denn alles; und doch fürchte ich, daß es zu ſpät ſein wird. Sie hat zu viel gelitten.“
„Nu! warum iſt ſie geweſen ſo ſtarrköpfig? warum hat ſie nit ge⸗ wollt hören, was ihr haben geſagt verſtändige Leut, und nit gewollt thun, was ſie ihr haben gerathen?“
„Mutter,“ erwiderte der Doctor,„Hannchen hat ihr geſagt, daß ſie recht gehandelt habe und daß ſie ebenſo handeln würde.“
Die alte Frau beugt das Haupt;— für ſie, für ihren Mann — ſie fühlt es, iſt dieſes Argument ohne Widerrede; jedoch ihrer alten Taktik getreu, fängt ſie an, alle Schuld auf ihren Mann zu ſchieben— und dieſer, der ungeſehen das Geſpräch zwiſchen Mutter und Sohn mitangehört hat, findet darin einen neuen Kummer von unabſehbaren Folgen. Wie geſagt, alle Prophezeihungen, die man
für das Kommen der Kinder in Ragiwen gemacht hatte, waren fehl⸗
geſchlagen, und Reb Iſaak, anſtatt der Glücklichſte und Zufriedenſte des Städtchens zu ſein, war der Leidendſte, der im Herzen am meiſten Geplagte.
Doch gab es wohl noch einen Menſchen, welcher dem alten Juden den Rang hätte ſtreitig machen können; von allen Prophezei⸗ hungen hatte ſich eine erfüllt, die des Bürgermeiſters, der ſeinem Stadtdiener ein kummervolles Leben durch das Kommen des Unter⸗ tertianers Mendel prophezeit hatte.
Was der Arne litt, iſt keiner Feder gegeben, zu ſchildern! Die ſtrenge Zucht und Ordnung, in der er die Schuljugend in den Frei⸗ ſtunden hielt, hatte einer vollſtändigen Anarchie Platz gemacht, ſeinen Befehlen wurde nicht mehr gehorcht, ſeine Anordnungen wurden ver⸗ ſpottet, ſeine Drohungen verhöhnt, und da, wo noch vor eini⸗ gen Tagen es kaum eines ſtrengen Blickes ſeines einen Auges be⸗ durfte, um die geſtörte Ordnung wieder herzuſtellen, half jetzt nichts ... nichts! Der Geiſt der Anarchie war aus der Hauptſtadt mit Mendel unter die hoffnungsvolle Jugend Rogiwens gefahren und verbreitete dort ſeine, alle guten ſtadtdienerlichen Principien zer⸗ ſtörende Gewalt.
Bei welcher der Miſſethaten ſollen wir anfangen, um dem Leſer nur einen geringen Begriff von dem Thun und Laſſen jener Tauge⸗ nichtſe zu geben, die unter Mendels Leitung das Städtchen in Auf⸗ ruhr brachten? Sollen wir jene große Partie„Räuber, Wanderer, Stadtſoldat“ erzählen, bei der die ganze Horde wie die Sturmesbraut die lange Straße hinuntergeſtürzt kam und den friedlichen Stadt⸗ diener, der eben ſein Mittagsſchläfchen hielt, mit dem Geſchrei: „Räuber! Räuber!“ gewaltſam den Armen des Schlafgottes ent⸗ riß? Sollen wir vom„Sturm auf den Knüppeldamm“ berichten, bei dem faſt alle Weiden, welche ſich längs des Feldweges hinzogen, beſchädigt wurden, um den Angreifenden Waffen zu liefern? Oder will der neugierige Leſer die getreue Beſchreibung eines aus Berlin neu importirten Spieles, die„Puniſchen Kriege“ genannt, haben? Bei Gelegenheit dieſes Spieles war die erſte officielle Klage gegen „Mendel Bentheim und Conſorten“ vom Stadtdiener beim Bürger⸗ meiſter eingereicht worden und hatte leider wenig Anklang ge⸗ funden aus einem Grunde, der die Ragiwener Gerichtspflege in ſehr trübem Lichte erſcheinen läßt. Der Hauptſchuldige Mendels war
nämlich— horribile dictu— des Bürgermeiſters eigener Sohn,
und dieſer ſchien ſehr wenig Neigung zu haben, die Rolle eines Marcus Junius Brutus zu ſpielen. Der Fall war folgender: Men⸗ del hatte einem jungen Bürgerſohne ſeinen harmoniſchen Namen Claus Nitſchke in den weit rauheren Hannibal umändern wollen. Bis dahin war alles gut abgelaufen, und obgleich mit Widerwillen, hatte ſich Claus dennoch in dieſe Umtaufung gefügt, um das Spiel nicht zu ſtören. Als aber Mendel und Rudolph, des Bürgermeiſters Sohn, ihn an einen viereckigen Stein führten, ihm befahlen, die Hände gen Himmel zu heben und den Römern ewigen Haß— odium aeternum, verdeutſchte Mendel— zu ſchwören, da widerſetzte ſich Claus mit aller Energie, deren er fähig war. Claus Nitſchke war ein ehrlicher Pommer. Was hatten ihm die Römer zu Leide ge⸗ than, um ihnen in alle Ewigkeit Haß nachzutragen? Er kannte die Römer nicht, hatte nie etwas mit ihnen zu thun gehabt.... ja wenn's die Claushagener Jungen geweſen wären, mit denen die Ra⸗ giwener ſchon manche mörderliche Schlacht ausgefochten, und von denen einer ihn ſogar auf offenem Feldwege augefallen und ihm einen kaum zur Hälfte verzehrten Salzkuchen und zwei Aepfel entriſſen hatte, ja dann wäre es ſchon etwas anderes geweſen; aber die Römer? Nein, Claus Nitſchke verweigerte mit ſerupulöſer Gewiſſenhaftigkeit
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ein, zwei, drei Mal den von ihm verlangten Schwur und ließ ſich ſelbſt nicht dazu bewegen, als Mendel mit gebieteriſcher Stimme rief:
„Lictor, binde dieſen Verräther an einen Baum, und mögen die reißenden Thiere des Waldes ihn verzehren!“
Und jener Märtyrer ſeiner Ueberzeugung wurde wirklich mit Weidenruthen an einen Banm gebunden, mußte zuſehen, wie ſein weniger gewiſſenhafter Nachfolger den ſogenannten Windmühlenberg, der für dieſe Gelegenheit in„Alpen“ umgetauft ward, mit ſeinen Le⸗ gionen überſchritt und den Römern auf der Dramberger Chauſſee eine heiße Schlacht lieferte. Der Stadtdiener, welcher, nichts Gutes ahnend, der Truppe gefolgt war, fand den Verurtheilten weinend an dem Baum und erlöſte ihn von ſeiner Qual, ließ ſich von ihm ſeine ganze Leidensgeſchichte erzählen, und während Hannibal mit Scipio in Gaſtwirth Stieberts Garten die Pflaumenbäume ſchüttelte, redi⸗ girte er jenen famoſen Rapport, in welchem er, wie geſagt,„Mendel Bentheim und Conſorten“ der geſetzwidrigen Freiheitsberaubung eines Menſchen anklagte, eine Qualification, welche Claus Nitſchke im höchſten Grade ſchmeichelhaft erſchien.
Was kann einem treuen Diener wohl ſchmerzhafter ſein, als wenn der Herr, dem er all ſeine Dienſte weiht, dieſelben nicht aner⸗ kennt? Der Stadtdiener, deſſen juridiſches Meiſterwerk ſo unbeach⸗ tet von ſeinen Vorgeſetzten gelaſſen wurde, zog ſich, wie der beleidigte Achilles in die innerſten Räume des Stadthauſes zurück und überließ Ragiwen der willkürlichen Herrſchaft Mendel Bentheims.
Daß dieſer eine ſolche Mißſtimmung benutzte, um ſein Unweſen bis zu einem bis dahin unerreichbaren Höhenpunkte zu treiben, wird den Leſer nicht im geringſten in Erſtaunen ſetzen, und als am Sonn⸗ tage der erfinderiſche Geiſt des Untertertianers für ſich und ſeine In⸗ timen ein neues Vergnügen ausgeſonnen hatte, trauten ſich die Eltern beſagter intimer Freunde Mendels nicht, dieſe ſo lange außer Augen zu laſſen, ſondern verabredeten zuſammen eine Partie, um die Kinder zu begleiten, und Mendel hatte auf dieſe Weiſe die Ehre, der Anſtifter eines Vergnügungstages für viele Familien des Städtchens zu ſein.
Der Leſer wird ſich entſinnen, daß Mendel am verfloſſenen Schabbesabend eine geheime Unterredung mit ſeinem Großvater ge⸗ habt hatte, aus der die Anweſenden deutlich den Namen„Ruben“ vernahmen. Dies war die Einleitung zu dem beabſichtigten Spiele. Der alte Iſaak hatte ſich bereden laſſen, Ruben zu ſich zu beſcheiden und bei ihm einen Adler und ein Dutzend Knüppel zu beſtellen, und als dieſer die Beſtellung ausgeführt, lud Mendel ſeine ſpecielleren Be⸗ kannten zum nächſten Sonntage ein, mit ihm den Adler„abzu⸗ werfen“.
Es iſt dies ein vielleicht noch in Pommern beſtehendes und bei der Jugend ſehr beliebtes Vergnügen. Der Adler wird auf einem freien Platze auf eine hohe Stange geſteckt und einer nach dem ande⸗ ren, mit einem etwa ein und einen halben Fuß langen, runden Knüp⸗ pel bewaffnet, nähert ſich dieſer Stange bis auf eine gewiſſe Diſtanz und ſchleudert denſelben auf den Adler. Wer die Krone abwirft, wird König, wer den Scepter, Kronprinz ꝛc., und nachdem der Adler zerſtuckelt, zieht die junge Gilde mit Geſang und ein jeder, das von ihm abgeworfene Stück auf einem Knüppel tragend, im Triumph der Stadt zu.
Nicht allein die Eltern von Mendels Freunden hatten ſich gegen drei Uhr in einem ein Viertelſtündchen von der Stadt liegenden Wäldchen eingefunden, ſondern dieſe auch hatten wiederum einige Bekannte und Verwandte eingeladen, und die Geſellſchaft war ſchon ziemlich zahlreich, als ſich noch eine ganze Unzahl Unberufener, Neu⸗ gieriger einfand, welche, da Jedermann in dem kleinen Städtchen be⸗ kannt und befreundet war, bald vergaßen, daß ſie gar nicht zu der urſprünglich eingeladenen Geſellſchaft gehörten und ſich dreiſt und fröhlich unter dieſelben miſchten. 3 3
Während der maitre de plaisir, Mendel Bentheim, von Ruben unterſtützt, alle Anordnungen trifft, nm den Adler aufzurichten und den Kampfplatz abzumeſſen, wollen wir uns unter einige Gruppen miſchen und die Unterhaltung, die in ihnen ſo lebhaft geführt wird, mit anhören...
„Sie werden Ihre Wette verlieren, Herr Bentheim,“ ſagt der Bürgermeiſter zu Eleazar, mit dem er auf und abgeht,„ich hab' es Ihnen ſchon vorher geſagt; dieſer Grünewald iſt ein Starrkopf, wie es keinen zweiten in ganz Pommern gibt, und das will wahrhaf⸗ tig viel ſagen!“
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