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liche, dichter bevölkerte Hamburg. Da die Hamburger Hälfte an dem breiten Fahrwaſſer der Norderelbe liegt, ſo finden ſich auf Finkenwer⸗ der noch mehr„Fahrensleute“ d. h. Fiſcher und Schiffer als auf der erſtbeſchriebenen Inſel. Als kühne Lootſen wetteifern ſie mit den unternehmenden Einwohnern von Blankeneſe, am anderen Elbufer, und ſchwärmen weit hinaus in die Nordſee. Ihre Fahrzeuge bauen ſie ſelbſt auf zwei Werften, und außerdem noch manches größere Schiff für Hamburger Kaufleute. Ueberall hängen Segel und Netze zum Trocknen; lange Schnüre mit kleinen, aneinandergereihten Fiſchen ſchaukeln im Winde und ziehen ſich von Baum zu Baum.
Manches wäre noch zu ſagen von der Rangordnung der Bauern, die ſich ſcheiden in: Vollhöfner, Halbhöfner, Viertelshöfner, Großköth⸗ ner, Köthner, Anbauer und Häuslinge, unter ſich verkehren und gleich und gleich heirathen, bis einmal die ungeſtüme Liebe der Jugend die chineſiſche Mauer der Vorurtheile durchbricht und dennoch eine„Miß⸗ heirath“ zu Stande kommen läßt; aber der Raum geht zu Ende und ſo verſchweige ich auch den Reſt unſerer eigenen kleinen Erlebniſſe, bis
der Tag ſich neigte und ein Dampfboot der Vaterſtadt ihre Söhne wiederbrachte.— Mitleidig hüllte uns die Abenddämmerung in ihre Schleier und erſparte uns die Beſchämung über den wenig ſalon⸗ fähigen Zuſtand unſerer Füße.— 8
Die Zeichnung iſt eine Skizze von der Inſel Neuhof, wo ich
einige Tage bei einem alten Fiſcher zubrachte. „Der flickte ſingend die Netze Und trieb ſein Handwerk ohne Harm Als beſäß' er köſtliche Schätze.“
Er tiſchte auf, was er hatte und die Preiſe waren von einer vorſündflutlichen Billigkeit. Dazu erzählte er alte Geſchichten aus ſeiner Jugend, was ihm vor fünfzig Jahren in Hinterindien paſſirt war, als er noch unſtät die Welt durchirrte als ein Matroſe, wie jetzt ſein Sohn, der gerade zum Beſuch auf Neuhof war und ſich's wohl ſein ließ im väterlichen Hauſe, ohne einen Finger zur Arbeit zu rüh⸗ ren, denn das thut ein richtiger Seemann nicht,— bei den„Landratten“.
A. Mosengel.
Tine Kudienz bei Vio Nono.
Von Conſtantin Diſchendorf.
Zu Anfang dieſes Jahres“) unterhielt ich die Leſer dieſer Blätter von jener Wanderung nach dem Sinai, an die ſich die Auffindung der älteſten aller noch vorhandenen Urkunden vom heiligen Schrift⸗ texte anknüpft. Dieſe Wanderung ſtand in engem Zuſammenhang mit vielen anderen, die ich ſeit dem Jahre 1840 unternommen habe. Das Ziel, das ich dabei zumeiſt verfolgte, waren dokumentliche Bibel⸗ forſchungen. Von den reichen Erfolgen, die ſie begleitet, nimmt die genannte Entdeckung die erſte Stelle ein; die Sinaibibel gewährt nicht nur die wichtigſten Aufſchlüſſe über die früheſte Geſchichte des heiligen Textes, ſie iſt auch für die Herſtellung des letztern ſelbſt von der höchſten Bedeutung. Als ich nun unlängſt daran ging, mit Zu⸗ grundelegung der Sinaihandſchrift und unter Benutzung ſämmtlicher Hilfsmittel, die theils durch mich, theils ſchon früher gewonnen worden ſind, eine Reform des neuteſtamentlichen Textes, zunächſt in der Originalſprache, auszuführen, fiel es mir ſchwer aufs Herz, daß über diejenige Urkunde, welcher der nächſte Rang nach der ſinaitiſchen gebührt, ich meine die vatikaniſche, noch immer ſo große Unklarheit vorlag. Noch immer, trotzdem daß der gelehrte Cardinal Angelo Mai in päpſtlichem Auftrage zwei Ausgaben davon veranſtaltet hatte.
Ich beſchloß, die Hebung des Uebelſtandes anzuſtreben. Wie ſchwierig dies Unternehmen war, wußte ich ſehr wohl. Wer Rom
und ſeine Verhältniſſe kennen gelernt, der weiß auch, daß es kaum
eine Bibliothek in der Welt gibt, deren Schätze ängſtlicher und eifer⸗ ſüchtiger gehütet werden, als die des Vatikans. Dieſen Ruf, den die päpſtliche Bibliothek ſchon längſt hat, beſtätigte mir die eigene Er⸗ fahrung im Jahre 1843. Schon damals pilgerte ich zur ewigen Stadt um der reichen Vatikana willen, und zwar hatte ich ſchon da⸗ mals mein Augenmerk auf die vatikaniſche Bibel gerichtet. Ich kam von Paris mit einem nachdrücklichen Empfehlungsſchreiben Guizots an den Grafen Latour⸗Maubourg, ſogar mit einem offenen Hand⸗ billet des Erzbiſchofs von Paris Denis Affre an Gregor XVI. Und von der Heimat aus geleiteten mich huldreiche Schreiben des ebenſo hochherzigen als gelehrten Prinzen Johann an die Cardinäle Mai, Mezzofanti und Corſi. Was war die Frucht davon? Der leut⸗ ſelige Greis auf St. Peters Stuhl faßte ein perſönliches Intereſſe für mich; er ſprach mir rückhaltslos ſeine Anerkennung aus, ſelbſt als er die entſchieden proteſtantiſchen Grundſätze meiner Kritik geleſen und mir ſelber vorgeleſen hatte. Ja, der Papſt begriff nicht, daß es mir auf ſeiner eigenen Bibliothek am vollen Entgegenkommen Seitens der Cuſtoden fehlte, und verfügte ſich wenig Stunden nach der mir geſchenkten Audienz in höchſteigner Perſon in jene Prunkgemächer ſeines Palaſtes, die den Namen der vatikaniſchen Bibliothek führen, um daſelbſt die Sache ſeines„bravo Signore Professore“ zu erkun⸗ den und zu befürworten. Allein der Miniſter⸗Staatsſecretär, der zugleich oberſter Bibliothekar war, Cardinal Lambruschini, hatte Sr. Heiligkeit das Prävenire geſpielt. Derſelbe theilte nicht im geringſten Gregors Geſchmack und Toleranz und hatte ſelbſt dem franzöſiſchen Botſchafter gegenüber nicht gezögert, die Mittheilung
*) Siehe Jahrgang 1866, Seite 207.
der Handſchrift an mich zu verweigern. Daß er es unter ausdrück
licher Berufung auf Gregors Willensmeinung gethan, war freilich nich
ehrlich geweſen. Aber, ſo conſtitutionell war die römiſche Curie ſeinem Miniſter wagte Gregor nicht zu widerſprechen. Was auch ſonſt für Ausnahmen für mich gemacht wurden, die vatikaniſche Bibel verblieb dem geheimen Cabinet, nur daß ich, um einige Zeilen durchzuzeichnen, zweimal drei Stunden lang das geheimnißvolle Buch wirklich in Händen halten durfte.
Trotz der Erfahrungen vom Sahre 1843 hatte ich jetzt gutes Vertrauen auf neue Schritte. Pio Nono hatte mir ein Gratulations⸗ ſchreiben über die En deckung der Staaibibel geſandt, und nach⸗ dem er zwei Jahrr ſpäter die Prachtausgabe derſelben vom Kaiſer Alexander II. zum Geſchenk erhalten, hatte er mir darüber von neuem geſchrieben mit gem vollſten Ausdrucke ſeiner Anerkennung und ſeiner „Bewunderung.“ Die„Bewunderung“ galt der Ausführung des Werkes, durch welche das Original den Gelehrten aller Orten gleich⸗ ſam vor die eigenen Augen gelegt werde; die Anerkennung enthielt aber zugleich eine Hindeutung darauf, wie verdienſtlich es ſei, ähn⸗ lichen Arbeiten nachzugehen. Ich hatte hiermit einen vortrefflichen Anknüpfungspunkt gewonnen. Daß es nicht zum Ziele führte, wenn ich ihn ſchriftlich nützen wollte, ergab ſich bald. Ich ging daher An⸗ fang Februar dieſes Jahres ſelbſt nach Rom.
Von zwei Seiten ſicherte ich mir eine diplomatiſche Vertretung beim päpſtlichen Stuhle, die von Seiten der beiden Botſchafter da⸗ ſelbſt, des franzöſiſchen und des öſterreichiſchen. Bei dem erſteren knüpfte ich damit an 1843 wieder an, ſo viel ſich auch ſeit jener Zeit in den Perſonen und Verhältniſſen an der Seine verändert hatte.
Als ich am 19. Februar in Rom ankam, hatten ſchon die Oſter⸗ pilger ihren Zug nach der heiligen Stadt begonnen. Er wuchs in dieſem Jahre zu einem Umfange an, wie ihn Rom lange nicht ge⸗ ſehen. Manches fromme Gemüth, ſo ſagte man ſich wenigſtens, mochte kein Jahr mehr dem Drange der Sehnſucht gebieten, weil es nicht ſicher ſchien, daß das Schwert des Schutzengels auf der Burg noch lange ſiegreich bleiben werde über das drohende Schwert Ita⸗ liens. Dennoch kann man, und mir geſchah es beſonders zu Neapel, leicht zu der Anſicht verführt werden, daß die neue Spada d'Italia trotz dem und dem nicht gerade vom ſtärkſten Metall geſchmiedet wor⸗ den. Aber eben der wachſende Zudrang zu St. Peter und zum Vatikan, der den Papſt ſelbſt inſofern berührte, als er ihn zu Audienzen mit und ohne Peterspfennig drängte, mahnte mich, die Schritte in meiner eigenen Sache zu beſchleunigen.
Graf Sartiges, der franzöſiſche Botſchafter, den ein langer Aufenthalt zu Rom mit den Verhältniſſen daſelbſt ſehr vertraut ge⸗ macht, war nicht ſonderlich von dem Auftrage erbaut, den deutſchen Gelehrten mit ſeinem Anliegen bei der Curie zu vertreten. Er hatte mehr als hinreichenden Grund dazu. Geht doch ein kluger Diplo⸗ mat nur Wege, auf denen ſein Fuß nicht ſtrauchelt; eine Erfahrung aber, die derſelbe kurz vorher gemacht hatte, ſtrich gerade den Weg, wohin mein Anliegen lockte, aus der Reihe der gangbaren. D Erfahrung ſelbſt iſt zu Wharakteriſtiſch fünnom, als daß i
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