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dieſelbe ſchon auf Reb Iſaak zugeſchoben, der ihr einen Kuß auf die Stirn gegeben. Eleazar und der Doctor haben ſie herzlich gegrüßt, ihr freundliche und herzliche Worte geſagt, und als ſie— immer von Johanna geführt— bis zur Frau Mirjam kömmt und ihr ein:„Gut Schabbes, liebe Tante,“ ſagt, öffnet dieſe ihrße Arme und gibt ihr einen herzhaften, weithin ſchallenden Kuß.
Johanna kehrt auf ihren Sitz zurück; als ſie bei ihrem Manne vorbeikömmt, wechſeln die beiden Gatten einen vielſagenden Blick...
„Enchanteresse!“ murmelte dieſer.
„Und nun, Mendel,“ ſagt der Doctor,„ſei ein aufmerkſamer Cavalier für Deine Nachbarin— hörſt Du?“
Der Untertertianer wiſcht ſich den Mund ab— ſieht dem ſchö⸗ nen Mädchen keck ins Geſicht...
„Dann muß ſie mir erſt einen Kuß geben,“ ſagt der Schelm.
IV.
Während ein tiefgefühltes Familienglück einen hellen Schein von Freude und Liebe auf Reb Iſaak Bentheims Schabbesmahl ver⸗ breitet, wollen wir den Leſer in ein anderes Haus einführen, wo die Schabbeslampe nur Schatten, nur traurige Geſichter und unterdrückte Thränen beleuchtet.
Im Stübchen Rahels, der Schweſter Reb Iſaaks, iſt alles ein⸗ ſam, alles düſter, und doch zeigt dieſes Stübchen Spuren einer ſo— man möchte ſagen— peinlichen Ordnung und Reinlichkeit, daß dieſe die allgemeine Meinung, die Juden beſäßen dieſe Eigenſchaften nicht oder nur in ſehr geringem Grade, hier wenigſtens Lügen ſtrafen.
Auf dem Tiſche ſteht eine leere Schüſſel, vor der Rahel und ihr gegenüber Ruben ſitzen. Dieſer hat ſich ſo eben die Mütze aufge⸗ ſetzt und das kurze karaitiſche Dankgebet nach dem Mahle geſprochen. Dann nimmt er ein altes Buch mit vergilbter Handſchrift und liest die Stelle, wie Gott den Ruhetag eingeſetzt, und dann die Vorſchrif⸗ ten Moſis, wie dieſer Tag gefeiert werden ſoll, und endlich ſagt er mit etwas ſingender Stimme den 126. Pſalm her. Dann ſteht er auf, reicht Rahel die Hand und ſagt:
.„Der Herr laß Dein Mahl gedeihen, Tante Rahel!“
Darauf beugt er das Haupt, und ſie legt ihre Hand auf daſſelbe:
„Es mache Dich der Herr wie Ephraim und Manaſſe!“ ſagt ſie.*)
„Soll ich bei Dir bleiben, Tante?“ fragt Ruben,—„oder willſt Du allein ſein?“
„Bleib, mein Sohn,— bleib— Rebekka iſt ja nicht bei mir,“ erwidert Rahel,„und wenn ich auch in der Woche oft und gern allein bin, ſo iſt mir doch die Einſamkeit am Schabbesabend ſchmerzlich.“
„Was ſoll ich thun, Tante?— ſoll ich Euch leſen vor aus den gebenſchten Schriften unſerer Väter, wo ſteht geſchrieben auf jeder Seit, daß Gott im Himmel iſt ein großer Gott und ein Allmächtiger und ein Allgütiger!“
„Nein, Ruben, das ſollſt Du thun morgen Vor⸗ und morgen Nachmittag, wenn unſere Brüder und Schweſtern ſind im Tempel— komm, ſetz Dich zu mir, komm— wir wollen ſprechen von vergange⸗ nen Zeiten— von Zeiten, wo der Schabbes noch ſchön und freude⸗ voll für mich geweſen...“
„Tante,“— unterbrach Ruben mit ſanfter Stimme,„der Schabbes iſt immer ein Freudentag, am Tage, wo ſich Gott der Herr hat ausgeruht von ſeiner Schöpfung, ſoll der Menſch ſich ausruhen von ſeinen Schmerzen und Plagen, und ſoll ſich freuen, daß der Ewige in den ſechs Tagen hat geſchaffen für ihn ſo viele Sachen, an denen er ſich könnte freuen, wenn er nicht immer dächte an ſich ſelbſt!“
„Ruben, mein Sohn, gebenſcht ſeien Deine Worte!— ich will ſie mir behalten im Gedächtniß und will ſie Dir ſagen vor alle Tage in der Woche, wenn ich Dich ſehe ſo finſter und ſo traurig kommen durch die Stadt!“
„Und warum bin ich finſter und traurig?“ fragt Ruben,„weil ich bin ein ſchlechter Menſch, weil ich nicht einſehe, daß Gott— boruch hu— mich hat ganz beſonders lieb, daß er mir hat gegeben
*) Bei den Karaiten geſchieht dieſe Segnung erſt nach dem Mahle— bei den anderen Juden gleich nach Beendigung des Gottesdiezſſtes in der Synagoge.
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zwei geſunde Arme— nicht zu gehen aufs Land, um zu handeln, ſondern zu arbeiten, wie haben gethan unſere Vorfahren im gelobten Lande, und daß er mir hat gegeben eine Familie, für die ich mit ſeiner allgnädigen Hilfe werde ſorgen können bald ganz allein!“
Der junge Mann nnterbricht ſich— ſein Auge fixirt den Erd⸗ boden vor ſich, und ein zufriedenes, ſeliges Lächeln ſpielt um ſeine Lippen. Rahel ſieht ihn mit der größten Verwunderung an— ſie hat ihn nie ſo geſehen... was iſt denn geſchehen, um ihn mit einem Male ſo zu verändern?
„Werd ich gehen das nächſte Jahr nach Stettin,“ fährt Ruben fort,„vielleicht ſogar nach Berlin werd' ich gehen, und werd’ verdie⸗ nen eben ſo viel und noch mehr, wie ich verdiene hier, und werd' ler⸗ nen mein Handwerk beſſer, wie alle Drechsler hier— und wenn ich's werd' haben gelernt, werd ich kommen zurück und...“
Und wiederum unterbricht ſich der junge Mann und lächelt vor ſich hin, als wenn irgend ein glücklicher Gedanke ſeine ſonſt ſo be⸗ trübte Seele umſchwebte.
„Ruben, mein Kind,“ ſagt Rahel,„ich höre zu mit Freud und Vergnügen, wie ein Strahl von Hoffnung auf die Zukunft iſt gekom⸗ men mit einem Male in Dein Herz,— aber— willſt Du mir nit ſagen, wie Dich Gott hat geſegnet, und wie er Dir hat gegeben neuen Muth und neues Vertrauen?“
Ruben ſchlägt die Augen nieder und erröthet... er zaudert zu autworten— und als er ſich endlich ermannt hat und Worte gefun⸗ den zu haben ſcheint, da klopft es an die Thür, und auf der erſtaun⸗ ten Rahel Hereinrufen tritt jener ältliche Jude, den Meier am ſelben Morgen bei der feierlichen Inauguration der kurzen Straße Abraham nannte, herein, und mit einem freundlichen„Gut Schabbes“ reicht er Rahel die Hand.
Dieſe legt, ohne daß der Ausdruck des Erſtaunens von ihren Zügen gewichen iſt, ihre Hand in die des Grüßenden.
„Gut Schabbes, Reb Abraham,“ ſagt ſie— und ſchmerzlich lächelnd, ſetzt ſie hinzu:„kann ich mich doch kaum entſinnen, daß ä Jüd aus der Kille iſt gekommen am Schabbesabend, zu ſehen, ob die Verlaſſene iſt am Abend des Herrn ebenſo traurig wie an den andern Tagen ihres Lebens*
„Ich komm, mit Euch zu ſprechen von ernſten Dingen, Rahel,“ erwidert Abraham,„und deshalb komm' ich zu Euch am Schabbes⸗ abend, damit der Herr Euer Herz zur Vernunft öffne und meine Worte Euch überzeugen...“
Ruben ſteht auf, um das Zimmer zu verlaſſen, doch Abraham, nach einigen Augenblicken Zögerns, macht ihm ein Zeichen.
„Du kannſt bleiben, Ruben, ſagt er,„Du kannſt hören meine Worte— die Gojim ſagen, daß Du ein rechtſchaffener Menſch biſt, — ich kenne Dich nicht; aber wenn Du biſt wirklich das, was die Gojim ſagen, wirſt Du mir helfen, Deine Tante zu überzeugen!“
Einige zwanzig Jahre vor der Zeit, wo unſere Erzählung ſpielt, war Rahel Bentheim in Ragiwen und in vielen umliegenden Städten von Juden und Chriſten nur unter dem Namen:„die ſchöne Rahel“ bekannt— jetzt, wo ſie ſchon nahe an vierzig Jahre alt war und ein herber Kummer ſeit langen Jahren an ihrem Leben genagt zu haben ſchien, war ſie vollſtändig verwelkt, und man mußte genau ihr bleiches Geſicht betrachten, um nur Spuren der frü⸗ heren Schönheit darauf zu entdecken. Doch es gibt im Leben all jener Unglücklichen, auf welchen Gottes Hand ſchwer geruht, Augen⸗ blicke, wo ſie gewaltſam aufgerüttelt werden, wo neues Leben und neue Jugend mit einem Male in ihren Adern zu fließen ſcheint und für Minuten ihnen ein ganz anderes Anſehen gibt. Solch ein Seelenwandel fand bei den Worten Abrahams in Rahel ſtatt— ihre Wangen rötheten ſich, ihre faſt immer halb geſchloſſenen
Augen öffneten ſich weit und warfen einen fieberhaften Glanz, und
ihre ſonſt ſo gebeugte Geſtalt erhob ſich nicht ohne Würde und Majeſtät.
„Abraham,“ ſagte ſie mit feſter, entſchiedener Stimme,—„ſeit Jahren hat man mich in Ruhe gelaſſen, und ich hatte die Hoffnung, daß man mich auch ferner in Ruhe laſſen werde— und wenn ich an alle in der ganzen Kille gedacht hätte, die mich aus dieſer Ruhe hät⸗ ten ſtören können,— ich ſage es Euch vor Gott, Abraham, an Euch hätte ich nie gedacht; denn ich glaubte, Ihr würdet vergangene Zeiten doch nicht vergeſſen— und wenn alle ſich kalt von meinem Schmerze abwandten oder ihn verhöhnten, dann dachte ich doch nie, daß Ihr, Abraham, mit den anderen Gemeinſchaft machen würdet!“
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