Jeſun n te ſie ſich mit Hilfe wohlgeneigter Männer an die britiſche Re⸗ à na m
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