Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
46
Einzelbild herunterladen

b

heit nach kurzer Zeit in verdoppelter Stärke ſich wieder einzuſtellen pflege, ſodaß alſo das Colchicin nicht die eigentlichen Krankheitsur⸗

wendung.

In größeren Gaben genoſſen, können ſie zunächſt Durchfall und Erbrechen, dann aber ganz wie das Colchiein Entzündung des Magens und der Eingeweide hervorrufen. Tritt bei Anwendung der colchicinhaltigen Medicamente beim Patienten Erbrechen ein, ſo

läßt der verſtändige Arzt dieſelben gänzlich weg.

Eigentliche Vergiftungen mit Zeitloſen kommen ſehr ſelten vor, am eheſten noch bei Thieren, die etwa zu viel friſche Zeitloſenblätter ins Futter bekommen. Daß je abſichtliche Vergiftungsfälle mit Col⸗ chiein bei Menſchen vorgekommen ſind, wie man dergleichen mit Strych⸗ nin, Nicotin und Digitalin kennt, iſt uns nicht bekannt, wir möchten es auch bezweifeln, da einerſeits das Alkalvid zu flüchtig, zu leicht zer⸗ ſetzbar, anderntheils ſein Geſchmack zu auffallend widerlich und ſeine Wirkungen dech nicht ſicher genug ſind. Dazu kommt noch der eigen⸗ thümliche Umſtand, daß die Vergifteten bis zum letzten Moment ihres Lebens gewöhnlich ihre volle Beſinnung behalten. War die Menge des genoſſenen Giftes überhaupt bedeutend genug, um den Tod her⸗ beizuführen, ſo erfolgt letzterer bereits nach 10 bis 20 Stunden. Hält ſich der Patient länger, ſo kommt er meiſtens auch mit dem Leben davon; die eigentlichen Vergiftungszufälle werden ſeltener und verſchwinden endlich und nur Eingenommenheit des Kopfes, Schwindel, Verdauungsbeſchwerden u. dgl. bleiben noch l

Zeit zurück.

Ein eigentliches Gegenmittel, ein Gegengift, gegen genoſſe⸗ nes Colchiein beſteht nicht. Man hat zwar mehrere dergleichen gegen daſſelbe, ſowie gegen ähnliche andere ſcharf und betäubend wirkende Alkaloide vorgeſchlagen, z. B. Jodlöſung, Tannin, Gerbſäure u. ſ. w., um das Alkaloid in neutrale Verbindungen zu bringen, ſie haben ſich aber nicht bewährt und es bleibt dem Arzt nichts übrig, als daß er verſucht, ſo raſch als möglich durch Brechmittel oder im Nothfalle durch Kitzeln des Schlundes oder durch die Magenpumpe das ver⸗ ſchluckte Gift aus dem Magen zu entfernen. Iſt es bereits in die

ſachen aufzuheben vermöge. Lobredner der Zeitloſe haben ſie außer⸗ dem noch gegen Störungen des Nervenlebens, gegen ſchmerzhafte Er⸗ regungen der Gelenke, Muskeln u. ſ. w. empfohlen, ebenſo gegen Ent⸗ zündungen verſchiedener Organe und Theile. Es geht leider mit der Zeitloſe wie mit gar manchem anderen Arzneimittel: während die einen Aerzte erſtaunliche Dinge von ihr zu erzählen haben und uner⸗ ſchöpflich in ihrem Lobe ſind, ſehen andere die Colchicumpräpa⸗ rate mit ſehr mißtrauiſchen Blicken an und warnen vor ihrer Ver⸗

46

Eingeweide gelangt, ſo verſucht er, es aus dieſen durch Abführmittel zu beſeitigen.

Schwierig iſt es für den Chemiker, das Colchicin in der Leiche des Vergifteten unmittelbar nachzuweiſen; er muß ſich hier, wie in den meiſten Fällen, wo er Anwendung von Pflanzenalkaloiden ver⸗ muthet und wo nicht der ganze Verlauf der Krankheit und alle beim Tode auftretenden Erſcheinungen ſicher genug bekannt geworden ſind, damit helfen, daß er die als giftig in Verdacht ſtehenden Subſtanzen, z. B. die Reſte genoſſener Speiſen und Getränke, einen Theil des Mageninhaltesu. ſ. w. Thieren einimpft, Kaninchen oder Hunden ins Auge bringt, Fröſchen eingibt u. ſ. w. Die dann bei den Thieren auftretenden Erſcheinungen geben ihm die nöthigen Fingerzeige zur Beurtheilung des etwa vorhandenen Giftes.

Die Eigenthümlichkeiten des Veratrin, eines ebenfalls ſcharf⸗ giftigen Alkaloids, das in der mehrfach genannten weißen Nießwurz (Neratrum) vorhanden iſt, ſowie die Wirkungen der übrigen Gift⸗ lilien übergehen wir jetzt. Wir bemerken unſern Leſern nur zum Schluſſe, daß wahrſcheinlich von einer nahen Verwandten der Zeitloſe das berüchtigte Waſſygift der Indianer am Eſſequibo in Britiſch⸗ Guyana ſtammt. Bekannt iſt darüber, daß es aus einer Zwiebel bereitet wird, die man in dünne Scheiben ſchneidet, letztere an der Sonne trocknet und dann zu einem ſtaubähnlichen Pulver zerſtößt. Die Indianer ſollen dieſes Giftpulver mitunter verwenden, um ihren Rachedurſt zu ſtillen. Man erzählt, daß ſie in ſolchem Falle ihrem Opfer wohl wochenlang nachſpüren und ihm auflauern, bis es ihnen glückt, ihm während des Schlafes zu nahen. Sie ſtreuen dann eine kleine Priſe Giftpulver unter die Naſe oder auf die Lippen des Schla⸗ fenden und indem dieſer es mit einathmet, wird er vergiftet. In ſeinem Innern fühlt er dann die heftigſten Schmerzen. Brennendes Feuer ſcheint ihm die Eingeweide zu verzehren und ein nicht zu ſtillen⸗ der Durſt quält ihn. Vier Wochen lang ſoll gewöhnlich ein ſolcher Unglücklicher ſich hinſchleppen, bis er, zum Skelett abgezehrt, unter den furchtbarſten Qualen verſcheidet.

Ob einem derartigen Giftſtoff auch eine Heilkraft innewohnt, die ſich in ähnlicher Weiſe lebenſpendend verwenden läßt, wie es bei dem berüchtigten Pfeilgift gegen den Wundſtarrkrampf geglückt iſt, darüber fehlen jetzt ſogar noch Vermuthungen. Unmöglich dünkt es nach den angeführten Erfahrungen gerade nicht, ſowie ja auch die Hoffnung uns nicht unbenommen bleibt, es werde die täglich weiter fortſchreitende Chemie, Heilmittel⸗ und Krankheitslehre ſelbſt die wirk⸗ ſamen Beſtandtheile unſerer Herbſtzeitloſe noch beſſer erkennen und erfolgreicher verwenden, dan dis bis jetzt der Fall iſt.

8 ſer ſetzen iheit, in der.

L fej erd mit Schwefelſäure ge D ot ffe 1 nd ſch d ft e Uitaloid in Alkohol gelöſt. krr S(Hierzu das Bild auf Seite 15 ſchon bei dem Verdunſten des Alt Sal SO. e. hon bei er dumſten dos n lliren über wäſſerigem Germer(weiße Niep.=s Gatzen! nochmaliges Deſtillir äſſerig

ihrer Entwickelung den gewöhntt Von den 30 Arten Colchicaceen im, At jetzt bekannt geworden ſind, iſt unſere Herbſtzeitlof⸗

wie ein verlorener Poſten nach den Wieſen von Milielt aaud Nord⸗ deutſchland vorgeſchoben iſt. Die übrigen bewohnen das öſtliche Eu⸗ ropa und die Gebiete ums Mittelmeer. Die Herbſtzeitloſe macht den Eindruck, als ſei ſie noch ein letzter Ueberreſt aus jener vorgeſchicht lichen Zeit, in welcher die Flora unſerer Heimat den Charakter der gegenwärtigen Mittelmeerflora trug; aus jener Zeit, deren Reſte in den Braunkohlenlagern und Flötzen der Tertiärperiode vergra⸗ ben liegen. Nach Amerika hat ſich nur eine einzige Gattung dieſes

Geſchlechts verirrt.

Schon der Name Colchicum, mit welchem die Botaniker die Gat⸗ tung der Zeitloſen bezeichneten, weiſt auf die eigenthümliche Beſchaf⸗ fenheit der Säfte dieſer Gewächſe hin. Das alte Kolchis in Grie⸗ chenland genoß wegen der Giftkenntniſſe ſeiner Einwohner einen eigenthümlichen Ruf. Die Rhizotomen(Wurzelgräber) und Phar⸗ mokopolen(Arzneihändler) der alten Zeit wußten ſehlimme Dinge zu erzählen von den Pflanzen dieſer Gruppe. Schon beim Ausgraben, ſo fabelten ſie dem glänbigen Publicum vor, bekämen die Wurzelgrä⸗ ber leicht Kopfſchmerz und könnten ſich gegen giftige Wirkungen ſchlim⸗ merer Art nur dadurch ſchützen, daß ſie giftwidrigen Lauch äßen und

ungemiſchten Wein dazu tränken.

Die Pharmokopolen, welche ihr Weſen ganz nach Art der ſpäte⸗

mußte ich unwillkürlich herzlich Wochen meinem Freunde, dem elier beim Sch

e organiſche Baſis, das Colchicin aus und reinigt Fätenh brunde ſication. Der Gehalt der Wurzel an wirkſamen Be zu ſchet, und ſehr ſchwankend und ſcheint von der Jahreszeit undg, der im Schnitt des Gewächſes abhängig zu ſein. Mitunter ſollenie ſchöne, farbige beln kaum irgend eine auffallende Wirkung hervorbröthlichem Grunde Zeiten dagegen wieder deſto heftiger. Dem erſterme gehobenen Holz⸗ wahrſcheinlich nur zu verdanken, daß Zeitlojenkyabe ſolcher Effecte Fälſchung des Salepp benutzt werden konnte⸗ hz. Doch ſeien wir die ſchlimmſten Folgen nach ſich zu ziehen. lte T nil der Gegenwart Die Fälle, in denen die getrockneten. auch die Samen Kunſtouz vom Arzteer arbeitet, haben wir Zeit,

hältnißmäßig umzuſehen, das ermit dem Landſchafter Hilgers

loſenw eirolland zum Felde ſeiner Kunſt erwählt hat, theilee Es mit Madeiricht ein originelleres Künſtlerheimweſen in Düſſeldorf, wie Auszu vier eine kleine, ſinnig und fein angelegte holländiſche Scene Zeit 1*Eiſe von Hilgers, der für ſeine geſchätzten und geſuchten Bil⸗ r eines beſcheidenen Raumes bedarf, und rings umher, an den mituden und auf den Staffeleien die mächtigen Entwürfe Deikers, deoß in ihren Dimenſionen und meiſt wild in ihrer Anlage. Vorn if der Staffelei ſteht, beinahe ganz fertig, ein humoriſtiſches Bild, wreund Reinecke zwei friedliche Enten beſchleichend, daneben ruhen deni odr den dem erlegten edlen Hirſch, dahinter dehnt ſich eine Zeit erſt à nalte mächtige Parforgejagd zu Compiegne aus, mit zuſtande A delſten und verſchiedenſten Hunde außer den menſch⸗

3 en 9 7

kers ebendige Mo

wit einem Etiüch taſche und die 1 malt und verkauf

Unſere Zeie ondentlichen Um leiben und leben ſchtbar, die Mi und fehlt noch ſpringt Juno, d ſchaut ihn mit Nu iſt der letzte Pinſcher und das Dienſte kaum ben

Es war im

Faubonrg Poſſt

ſionäͤren auch d wollte, doch fiele Namentlich verzi nicht. Indes de gen ihn angriffen geneſen half, nich Ler frühlichen2

oet in wöüden Sy

Eines Mer uſchlagen verme Jaganini, der zurechtzuſchnitzen haſt du geweint? , Sprich, ſpri großen ſchwarzen heraus mit der tauſend Verſprech Ach! der amme dig daran., tion eine ſchecht, werde ihn wohl n Micette, könnteſt ſchern wohl; wi

ſo theuer? ein Krieg austr ler erwiderte ni Taſchenbuch un tr die arme Ri

einbringen.