ganzeg zufielen, muß ich meine Bereiſung der ganzen norddeutſchen das vſte hervorheben, welche den Zweck hatte, ein gemeinſames Ver⸗ fortſ digungsſyſtem für alle deutſchen Küſtenſtaaten zu ermitteln. Ich unnn Ihnen nicht ſagen, von welcher Himmelsgegend das befürchtete „ tiigewitter heraufzog, welches dieſen Plan nothwendig machte, es ge⸗ üge Ihnen, zu erfahren, daß mir die größte Eile aufgetragen wurde, unpohl von der Preußiſchen Regierung, als auch vom Bunde ſelbſt. V ah gebe Ihnen mein Wort, daß ich rüſtig ans Werk ging, und daß 8— meine Entwürfe, welche durch Marine⸗ und Ingenieurofficiere bis A us kleinſte Detail ausgearbeitet waren, ſo ſchnell es mir factiſch Acgend thunlich war, der hohen Geſellſchaft überreichte. Ich muß ihr — ſs Gerechtigkeit widerfahren laſſen, anzuerkennen, daß ſie stante pede 8 le Commiſſion ernannte und derſelben meinen Entwurf, in Betracht 41 Dringlichkeit der ganzen Sache, zur ſchleunigen Erledigung Niempfahl. Nun rathen Sie, Herr Doctor, wie lange man auf dieſe dachleunige Erledigung“ wartete, ohne das Geringſte davon zu bren?“ 8,„O Excellenz! ich habe ſo viel von der ſchneckenartigen Be⸗ hendigkeit des früheren Bundestages gehört, daß ich mir recht gut das denken kann. Sechs Monate vergingen ſicherlich darüber!“ hab⸗ O Sie verläumden den Bundestag!— ſagtzechs Monate? Wie wäre das möglich? Drei Jahre, Herr Doc⸗ Sa Drei Jahre dauerte es, ehe man ſich entſchließen konnte, Adet Sache in Angriff zu nehmen. Da trat endlich die Bundescom⸗ Güiſſion in Hamburg zuſammen, mit welcher ich nochmals die Küſte Dſoereiſte, und nachdem alles von ihr geprüft und erwogen, ſtimmte ſie ngtürlich, wie vorauszuſetzen, in ihrer Majorität gegen alle preußi⸗ mfrhen Vorſchläge und beſonders gegen den einer deutſchen Flotte unter „greußens Führung! Und ſo blieb alles beim Alten, d. h. ſo ſchlecht mtheje es war,— denn welcher Art die Küſtenbefeſtigungen noch vor bit enigen Wochen waren, das hat die Wegnahme von Stade und Zeeſtemünde am beſten gezeigt!“. gel„Ja, es iſt ein Glück,“ ſagte ich,„daß Deutſchland von dieſen H Flp, der es erdrückte, befreit iſt. Wir können Gott danken, daß wir an plange Jahre in Frieden mit dem Auslande gelebt haben! Was zwiſeete im Falle eines Krieges aus unſern Küſtenländern geworden?— dem zehh haben Excellenz keinen Theil an dem bald darauf folgenden ſchienhleswig⸗Holſteiniſchen Krieg genommen?“ an ſi„Einen ſehr unbedeutenden, und der durch politiſche Rückſichten in doch mehr beſchränkt wurde. Als nach der Erſtürmung von Düppel an ſerſchiedene Perſonalveränderungen in der Operationsarmee in Schles⸗ — ng und Jütland ſtaetfanden, wurde ich zum Chef des Generalſtabes im r ,—= Soynle ai⸗:.. d 3 erſelben beſtiweanr“ tte mit dem Feldmarſchall einen Plan zur oriennndung auf Fühnen. arbeither damals ſehr wohl ausführbar war, man ler nur mit neh augſterreicher bewerkſtelligt werden konnte, da . Hilf⸗— 3 ch 3 g. 4 A9 groſſerade die Prrgſchen Streitkräfte im Sundewit und in Jütland, len Oeſtflene A-winz ſtanden. Dem Feldmarſchall⸗ farbütenan Gaotenz wuroc der erbefehl über ei aus beiden ge— wſchtes Corps angeboten, aber wie ſehr dies und überhaupt das Wag⸗ eeß der Expedition auch dem unternehmenden Sinn jenes trefflichen Fenerals zuſagten, ſo lag doch dieſe Landung zu wenig im ſpeciellen Intereſſe des Wiener Cabinets, als daß dieſelbe zur Ausführung ge⸗ angt wäre.— Es blieben daher nur der Angriff auf Alſen und die vollſtändige Beſetzung Jütlands als letzte Zwangsmittel gegen die in Copenhagen uns unerreichbare däniſche Regierung. Sie wiſſen, wie Prinz Friedrich Carl, der den Oberbefehl übernommen hatte, beides ausführte und den Krieg ſo rühmlichſt beendete!“ 3 „Und nun Excellenz,“— ſagte ich, indem ſich meine ganze Auf⸗ merkſamkeit ſpannte,—„jetzt ſtehen wir vor dem bedeutendſten Ereig⸗ miſſe Ihres Lebens 2 Aund Sie werden von mir gewiß keine Details über den böhmiſchen Feldzug verlangen,“ erwiderte der General einfach. ba Ich ſchwieg!— ich verſtand dieſe ſo richtig gefühlte Ant⸗ in wort,... und doch hätte ich für mein Leben gern gerade ihn von ge dieſem Siegeszuge in Böhmen ſprechen hören.. ſte 5„Ja,“ ſagte er,—„es iſt ſchön, wenn der Herr einem Manne ſi den Lebensabend ſo erhellt, wie er es dem Könige und vielen ſeiner g Generäle gethan;— auch ich bin jetzt ſechsundſechszig Jahre alt, und de für mein Wirken in dieſem Leben habe ich einen ſo herrlichen Lohn trhalten, wie wohl wenige Menſchen! Wir haben einen Feldzug ge⸗ rart, der für Preußen, für Deutſchland, für die Welt eine unermeß⸗ — wtung hat. Gottes Gnade hat unſer redliches und thaten⸗ —— X
kräftiges Streben mit glorreichen Siegen belohnt. Wir alten Leute aus dem böhmiſchen Feldzuge, wir können uns rühmen,— welche harte Kämpfe wir auch in unſerm früheren Leben durchgekämpft haben—, dennoch des Glückes Schoßkinder zu ſein.“
„Excellenz,“ ſagte ich nach einigen Augenblicken Stillſchweigens, indem ich mein Taſchenbuch zog und es öffnete,—„ich las vor einigen Tagen den von Ihnen redigirten Bericht des Preußiſchen General⸗ ſtabes über den Feldzug in Italien 1859, und ein Satz in dieſem ausgezeichneten Werke frappirte dermaßen meinen Geiſt, daß ich ihn niederſchrieb.“— Und ohne zu erwarten, daß der General mir die Erlaubniß dazu gab und mit der geheimen Hoffnung, die Unterredung wieder auf den böhmiſchen Feldzug zu bringen, las ich:„Gewiß ſind der Einſicht Kaiſer Napoleons die großen Bedenken, welche den Hoffnungen auf Erfolg ſeines Planes gegenüber ſtanden, nicht ent⸗ gangen. Allein er durfte ſeinem Heere vertrauen, handelte ſchnell, — überraſchend— kräftig; und dem ſo Handelnden fallen meiſt immer die Vortheile zu, welche dem Abwartenden entgehen.“ „Klingen dieſe Worte, die Sie vor beinahe fünf Jahren ſchrieben, nicht prophetiſch, Excellenz?“
„In der That, ſo iſt es!— Es iſt dies ſtets meine Meinung geweſen, und ihre Gültigkeit hat ſich bewieſen. Zwei Rückſichten ſind für den Ausgang der Sache nächſt Gottes Beiſtand und der Tapferkeit der Soldaten und ihrer Führer entſcheidend geworden: die urſprüng⸗ liche Vertheilung unſerer Streitkräfte auf den verſchiedenen Kriegs⸗ theatern und ihre Verſammlung auf dem Schlachtfelde. Offenbar war Oeſterreich der mächtigſte und der vorbereitetſte unſerer Gegner; mit ſeiner Niederwerfung mußte das Bündniß aller übrigen Feinde Preu⸗ ßens von ſelbſt auseinanderfallen, die zwar gegen uns einig, unter ſich aber uneinig,— ohnehin noch nicht einmal verſammelt waren. Es war eine kühne, aber für den Ausgang des ganzen Feldzuges ent⸗ ſcheidende Maßregel, daß gleich anfangs alle neun Armeooerns een dem Centrum der Monarchie in Bew⸗ rven, inden„a⸗ litiſche Verhältniſſe uns er, ven Schutz der 5., n⸗ provinzen einem gleichſam improviſirten Heere anzuvertrauen und da⸗ mit den Kern der ſpäteren Mainarmee zu bilden. Doch der Trans⸗ port von 285,000 Mann war in der gegebenen kurzen Friſt nur durch gleichzeitige Benutzung aller Eiſenbahnlinien zu ermöglichen; dieſe enden aber bei Zeitz, Halle, Herzberg, Görlitz und Freibura an der Landesgrenze. Dort mußten die zuerſt Anlangenee or Weiſe das Eintreffen der letzteren abwarten, um die Corps miren. Gar mancher richtig urtheilende Militär mag erſchrraen ve⸗ weſen ſein über die Zerſplitterung der Streitkräfte auf einer Linie von 50 Meilen, denn faſt einſtimmig täuſchte man ſich über unſere Bewegungen und hielt für ſtrategiſchen Aufmarſch das, was nur Vor⸗ bereitung zu demſelben war, und man ſing erſt an, den Irrthum zu erkennen, als durch kräftige Fußmärſche ſich bald die vereinzelten Corps in drei große Heereskörper vereinigten. Eine andere geographiſch ge⸗ botene Nothwendigkeit, die faſt niemandem und beſonders dem Publikum nicht auffiel und die durch keinerlei Anordnung umgangen werden konnte, war, daß die Oeſterreicher in Böhmen gleichſam auf unſe⸗ rerinneren Operationsliniezwiſchender MarkBran⸗ denburg und Böhmen ſtanden, und daß ſowohl Berlin, als auch Breslau durch ſelbſtſtändige Armeen geſchützt werden mußten, und nur eine Vereinigung nach vorwärts der beiden hierzu beſtimm⸗ ten Armeen konnte dieſen Uebelſtand verhindern; dieſe Vereinigung— ein Blick auf die Karte kann Sie leicht überzeugen— war nur in Feindes Land mäöglich.... und das war der Krieg, den man mit aſt ebenſo vieler Energie zu verhindern ſtrebte, als man ſich auf bei⸗ den Seiten dazu rüſtete. Hohe, achtungswerthe„ gewichtige Stimmen hatten ſich hören laſſen und meinten, daß in einem deutſchen Kriege Preußen nicht den erſten Schuß than dürfe; allein der König, nach⸗ dem er alle ſeine Räthe gehört hatte, erkannte glücklicherweiſe, daß jedes weitere Abwarten den Staat in wirkliche, handgreifliche Gefahr brächte. Da ergriff er die Inikative des Handel n8, ſowie Oeſterreich die der Rüſtungen ergriffen hatte, und durch dieſen Act ſchrieb er für die ganze Folge dem Gegner das Geſetz vor. Ich habe die feſte, unumſtößliche Ueberzeugung, daß, wenn man das Ueberſchrei= ten der ſächſiſchen Grenze nur um wenige Age verzögert hätte, wir heute die Schlachtfelder des verfloſſenen ndes auf der Landkarte von Schleſien ſuchen müßten. Es war ein kihner und glücklicher
ür die künf⸗ ug, und ſein ſo treffliches Gelingen ein gutes Omen für die hui⸗ Erfolge. Nun aber mußte marſchirt woͤden— und das
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