und beſchloſſen, am nächſten Sonntage ſein Grab zu beſuchen, um ein Kreuz darauf zu pflanzen. Als wir jedoch mit unſerer Trauerlaſt im Hoſpital au⸗ langten, trat er uns vollſtändig geſund entgegen. Er war einen Tag nach ſeiner Aufnahme in ein anderes Bett verlegt und der ſeine erſte Nummer erhal⸗ tende Nachfolger geſtorben. Wir hatten, wie dort Uſus, nach der Nummer ge⸗ fragt und daher das Mißverſtändniß.
Seine ſeemänniſche Carriere hatte er auf einem Grönlandsfahrer be⸗ gonnen, aber auch dort nur Mißgeſchick gefunden und ſich im Innern gelobt, nie wieder nach Norden zu gehen. Das war ihm nun nicht zu verdenken, denn wenn irgend etwas angethan iſt, dem angehenden Seemann ſein Fach zu verleiden, ſo iſt es der Aufenthalt auf einem Grönlandsfahrer. Ja bis vor nicht langer Zeit ſtand dieſe Fahrt bei den Seeleuten ſo in Mißcredit, daß ein Matroſe, der nach Grönland geweſen, nicht eher als ehrlich betrachtet wurde, bis er ſieben Jahre auf anſtändigen Schiffen gefahren hatte.
Früher bildete zwar der Wallfiſchfang die hohe Schule kühner und that⸗ kräftiger Seeleute, aber feit 40— 50 Jahren iſt die deutſche Grönlandsfahrt zur Robbenſchlächterei herabgeſunken, zu der die Rheder nicht einmal See⸗ leute, ſondern am liebſten Schlachtergeſellen engagiren. Daher ſtammt jene Geringſchätzung.
Mein Kamerad befand ſich auf dem„jungen Conrad“ von Glückſtadt, der auch auf den Robbenſchlag ausgegangen war. Auf einen Wallfiſch, den einzigen, der in Sicht kam, wurde Jagd gemacht, aber auch er ging verloren, weil unſerm Helden ſchon damals das Unglück an der Ferſe klebte. Sämmt⸗ liche Boote waren bis auf eines eine Meile weit vom Schiffe auf Robben⸗ ſchlag aus, als aus dem Krähenneſte der mit Stroh gefüllten Ausgucktonne im Großtop der Jagdruf„Wal! Ueberall Wal!“ die Nähe eines Fiſches verkündete. Alsbald brauſte auch bald in der Nähe der Luftſtrahl des Rieſen in die Höhe. Die Harpuniere waren ſämmtlich fort, deshalb ſprang der Capitän ſelbſt in das letzte Boot und nachdem es bemannt, blieb nur noch mein Freund Adolph, der Koch und der Ausguck im Krähenneſte an Bord zu⸗ rück. Erſtere beiden ſollten das Boot, mit ſeiner darin befindlichen Beſatzung zu Waſſer laſſen. Adolph war jedoch ſo erregt, daß er die nöthigen Vorſichts⸗ maßregeln nicht beobachtete. Der Läufer des Flaſchenzuges glitt brennend durch ſeine Hand, er ließ ihn fliegen, das Hinterende des Bootes ſtürzte plötz⸗ lich zu Waſſer, das Boot ſelbſt brach in Stücke und die Beſatzung rettete ſich nur mit Mühe auf eine Eisſcholle, wo ſie faſt erſtarrte, bevor ſie von den rück⸗ kehrenden Booten aufgenommen wurde. Der Fiſch war inzwiſchen fort, und man kann ſich denken, welche Anerkennung Adolph für ſeine Geſchicklichkeit erhielt.
Einige Zeit darauf wurde wieder ein Eisfeld mit tauſenden von Robben entdeckt. Alle irgend abkömmlichen Boote wurden dahin geſandt und auch Adolph mußte diesmal mit. Die Robben werden durch einen Schlag auf die Naſe getödtet und zwar vorzugsweiſe, wenn ſie jung ſind. Die Alten allein ſind viel zu ſchlau, werden aber bei dem Verſuch, ihre Jungen zu retten, ebenfalls oft erlegt.
Adolphs Beſchäftigung beſtand darin, die getödteten Robben an den Rand des Eiſes nach den Booten zu ſchleppen. Zu dieſem Zwecke war er mit einem Knüttel verſehen, in deſſen unterm Ende ſich ein Haken befand, während das obere Ende eine Schleife trug. Der Haken wurde in die be⸗ treffende Robbe geſchlagen, die Schleife um die Bruſt genommen und auf dieſe Weiſe das Thier auf dem Eiſe fortgeſchleppt.
Adolph hatte bereits ſein Möglichſtes geleiſtet und einen ganzen Haufen zuſammengebracht. Eben ſchlug er ſeinen Haken wieder in den Schwanz einer ſogenannten Klappmütze, der größten Robbenart, die ihren Namen von einem beweglichen Fleiſchlappen auf dem Kopfe trägt, als dieſelbe plötzlich aus ihrer Betäubung erwachte, lebendig wurde und ihrerſeits Adolph in das Schlepptau nahm. Man denke ſich den Schrecken des armen Jungen, der nichts weniger als vorbereitet auf eine ſo plötzliche Aenderung der Sieuasion war. Vergebens ſuchte er Widerſtand zu leiſten— die Robbe war ſtärker als er. Inſtinktmäßig ſetzte er ſich nieder, um beſſern Halt zu haben.— Um⸗ ſonſt! die Klappmütze ging mit ihm durch, ſchneller und immer ſchneller ülber das blanke Eis. Von der Schlinge konnte er ſich nicht mehr befreien, dazu
Für die kommenden Winterabende empfohlen:
—
hatte er ſchon zu viel Fahrt, oder er dachte auch nicht daran. Sein Jammer
geſchrei erfüllte die Luft und rief die Kameraden herbei. Eine allgemeine 3
Jagd begann, und man ſuchte die Robbe abzuſchneiden, aber vergebens. Der Durchgänger hatte zu viel Vorſprung und ſtrebte mit äußerſter Kraftan⸗ ſtrengung dem Rande des Eiſes zu, um in ſein Element zu kommen. Immer kürzer wurde die Entfernung zwiſchen dem Geſpann und dem offenen Waſſer,
nur noch wenige hundert Schritte, und Adolphs Schickſal war beſiegelt. Die
Kameraden liefen wie raſend, um ihn zu retten— da war er plöͤtzlich mit ſammt der Robbe verſchwunden. Ein jäher Schreck bannte die Matroſen an ihre Stelle— es war zu ſpät. Plötzlich ertönte jedoch wieder ein jämmer
liches Geſchrei, und alles ſtürzte vorwärts nach dem Orte, woher es kam. Dda lag er, der Pechvogel, in einer Eisſpalte vor der Robbe vor Anker. Die Spalte hatte den Weg der Klappmütze gekreuzt und ſie ſich augenblicklich
durchgezwängt, weil ſie hier ihre Rettung ſah. Adolph wurde ihr nachgeriſſen,
daß ihm faſt Hören und Sehen verging, aber Dank ſeinem dicken Kürder und s die
der noch dickeren grönländiſchen Kleidung, ging er nicht mit durch. Kameraden die Gefahr beſeitigt ſahen, ſtimmten ſie natürlich ein homeriſches
Gelächter an, aber der von ſeinem Durchgänger errettete Adolph gelobte ſich
feierlichſt, nie wieder auf einen Grönlandsfahrer zuꝛgehen. R. Werner.
Briefkaſten.
Vielen Aufragern aus Mecklenburg die Antwort, daß der als Geburtsort des General 3 von Moltke genannte Gutsname Samrow vielleicht auf einem Schreibfehler unſeres augen Wahrſcheinlich iſt der richtige Name Samau
blicklich abweſenden Berichterſtatters berubt. (Samow), als deſſen Beſitzer im Landeserbvergleich vom Jahre 1755, wie uns aus Mecklen⸗ burg mitgetbeilt wird, ein F. C. S. von Moltke genannt wird, A. C. L. in Köln. bis jetzt ſehr wenig Gutes über den Krieg erſchienen. Als das beſte unter allen erſchienenen
Werken nennen wir Ihnen„Preußens Feldzüge im Jahre 1866“ von Oberſt Borbſtaedt, im
bekannten Mittler'ſchen Militärverlage zu Berlin erſchienen, das alle anderen, nur aus Zei⸗ tungsberichten geſchöpften Werke weit überragt, nur Zuverläſſiges bietet und in gelungener Faſſung den großen Zuſammenhang der Operationen beſchreibt. beginnen ſeine Beiträge.
Frau L. M. in Tübingen. Das allerdings ſehr ſchöne Bild Ihres
Landsmanns in Nr. 52 des verfloſſenen Jahrgangs:„Herbſtabend am Neckar“ iſt nicht in Se⸗
paratabdrücken zu haben. Wir haben uns aber entſchloſſen, den vielfachen Nachfragen zu ge⸗
nügen und werden demnächſt ein„Daheimalbum für den Weihnachtstiſch 1866“ erſcheinen laſſen, enthaltend eine Auswahl der ſchönſten Holzſchnitte des Daheim auf feinſtem Kupfer⸗
druckpapier, worauf wir Sie ſchon jetzt verweiſen. Mehreren Beſtellern. Leider ſind durch
das raſche Steigen der Abonnentenzahl das I. und II. Quartal des 11. Jahrgangs vergriffen, Für den neuen Jahrgang haben wir
ſo daß ſie nicht mehr apart abgegeben werden können. uns durch ſtarke Erhöhung der Auflage vorgeſehen.
Inhalt: Das Weib des Karaiten.(Fortſ.) Nov. von M. Ben Aron.— 1 Mit Jlluſtr.— Aus vielen
Eri in der Sommerfriſche. Von G. Hiltl. Meeccen. V. Der deutſche Pfarrer von Triſtan da Cunha. Erinnerungen eines
deutſchen Seeofficiers.— Die Herbſtzeitloſe. Ein Naturbild von Herm. Wagner.
— Dorffeindſchaften. Mit Illuſtr.— Am Familientiſche.
Der I. und II. Jahrgang des Daheim.
Elegant gebunden in Golddruck und Preſſung.
Preis des Jahrgangs 2 Thlr. 20 Sgr.
Die beiden Jahrgänge des Daheim bilden eine gewählte und reiche Familienbibliothek für ſich. Sie enthalten alle jene Beiträge und Bilder, durch welche das Daheim ſich ſeinen Ruf begründet hat, und die nie veralten. Ein paſſenderes Weihnachtsgeſchenk dürfte nicht leicht gefunden werden, doch wolle man ſich bald vorſehen, da vom II. Jahrgang leider
nur noch etwa 100 complette Exemplare vorhanden ſind.
Daheim-Expedition in Leipzig.
Es iſt
Nach der Schweiz. Nur ein wenig Geduld und laſſen Sie unſern Künſtler erſt ein bischen ausruben; im nächſten Hefte
en an die Redaction des Daheim in Leipzig, Poſtſtraße Nr. 17.
Länge floſſen, und weilig geblie heit der Ver
Dieſe noch gedrück Juden desS der Scene an Wcen der familien an Man hatte ſic, wenn! blieben! 2 der Friede n von der An de verhaßt an Dauſe fe hoßt wgan mit aden treten, hat leugnet u Vertben
ſertheidig zu alleden Ne ſeine? Leiden, un dieſer An wären und kleazar!


